Die These dieses Essays ist es, daß sich der Erfolg des
Christentums nicht durch soziale Ängste und Nöte erklären läßt, sondern
vielmehr dadurch, daß die Verkündigung des Evangeliums, die eine Unterscheidung
zwischen der Person und ihren Eigenschaften und die Anerkennung des einzelnen
als von Gott geliebte Person voraussetzt, die Erfindung des Individuums und
einer neuen Qualität der menschlichen Gemeinschaft bedeutete.
The success of early
Christianity cannot be explained by referring to social anxiety or misery, but
to the new anthropologie wich is included in the proclamation of the gospel.
Distinguishing between the qualities of a person, his or her character, and the
appreciation of the individual person as beloved by God, this proclamation
implied both the invention of individual
persons and a new quality of human society.
In einem Briefwechsel, in dem sich Plinius und der Kaiser
Trajan bemühen, das christliche Problem nach dem Geist der Zeit, das heißt in einer
aufgeklärten und würdigen Art und Weise zu lösen, rechnet der kaiserliche Legat
damit, daß es wohl möglich sein wird, das Christentum einzudämmen und
auszurotten. Diese Fehleinschätzung läßt sich zum einen durch die quantitativ
noch schwache Verbreitung des Christentums am Anfang des 2. Jahrhunderts
erklären. Christen und christliche Häuser gab es zwar von Mesopotamien bis
nach Rom und von Ägypten bis zum Schwarzen Meer, und dies bereits seit der
Mitte des 1. Jahrhunderts; die demographischen Einschätzungen ergeben aber für
das Ende des 1. Jahrhunderts kaum 50.000 Christen gegenüber 4 bis 5 Millionen
Juden bei insgesamt etwa 60 Millionen Einwohnern im römischen Reich.1 Die Fehleinschätzung von
Plinius ergibt sich aber zum anderen aus der allgemeinen Verachtung der römischen
Eliten für das neue religiöse Phänomen. Was das Christentum kennzeichnet, ist
einerseits der irrationale Charakter des christlichen Glaubens und
andererseits die Hartnäckigkeit und der unbeugsame Starrsinn seiner
Angehörigen. Daß beides zusammengehört, verstärkt nur die negativen
Werturteile der römischen Intellektuellen.
1. Versucht man nämlich, einen Überblick über die
Rezeption des Christentums in der hellenistisch-römischen Literatur der zwei
ersten Jahrhunderte zu gewinnen, dann fällt der Konsens auf, der sich aus dem
Urteil von Historikern, Philosophen, Wissenschaftlern und Politikern ergibt.2 Die Christen sind irrational
sowohl in ihren Überzeugungen als auch in ihrem Verhalten. Was ihre
Überzeugungen betrifft, sind sie naiv und leichtgläubig, lassen sich durch
Autoritätsargumente und ohne Beweise überreden und sind bereit, alles zu tun,
was ihr erster Lehrer, ein gekreuzigter Sophist, ihnen vorgeschrieben hat.
Diese intellektuellen Defizite finden ihren Ausdruck in ihrem Verhalten und
besonders in der Bereitschaft der Christen zum Martyrium. Die Bereitschaft,
freiwillig zu sterben, könnte eine Form der Freiheit sein, wenn sie dafür
vernünftige und logisch nachvollziehbare Gründe hätten, und wenn ihr Tod eine würdigere und weniger theatralische
Form annehmen würde. Genauso unverständlich sind die ethischen Prinzipien, die
sowohl ihr gemeinsames Leben als auch ihre Haltung gegenüber der Gesellschaft,
ihre Werte und ihre Gesetze bestimmen.
