Denken - Lesen - Beten
Interpretation - Teilnehmen des Menschen an der Kunst Gottes
von Lydia Bendel-Maidl
Kurzinhalt - Summary:
Die Aussagen des Thomas von Aquin zur Schriftinterpretation, zur
Erkenntnis und zum Gebet weisen den Gedanken der Interpretation als zentrale
Kategorie seines Denkens auf. Thomas versteht unter Interpretation den für den
Menschen konstitutiven Vollzug sensiblen Vernehmens und Ausdrückens der
Wirklichkeit. Sie ist dadurch ermöglicht, daß Gott sein schöpferisches Wort
gesprochen hat, daß er in Dialog mit uns ist: mittels des Geschaffenen, mittels
der Worte seiner Offenbarung, im Heiligen Geist. Menschliche Interpretation ist
der Versuch, dieses Wort Gottes auszumessen, ist Eintreten in diesen Dialog.
Thomas Aquinas' considerations on interpretation of
Scripture, on cognition and on prayer imply the idea of interpretation as a
central category of his thinking. According to Thomas, interpretation means the
sensitive perceiving and expressing of reality as constitutive to human beings.
It is made possible by God's creative word and his dialogue with us: by means
of the created world, the words of his revelation, in the Holy Spirit. Human
interpretation is the attempt to gauge the word of God and to enter into this
dialogue.
Vor dem Studium soll Thomas von Aquin gewöhnlich so gebetet haben:
"Schenke mir, Gott, beim Erkennen Scharfsinn, beim
Behalten Merkfähigkeit, beim Hinzulernen Weite und Leichtigkeit, beim
Interpretieren feines Gespür und beim Formulieren die Gnade, mühelos die
rechten Worte zu finden."
Der Beter[1] fängt
in diesen Bitten ein, was ihm für ein fruchtbares Studieren wichtig ist, zugleich
zeichnet er den Prozeß seines Arbeitens. Der Aspekt des Interpretierens sei
herausgegriffen, denn er ist für Thomas in verschiedenen Zusammenhängen
bedeutsam. Von seiner frühesten Zeit als junger Lehrer in Paris 1256 bis hin
zu den letzten Äußerungen im Jahr vor seinem Tod erweist sich "Interpretatio"
geradezu als Schlüsselbegriff für einen ihm wesentlichen Vollzug, für das
Gebet. Interpretieren ist generell nach Thomas ein grundlegender Akt des
Menschen; als These formuliert: Interpretieren bedeutet Teilnehmen des Menschen
an der Kunst Gottes.
Die Etymologie des Wortes Interpretatio(n) ist
umstritten; sprachgeschichtlich ist es das lateinische Äquivalent des griechischen
Wortes "hermeneia". So gibt Thomas den Titel der aristotelischen
Schrift "Peri hermeneias" mit "De interpretatione"
wieder. Die Wurzel des griechischen Wortes ist aufschlußreich: Hermes, der
Götterbote, richtet die Botschaften der Götter den Sterblichen aus. Die
Hermeneutik als die Kunst "des Verkündens, Dolmetschens, Erklärens und
Auslegens"[2] wurde
in der Philosophie des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Ansatz[3].
Als wichtige Quelle wurde dabei auch die Erfahrung der Kunst befragt[4].
In seinen höchst anregenden Überlegungen zu einer ästhetischen Theorie
schreibt Theodor W. Adorno: "Die Werke, vollends die oberster Dignität,
warten auf ihre Interpretation[5]".
"Durchs Verstehen jedoch ist der Rätselcharakter nicht ausgelöscht. Noch
das glücklich interpretierte Werk möchte weiterhin verstanden werden, als
wartete es auf das lösende Wort, vor dem seine konstitutive Verdunklung
zerginge."[6]
In der griechischen Welt war Hermeneutik zunächst an die
Sakralsphäre gebunden, "in der ein autoritativer Wille Maßgebliches
dem Hörenden eröffnete. Davon ist in dem heutigen wissenschaftstheoretischen
Bewußtsein nichts mehr lebendig, auch wenn die Hauptformen, in denen H. ihre
Ausbildung fand, die juristische Auslegung der Gesetze und die theologische
oder philologische Auslegung heiliger oder klassischer Texte, den ursprünglich
normativen Sinn durchaus noch implizieren."[7]
Wie sieht der Befund bei Thomas von Aquin aus?
In seinem Verständnis von Interpretation ist diese normative Komponente von
großer Bedeutung. Innerhalb der verschiedenen Zusammenhänge, in denen er von
"interpretatio" bzw. "interpretari" spricht, bildet der
Bereich der Bibelinterpretation einen Schwerpunkt; die fundamentale Aufgabe
des Theologen ist damit umschrieben. Normative Grundlage der Interpretation
kann aber auch das Glaubensbekenntnis (Symbolum) oder ein Gesetzestext sein.[8]
"Interpretatio" kann ebenso Übersetzung aus
einer Sprache in eine andere meinen, wobei Thomas als Kriterium angibt:
"Zeichen eines guten Interpreten /Übersetzers ist es, wenn er nicht auf
die Worte, sondern auf den Sinn achtet." Die Problematik, wie der
jeweilige Sinn erschlossen werden kann, ist impliziert. Thomas selbst bemühte
sich z. B. den Sinn einer Aussage aufzuspüren, indem er den ursprünglichen
Kontext einbezog, also weg von den Florilegien und hin zu den Originalquellen
ging[9].
Die Bezeichnung des Subjektes, der Terminus
"interpres", findet sich am häufigsten in Zusammenhang mit dem
Gebet: Das Gebet ist Interpret des menschlichen Sehnens.
Eine weitere Bedeutungsnuance erhält das Wort
"interpretatio", wenn es Thomas bei seiner Kommentierung der
erwähnten aristotelischen Schrift "Peri hermeneias" im sprachlogischen
Zusammenhang gebraucht.
Im Kontext der Schriftinterpretation ist es
offensichtlich: Der zu interpretierende Text ist als Wort Gottes normativer
Maßstab. Wie verhält es sich bei den beiden anderen von Thomas angesprochenen
interpretierenden Vollzügen, die für den Menschen von zentraler Bedeutung
sind, nämlich bei seinem Erkennen und Aussagen von Wirklichkeit und bei
seinem Gebet? Gibt es auch hier eine normative Grundlage, die es zu erschließen
gilt? Und wenn ja, auf welche Weise kann sie erschlossen werden? Kann somit Interpretieren als ein Grundvollzug
menschlichen Lebens angesprochen werden?
Bevor wir diesen Fragen in den Bereichen
"Denken" und "Beten" nachgehen, zunächst ein kurzer Blick
auf die "lectio".
I. Lectio -
Schriftinterpretation
Nach Thomas' Vorstellung "verfaßt" Gott die Schrift, um den
Menschen den Weg zu seinem letzten Ziel, zum Heil zu zeigen[10].
Daher inspiriert er den menschlichen Autor der jeweiligen biblischen Schriften
so, daß die ganze literarische Gestalt der Schrift auf "angemessene"
Weise[11]
der Wesensstruktur, Erkenntnisweise und Fassungskraft des Menschen
entspricht[12]. Der
Autor ist Instrument in der Hand Gottes; was er schreibt, versteht er in der
Tiefendimension, in der es späterer Zeit aufleuchten wird, oft selbst nicht.
Es gibt daher kein Problem bei der Entstehung, jedoch eines bei der Auslegung
der Hl. Schrift.
