familiae praesertim uxori meae
1. Die Ehe - ein Sakrament
Je weniger man den Begriff Sakrament braucht und "doch das 'sakramentale' Wesen eines Heilszeichens in der Kirche erfaßt und erlebt, um so besser ist es", konstatierte bereits 1967 Karl Rahner gerade im spezifischen Blick auf die Frage nach dem dogmengeschichtlichen Befund des Ehesakraments.(2.*)
In seinem rund hundert Seiten langen Brief an die Familien vom 2. Februar 1994 spricht auch der Papst auffällig wenig und gleichsam nur en passant von der Ehe als Sakrament.(3.*) Zweifellos ist er aber, wie es übrigens auch Rahner immer war, selbstredend der Ansicht, daß die Ehe tatsächlich ein Sakrament sei. Insgesamt fällt der Begriff gut ein dutzendmal.(4.*) Dennoch lassen sich eine Reihe ehetheologischer Implikationen ausmachen, die es wert sind, entfaltet und unter dogmatischer Perspektive reflektiert zu werden. Dabei soll nach der innersten Mitte von christlicher Ehe gefragt werden und nach sonst nichts. Andere brisante Problemzonen, die sich jedem, der sich auch nur ein wenig auskennt, bei der Lektüre vor den Blick kommen, ja geradezu aufdrängen, müssen hier notgedrungen außen vor bleiben. (weiter im Heft)
Fußnoten: (1.*) Der vorliegende Beitrag stellt eine jener Disputationsgrundlagen dar, die im Rahmen meines Habilitationsverfahrens (Fach Dogmatik und Dogmengeschichte) vorzubereiten waren. Die Habili- tation konnte im WS 1994/95 an der katholisch-theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum erfolgreich abgeschlossen werden. (2.*) Karl RAHNER: Ehe. In: Ders.: Praxis des Glaubens. Geistliches Lesebuch. Hrsg. von K. LEHMANN und A. RAFFELT. Zürich/Freiburg u.a. 31985, 320 - 326, hier 323. Obwohl er dieses kritische Resümee in seinem Grundkurs des Glaubens nicht wiederholte - wenngleich gerade das über Ehe Gesagte in langen Passagen wörtlich mit dem übereinstimmt, was er dazu im achten Band seiner Schriften zur Theologie schon längst ausgeführt hatte -, ist es doch unstrittig, daß Karl Rahners Sakramententheologie generell wie seine Ehetheologie speziell durchgängig von dieser dogmengeschichtlich verifizierten und vornehmlich ekklesiologisch begründeten Option geprägt ist. DERS.: Die Ehe als Sakrament. In: Schriften zur Theologie. Bd. VIII. Hrsg. von dems. Einsiedeln u.a. 1967, 532 - 540, hier 535; Erstveröffentlichung in: Geist und Leben 40 (1967) 177 - 193, hier 190. (3.*) Papst JOHANNES PAUL II.: Brief an die Familien. 2 Februar 1994. Hrsg. von Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn 1994 (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 112). Hier stets zitiert nach AAS 86 (1994) 868 - 925 (Seitenzahl in Klammern hinter der Nummer). Die deutsche Übersetzung ist an vielen Stellen ungenau und irritierend, an einigen sogar fehlerhaft. Z. B. Nr. 13 (892): "Sexus securus" wird als "sichere Sexualität" übersetzt, gemeint ist aber "safe sex" (so auch in der englischen Übersetzung), der sogenannte "sichere Sex"; in Nr. 15 (898) wird behauptet: "Denn die Person ist ein Subjekt, und das ist auch die Familie". Tatsächlich drückt sich der Papst aber vorsichtiger aus: "Nam persona est subiectum aliquod aeque ac familia." Nr. 20 (917): Der Satz "Etenim multo ipse est plus, uti ex anima corporeque constans, uti persona, uti unum compositum anima et corpore" wird rein komparativisch übersetzt, ohne den kausalen Zusammenhang auszudrücken. "Er ist weit mehr als psychophysische Einheit, als ein Wesen aus Seele und Leib, als Person." Richtig wäre gewesen: Er ist weit mehr, weil er als Geist-Seele und Leib, als Person, als ein Wesen aus Seele und Leib existiert. (4.*) Nr. 7, 8, 10, 11 (Sakrament allgemein), 14 (Bußsakrament), 15, 16, 18, 19, 20. Wer das aktuelle, kontrovers geführte Gespräch innerhalb wie außerhalb der katholischen Kirche über die Ehe verfolgt, weiß, wie erhellend, ja notwendig es wäre - gerade aus dogmatischer Perspektive einmal die ehetheologische Position Karol Wojtylas mit der Karl Rahners zu vergleichen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Überlappungen und Gegensätze herauszuarbeiten.