Die religiöse­ Attraktivität des frühen Christentums*

 

von François Vouga

 

 

Kurzinhalt - Summary:

 


Die These dieses Essays ist es, daß sich der Erfolg des Christen­­tums nicht durch soziale Ängste und Nöte erklä­ren läßt, sondern vielmehr dadurch, daß die Verkündigung des Evangeliums, die eine Unterscheidung zwi­schen der Person und ihren Eigenschaften und die Anerkennung des einzelnen als von Gott geliebte Person voraussetzt, die Erfin­dung des Individuums und einer neuen Qualität der mensch­lichen Gemeinschaft bedeutete.


The success of early Christianity cannot be explained by referring to social anxiety or misery, but to the new an­thro­­pologie wich is included in the proclamation of the gospel. Distinguishing between the qualities of a person, his or her character, and the appreciation of the individual person as beloved by God, this proclamation implied both  the invention of individual persons and a new quality of human society.


 


 


In einem Briefwechsel, in dem sich Plinius und der Kaiser Trajan bemühen, das christliche Pro­blem nach dem Geist der Zeit, das heißt in einer aufgeklärten und würdigen Art und Weise zu lösen, rechnet der kaiserliche Legat damit, daß es wohl möglich sein wird, das Christentum ein­zudämmen und auszurotten. Diese Fehleinschätzung läßt sich zum einen durch die quantitativ noch schwache Verbreitung des Christentums am Anfang des 2. Jahrhunderts erklären. Chri­sten und christliche Häuser gab es zwar von Mesopotamien bis nach Rom und von Ägypten bis zum Schwarzen Meer, und dies bereits seit der Mitte des 1. Jahrhunderts; die demographischen Ein­schätzungen ergeben aber für das Ende des 1. Jahrhunderts kaum 50.000 Christen gegenüber 4 bis 5 Millionen Juden bei insgesamt etwa 60 Millionen Einwohnern im römischen Reich.1 Die Fehlein­schätzung von Plinius ergibt sich aber zum anderen aus der allgemeinen Verachtung der rö­mischen Eliten für das neue religiöse Phänomen. Was das Christentum kennzeichnet, ist einer­seits der irrationale Charakter des christlichen Glaubens und andererseits die Hart­näckigkeit und der unbeugsame Starrsinn seiner Angehörigen. Daß beides zusammengehört, ver­stärkt nur die negativen Werturteile der römischen Intellektuellen.

 


1. Versucht man nämlich, einen Überblick über die Rezeption des Christentums in der hellenistisch-römischen Literatur der zwei ersten Jahrhunderte zu gewinnen, dann fällt der Kon­sens auf, der sich aus dem Urteil von Historikern, Philosophen, Wissenschaftlern und Politikern ergibt.2 Die Christen sind irrational sowohl in ihren Überzeugungen als auch in ihrem Verhalten. Was ihre Überzeugungen be­trifft, sind sie naiv und leichtgläubig, lassen sich durch Autoritätsar­gumente und ohne Beweise überreden und sind bereit, al­les zu tun, was ihr erster Lehrer, ein ge­kreuzigter Sophist, ihnen vorgeschrieben hat. Diese intellektuellen Defizite finden ihren Aus­druck in ihrem Verhalten und besonders in der Bereitschaft der Christen zum Martyrium. Die Bereitschaft, freiwillig zu sterben, könnte eine Form der Freiheit sein, wenn sie dafür vernünftige und logisch nachvollziehbare Gründe hätten, und wenn ihr Tod  eine würdigere und weniger thea­tralische Form annehmen würde. Genauso unverständlich sind die ethischen Prinzipien, die sowohl ihr gemeinsames Leben als auch ihre Haltung gegenüber der Gesellschaft, ihre Werte und ihre Gesetze bestimmen.

a) In den Annalen bietet Tacitus eine kurze Darstellung der Christen. Abgesehen von blo­ßen Fakten, wer­den zwei Elemente hervorgehoben. Das erste besteht in der Definition des Chri­stentums als Aberglaube (superstitio), was sowohl den irrationalen als auch den nicht-traditionellen Charakter der neuen Religion betont; das zweite besteht in dem sektiererischen Verhalten der Chri­sten, die durch ihre Ab­grenzung von den Hei­den (das heißt, wie man es sowohl von den Chri­sten als auch von den Juden sagte, durch ihren allgemeinen Menschenhaß, odium humani ge­neris) den Haß der heidnischen Bevölkerung verursachen. Irrationalität und soziale Ab­grenzung sind aber insofern dasselbe, als der Menschenhaß eine Absonderung vom huma­nistischen, aufge­klärten menschlichen Verstand bedeutet: „Der Name (Chrestianer) leitet sich von Christus ab; dieser war unter der Regierung des Tiberius durch den Procurator Pontius Pilatus hingerichtet worden. Für den Augenblick wurde der verderbliche Aberglaube unter­drückt. Aber er brach wie­der aus, nicht nur in Judäa, dem Ursprungsort dieses Unheils, sondern auch in Rom, wo alles Scheuß­liche und Schandbare von überallher zusammenströmt und Anhang findet.“3