Zwar ist den Glaubenden durch Gottes Offenbarung
"gleichsam eine Einprägung des göttlichen Erkennens" gegeben[13],
und es ist ihnen so möglich, "mit den Augen Gottes auf Welt, Mensch und
Geschichte zu schauen und sie von Gott ausgehen und je auf ihre Art zu Gott
heimkehren" zu sehen[14].
Doch geschieht dies immer auf menschliche, also begrenzte und vermittelte
Weise, in der Form der Teilhabe und Annäherung[15].
Denn wir sind mit unserer Vernunft nicht fähig, das Göttliche auf einen
einfachen Blick (simplici intuitu) zu erfassen, sondern unsere genuine Weise
des Erkennens ist es, diskursiv vorzugehen, d. h. von Prinzipien zu Schlußfolgerungen
fortzuschreiten[16].
Aufgrund dieser in der menschlichen Natur angelegten Schwäche der Vernunft
muß die Theologie nach Meinung des Aquinaten nach den Gesetzmäßigkeiten einer
Wissenschaft konstruiert sein. Ihre Qualität hängt zu einem wesentlichen Teil
von der individuellen Begabung und der wissenschaftlichen Ausbildung des
Theologen ab[17].
Als Grundsatz der Schriftinterpretation gilt ihm: Bei
allen Texten der Bibel, selbst bei anstößigen - bei diesen hatte Augustinus es
abgelehnt - müsse der Literalsinn die Grundlage der Auslegung sein[18].
Um ihn zu erheben, tritt Thomas in kritischen Dialog mit der Tradition, die uns
Schrift und Glaube vermittelte; er vergleicht verschiedene Auslegungen oder
theologische Positionen, sucht nach Quellen und Informationen, die den
geschichtlichen Sinn und Hintergrund ausleuchten helfen[19].
Das Autoritätsargument ist ihm das schwächste, das Vernunftargument das
stärkste.
Auf der Grundlage des Literalsinnes gibt Thomas gemäß der
in die Patristik zurückreichenden Tradition des vierfachen Schriftsinnes
auch allegorische und typologische Deutungen. Weil Gott die "Dinge"
so ordnet, daß sie eine mehrstufige Verweisstruktur in sich tragen, haben die
beschriebenen Gegenstände, die Ereignisse und Personen - nicht die beschreibenden
Worte - Verweisfunktion, haben sie auch einen geistlichen Sinn[20].
In dieser organischen Verbindung der Lehre von den verschiedenen
Schriftsinnen mit seinem Gottesbild und seinem heilsgeschichtlichen Denken
besteht Thomas' originelle Leistung[21].
Jesus Christus, der Gottmensch, als die Mitte und Fülle der Zeit stellt den
Schlüssel für die Erschließung der Verweisstruktur dar[22].
Um die Schriften der Propheten und Apostel in dem Geist
auslegen zu können, in dem sie geschrieben wurden, d. h. soll auch ihre
heilsgeschichtliche Dimension erfaßt werden, bedarf es nach Thomas eines
"geistigen Lichtes" (lumen intelligibile), das dem menschlichen Geist
von Gott eingedrückt wird[23].
Dieses göttliche Licht nennt Thomas Weisheit[24].
Diese kann sich der Mensch durch Studium erwerben; "in einem gewissen
Maß" besitzen sie aber auch alle, die die "caritas", die
theologische Tugend der Liebe, besitzen[25].
Jedoch ist das "Überfließen" dieser Erkenntnis aus den höchsten
Gründen mit dem Ziel, andere zu belehren,[26]
ein besonderes Charisma (gratia gratis data), das Thomas als eine gewisse
Teilnahme am Prophetenamt sieht[27].
Wort Gottes, Offenbarung geschieht also geschichtlich,
heilsgeschichtlich. Sie ist dem Menschen vermittelt durch Menschenwort und
immer nur in den natürlichen Grenzen und auf die Weise menschlicher Vernunft
erfaßbar. Jede Zeit muß neu gemäß ihren Herausforderungen und ihren methodischen
und inhaltlichen Möglichkeiten den Sinn der Worte Gottes zu erschließen
suchen. Schriftinterpretation ist also eine Anforderung, die jede Zeit neu zu
leisten hat; sie ist dem Menschen möglich kraft seiner Vernunftbegabung; sie
ist stets notwendig aufgrund der Begrenztheit/Schwäche dieser Vernunft und
damit verwiesen auf Begabung, wissenschaftliche Ausbildung, auf den Dialog mit
anderen Positionen, Wissenschaften[28]
und Traditionen und: auf das Wirken des Heiligen Geistes[29].
Sie muß stets offen bleiben wegen der Unausschöpfbarkeit des Gegenstandes. Der
Umgang mit der Hl. Schrift kann daher nach Meinung des Thomas letztlich nur
interpretatorisch, nicht exegetisch (exponere) erfolgen. Das Interpretieren
einer Wirklichkeit unterscheidet er nämlich vom Auslegen (exponere)
dadurch, daß bei Ersteren immer ein Rest Unaussagbares, Unauslotbares bleibe.
Dies sei aber bei allem, was Christus betrifft, der Fall[30].
II. Interpretation als versprachlichte Erkenntnis
Das Bilden von Sätzen sieht Thomas als genuin für die Weise menschlichen
Erkennens[31]. In
seinem Kommentar zu "Peri hermeneias" - nach 1268 und vor 1271
begonnen - erläutert Thomas in Orientierung an Aristoteles nach Art einer
logischen Grammatik, was unter "interpretatio" zu verstehen sei: Nur
stimmliche Laute, die mit der Absicht oder Vorstellung, irgendetwas zu bezeichnen
(significare), hervorgebracht werden - nicht etwa natürliche Laute wie ein
Vogelgesang -, können Interpretationen genannt werden, denn es bedürfe immer
der Absicht, etwas darzulegen (exponere); Thomas präzisiert: darzulegen, daß
etwas wahr oder falsch sei. Interpretation könne sich daher nur in Form eines
Aussagesatzes (oratio enuntiativa) realisieren (nicht Substantiva oder Verba
noch Wunsch- oder Befehlssätze)[32].
Ein Satz ist nach Thomas ein künstliches, d. h. gemäß menschlicher Konvention
geschaffenes Instrument, mit dem der Mensch kraft seiner ratio und deren
interpretatorischen Kraft (virtus interpretativa) etwas geistig Erfaßtes
(mentis conceptum) interpretiert, d. h. sprachlich darlegt; dazu benutzt er
seine natürlichen Instrumente - Kehle, Zunge, Zähne...[33].
Mit diesen Ausführungen weist Thomas im Anschluß an
Aristoteles hin auf die Sprache als dem grundlegenden, dem Einzelnen von Kultur
und Gesellschaft vorgegebenen Instrumentar, mit dem er das von ihm geistig
Erfaßte ausdrücken kann. Kraft seines Verstandes bejaht und verneint der
Mensch (enuntiatio) und erkennt eine Sache dadurch, daß er das, was sie ist,
urteilend von dem trennt, was sie nicht ist. Ein verstehendes Wesen ist der
Mensch, weil er seine Gedanken in Worte fassen kann, die er anderen Menschen
sagt, und den Sinn der Worte, die andere ihm sagen, zu erfassen vermag[34].
Das Auffallende an Thomas' eigenem Stil und seiner
Sprache ist, daß er sich am lebendigen Sprechen, am Sprachgebrauch seiner
Zeit orientiert[35]; er
sucht das Unauffällige und Gewohnte, entwickelt keine eigentliche
Terminologie. Er liebt es vielmehr, mehrere synonyme Ausdrücke nebeneinander zu
verwenden, denn er ist überzeugt, daß es einen schlechthin adäquaten, den
Sachverhalt ausschöpfenden Namen, der jeden Konkurrenten ausschließen könnte,
nicht gibt[36].