a) In den Annalen bietet Tacitus eine kurze Darstellung
der Christen. Abgesehen von bloßen Fakten, werden zwei Elemente
hervorgehoben. Das erste besteht in der Definition des Christentums als
Aberglaube (superstitio), was sowohl den irrationalen als auch den
nicht-traditionellen Charakter der neuen Religion betont; das zweite besteht in
dem sektiererischen Verhalten der Christen, die durch ihre Abgrenzung von den
Heiden (das heißt, wie man es sowohl von den Christen als auch von den Juden
sagte, durch ihren allgemeinen Menschenhaß, odium humani generis) den
Haß der heidnischen Bevölkerung verursachen. Irrationalität und soziale Abgrenzung
sind aber insofern dasselbe, als der Menschenhaß eine Absonderung vom humanistischen,
aufgeklärten menschlichen Verstand bedeutet: „Der Name (Chrestianer) leitet
sich von Christus ab; dieser war unter der Regierung des Tiberius durch den
Procurator Pontius Pilatus hingerichtet worden. Für den Augenblick wurde der
verderbliche Aberglaube unterdrückt. Aber er brach wieder aus, nicht nur in
Judäa, dem Ursprungsort dieses Unheils, sondern auch in Rom, wo alles Scheußliche
und Schandbare von überallher zusammenströmt und Anhang findet.“3
b) Ein ähnliches Bild setzt der Arzt Galen voraus, der
sich mit dem Werk seines Zeitgenossen und Kollegen Archigenes über die
Interpretation des Phänomens des Pulses auseinandersetzt. Eine sachliche und
ernste Diskussion scheint Galen zwecklos zu sein, weil Archigenes nach seiner
Meinung ohne sorgfältige Untersuchung und ohne solide Beweisführungen arbeitet.
„Doch wäre es nicht vorzuziehen, eine triftige Beweisführung zu bringen, als
sich auf eine allgemein vertretene Meinung zu berufen? Gibt man keine Gründe
für die eigene Auffassung an, so wäre es, als wenn man in die Schule von Moses
und Christus eingetreten wäre und das Gerede von unbewiesenen Gesetzen hörte.“4 „Denn man könnte leichter
den Anhängern von Moses und von Christus Neuheiten beibringen als den Ärzten
und Philosophen, die an ihren Schulen festhalten. Also habe ich mich
schließlich entschlossen, unnötiges Gerede zu vermeiden, indem ich auch in
Zukunft mit ihnen überhaupt nichts mehr zu reden haben werde.“5 Die Leichtgläubigkeit der
Christen ist sprichwörtlich geworden für Leute, die bereit sind, ohne Beweise
zu glauben und sich durch bloße Autoritätsargumente überreden zu lassen.
Deshalb werden Ärzte, die die Medizin ohne wissenschaftliche Kenntnisse
praktizieren, mit Moses verglichen, „der die Gesetze für den Stamm Israel
machte. Es ist die Methode in seinen Büchern, zu schreiben und keine Beweise
zu bringen. Er sagt einfach: Gott gebot, Gott sprach.“6
c) Lukian von Samosta gibt Informationen wieder, die sich
mit den Hauptthemen der christlichen Missionspredigt zum großen Teil
überschneiden. Werturteile und Begründungen verstärken aber das von Tacitus
und Galen skizzierte Bild: „Die Unglückseligen sind ja überzeugt, daß sie
überhaupt unsterblich sind und ewig leben werden, im Hinblick worauf sie den
Tod verachten und die meisten sich freiwillig opfern. Dann hat ihr erster
Gesetzgeber sie überzeugt, daß sie einander Brüder seien, wenn sie einmal die
Vorschriften der (heidnischen) Religion übertreten und die hellenistischen
Götter verleugnet haben, jenen ihren gekreuzigten Sophisten aber verehren und
nach seinen Vorschriften leben. Sie verachten also alles gleichermaßen und
halten es für Gemeingut, da sie solche Ansichten ohne genauen Beweis (a3new
tino!_ a2kribou5_ p<stew_) übernommen haben. Falls nun ein geschickter
Gauner, der die Verhältnisse auszunützen imstande ist, zu ihnen kommt, wird er
in kurzem sehr reich und lacht den naiven Leuten ins Gesicht.“7
d) Viel kürzer ist Epiktet, der nochmals auf dasselbe
verweist. Der Kontext, in dem die Christen erwähnt sind, bezieht sich auf das
Problem der Angst und der Freiheit von der Angst. Die These des Abschnitts ist
die folgende: Es gibt zwei Gründe, weshalb Menschen bereit sind, alles zu
verlieren, was sie besitzen. Der erste ist der Wahnsinn, der als geistige
Störung so gestimmt sein kann, daß es ihm gleichgültig ist, etwas zu besitzen
oder nicht. Der zweite ist durch die Philosophie gegeben: „Wenn schon jemand
infolge von Wahnsinn zu einer solchen Einstellung gegenüber diesen Dingen
kommen kann, wie auch die Galiläer aufgrund der Gewöhnung, sollte dann niemand
aufgrund vernünftiger Überlegung und Überzeugung einsehen, daß Gott alles, was
in der Welt ist, und die Welt selbst geschaffen hat, damit sie als ganze frei
von jeder Behinderung sei und ihren Zweck nur in sich selbst habe und damit
deren Teile dem Nutzen des Ganzen dienten?“8
Die Argumentation stellt die vernünftige Entscheidung des
menschlichen Logos der geistigen Störung und der bloßen Gewöhnung der Christen
entgegen. Sie meint, daß die Christen glauben, frei zu sein, es aber nicht
sind; diese Gegenüberstellung wird ihrerseits programmatisch durch das antithetische
Paar Rationalität und Irrationalität interpretiert.