b) Ein ähnliches Bild setzt der Arzt Galen voraus, der sich mit dem Werk seines Zeitgenos­sen und Kollegen Archigenes über die Interpretation des Phänomens des Pulses auseinandersetzt. Eine sach­liche und ernste Diskussion scheint Galen zwecklos zu sein, weil Archigenes nach seiner Meinung ohne sorgfältige Untersuchung und ohne solide Beweisführungen arbeitet. „Doch wäre es nicht vorzuziehen, eine triftige Beweisführung zu bringen, als sich auf eine allgemein vertretene Meinung zu berufen? Gibt man keine Gründe für die eigene Auffassung an, so wäre es, als wenn man in die Schule von Moses und Christus eingetreten wäre und das Gerede von unbewiesenen Gesetzen hörte.“4 „Denn man könnte leichter den Anhängern von Moses und von Christus Neu­heiten beibringen als den Ärzten und Philosophen, die an ihren Schulen festhalten. Also habe ich mich schließlich entschlossen, unnötiges Gerede zu vermeiden, indem ich auch in Zukunft mit ihnen überhaupt nichts mehr zu reden haben werde.“5 Die Leichtgläubigkeit der Christen ist sprich­wörtlich geworden für Leute, die bereit sind, ohne Beweise zu glauben und sich durch bloße Autoritätsargumente überreden zu lassen. Deshalb werden Ärzte, die die Medizin ohne wissen­schaftliche Kenntnisse praktizieren, mit Moses verglichen, „der die Gesetze für den Stamm Israel machte. Es ist die Methode in seinen Bü­chern, zu schreiben und keine Beweise zu bringen. Er sagt einfach: Gott gebot, Gott sprach.“6

c) Lukian von Samosta gibt Informationen wieder, die sich mit den Hauptthemen der christ­lichen Missionspredigt zum großen Teil überschneiden. Werturteile und Begründungen ver­stärken aber das von Tacitus und Galen skiz­zierte Bild: „Die Unglückseligen sind ja überzeugt, daß sie überhaupt unsterblich sind und ewig leben werden, im Hinblick worauf sie den Tod ver­achten und die meisten sich freiwillig opfern. Dann hat ihr erster Gesetzgeber sie überzeugt, daß sie einander Brüder seien, wenn sie einmal die Vorschriften der (heidnischen) Religion übertreten und die helle­nistischen Götter verleugnet haben, jenen ihren ge­kreuzigten Sophisten aber vereh­ren und nach seinen Vorschriften leben. Sie verachten also alles gleichermaßen und halten es für Gemeingut, da sie solche Ansichten ohne genauen Beweis (a3new tino!_ a2kribou5_ p<stew_) über­nommen haben. Falls nun ein geschickter Gauner, der die Verhältnisse auszunützen imstande ist, zu ihnen kommt, wird er in kurzem sehr reich und lacht den naiven Leuten ins Ge­sicht.“7


d) Viel kürzer ist Epiktet, der nochmals auf dasselbe verweist. Der Kontext, in dem die Christen er­wähnt sind, bezieht sich auf das Problem der Angst und der Freiheit von der Angst. Die These des Abschnitts ist die folgende: Es gibt zwei Gründe, weshalb Menschen bereit sind, alles zu verlieren, was sie besitzen. Der erste ist der Wahn­sinn, der als geistige Störung so gestimmt sein kann, daß es ihm gleichgültig ist, etwas zu besitzen oder nicht. Der zweite ist durch die Phi­losophie gegeben: „Wenn schon jemand infolge von Wahnsinn zu einer solchen Einstellung gegen­über diesen Dingen kommen kann, wie auch die Galiläer aufgrund der Gewöhnung, sollte dann niemand auf­grund vernünftiger Überlegung und Überzeugung einsehen, daß Gott alles, was in der Welt ist, und die Welt selbst geschaffen hat, damit sie als ganze frei von jeder Behinderung sei und ihren Zweck nur in sich selbst habe und damit deren Teile dem Nutzen des Ganzen dien­ten?“8 Die Argu­­­mentation stellt die ver­­­­­­­­nünftige Entscheidung des menschlichen Logos der geistigen Stö­rung und der bloßen Gewöhnung der Christen entgegen. Sie meint, daß die Christen glauben, frei zu sein, es aber nicht sind; diese Gegenüberstellung wird ihrerseits programmatisch durch das anti­thetische Paar Rationalität und Irrationalität interpretiert.

e) Die gleichen Vorstellungen führen zur Disqualifizierung des christlichen Martyriums bei Marc-Aurel: „Oh, was für eine Seele ist das, die bereit ist, jeden Augenblick von dem Körper, wenn es so sein soll, sich loszulösen und entweder zu erlöschen oder zu zerstäuben oder mit ihm fort­zudauern! Nur muß diese Bereitschaft von der eigenen Über­zeugung herstammen, nicht aber, wie bei den Christianern, von bloßem Eigensinn; vielmehr muß sie mit reiflicher Überlegung und Würde verbunden und ohne tragi­schen Pomp sein, so daß sie auch andere überzeugt.“9