Die Interpretation im Sinne der Versprachlichung von
Erkanntem in einem Urteil ist also an die jeweilige Sprache gebunden. Zugleich
ist sie aber wegen der Gemeinsamkeit der Vernunft potentiell allen Menschen
zugänglich[37].
Wie steht nun die sprachliche Interpretation zur Wirklichkeit selbst?
Wahrheit, wie sie in der Interpretation ausgesagt wird, bestimmt Thomas als
Übereinstimmung des Intellekts mit der Sache (adaequatio rei et intellectus).
Menschliche Erkenntnis ist für Thomas nicht aus sich selbst wahr, sondern weil
und insofern sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt[38].
Der erkennende Geist empfängt sein Maß von den Dingen. Die geschaffenen Dinge
aber haben ihr Maß vom erkennenden Geist Gottes empfangen; dieser allein ist
maßgebend und nicht maßempfangend. Alles, was ist, ist zwischen den göttlichen
und den menschlichen Intellekt gestellt. Von Gott ist es actu, wirklich erkannt,
und darin gründet die prinzipielle Erkennbarkeit. Dem korrespondiert, daß die
Geistseele ihrer Natur nach mit allem Seienden übereinstimmen kann[39].
Interpretation ist also nur möglich, weil ein
"Inter", ein Zwischen gegeben ist: die Weltwirklichkeit ist zwischen
zwei Erkenntnissubjekte gestellt, zwischen den im strikten Sinn kreatorisch
erkennenden göttlichen Geist und den - wie in Teilhabe an einem Licht[40]
- mitvollziehend erkennenden kreatürlichen Geist[41].
Die menschliche Erkenntnis von Seiendem erreicht dann
ihre Spitze, ist also im Vollsinn Aussage über wahr und falsch, Interpretation,
wenn dieses Existenz und Erkenntnis begründende Erkanntsein und fortwährende
Erkanntwerden der Dinge durch Gott miterfaßt wird. Interpretieren bedeutet
dann in einem tiefen Sinn "Erkennen von Erkanntem"[42]:
Der Mensch erkennt die Dinge und zugleich sich selbst[43]
als von Gott fortwährend schöpferisch Erkannten und so im Sein Gehaltenen[44].
Wahrheit wird dann wirklich erfaßt, wenn beider, der erkennenden Seele und
der Sache Kreatürlichkeit erfaßt wird, denn darin sind beide geeint. Hans Georg
Gadamer weist in seinen Überlegungen zu einer heutigen Hermeneutik auf diesen
Zusammenhang hin, lehnt aber eine solche Sicht für einen heute Philosophierenden
ab, wäre hier doch eine "Sprache der Schöpfung vorausgesetzt, durch die
Gott zu uns spricht"[45].
Er begibt sich - ausweichend? - auf das Gebiet menschlicher Schöpfungen in
Kunst, Kultur, ja der Sprachlichkeit generell, in die "Sinn"
eingegangen sei, "den herauszulesen eine hermeneutische Aufgabe
ist."[46]
Thomas hält es für möglich, auch ohne das Fundament christlicher Offenbarung,
wenngleich nicht ohne irgendwelche Gnade, die Dinge als Schöpfung zu verstehen[47].
Dem menschlichen Vermögen, sich durch Interpretieren Welt
zu erschließen, als Schöpfung zu erschließen, mißt Thomas höchste Bedeutung
bei: Vernunft und Wille zeichnen den Menschen aus in seiner Würde als
geschaffen nach dem Bild Gottes[48].
Den dreifaltigen Gott immer mehr zu erkennen und zu lieben ist der Weg
dynamischer Ausbildung dieser Ebenbildlichkeit[49].
Interpretierend ahmt der Mensch das göttliche schöpferische Erkennen nach und
ist dabei gleichsam mitschöpferisch, denn erst indem er seine eigene
Bezogenheit auf Gott erkennt und anerkennt, realisiert sich diese im von Gott
vorgesehenen Sinn des Verstehens und der freier Bejahung.
Gott erkennt aber nicht nur Einzelnes schöpferisch,
sondern seine Weisheit ist die Gesamtheit des Seienden als eine dynamische
Ordnung in Raum und Zeit; gerade darin besteht die Kunst Gottes[50],
Kunst verstanden im Sinne des Thomas als die richtige - d. h. vor allem
geordnete, zielorientierte - Weise des Machens, des Herstellens eines anschließend
in sich selbst bestehenden "Werkes"[51].
Interpretation ist in dem Maß Teilnehmen an dieser Kunst Gottes, als sie diesen
Ordo erkennt und realisiert.
Der interpretative Akt des Intellektes bleibt nämlich
nicht auf das geistige Erkennen beschränkt, sondern als Akt einer wirkfähigen,
strebenden menschlichen Natur wirkt er sich auf das Handeln des Menschen aus;
er geht durch den Willen in die Praxis über[52].
Um dabei in die (kontingenten) Handlungen die "Richtigkeit der
Vernunft" (recta ratio) einzubringen, arbeitet die Vernunft gleichsam mit
Instrumenten, mit Haltungen (habitus), zum einen mit der Klugheit, die Thomas
beschreibt als das rechte Wissen (recta ratio) in Bezug auf das moralisch-sittliche
Handeln, und mit der Kunst (ars), dem rechten Wissen für das Machen und
Herstellen. Der Mensch ist nach Thomas wesentlich zuerst verstehend, und zwar
so sehr, "daß er selbst 'praktisch' nur als 'verstehend ist'."[53]
Das solcher Weise verstehende und interpretierende Handeln ist wiederum
mitschöpferisch, insofern der Mensch teilhat daran, daß Gottes Kunst, daß
Gottes geordnetes Universum erhalten bleibt und sich entfaltet in der Dynamik
hin auf Gott, so daß es seinen Sinn erfüllt, in der Vielfalt des Seienden, das
sich geschichtlich entfaltet, Repräsentation des in unermeßlicher Güte sich
schenkenden dreifaltigen Gottes zu sein.
Daß die Geschöpfe von Gott erkannt und erkennbar
geschaffen sind, bringt zwei weitere Konsequenzen mit sich: Sie sind dadurch
zum einen nicht nur erkennbar, sondern zugleich unergründlich. Wie sollte die
endliche Erkenntniskraft des Menschen den im kreatorischen Wort wohnenden
Entwurf der Dinge, ihre Washeit ergründen können?[54]
Der Mensch kann etwas von den Dingen, von anderen Menschen, von sich selbst
erkennen, aber die essentia, die forma bleibt ihm verborgen. Die Interpretation
muß offen bleiben, ist immer auf dem Weg. Im Glauben darf der Mensch gewiß
sein, daß sein nicht zu stillender Durst nach gänzlichem Erkennen nicht ins
Leere laufen wird, sondern in der ewigen Schau Gottes gestillt wird, wenngleich
auch dort Gott selbst unbegreiflich bleiben wird und genau dies die Seligkeit
des Menschen ist[55].
Eine zweite Konsequenz ist, daß der Mensch durch die
Erkenntnis der Dinge auch zu einer Erkenntnis Gottes geführt wird, denn das
Geschaffene ist seinem Schöpfer ähnlich[56],
der Mensch in der Ähnlichkeit eines Bildes, alle unter ihm stehende Kreatur in
der Ähnlichkeit einer Spur[57].