e) Die gleichen Vorstellungen führen zur Disqualifizierung
des christlichen Martyriums bei Marc-Aurel: „Oh, was für eine Seele ist das,
die bereit ist, jeden Augenblick von dem Körper, wenn es so sein soll, sich
loszulösen und entweder zu erlöschen oder zu zerstäuben oder mit ihm fortzudauern!
Nur muß diese Bereitschaft von der eigenen Überzeugung herstammen, nicht aber,
wie bei den Christianern, von bloßem Eigensinn; vielmehr muß sie mit reiflicher
Überlegung und Würde verbunden und ohne tragischen Pomp sein, so daß sie auch
andere überzeugt.“9
Meine erste These ist die folgende: Der Hauptgrund,
weshalb Plinius das Phänomen der Verbreitung des Christentums unterschätzt
hat, liegt an der Verachtung der Intellektuellen und der Eliten für eine neue
religiöse Bewegung, der es sowohl an logischer Schärfe wie an kritischer Vernunft
als auch an solider Denktradition mangelte. Die Verachtung der Eliten und
Intellektuellen für neue religiöse, philosophische oder politische Bewegungen,
die die Regeln des intellektuellen Spieles nicht einhalten, ist kein
isolierter Fall in der Geschichte und auch nicht die möglichen
Fehleinschätzungen, die daraus folgen können. Der Eindruck, daß die Christen
die Regeln des gesellschaftlichen und des intellektuellen Spieles nicht einhalten,
bildet den Konsens der heidnischen Schriftsteller und Denker: Für die Griechen
und Römer, sofern sie gebildet und aufgeklärt sind, ist das Christentum eine
Torheit, wie es Epiktet am klarsten - nach Paulus - formuliert hat.
2. Hatte nun das Christentum Erfolg, weil es irrationale
Überzeugungen und Verhaltensregeln vertrat und beachtete? Verblüffend sind in
diesem Zusammenhang die Reflexionen des Apostels Paulus über die Konfrontation
des christlichen Evangeliums mit der hellenistischen Welt: Das Wort vom
Kreuz, schreibt der Heidenapostel, ist Torheit für die Griechen (1 Kor
1,18-3,4). Zwischen Paulus, Epiktet, Tacitus, Plinius, Lukian und Galen
scheint darüber ein Konsens zu herrschen. Oder, anders formuliert: Paulus hat
in einer bestimmten Hinsicht vorausgesagt und von vornherein thematisiert, was
die hellenistisch-römischen Schriftsteller wiedergeben. Das bedeutet nichts
anderes, als daß sich das Wort vom Kreuz nicht auf der Seite des menschlichen
oder philosophisch-aufgeklärten Logos befindet, sondern auf der Seite einer
bestimmten Irrationalität, oder präziser gesagt: auf der Seite einer
Infragestellung der Rationalität, oder noch präziser: auf der Seite der
Infragestellung einer bestimmten Form von Rationalität.