Meine erste These ist die folgende: Der Haupt­grund, weshalb Plinius das Phänomen der Ver­breitung des Christentums unter­schätzt hat, liegt an der Verachtung der Intellektuellen und der Eliten für eine neue religiöse Bewegung, der es sowohl an logischer Schärfe wie an kritischer Ver­nunft als auch an solider Denktradition mangelte. Die Ver­achtung der Eliten und Intellektuel­len für neue religiöse, philosophische oder politische Bewegungen, die die Regeln des intellektuel­len Spieles nicht einhalten, ist kein isolierter Fall in der Geschichte und auch nicht die mög­lichen Fehleinschätzungen, die daraus folgen können. Der Ein­druck, daß die Christen die Regeln des gesellschaftlichen und des intellektuellen Spieles nicht einhalten, bildet den Konsens der heidni­schen Schriftsteller und Denker: Für die Griechen und Römer, sofern sie gebildet und aufgeklärt sind, ist das Christentum eine Torheit, wie es Epiktet am klarsten - nach Paulus - formuliert hat.

 

2. Hatte nun das Christentum Erfolg, weil es irrationale Über­zeugungen und Verhal­tensregeln vertrat und beachtete? Verblüffend sind in diesem Zusammenhang die Reflexionen des Apostels Paulus über die Konfrontation des christ­lichen Evan­geliums mit der hellenistischen Welt: Das Wort vom Kreuz, schreibt der Heidenapostel, ist Torheit für die Grie­chen (1 Kor 1,18-3,4). Zwi­schen Paulus, Epiktet, Tacitus, Plinius, Lukian und Galen scheint darüber ein Kon­sens zu herr­schen. Oder, anders formuliert: Paulus hat in einer bestimmten Hinsicht vorausgesagt und von vornherein thematisiert, was die hellenistisch-römischen Schriftsteller wiedergeben. Das bedeutet nichts anderes, als daß sich das Wort vom Kreuz nicht auf der Seite des mensch­lichen oder philosophisch-aufgeklärten Logos befindet, sondern auf der Seite einer bestimmten Irrationalität, oder präziser gesagt: auf der Seite einer Infragestellung der Rationalität, oder noch präziser: auf der Seite der Infragestellung einer be­stimmten Form von Rationalität.


Die Thematisierung der Grenzen des menschlichen Logos als Organ für die Erkenntnis und für das Verständnis der Wirklichkeit hat eine ehrwürdige Tradition. Die Unfähigkeit des Lo­gos, zwischen dem Wesen und den Eigenschaften der Dinge zu unterscheiden, ist der Grund, den Platon in seinem 7. Brief angibt, weshalb er seine Philosophie nie in einem Handbuch formuliert hat und, radikaler, warum sich die Philosophie überhaupt nicht in Büchern vermitteln läßt. Allen­falls liefern Dialoge einzelne Versuche und verschiedene Ansätze, die als Material für das Weiter­denken verwendet werden können; Definitionen und Systeme von Begriffen sind aber unzurei­chend, um sich der Wahr­heit anzunähern.10 In dieser Debatte steht Paulus auf der Seite von Platon und nicht von Aristoteles. Die Interpretation der Wirklichkeit durch Begriffs- und Definitions­systeme setzt die Vorstellung einer kosmischen Ordnung der Welt und der Wirklichkeit voraus, während die dialektische Methode, die unterschiedliche Aspek­te berücksichtigt, nebeneinander stehen läßt oder miteinander verbinden kann, sich bereit erklärt, für eine Komplexität der Reali­tät offen zu bleiben. Was auf dem Spiel steht, ist aber der Sinn und das Verständnis der Rationalität. Der sachliche Grund, weshalb Epiktet, Lukian oder Galen das Christentum für irrational halten, hängt damit zusammen, daß sie zwei Begriffe, die von Platon oder von Paulus her klar zu unter­scheiden wären, verwechseln: Einerseits die Rationalität, welche die Verständlichkeit und die Ko­härenz einer logischen und intersubjektiv nachvollziehbaren Rede kenn­zeichnet, und andererseits den Rationalismus, der be­an­sprucht, die Komplexität der Wirklichkeit auf die Ordnungen des mensch­lichen Logos zu reduzieren. Der Rationalismus ist eine, aber nur eine Form der Rationali­tät, die auch paradox sein kann. In dieser Debatte steht Paulus auf der Seite der Skeptiker, die es für vernünftig hielten, prinzipielle Aussagen weder für richtig noch falsch, sondern für unent­scheidbar zu erklären.11

Zwei Vorstellungen der Rationalität konkurrieren hier. Die Alternative, die sie stellen, erfordert eine Entscheidung, die sich innerhalb der beiden Denk­systeme nicht begründen, son­dern nur bekennen läßt. Nicht ohne Wertung stellt Paulus fest: „...das Wort vom Kreuz ist zwar denen, die verlorengehen, eine Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Kraft Gottes“ (1 Kor 1,18). Warum soll das Evan­gelium Gottes eine Torheit sein? Die Antwort verweist unmit­telbar auf unsere Problematik: Weil die Weisheit der Welt, das heißt: des menschlichen Logos, die Weis­heit Gottes als Weisheit nicht anerkannt hat. Was Paulus unter­nimmt, ist nichts anderes als die Kritik einer Rationalität, die sich der Paradoxalität der Wirklichkeit verschlossen hat. Die letz­te Begründung dieser Kritik der phi­losophischen Religionskritik besteht nämlich in einer Inter­pretation des Lebens und des Todes Jesu, nach welcher sich der Schöpfer der Welt im absoluten Paradoxon des Todes des Gottessohnes offenbart hat. Ist aber der Schöpfer der Welt paradox zu denken, dann läßt sich die Wirklichkeit nicht auf die Regelmäßigkeit eines Systems reduzieren, die ein großer Uhrmacher geregelt hat.