Daher ist es auch möglich, Aussagen über Seiendes analog über Gott auszusagen.[58]
Ist aufgrund des unendlichen Abstandes zwischen Schöpfer und Geschöpf die Unähnlichkeit
des Ausgesagten zu Gott immer größer als die Ähnlichkeit - und Thomas' Gespür
für die Unbegreiflichkeit Gottes ist tief -, so kann seine Hochschätzung der
Schöpfung wie der menschlichen Erkenntnis erahnt werden durch seine Aussage:
"Von den höchsten Dingen auch nur mit kleiner und schwächlicher
Betrachtung irgendetwas erschauen zu können, ist höchste Lust
(iucundissimum)"[59].
Am Nikolaustag 1273 führte eine mystische Erfahrung bei
der Frühmesse Thomas dazu, sein theologisches Schreiben abrupt einzustellen,
seine ganze Theologie erschien ihm plötzlich "wie Stroh". War es die
Einsicht in die Begrenztheit seines und wohl jeden Redens über Gott, das Thomas
verstummen ließ, oder glaubte er, daß ein anderes Denken und Reden über den
Gott Jesu Christi für seine Zeit nötig wäre?[60]
"Irgendwo im Übergangsfeld von religiöser Erfahrung und theologischer
Reflexion siedelt Thomas' Krise ... Auf dem Grunde seines Herzens hatte er eine
religiöse Erfahrung gemacht, die sich mit den Kategorien seiner ganzen
großartigen Theologie offenbar nicht mehr fassen ließ."[61]
Seine Interpretation in der Summa theolgiae ließ er unvollendet.
Die Begrenztheit der Erkenntnis meiner selbst wie der
Welt in ihrem Ordo und ebenso die Grenzen meiner Kräfte, das Erkannte praktisch
umzusetzen, - beides bedingt durch Natur, aber auch durch Sünde - verzerren
die Interpretation oft, lassen sie nur teils oder nicht gelingen; stets neues
Mühen ist gefordert. An den Grenzen, aber ebenso als Basis kann der Mensch zu
einer anderen Interpretation finden, zur Interpretation des Gebetes.
III. Das Gebet als Interpretation
des menschlichen Sehnens[62]
Thomas geht aus von der menschlichen Erfahrung einer bis ins innerste Wesen
reichenden Spannung: einerseits die Begrenztheit seiner Kräfte und Möglichkeiten,
andererseits das darüber hinausgehende Sehnen, das ihn nicht zur Ruhe kommen
läßt; der Mensch nimmt sich als insuffizient, als bedürftig, ja auch als
"schuldig" wahr[63].
Dieses tiefe Sehnen deutet Thomas als permanenten göttlichen Einfluß, als von
Gott dem Geschöpf in seine Wesensform eingeschriebene vorbewußte Tendenz hin
auf sein Ziel, als die Urenergie für alle Bemühungen des Menschen, die ihm
eigenen Möglichkeiten zu realisieren. Zum eigentlichen bestimmenden Impetus
kann dieses Sehnen aber nur werden, wenn es der Mensch zum bestimmenden Movens
seiner höchsten Kräfte macht, d. h. wenn er es mit seinem Intellekt deutet und
willentlich bejaht und weiterführt[64].
Darin liegt der Rang menschlicher Freiheit, aber auch ihre Last und Gefährdung.
Denn da dem Menschen die Interpretation seines eigenen Wesens nicht völlig
gelingt, bleibt auch die Interpretation des Sehnens undeutlich. Wohin zielt es?
Gemäß seiner konstitutiven Bezogenheit auf Sinnliches verlegt der Mensch das
Glück natürlicherweise zunächst in den Bereich des Sinnlichen. Hat er das
ersehnte sinnliche Gut erreicht, bleibt ein Ungenügen; er geht daher weiter zu
höheren Gütern. Der Mensch wird immer wieder enttäuscht, irrige, täuschende
Interpretationen fallen, Möglichkeiten neuer Interpretation des Sehnens tun
sich auf, auch sie zerschlagen sich[65].
Die Tragik dieses vom Sehnen getriebenen Weges liegt darin, daß kein noch so
hohes Gut, das der Mensch erlangt, ihn letztlich zu erfüllen vermag.
Diese quälende Spannung kann der Mensch aufzuheben
versuchen, indem er verzweifelt das Suchen aufgibt oder in überheblicher
Selbstgenügsamkeit sich mit einem erreichten Ziel zufrieden gibt[66].
Thomas ist der Überzeugung, daß der Mensch von sich aus nicht zu einer letzten
Interpretation seines Sehnens fähig ist. In den eigenen Kräften gefangen wird
ihm das natürliche Sehnen zu einem beängstigenden Schicksal, wie er mitfühlend
versucht, sich in die Lage eines Aristoteles zu versetzen[67].
Der Grund liegt in der Wesensbestimmung des Menschen: Rückkehr zu Gott, ewige
Gemeinschaft der Liebe mit Gott selbst. Das Sehnen ist die dem Menschen
eingestiftete, ja als Verheißung gegebene natürliche Tendenz hin auf dieses
übernatürliche Ziel. Wie aber sollte der Mensch aus eigenen Kräften zu einer so
kühnen Interpretation kommen? Nur Gott selbst konnte ihm das Ziel zeigen und
hat es getan im Wort seiner Offenbarung, in seinem Mensch gewordenen Wort Jesus
Christus. Interpretation des Sehnens kann daher nur mehr dialogisch geschehen:
im Hören der Verheißung Gottes - gerade die Meditation der Heilstaten Gottes,
besonders der Passion Christi betont Thomas als Weg zur willentlichen Hingabe
in den Dienst Gottes[68]
- und als Antwort im Bemühen, sich für
dieses Ziel offenzuhalten, sich daraufhin auszustrecken, auszustrecken durch
das Gebet: Beten ist daher für Thomas im Kern Bitten: Anerkennen der
wesenhaften Verwiesenheit auf Gott als den Ursprung, Erhalter und Ziel des
Lebens. Bitte um das Erreichen dieses Zieles und um die Hilfe Gottes auf dem
Weg dorthin[69]. Denn
auch das Ausgreifen nach diesem letzten Ziel übersteigt die Kräfte des
Menschen; Gott selbst muß sich gleichsam neigen, den Menschen ziehend ergreifen,
in der Sprache der Scholastik: den Menschen durch die ihm geschenkten
theologischen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe bereits anfanghaft an
Gott rühren, in freundschaftliche Kommunikation (communicatio) mit Gott
treten lassen.
Dieses von Gott geschenkte Hoffnungspotential muß sich in
der praktischen Lebensgestaltung bewähren, inhaltlich konkretisieren; das
Gebet ist dabei eine Art Knotenpunkt[70].
Durch das Gebet sucht der Mensch, die rechte Perspektive für sein Handeln zu
gewinnen[71]; zwar
kann ihm das Vaterunser ein grober Maßstab sein, worum er und in welcher Rangordnung
er bitten darf, doch ist im Einzelfall die Interpretation oft schwer. Thomas
macht dem Menschen hier gemäß Röm 8,26 Mut: Der Hl. Geist selbst wird es sein,
der uns die rechten Sehnsüchte eingibt und in der rechten Haltung beten läßt[72].