Die Thematisierung der Grenzen des menschlichen Logos als
Organ für die Erkenntnis und für das Verständnis der Wirklichkeit hat eine
ehrwürdige Tradition. Die Unfähigkeit des Logos, zwischen dem Wesen und den
Eigenschaften der Dinge zu unterscheiden, ist der Grund, den Platon in seinem
7. Brief angibt, weshalb er seine Philosophie nie in einem Handbuch formuliert
hat und, radikaler, warum sich die Philosophie überhaupt nicht in Büchern
vermitteln läßt. Allenfalls liefern Dialoge einzelne Versuche und verschiedene
Ansätze, die als Material für das Weiterdenken verwendet werden können;
Definitionen und Systeme von Begriffen sind aber unzureichend, um sich der
Wahrheit anzunähern.10
In dieser Debatte steht Paulus auf der Seite von Platon und nicht von
Aristoteles. Die Interpretation der Wirklichkeit durch Begriffs- und
Definitionssysteme setzt die Vorstellung einer kosmischen Ordnung der Welt und
der Wirklichkeit voraus, während die dialektische Methode, die unterschiedliche
Aspekte berücksichtigt, nebeneinander stehen läßt oder miteinander verbinden
kann, sich bereit erklärt, für eine Komplexität der Realität offen zu bleiben.
Was auf dem Spiel steht, ist aber der Sinn und das Verständnis der
Rationalität. Der sachliche Grund, weshalb Epiktet, Lukian oder Galen das
Christentum für irrational halten, hängt damit zusammen, daß sie zwei Begriffe,
die von Platon oder von Paulus her klar zu unterscheiden wären, verwechseln:
Einerseits die Rationalität, welche die Verständlichkeit und die Kohärenz
einer logischen und intersubjektiv nachvollziehbaren Rede kennzeichnet, und
andererseits den Rationalismus, der beansprucht, die Komplexität der
Wirklichkeit auf die Ordnungen des menschlichen Logos zu reduzieren. Der
Rationalismus ist eine, aber nur eine Form der Rationalität, die auch paradox
sein kann. In dieser Debatte steht Paulus auf der Seite der Skeptiker, die es
für vernünftig hielten, prinzipielle Aussagen weder für richtig noch falsch,
sondern für unentscheidbar zu erklären.11
Zwei Vorstellungen der Rationalität konkurrieren hier.
Die Alternative, die sie stellen, erfordert eine Entscheidung, die sich
innerhalb der beiden Denksysteme nicht begründen, sondern nur bekennen läßt.
Nicht ohne Wertung stellt Paulus fest: „...das Wort vom Kreuz ist zwar denen,
die verlorengehen, eine Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine
Kraft Gottes“ (1 Kor 1,18). Warum soll das Evangelium Gottes eine Torheit
sein? Die Antwort verweist unmittelbar auf unsere Problematik: Weil die
Weisheit der Welt, das heißt: des menschlichen Logos, die Weisheit Gottes als
Weisheit nicht anerkannt hat. Was Paulus unternimmt, ist nichts anderes als
die Kritik einer Rationalität, die sich der Paradoxalität der Wirklichkeit
verschlossen hat. Die letzte Begründung dieser Kritik der philosophischen
Religionskritik besteht nämlich in einer Interpretation des Lebens und des
Todes Jesu, nach welcher sich der Schöpfer der Welt im absoluten Paradoxon des
Todes des Gottessohnes offenbart hat. Ist aber der Schöpfer der Welt paradox zu
denken, dann läßt sich die Wirklichkeit nicht auf die Regelmäßigkeit eines
Systems reduzieren, die ein großer Uhrmacher geregelt hat.
Hatte das Christentum Erfolg, weil es irrationale
Überzeugungen und irrationale Verhaltensregeln vertrat und beachtete? Die
Beantwortung dieser Frage ist von der Vorstellung der Rationalität, die
vorausgesetzt oder postuliert wird, abhängig. Meine zweite These ist die
folgende: Die Verachtung des Christentums durch die hellenistisch-römischen Eliten
ist von Paulus vorausgesagt und im voraus auf einer erkenntnistheoretischen
Ebene begründet worden: Für die Griechen ist das christliche Evangelium eine
Torheit (mwr<a). Genau das meinen auch einige Jahrzehnte später Epiktet,
der die Gewöhnung (e3jo_) der Galiläer dem Wahnsinn (man<a) gleichsetzt, und
die anderen. Die Betrachtungen des Theologen zeigen aber zum einen, daß das
Evangelium des Kreuzes auch seine Rationalität und seine Plausibilität hat: Das
christliche Überzeugungssystem entfaltet ein widerspruchsfreies und
intersubjektiv nachvollziehbares Verständnis der Wirklichkeit und der
menschlichen Befindlichkeit.12
Zum anderen unternehmen sie eine Kritik der Rationalität, sobald diese
Rationalität des menschlichen Logos den Absolutheitsanspruch des Rationalismus
erhebt. Zwei Anwendungen der Rationalität oder, um in der paulinischen
Begrifflichkeit des 1. Korintherbriefes zu bleiben, zwei Anwendungen der
Weisheiten konkurrieren. Um dasselbe anders zu formulieren: Glaube und
Irrationalität dürfen insofern nicht gleichgesetzt werden, als das Gegenteil von Glaube Unglaube ist
und der Glaube genauso rational sein
kann wie der Unglaube irrational. Ist die Wirklichkeit paradox, dann soll es
die Rationalität auch nachvollziehen können.