Hatte das Christentum Erfolg, weil es irrationale Überzeugungen und irrationale Verhal­tensregeln vertrat und beachtete? Die Beantwortung dieser Frage ist von der Vorstellung der Ra­tionalität, die vorausgesetzt oder postuliert wird, abhängig. Meine zweite These ist die folgende: Die Verachtung des Christentums durch die hellenistisch-römischen Eliten ist von Paulus voraus­gesagt und im voraus auf einer erkenntnistheoretischen Ebene begründet worden: Für die Grie­chen ist das christliche Evangelium eine Torheit (mwr<a). Genau das meinen auch einige Jahrzehn­te später Epiktet, der die Gewöhnung (e3jo_) der Galiläer dem Wahnsinn (man<a) gleichsetzt, und die anderen. Die Be­trachtungen des Theologen zeigen aber zum einen, daß das Evangelium des Kreuzes auch seine Rationalität und seine Plausibilität hat: Das christliche Über­zeugungssystem entfaltet ein wider­spruchsfreies und intersubjektiv nach­vollziehbares Verständnis der Wirklich­keit und der menschlichen Befindlichkeit.12 Zum anderen unternehmen sie eine Kritik der Rationalität, sobald diese Rationalität des mensch­lichen Logos den Absolutheitsanspruch des Rationalis­mus erhebt. Zwei Anwendungen der Rationalität oder, um in der paulinischen Begrifflichkeit des 1. Korin­therbriefes zu bleiben, zwei Anwendungen der Weisheiten konkurrieren. Um dasselbe anders zu formulieren: Glau­be und Irrationalität dürfen insofern nicht gleichgesetzt werden, als  das Gegenteil von Glaube Unglaube ist und  der Glaube genauso rational sein kann wie der Un­glaube irrational. Ist die Wirklichkeit paradox, dann soll es die Rationalität auch nachvollziehen können.

 

3. Die paulinische Verteidigung des christlichen Glaubens ist bei der Untersuchung der Gründe für den Erfolg des frühen Christentums insofern wichtig, als sie uns verbietet, die Wert­urteile der hellenistisch-römischen Eliten unter dem Deckmantel verharmlosender psychologi­scher oder so­ziologischer Erklärungen stillschweigend und unkritisch zu übernehmen. Das frühe Christentum hat sich insofern rasch verbreitet, als es dem hellenistischen Menschen persönliche Identität, eine soziale Identität, eine Hoffnung angesichts der Zukunft und deshalb auch einen Sinn für die Exi­stenz anbieten konnte; die Akzeptanz dafür war um so größer, als die ökonomische und soziale Mobilität, welche die Anfänge der Kaiserzeit kennzeichnet, einen Verlust an Sicherheit für das Individuum und an gesellschaftlicher Solidarität bedeutete. Diese klassische Interpretation eines historischen Phänomens könnte aber so verstanden werden, daß Menschen, die in allen sozialen Schichten der Bevölkerung Angst vor Veränderungen hatten, ihre Errettung im Heilsangebot ei­ner neuen Religion gefunden haben. Zugestanden: Jeder Glaube setzt eine Entscheidung voraus, die sich nicht nur durch rationale Beweise begründen läßt. Was hinzugefügt werden muß ist al­lerdings, daß auch der Unglaube - der Glaube, daß etwas nicht ist, wie es Lukian am klarsten von allen vertritt - eine solche Entscheidung wenigstens implizit trifft. Die Erklärung der Erfolge des Frühchristentums durch die geistige Not und durch die Angst des hellenistisch-römischen Men­schen tendiert aber dazu, eine Art Entschuldigung zu wer­den, indem sie die Naivität einer Leicht­gläubigkeit durch den Druck äußerlicher Faktoren zu rechtfertigen versucht. Die Perspektive ei­ner solchen Interpretation bleibt insofern einseitig, als sie den Glauben und das geistige Leben des Individuums auf konditionierte, psychologische und sozio­logische Funk­tionen reduziert und als eine Irrationalität unterstellt, die aus der Verteidigung von unmittelbaren Interessen entstehen würde. Noch­mals zugestanden: Für den Erfolg des Frühchristentums in der hellenistisch-rö­mischen Welt haben psychologische und soziologische Faktoren be­stimmt eine Rolle gespielt. Der rationale Cha­rakter subjektiver Entscheidungen und Bekehrungen darf aber nicht unter­schwellig abgesprochen werden. Die Beurteilung des Überzeu­gungssystems und des ethischen Verhaltens der Christen und die Erklärung ihrer Rationalität oder ihrer Irrationalität hängt andererseits von einer existentiellen Entscheidung des Beobachters ab, die nicht nur rational zu begründen ist.