Der Geist also, dessen Aufgabe es ist, uns zum Sohn und Vater hinzuführen[73],
wird uns unser Sehnen, das eben auf diesen dreifaltigen Gott zielt, in der
konkreten zeitlichen Entfaltung entschlüsseln. Beten ist nach Thomas dann
wirklich Interpretation unseres Sehnens, wenn es in den jeweiligen
Situationen des Lebens Interpretation der uns von Gott geschenkten Hoffnung
ist, die dieses Sehnen vollendend weiterführt, die anfanghaft das letzte Ziel
ergreifen läßt. Thomas erwähnt auch die Möglichkeit, daß das Gebet nicht
zugleich Interpretation ist, so etwa wenn ein Ungebildeter, von der eigenen
ratio oder vom Heiligen Geist getrieben, einen Psalm oder das Vaterunser
spreche, ohne zu verstehen, was er sage[74].
Oder wenn jemand in Zungen rede und dabei das Geheimnisvolle (mysticum), was
er spreche, nicht verstehe[75].
Thomas spricht solchem Beten nicht den Wert ab: Sofern es vom Heiligen Geist
eingegeben sei, habe es immer meritorischen Wert. Doch eine wichtige Frucht
könnten solche Gebete nicht bringen, geistliche Erfrischung und Trost (spiritualis
refectio /consolatio) auch für den Intellekt, nicht nur für den Affekt[76].
Gebet ist also erst dann wirklich realisiert, wenn es mit Affekt und Intellekt
geschieht, wenn es Interpretation ist. Als solches ordnet es Thomas der Gabe
(gratia gratis data) der Prophetie zu, Prophetie im weitesten Sinn verstanden
als "Deutung von Schwerem (interpretatio cuiuscumque ardui)[77].
Immer gibt der Mensch im Gebet die grundlegende Interpretation, daß sein
eigenes Sein und Wirken nur verbunden mit der helfenden Kraft Gottes, nur als
Mitwirken mit Gott möglich ist. Das Gebet für sich selbst wie für andere ist
daher der höchste Akt des Menschen in seiner Würde als vorsehend für sich
selbst und für andere (providens sibi ipsi et aliis), stellt der Mensch doch bittend gleichsam sich und die anderen
in den Raum der machtvollen und liebenden Vorsehung Gottes und ermöglicht dadurch,
daß Gottes Vorsehung sich erfüllen kann, und zwar unter Mitwirkung des
Menschen[78]. Denn
durch die im Gebet gewonnene Offenheit auf Gott hin kann jeder Akt des Lebens
in der Kraft Gottes und geöffnet hin auf die letzte Vollendung gestaltet,
kann er im weiteren Sinn Gebet werden[79].
Im Gebet und dem daraus entspringenden Handeln realisiert sich der Mensch in
seiner Würde als Mitarbeiter Gottes.
Als letzten Sinn des Gebetes betont Thomas, daß es praktische
Antwort des Menschen auf die bedrängende Frage nach dem Glücken des Lebens ist:
Es ist Interpretation des Ursehnens in der Weise des Vertrauens[80].
Vertrauen wie auch Sehnen und Gebet stehen in einer Wechselwirkung, wie in
einer Spiralbewegung treiben sie sich voran, stärken sie sich. Im Umgang mit
Gott wächst das Vertrauen und zugleich das Sehnen nach voller Gemeinschaft,
das wiederum in das Gebet einmündet[81].
In einem solchen von der Gnade getragenen Beten und
Handeln nimmt der Mensch existentiell das ihm in Christus eröffnete Heil an.
Jesus Christus kommt als dem unüberbietbaren Interpreten des Göttlichen für und
in der Zeit die zentrale Bedeutung zu[82].
Wenngleich Thomas in diesem Kontext nicht den Terminus
"interpretatio" verwendet, ist er doch sachlich berührt: Christus,
der Gottmensch, ist in seiner Person seinshafte Erschließung der Wahrheit
Gottes und des Menschen; er ist universale concretum. Er gibt nicht etwas als
Interpretation, sondern er ist selbst die Interpretation. Thomas orientiert
sich terminologisch am Johannesevangelium und bezeichnet Christus als "via
veritatis"[83], als
"Weg, um zu Gott zu gelangen" (via tendendi in Deum)[84].
Durch die Menschennatur Christi ist die Schöpfung bleibend substantiell mit
Gott verbunden; durch und in Christus hat der Mensch Zugang zum Vater. Alle
Interpretation seines Lebens, die der Mensch im vertrauensvollen Gebet gibt,
ist Mitvollzug der Interpretation, die der Gottmensch gibt: Als Mensch
bedürftig wie wir, war er zugleich vollkommene Bitte, vollkommenes beseeltes
Werkzeug der göttlichen Kraft; mit seinen verklärten Wunden ist er bleibender
Fürbitter beim Vater für uns[85].
So ist es nach Thomas gerade Kennzeichen, daß ein Mensch den Geist Christi
hat, wenn er bittet[86].
Als der Weg hin zum Vater weist der Gottmensch noch
weiter, hinein in das "Ur-Geschehen des innertrinitarischen Lebens"[87].
In einem analogen Sinn spricht Thomas von einem Bitten
des ewigen Sohnes an den Vater, das nicht wesenhafter Bedürftigkeit
entspringt, sondern Weise personalen Sich-Öffnens und Empfangens ist[88].
Findet der Mensch, getragen vom Heiligen Geist und damit
im Mitvollzug mit Christus zur Interpretation, daß er sich vertrauens- und
liebevoll ganz auf Gott hin öffnet, so repräsentiert er in diesem Akt nicht
nur, was Grundstruktur und Sinnspitze allen geschöpflichen Seins ist[89],
sondern zugleich dessen Ursprung im innertrinitarischen Leben: das personale
Offensein, Sich-Empfangen und Sich-Schenken des Sohnes an den Vater (im
Heiligen Geist).
Fassen wir zusammen:
Das Gebet zeigt sich als Spitze der Interpretationen, die der Mensch im
erkennenden und handelnden Zugang zur Welt gibt. Zugleich ist es auch Basis all
dieser Vollzüge. Soll ein Mensch Seiendes wirklich erkennen, es auch in seiner
kreatürlichen Bezogenheit auf Gott interpretieren, so ist nach Thomas immer
zumindest irgendeine Gnade vorausgesetzt und damit auf seiten des Menschen eine
gewisse sehnende Offenheit für Gott, die Thomas in einem weiteren Sinn als
Gebet versteht[90].
Interpretation hat sich als ein dem Wesen des Menschen
gemäßer, ja für ihn konstitutiver Vollzug eines sensiblen Vernehmens und
Ausdrückens der Wirklichkeit gezeigt. Sie ist nötig, weil der Mensch als
geschichtliches Wesen in seinem Streben, die ihm geschenkten Anlagen und
Möglichkeiten zu realisieren, in bezug auf die konkreten Lebensentwürfe (und
einzelnen Handlungsschritte) in offener Unbestimmtheit gehalten ist. Sie ist
möglich, weil der Mensch kraft seines Geistes in Distanz zur Welt und sich
selbst treten kann. Er kann Seiendes erkennen, weil das "inter"
(zwischen) gleichsam ein tiefgründiges ist, das "Zwischen" der
Kreatur zwischen göttlichem und menschlichen Geist. Seiendes kann daher als
vom fortwährenden Erkennen Gottes ins Sein gerufenes und im Sein erhaltenes
interpretiert werden.
Interpretation ist letztlich dadurch ermöglicht, daß der
Vater sein schöpferisches Wort gesprochen hat und spricht, daß er in Dialog
mit uns ist: mittels des Geschaffenen, mittels der Worte seiner Offenbarung,
mittels des Sehnens und im Heiligen Geist. Menschliche Interpretation ist der
Versuch, dieses Wort Gottes auszumessen, ist Eintreten in diesen Dialog, der
Ausfluß des innergöttlichen Dialoges ist.
Sie ist dabei immer auf dem Weg: auf dem Weg vom sinnlich Erfaßten hin zum Wesen alles
Seienden, auf dem Weg durch die Vermitteltheit der Tradition hin zum
Literalsinn der Offenbarung Gottes und der heilsgeschichtlichen Bedeutung
für das Heute, auf dem Weg durch die vordergründigen Sorgen und Anliegen des
Lebens hin zu einer letzten Offenheit, hin zum vertrauensvollen Empfangen vom
göttlichen Vater.
Immer bleibt dabei das Bewußtsein, daß jede
Interpretation begrenzt, kontingent, vorläufig bleiben muß angesichts der
unauslotbaren Tiefe des göttlichen Ursprungs und des Ziels, des normativen
Grundes jeder Interpretation, mag es sich nun um die Interpretation eines
Schriftwortes handeln oder um die Interpretation der im göttlichen Urwort
gründenden Wirklichkeit alles Seienden oder um das Geheimnis der Bestimmung
des Menschen für das übernatürliche Ziel ewiger Gemeinschaft mit Gott, das ihm
im natürlichen Sehnen als Verheißung eingestiftet ist.
Interpretation weist daher immer hin auf einen Geheimnis
bleibenden "Rest", auf Sinn, der selbst nicht mehr erfaßt werden
kann, weil er tragender Grund auch des Interpretierens ist. Interpretation ist
daher stets dynamisch, bleibt Aufgabe - zu leisten von jedem Menschen und jeder
Zeit. Allem Interpretieren eignet - wie allen religiösen Akten - eine Tendenz
zum Exzessiven. Es fordert alle Kräfte und drängt ständig weiter und ist gerade
darin noch einmal Interpretation unseres kreatürlichen Seins. Dem
interpretatorischen Akt des Gebetes kommt daher zentrale Bedeutung zu, da es
den unauslotbaren Rest jeder Interpretation gleichsam im Vollzug selbst
interpretiert als die Notwendigkeit, sich bittend Gott, unserem himmlischen
Vater, anzuvertrauen.
Interpretierend (im Beten, Erkennen und Handeln) erkennt
und erstrebt sich der Mensch als Teil der Welt und als Teilhabe an Gottes Sein,
Erkennen und Lieben. In diesem Prozeß der Realisierung seines innersten Wesens,
seines Gesprochenseins in eine gesprochene Welt, wirkt der Mensch mit an der
Kunst Gottes, am Kunstwerk seines sich geschichtlich entfaltenden geordneten
Universums. Er realisiert, daß er am Scheitelpunkt steht; er bewegt sich
ständig am Horizont von Zeit und Ewigkeit, in der steten Verschränkung von
Natur und Gnade.[91]
Letztlich ist alle Interpretation nur möglich als Mitvollzug der Offenheit des
Gottmenschen hin auf den Vater, dem Menschen eröffnet im Heiligen Geist.
Diese Interpretation hält den Menschen offen für ein letztes, unauslotbares
Geheimnis, für den Zauber vollendeter Seligkeit. Interpretation ist daher
zumindest indirekte Erfahrung Gottes, indirekt in der "Angleichung an die
Gesetze des weisheitlich gefügten Kosmos"[92].
Sie kann sich erfüllen in der "contemplatio", jenem einfachen
Gewahrwerden der Wahrheit (simplex intuitus veritatis)[93],
dem Gipfel des "Aufstiegs des Geistes zu Gott" (ascensus intellectus
in Deum), den das Gebet darstellt[94].
Es scheint berechtigt, einen solchen Ansatz als mystisch
zu bezeichnen[95]. In
einer verhaltenen, eher nüchternen Weise sieht Thomas den Menschen gefordert,
mit all seinen Kräften im Beten, Erkennen und Handeln sich selbst und das
Universum in die Bewegung des Gottmenschen hin zum Vater hineinzunehmen und so
an der Kunst des dreifaltigen Gottes mitzuwirken.
[1] Zur Frage nach der Echtheit der
Zuschreibung an Thomas s. Lydia Maidl:
Gebet eröffnet Geschichte. In: MThZ 45 (1994) 577-588, hier: 584-588.
[2] Hans-Georg Gadamer: Art. Hermeneutik. In: Historisches
Wörterbuch der Philosophie. Band 3. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, 1974, 1061-1074, hier 1061.
[3] Seit Heidegger gewann sie eine
neue ontologische Valenz; vgl. Gadamer (s. Anm. 2), 1067.
[4] Vgl. Hans-Georg Gadamer: Wahrheit und Methode.
Tübingen: Mohr, 1960; ders. (s. Anm. 2), 1069 f.
[5] Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften 7:
Ästhetische Theorie. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1972, 193.
[6] Ebd., 185.
[7] Gadamer (s. Anm. 2), 1062.
[8] Im wenig spezifischen Sinn von
"bedeuten" verwendet Thomas das Verbum "interpretari", um
etymologische Erklärungen vor allem hebräischer Namen des Alten Testaments zu
geben.
[9] In dieser Hinsicht war er sehr
sensibel. Dies zeigt sich auch daran, daß er z. B. einige unter dem Namen des
Augustinus überlieferte Werke als pseudonym erkannte. Vgl. J. Godefrido Geenen: Art. S. Thomas et les Pères.
In: DThC 15/1,
739-756, hier: 748.
[10] Vgl. STh I 1,1. Was nur von wenigen und auch dann
nur unter großer Mühe und verbunden mit vielen Irrtümern hätte gefunden werden
können, offenbart Gott selbst allen Menschen.
[11] Vgl. STh I 1,9c.
[12] Vgl. STh I 1,9. De Pot. 4,1; vgl. Thomas von Aquin: Das Gesetz. STh I-II 90-105.
Kommentiert von Otto Hermann Pesch.
Heidelberg u. a.: Kerle-Styria, 1977 (DThA 13), 706 f. Der inspirierte
Schriftsteller steht daher für Thomas zwischen dem Propheten und dem Mystiker;
s. STh II-II 174,2 ad 3. Vgl. dazu Thomas
von Aquin: Besondere Gnadengaben und die zwei Wege menschlichen Lebens.
STh
II-II 171-182. Kommentiert
von Hans Urs von Balthasar.
Heidelberg u. a.: Kerle-Styria, 1954 (DThA 23), 293.
[13] STh I 1,3 ad 2.
[14] Otto Hermann Pesch: Thomas von Aquin. Größe und
Grenze mittelalterlicher Theologie. Mainz: Grünewald, 21989,
161.
[15] In Boeth. De Trin. 2,2c.
[16] STh II-II 1,2. Der die Glaubensgegenstände
formulierende Satz ist uns daher unumgängliches Mittel des Glaubens wie der
Theologie; STh II-II 1,2 ad 2. Wir bilden nur deshalb Sätze, um mit ihrer Hilfe
die Dinge zu erkennen; das gilt sowohl für die Wissenschaft als auch für den
Glauben. - Auch für prophetisches Erkennen betont Thomas dieses diskursive
Element, das aber auf Intuition hinzielt. Vgl. zu dieser Aporie Balthasar (s.
Anm. 12), 343-345.