Auffällig sind in diesem Zusammenhang sowohl die Parallelismen als auch die Symme­trien, die zwischen den Beschreibungen von Plinius und Lukian einerseits und der Selbstdefinition des Christentums, die der 1. Thessalonicherbrief, die älteste Schrift des Neuen Testaments, ande­rerseits indirekt anbietet, feststellbar sind. Parallel lassen sich nämlich die Kennzeichen des christ­lichen Glaubens durch vier Aussagen zusammenfassen: 1. Die Christen haben die Götzen aufge­geben. 2. Ihr Glaube begründet eine neue Form der Solidarität. 3. Sie glauben an die Auferstehung der Toten. 4. Dies strukturiert ihre Existenz durch die Hoffnung. Die beiden ersten Themen in­teressieren uns hier:


a) Die Christen haben die hellenistischen Götter ge­leugnet, verehren aber ihren gekreuzig­ten Sophisten, schreibt Lukian. Sie haben sich von den Götzen zu Gott be­kehrt, um dem lebendi­gen und wahren Gott zu dienen und aus den Himmeln seinen Sohn zu erwarten, den er von den Toten auferweckt hat, lautet die frühchristliche Formulierung (1 Thess 1,9-10). Monotheismus ist nicht das Thema, wie es selbst Lukian exakt gesehen hat. Der Monotheismus ist nämlich das The­ma von Epiktet und das Thema der ratio­nalistischen Position. Die Vorstellung der Existenz eines einzigen Gottes ist eine aufklärerische, universalistische und integrative Idee: Eine einzige Gott­heit verehren alle ver­nünftigen Menschen unter verschiedenen Namen, und alle Götter der Welt sind vielfältige Erscheinungen des Höch­sten. Der Monotheismus ist zwar für Paulus kein ganz fremder Gedanke: „Wir wissen, daß es in der Welt keine Götzen gibt und daß es keinen Gott gibt außer dem Einen“, schreibt er in 1 Kor 8,4. Die Be­gründung dieser Aussage ist aber gleich­zeitig ihre Problematisie­rung: „Denn wenn es wirklich sogenannte Götter, sei es im Himmel oder auf Erden, gibt, wie es denn viele Götter und viele Herren gibt, so gibt es doch für uns nur einen Gott, den Vater..., und einen Herrn Jesus Christus...“ (1 Kor 8,5-6). Kurz zusammengefaßt lautet die Argumentation: Es existiert überhaupt in der Welt nur ein Gott, weil wir uns entschieden ha­ben, diesem Gott zu dienen. Anders formuliert: Die metaphysische Aussage des Monotheismus ergibt sich aus der Subjektivität des Bekenntnisses. Genau dieses Moment der Entscheidung, des Be­kenntnisses und der Abgrenzung wird sowohl bei Lukian als auch im 1. Thessalonicherbrief hervorgehoben. Die Chri­­sten haben die versöhnende Position des Monotheismus abgelehnt, um eine Wahl zwischen den Göttern zu treffen. Daß die getroffene Wahl töricht ist, ist dem Lukian evident. Für Paulus ist diese Torheit die Weisheit, die zum Leben führt. Diese Idee, daß der Mensch sich zwischen den Göttern zu entscheiden hat oder, was auf dasselbe kommt, daß sich die Götter gegenseitig ausschließen und daß der Mensch seine eigene Identität konstituiert und sich selbst wählt, indem er sich für einen Gott entscheidet, den er als forum seiner Existenz emp­fängt, ist eine Erfindung des Chri­stentums, die aus jüdischen Wurzeln gewachsen ist. Sie grün­det auf der Offenbarung, daß sich Gott als der Vater des Gekreuzigten offenbart hat. „Der christliche Gott ist ein besonderer Gott unter allen übrigen, denn nur mit ihm wurde die westliche Zivilisation als eine besondere soziale Organisation einer Vielheit von Individuen geschaffen, die ein Bewußtsein ihres Ichs besitzen. In diesem Sinn haben die Menschen, als sie Gott erdachten (das heißt, eben diesen Gott erdachten), sich selbst als sich selbst genügende Wesen er­dacht... Die Anerkennung Gottes ist für mich gleich­bedeutend mit dem Wissen um die Existenz eines Gewissens in mir.“13 Dieses Angebot eines Gottes, der einen Aus­schließlichkeitsanspruch erhebt und dadurch die per­sönliche Identität und das individuelle Selbstbewußtsein des Einzelnen begründet und herausfor­dert, ist das erste Thema der Verkündigung des Evangeliums in der hellenistisch-römischen Gesell­schaft. Warum diese jüdisch-christliche Vorstellung mit einer großen Akzeptanz in den Städten der Kaiserzeit rechnen konnte, und warum der monolatrische Exklusivismus gerade zum Erfolg des Frühchristentums beigetragen hat, soll noch erwähnt werden. Festgehalten werden soll nur, daß der antiaufklärerische Ausschließlichkeitsanspruch des jüdisch-christ­lichen Gottes eine neue Di­mension des mensch­lichen Geistes hervorruft und herausfordert.


b) Die zweite Aussage, die sowohl nach Lukian als auch nach dem 1. Thessalonicherbrief das Über­zeugungssystem und das Verhalten der Christen kennzeichnet, ist eine direkte Konse­quenz der ersten. Die Entscheidung für den wahren und lebendigen Gott wird nämlich ekklesio­logisch, das heißt berufungstheologisch interpretiert: Die Chri­sten sind zum Heiligen Volk und zum christ­lichen Haus erwählt worden. Der Versammlungsort der Gemeinde ist das Haus. Aber der Begriff des Hauses wird auch metaphorisch verwendet: Der Christ gehört zum Haus der christ­­lichen Gemeinde und dadurch zum Haus Gottes und zur Familie Gottes. Diese Verbindung zwischen dem Indikativ der Erwählung und der Heiligkeit einerseits und der ethischen Aufforde­rung zur Heiligung und zur Bruderliebe andererseits wird sowohl in der frühchristlichen Paränese (1. Thessalonicher-, 1. Petrusbrief) als auch in den heidnischen Berichten hergestellt. Nach Lukian sind die Christen dadurch zu Brüdern gemacht worden, weil sie von den Göttern zum Gekreuzig­ten übergegangen sind, und die ganze Schuld, die ehemalige Angehörige der Gemeinden vor Plini­us bekennen konnten, bestand in der doppelten Tatsache, daß sie sich regelmäßig vor Sonnenauf­gang für den Gottesdienst versammelten und daß sie sich zur Unterlassung von Diebstahl, Raub, Ehebruch, Treulosigkeit und Unterschlagung von anvertrautem Gut verpflichtet hatten. Was da­durch klar gemacht wird, ist, daß das Evangelium nicht nur ein persönliches Identitätsangebot bedeutete, was die Myste­rien­kulte und ihre Initiationen zur Vereinigung mit der Gott­heit für das Individuum auch darstellen konnten, sondern zunächst eine Aufwertung des einzelnen als Person, die unabhängig von ihren Eigenschaften geliebt und anerkannt wird, und als Konsequenz davon eine neue Form der sozialen Identität, die sich dadurch definiert und abgrenzt, daß sie die sozialen Rollendefinitionen und die - per definitionem abstrakten - Klassen ablehnt, um das Individuum als Unverwechselbares und selbstreflektierendes Subjekt anzuerkennen.14 Diese neue Art der Identität definiert sich sowohl als Privileg (der Erwählung oder der Berufung) als auch als Her­ausforderung durch eine Ethik, die die geschwisterliche Solidarität im Haus der Gemeinde und eine be­stimmte Moral für das öffentliche Verhalten begründet. Die Christen leben nach den Vorschriften ihres gekreuzigten Sophisten, beobachtet Lukian. Diese soziale Identität hat eine lokale und unmittelba­re Dimension, indem sie ihren kon­kreten Ort im gemeinsamen Leben der Hausgemeinde hat, aber auch eine symbolische und ökumenische Bedeutung, weil die lokale Kirche zur Diaspora des Leibes Christi und der domus Dei auf Erden gehört.

Die soziale Dimension des Christentums war attraktiv auf der doppelten Ebene des Fort­schrittes des individuellen Selbst­bewußtseins und der religiös-politischen Sym­bolik. Als Gegensatz zu der offiziellen Propaganda und zur herrschenden Ideologie, die das römische Reich als Familie und Haus des Kaisers vorstellt, bietet sie ein alternatives Bewußtsein und eine Aufwertung durch die Zugehörigkeit zu einer neuen, himmlischen Heimat an. Diese himmlische Heimat bildet einen festen und absoluten Bezugs­punkt für Leute, die in einer Zeit leben, wo alles mobil und instabil geworden ist. Der Anfang der Kaiserzeit ist eine Periode des Friedens und des wirtschaftlichen Auf­schwungs.15 Die alten Stände, welche die traditionelle Ord­nung der Gesellschaft durch klare Schich­tungen definierten, existieren zwar noch. Sie werden aber von innen her durch die finan­ziellen und ökonomischen Aufstiegsmöglichkeiten der einzelnen relativiert. Sie werden von au­ßen her durch den kaiserli­chen Zen­tralismus modifiziert, der die alte, integrative Tradition der römischen Zivilisation weiterführt und Fremde zum Adel befördert. Aufstiegsmöglichkeiten und Mobilität bedeuten neue Chancen für das Individuum, aber auch für den Zufall. Garantien gegen den bösen Zufall, und dadurch in einer bestimmten Hinsicht Sicherheit, liefern sowohl die Astro­logie als auch die Magie und die Mysterienkulte. Darüber hinaus bietet das Christentum eine neue Form der sozialen Solidarität an, die auf einer neuen Entwicklung des Selbst­bewußtseins und des geistigen Lebens des Individuums gründet.