[17] Thomas bildet mit seiner
systematischen Konzeption der Theologie als Wissenschaft einen gewissen
Abschluß einer historischen Entwicklung, die vorausgehend besonders in
Abaelard einen entscheidenden Promotor der Verwissenschaftlichung in
Absetzung vom sapientialen Einheitsmodell Augustins und der augustin. Tradition
(z. B. Alexander von Hales) gefunden hatte. "Erst die Rezeption des
aristotelischen Wissenschaftsverständnisses und der aristotelischen
Metaphysik ermöglichte Thomas die systematische Konzeption." Vgl. Georg Wieland: Theologie zwischen Wissenschaft
und Weisheit. In: Ingrid Craemer-Ruegenberg
; Andreas Speer (Hrsg.): "Scientia"
und "ars" im Hoch- und Spätmittelalter. Berlin - New York: de Gruyter,
1994, 2. Halbband (MM
22/2), 517-527, hier 523. Vgl. auch Ludger Honnefelder:
Weisheit durch den Weg zur Wissenschaft. Theologie und Philosophie bei
Augustinus und Thomas von Aquin. In: Wilhelm Oelmüller (Hrsg.): Philosophie und Weisheit.
Paderborn: Schöningh, 1989, 69 f.
[18] Er ist "Basis und
Ausgangspunkt für alle Erkenntnis, die aus der Schrift zu gewinnen ist".
Vgl. Pesch (s. Anm. 12), 702. Wichtig ist der Einfluß des Moses Maimonides, der
erstmals "einen zeitgeschichtlichen Literalsinn ins Gespräch der mittelalterlichen
Exegeten bringt" (ebd., 697).
[19] Vgl. z. B. für die Auslegung der
alttestamentlichen Kultvorschriften sind ihm Moses Maimonides, Flavius
Josephus und Informationen von zeitgenössischen Juden die Hauptquelle. S. Pesch (s. Anm. 14), 311.
[20] STh I 1,10c.
[21] Pesch
hat dies gerade an der Exegese des AT herausgearbeitet. Vgl. Pesch (s. Anm.
12).
[22] Vgl. STh I 51,2c. ad1 über die
Finalität der Theophanien und "Engelverkörperungen" auf den Sohn hin.
- Zur Tradition des vierfachen Schriftsinnes vgl. Pesch (s. Anm. 12), 682-701.
Die alttestamentlichen Ereignisse zeigen sich in ihrem allegorischen oder
typologischen Sinn hin auf Christus, Christus und die Ereignisse um ihn in
ihrem moralischen Sinn für uns oder als Hinweis auf die letzte Vollendung, d.
h. im anagogischen Sinn. (Littera gesta docet, quid credas, allegoria; moralis,
quid agas, quid speres, anagogia).
[23] Vgl. Compendium Theologiae (CT) I
216.
[24] STh I 1,6c: Erkenntnis der
göttlichen und menschlichen Dinge in ihren höchsten und letzten Gründen.
[25] STh I-II 68,5 ad 1; I 1,6
ad 3.
[26] Als das Ideal seines eigenen
Ordens, das "contemplata aliis tradere".
[27] Vgl. STh II-II 173,2: In 1 Cor 14
lc.I. Er kann aber auch hier von "sapientia" als "gratia gratis
data" sprechen; s. STh I-II 68,5 ad 1. - Zu den Schwankungen zwischen
Mystik ("Kontemplation und Aneignung der ergangenen Offenbarung")
und Prophetie ("in welcher Menschen Werkzeuge der ergehenden Offenbarung
wurden") s. Balthasar (s. Anm. 12), 284-293, hier 289.
[28] Vgl. Thomas' Überzeugung, daß
eine irrige Meinung über die Schöpfung sich auch in einer falschen Meinung von
Gott auswirke: ScG 2,3.
[29] Vgl. In Hebr 5,11 lc.II nr.264;
STh II-II 1171,1; In 1 Cor 14,1 lc.I
nr.813. ScG III 154. Vgl. dazu Balthasar (s. Anm. 12), 281.
[30] In Hebr 5,11 lc.II (nr.263).
[31] STh II-II 1,2 ad 2.
[32] In Peri hermeneias
prooem. 1,3.
[33] In Peri hermeneias
1 lc.VI nr.8.
[34] Vgl. in Boeth. De
Trin. 75,3f: ex hoc quod est intelligens sequitur quod verbum concipiat quia
hoc est omni intelligenti commune. Vgl. dazu Hermann Weidemann:
Metaphysik und Sprache. Eine sprachphilosophische Untersuchung zu Thomas
von Aquin und Aristoteles. Freiburg - München: Alber, 1975 (Symposion 52),
hier 182.
[35] Vgl. De Ver. 4,2:
nominibus utendum est ut plures utuntur.
[36] Vgl. dazu Josef Pieper:
Thomas von Aquin. Zwölf Vorlesungen. Freiburg i. Br. u. a.: Herder,
1958, 100-104. - Auch bei der Erforschung von Grundworten, z. B.
Gerechtigkeit, ist ihm - neben der Etymologie - vor allem der lebendige
Sprachgebrauch wichtiges Zeugnis; die natürliche, geschichtliche Sprache hat
für ihn etwas Verbindliches, über das wir uns nicht einfach hinwegsetzen
können; vgl. ebd., 103 f.
[37] Vgl. dazu auch Gadamer (s. Anm.
2), 1071: "Darauf beruht die Universalität der hermeneutischen Dimension."
[38] STh I-II 93,1 ad 3.
[39] Vgl. Richard Heinzmann: Philosophie des
Mittelalters. Stuttgart u. a.: Kohlhammer, 1994, 217. Vgl. dazu STh I
79,1-4.
[40] STh I 79,4.
[41] Potentiell für alles Erkennbare
geöffnet - der menschliche Intellekt ist zunächst eine tabula rasa -, aktuiert
der menschliche Geist durch die Spontaneität des intellectus agens dies im
Nacheinander, zeitlich, erfaßt er per Abstraktion das Intelligibile, d. h.
die Washeit des einzelnen konkret Seienden, ohne je seine Möglichkeiten alle
ausschöpfen zu können.
[42] Vgl. dazu A. Boeckh: Enzyklopädie und
Methodologie der philologischen Wissenschaften. 1877. Er bestimmt als
Aufgabe der Philologie das "Erkennen des Erkannten". S. dazu Gadamer
(s. Anm. 2), 1065; 1071.
[43] Der Erkennende reflektiert im Akt
des Erkennens zugleich über sich und sein Erkennen.
[44] Die Dinge interpretieren meint
ihre Kreatürlichkeit, ihren "Wortcharakter" mitvernehmen; vgl.
Romano Guardini: Welt und
Person. Würzburg: Echter, 1940, 110. Die Bedeutung der Sachen überbietet
immer die Bedeutung der Zeichen, weshalb, wie aufgezeigt, kein Ding in einem
adäquaten Begriff voll ausgeschöpft werden kann.
[45] Gadamer (s. Anm. 2), 1071.
[46] Ebd., 1071.
[47] Vgl. STh I 1,1. S. dazu Pesch (s. Anm. 14), 159.
[48] STh I 93,2.
[49] STh I 43,3.5.6.
[50] Vgl. dazu das Bild des
"artifex" in STh I 1,6c.
[51] Vgl. STh I-II 57,4.
S. dazu Pesch (s.
Anm. 12), 484 f. Andreas Speer: Kunst
und Schönheit. Kritische Überlegungen zur mittelalterlichen Ästhetik.
In: Craemer-Ruegenberg; Speer (s. Anm.
17), 945-966. Vgl. auch Georg Wieland:
Zwischen Naturnachahmung und Kreativität. Zum mittelalterlichen
Verständnis der Technik. In: PhJ 90 (1983) 258-276.
[52] Vgl. dazu Wolfgang Kluxen: Philosophische Ethik.