Die soziale Dimension des Christentums ist deshalb ein indirekter Faktor, der seinen Er­folg nach­vollziehen läßt. Der Grund dafür ist aber anthropologischer Art: „In einer Gesellschaft mit einem stark entwickelten religiös-moralischen Bewußtsein wirkt der Verkünder des Atheis­mus wie ein Aufklärer, wie ein Kämpfer für das Wohl der Menschheit, wie ein Feind der Restau­ration. Das ist die eine Seite. Anders steht es um eine Gesellschaft, in der das religiös-moralische Bewußtsein bis auf den Grund zerstört ist und ein geistiger Hunger gerade danach existiert. Der Hungrige braucht Brot und kein Geschwätz darüber, daß er, erst einmal satt geworden, am Über­fluß ersticken wird“.16

 

4. Zum Abschluß möchte ich mich darauf be­schränken, die drei Thesen, die ich zu begründen versucht habe, zu wiederholen.


a) Meine erste These war, daß Plinius die Überlebenschancen des Christentums deswegen unterschätzt hat, weil er Opfer einer bestimmten Blind­heit der hellenistisch-römischen Intellektu­ellen und Eliten war. Intelligente Philosophen, Historiker, Wissenschaftler und Politiker haben das Chri­stentum verachtet, weil es nicht die Regeln des intellektuellen und sozialen Spieles ein­hielt, das ihre traditionelle Auffassung der Rationalität bestimmt hatte. Nun aber sind die Karten neu verteilt worden, so daß die Priester, wel­che die Stunde ihres Glanzes hinter sich haben, heute wie damals auf niedrigen Sitzen, aber im Lager der intelligenten Philosophen, Wissenschaftler und Politiker sitzen. Genauso wie Plinius haben sie die ehrwürdige Aufgabe, eine geistige und kultu­relle Tradition zu vertreten, und manchmal können sie sich auch über Erfolge freuen: „Fest steht jedenfalls“, schreibt Plinius an Trajan, „daß man die schon fast verödeten Tempel wieder zu besu­chen beginnt, daß die regelmäßigen Opfer, die lange unterbrochen waren, wieder auf­genommen werden und das Fleisch der Opfertiere, für das es eben noch kaum mehr einen Käufer gab, überall wieder Absatz findet.“17 Es wäre daher ein Fehler, tiefe Veränderungen zu übersehen und neue For­men der Kommunikation des Evangeliums (Literatur, Kunst, Theater, Musik) zu verachten und zu unterschätzen.

b) Meine zweite These lehnte sich an die Überlegungen des Apostels Paulus an und beton­te einerseits den rationalen Cha­rakter des Evangeliums und der christlichen Theo­logie, wie sie Paulus versteht und treibt, andererseits ihr kritisches Potential gegenüber der Verselbständigung des mensch­lichen Logos, wie er sich im Absolutheits­anspruch des philosophischen Rationalismus, aber wahrscheinlich in jeder ideologischen Reduktion der Wirklichkeit manifestieren kann. Diese These behauptet einerseits, daß das Christentum seine Identität aufgibt, wenn es den Forderungen der Rationalität nicht mehr gerecht ist, das heißt: sobald es sich als einen Zusammenhang von Über­zeugungen vorstellt, die nicht mehr ein widerspruchsfreies und intersubjektiv nachvollzieh­bares Ver­ständnis der Wirklichkeit ermöglichen. Der christliche Glaube ist nicht nur eine Stim­mung oder ein Gefühl, sondern auch ein kritisches Selbstverständnis der mensch­lichen Existenz. Diese These behauptet aber auch die Paradoxie dieser Rationalität: Falls oder wenn sich Gott in der Mensch­werdung seines Sohnes oder in der Kreuzigung von Jesus von Nazareth offenbart hat, und falls oder wenn dieser Gott auch der Schöpfer der Welt und der erfahrbaren Wirklichkeit ist, dann kann die christliche Gotteslehre keine theistische Begründung der Aufklärung und des Ra­tionalismus bleiben, wie Voltaire es selbst noch gerne gehabt hätte, sondern vielmehr die Offenba­rung des spannungsvollen, chaotischen weil lebendigen Charakters der geschaffenen Rea­lität. Die Versuchung ist groß, die schöne Ordnung der Schöpfung mit Unbeweglichkeit und Regelmäßig­keit zu verwechseln. Unbeweglichkeit und Regelmäßigkeit sind aber Kennzeichen des Todes, das Leben besteht aus Oszillationen und Unberechenbarem. Die empirische Plausibilität einer parado­xen Rationalität begründet aber weder ihre Notwendigkeit noch ihre Legitimität. Die Notwendig­keit und die Legitimität der Paradoxalität der christlichen Logik ergibt sich aus dem, was die christ­liche Hypothese für die Interpretation der Wirklichkeit begründet, das heißt die österliche Deutung eines Kreuzes als die Offenbarung Gottes. Meine These ist, daß der Verlust der Paradoxa­lität gleichsam den Verlust der christlichen Identität bedeutet, und daß der Gesang der Druiden, die zu einer integrativen, allversöhnenden und unanstößigen Religion rufen, die Auflösung des Chri­stentums in einen hellenistisch-römischen Panhumanismus vorbereitet.


c) Meine dritte These interpretierte nicht nur den theologischen Exklusivismus der christ­lichen Predigt und die Dialektik des Berufungsgedankens und der Solidarität, die sich daraus er­geben, als entscheidende Gründe für den Erfolg des Frühchristentums. Sie sollte vielmehr drei Aus­sagen in Verbindung setzen. Erstens: Der Ausschließlichkeitsanspruch des Christentums ist kein beliebiger Glau­benssatz, sondern er ergibt sich notwendigerweise aus dem Zentrum des evan­gelischen und apostolischen Bekenntnisses, nach welchem sich der wahre und lebendige Gott am Karfreitag und Ostern offenbart hat. Zweitens: Gegenüber dem Monotheismus stellt insofern der Exklusivismus des jüdisch-christlichen Gottes einen geistigen Fortschritt dar, als diese Vorstellung eines persönlichen Gottes mit der Entstehung und der Herausforderung des Bewußtseins, des Ge­wissens und des geistigen Lebens des Individuums als einzelnen Subjekts einhergeht. Der Mono­theismus macht den Menschen zum Mitmacher, die Entscheidung zwischen den Göttern macht ihn zum Dissidenten, indem sie ihm eine unverwechselbare Identität verleiht. Drittens: Der Erfolg dieses Identitätsangebots des Christentums erklärt sich nicht durch die Leichtgläubigkeit, die Nai­vität oder die ängstliche Suche nach Sicherheit, sondern weil Menschen im Evangelium, das heißt in der Offenbarung des geistigen Lebens des Einzelnen, ein Interpretationsmodell für das Ver­ständnis, die Verarbeitung und die Bewältigung ihrer persönlichen Geschichte gefunden hatten.18 Solche Probleme versuchte Plinius, mit politi­scher Strategie und gutem Management zu lösen. In den Kirchen Gottes weiß man, daß das geistige Leben keine organisatorische Frage ist. Die Zu­kunft des Christentums gehört denjenigen, die hungrig und durstig nach geistigem Leben sind. Für sie brennt das Feuer des Evangeliums, und sie werden es finden.

 



*   Dieser Text ist die bearbeitete Fassung eines Vortrages, der am 13.02.1997 an der Theologischen Fakultät Paderborn und am 27.05.1997 an der Ruhr-Universität Bochum gehalten wurde. Für Ideen und Zusammenhänge, die in den anschließenden Diskussionen entstanden und in dieser Fassung umgesetzt worden sind, bin ich sehr dankbar.

1  Begründung und Hintergrundinformationen in François Vouga: Geschichte des frühen Christentums. Tübingen, 1994.

2  Einen glänzenden Überblick der intellektuellen Rezeption des Christentums in der hellenistisch-römischen Welt bietet Fabio Ruggiero: La follia dei cristiani. Su un aspetto della „reazione pagana“ tra I e V secolo. Milano: La cultura, 1992.

3  Tacitus: Ann. 15,44,3.

4  Galen: De pulsum differentiis. 2,4.

5  Galen (s. Anm. 4), 3,3.

6  Galen: Über Hippokrates’ Anatomie. Zitiert nach: Robert L. Wilken: Die frühen Christen:  Wie die Römer sie sahen. Graz; Wien; Köln, 1986.

7  Lukian von Samosata: Peregrinos 13. Zitiert nach: Karl Mras (Hrsg.): Die Hauptwerke des Lukian. Griechisch und deutsch. München: Tusculum, 21980.

8  Epiktet: Diss. 4,7.

9  Marc-Aurel: Selbstbetrachtungen. 11,3.

10 Ich folge hier dem glänzenden Interpretationsvorschlag von Dorothea Frede: Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Von Platon zu Plotin. In: Gerhard Sellin; François Vouga (Hrsg.): Logos und Buchstabe. Mündlichkeit und Schrift­lichkeit im Judentum und Christentum der Antike. Tübingen, 1997 (TANZ; 20), 33-54.

11 Vgl. Sextus Empiricus: Hypotyposen; Kurt Gödel: Einige mathematische Resultate über Entscheidungsdefinitheit und Widerspruchsfreiheit. In: Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Wien, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, 67 (1930) 214 f. Beweise: Kurt Gödel: Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und ver­wandter Systeme I. In: Monatshefte für Mathematik und Physik 38 (1931) 173-198.

12 Versucht wird, die erkenntnistheoretischen Kriterien von Karl Popper: Die beiden Grundprobleme der Erkenntnis­theorie. Tübingen, 1979 (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften; 18), auf die Aussagen anzuwenden, die erst auf der Ebene der Subjektivität falsifizierbar sind. Cf. Pierre Paroz: Foi et raison. La foi chrétienne aux prises avec le ra­tionalisme critique: Hans Albert et Gerhard Ebeling. Genève, 1985 (Lieux Théologi­ques; 8); François Vouga; Achim Riggert; Philippe Kneu­bühler:  Wo’s Wissenschaft ist, nicht wissen zu dürfen. Wissenschaftliche Theologie und Theodi­zee. In: WuD 21 (1991) 177-195.

13 Alexander Sinowjew: Lichte Zukunft. Roman. Zürich, 1983 (Diogenes Ta­schenbuch; 21133), 101-103.

14 Cf. Blaise  Pascal: Pensées. Br. 323.

15 Die folgende Analyse verdanke ich meinem Freund und Kollegen Prof. Dr. Henneke Gülzow.

16 Sinowjew (s. Anm. 13), 104.

17 Plinius:  ep. 10,96.

18 E contrario sind das neue Selbstbewußtsein des Einzelnen und seine eman­zipatorischen Auswirkungen in der kon­servativ orientierten Ten­denz der Haustafeln der neutestamentlichen Schriften und in den unter­schiedlich begründeten Versuchen, sie einzudämmen, am besten belegt. Siehe dazu die offensiven Strategien des 1. Petrusbriefes und die defen­siven Argumentationen des 1. Thessalonicherbriefes.