Hamburg: Meiner, 21980, 23-26. Klaus Hedwig: Über die Theorie der Praxis bei Thomas von Aquin.
In: PhJ 90 (1992) 245-261.
[53] Vgl. Wolfgang Kluxen: Metaphysik und praktische
Vernunft. In: Ludger Oeing-Hanhoff:
Thomas von Aquin 1274/1974. München: Alber, 1974, 96.
[54] Vgl. Josef Pieper: Kreatürlichkeit. In:
Oeing-Hanhoff (s. Anm. 53), 56. Bei Thomas findet sich häufig die Formulierung:
Rerum essentiae sunt nobis ignotae. Vgl. De Ver. 10,1. In "De anima" 1,1 (nr.15).
[55] Vgl. dazu die Ausführungen von
Karl Rahner: Die Unbegreiflichkeit
Gottes. In: Oeing-Hanhoff (s. Anm.
53), 33-45, bes. 44 f. Vgl. auch Josef Pieper:
Unaustrinkbares Licht. Das negative Element in der Weltansicht des Thomas
von Aquin. München: Kösel, 21963.
[56] Gemäß dem Grundsatz, daß alles
Wirkende ihm Ähnliches wirkt.
[57] STh I 93,6.
[58] Vgl. dazu Otto Hermann Pesch: Scholastik - Gottesdienst des
Denkens. In: Heiko Franke u.
a. (Hrsg.): Veritas et Communicatio. Ökumenische Theologie auf der Suche
nach einem verbindlichen Zeugnis. Festschrift für Ulrich Kühn zum 60.
Geburtstag. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht, 1992, 187-202, hier 191:
"weil wir im Glauben Gott als den Schöpfer der Dinge wie unseres Erkennens
begreifen, dürfen wir davon ausgehen, daß unsere an der Welterfahrung gebildeten
Begriffe und 'Namen' in der Lage sind, uns 'substantiell' etwas von Gott vor
den Blick zu bringen, obwohl die je größere Unähnlichkeit die Ähnlichkeit
jeweils bis an den Rand der Aufhebung durchdringt."
[59] ScG I 8 (nr.49). Von O. H. Pesch wurde das Streben
nach Erkenntnis beim Aquinaten wie in der Scholastik generell unter den Begriff
"Gottesdienst des Denkens" gefaßt, vgl. ders. (s. Anm. 58).
[60] Letztere Vermutung erhebt Urs Baumann: Mit Zungen der Menschen!
In: Jean-Pierre Wils (Hrsg.): Warum
denn Theologie. Tübingen: Attempto, 1996, 9-50, hier: 9.
[61] Ebd., 10.
[62] S. dazu Lydia Maidl: Desiderii interpres. Genese
und Grundstruktur der Gebetstheologie des Thomas von Aquin. Paderborn:
Schöningh, 1994 (VGI, NF. 38).
[63] Vgl. STh II-II
83,7c.
[64] STh I-II 1,8c.
[65] Dieser Weg des Aufstiegs zu immer
höheren Gütern, vorangetrieben durch das Sehnen und die jeweiligen
Enttäuschungen, ruft die Erinnerung wach an den Weg des Eros, wie ihn Diotima
in Platons Symposion beschreibt. Die von Thomas beschriebene Struktur des
desiderium gleicht in vielem diesem Eros.
[66] Vgl. dazu Norbert Hinske: Handeln und Enttäuschung.
Überlegungen zu CG III 25 ff. In: Paulus Engelhardt
(Hrsg.): Sein und Ethos. Untersuchungen zur Grundlegung der Ethik.
Mainz: Grünewald, 1963 (WSAMA.P 1), 213-227.
[67] Vgl. ScG III 48 (nr.2260 f).
[68] Ein Nachklang der monastischen
Trias als einer bewährten Hilfe auf dem geistlichen Weg.
[69] STh II-II 83,1c. ad 2; 3. -
Thomas kennt natürlich auch das Lob- und Dankgebet; das Bittgebet steht in
einem Kreislauf mit diesen; vgl. 4 Sent 15,4,3 qla 1c; Super 1 Tim 2,1 lc.I
(nr.56); STh II-II 83,17.
[70] STh II-II 83,1; 4 Sent 15,4,1 qla
1.
[71] Die Weisheit als höchste Frucht
des Gebetes hat nach Thomas auch diese praktische Dimension; vgl. STh II-II
45,3 ad 1.
[72] Vgl. In Röm 8,26 lc.V
(nr.686-693). Zur Entwicklung in den thomanischen Reflexionen dieses Problems
s. Maidl (s. Anm. 62), 233-238.
[73] In Joh 17,21 lc.V
(nr.2246).
[74] In 1 Cor 14,14 lc.III (nr.837 f).
[75] In 1 Cor 14,5 lc.II (nr.822).
[76] In 1 Cor 14,14 lc.III (nr.837).
Fehle die Aufmerksamkeit und folglich ebenso das Verstehen des Gesprochenen
beim Gebet - und Thomas konstatiert nüchtern, daß wir kaum ein Vaterunser, ohne
abzuschweifen, beten können -, erfolge weder für Affekt noch für Intellekt eine
Erfrischung; s. ebd. (nr.839).
[77] In 1 Cor 14,5 lc.II
(nr.822); In 1 Cor 14,1 lc.I (nr.812-814); STh II-II 171,1c.
[78] STh II-II 83,2.
[79] Vgl. 4 Sent 15,4,2 qla 2
und qla 3; STh II-II 83,14.
[80] STh II-II 83,2 ad
1. ad 3.
[81] Vgl. CTh II 2
(nr.547); In Div Nom c.4 lc.4 (nr.330).
[82] Vgl. z. B. STh
II-II 1,7 ad 4.
[83] STh III prol.
[84] STh I 2 intr.
[85] STh III 54,4c;
57,6c.
[86] Vgl. In Röm 8,26 lc.V (nr.693 f).
[87] Max Seckler: Das Heil in der Geschichte.
Geschichtstheologisches Denken bei Thomas von Aquin. München: Kösel, 1964,
83.
[88] Vgl. STh III 21,1 ad 1.
[89] Vgl. Seckler (s. Anm. 87), 125.
[90] Vgl. STh II-II 83,1
ad 1; In Ps 40, nr.1; 4 Sent 15,4,1 qla 1 ad 2 (nr.524).
[91] Vgl. ScG II,68: anima
intellectualis dicitur esse quasi quidam horizon et confinium corporeorum et
incorporeorum.
[92] Elmar Salmann: Thomas von Aquin. In: Peter Dinzelbacher (Hrsg.): Wörterbuch der Mystik.
Stuttgart: Kröner, 1988, 493 f, hier 493. Vgl. dazu STh I 60,5; I-II 1-9;
26-28; 109; II-II 23-27.
[93] S. STh II-II 180 f.
[94] S. STh II-II 83,1
ad 2.
[95] Zur Frage der Mystik bei Thomas
vgl. Salmann (s. Anm. 92), 493 f: "Ist Mystik so für Thomas einerseits Verdichtung
der ontologischen Weltsicht, so bereitet er andererseits mit dem Traktat 'De
prophetia' (STh II-II 171-5) die spätere Sonderentwicklung der mystischen
Theologie vor, die die 'Charismen' als spezielles Phänomen und außerordentliche
Erfahrung betrachtet." Vgl. dazu auch Balthasar (s. Anm. 12), 284-293.
Kurt Ruh: Geschichte der
abendländischen Mystik. München:
Beck, 1990, Bd. I, 15.