3. Die paulinische Verteidigung des christlichen Glaubens
ist bei der Untersuchung der Gründe für den Erfolg des frühen Christentums
insofern wichtig, als sie uns verbietet, die Werturteile der
hellenistisch-römischen Eliten unter dem Deckmantel verharmlosender psychologischer
oder soziologischer Erklärungen stillschweigend und unkritisch zu übernehmen.
Das frühe Christentum hat sich insofern rasch verbreitet, als es dem
hellenistischen Menschen persönliche Identität, eine soziale Identität, eine
Hoffnung angesichts der Zukunft und deshalb auch einen Sinn für die Existenz
anbieten konnte; die Akzeptanz dafür war um so größer, als die ökonomische und
soziale Mobilität, welche die Anfänge der Kaiserzeit kennzeichnet, einen
Verlust an Sicherheit für das Individuum und an gesellschaftlicher Solidarität
bedeutete. Diese klassische Interpretation eines historischen Phänomens könnte
aber so verstanden werden, daß Menschen, die in allen sozialen Schichten der
Bevölkerung Angst vor Veränderungen hatten, ihre Errettung im Heilsangebot einer
neuen Religion gefunden haben. Zugestanden: Jeder Glaube setzt eine
Entscheidung voraus, die sich nicht nur durch rationale Beweise begründen läßt.
Was hinzugefügt werden muß ist allerdings, daß auch der Unglaube - der Glaube,
daß etwas nicht ist, wie es Lukian am klarsten von allen vertritt - eine solche
Entscheidung wenigstens implizit trifft. Die Erklärung der Erfolge des Frühchristentums
durch die geistige Not und durch die Angst des hellenistisch-römischen Menschen
tendiert aber dazu, eine Art Entschuldigung zu werden, indem sie die Naivität
einer Leichtgläubigkeit durch den Druck äußerlicher Faktoren zu rechtfertigen
versucht. Die Perspektive einer solchen Interpretation bleibt insofern
einseitig, als sie den Glauben und das geistige Leben des Individuums auf
konditionierte, psychologische und soziologische Funktionen reduziert und als
eine Irrationalität unterstellt, die aus der Verteidigung von unmittelbaren
Interessen entstehen würde. Nochmals zugestanden: Für den Erfolg des
Frühchristentums in der hellenistisch-römischen Welt haben psychologische und
soziologische Faktoren bestimmt eine Rolle gespielt. Der rationale Charakter
subjektiver Entscheidungen und Bekehrungen darf aber nicht unterschwellig
abgesprochen werden. Die Beurteilung des Überzeugungssystems und des ethischen
Verhaltens der Christen und die Erklärung ihrer Rationalität oder ihrer
Irrationalität hängt andererseits von einer existentiellen Entscheidung des
Beobachters ab, die nicht nur rational zu begründen ist.
Auffällig sind in diesem Zusammenhang sowohl die
Parallelismen als auch die Symmetrien, die zwischen den Beschreibungen von
Plinius und Lukian einerseits und der Selbstdefinition des Christentums, die
der 1. Thessalonicherbrief, die älteste Schrift des Neuen Testaments, andererseits
indirekt anbietet, feststellbar sind. Parallel lassen sich nämlich die
Kennzeichen des christlichen Glaubens durch vier Aussagen zusammenfassen: 1.
Die Christen haben die Götzen aufgegeben. 2. Ihr Glaube begründet eine neue
Form der Solidarität. 3. Sie glauben an die Auferstehung der Toten. 4. Dies
strukturiert ihre Existenz durch die Hoffnung. Die beiden ersten Themen interessieren
uns hier:
a) Die Christen haben die hellenistischen Götter geleugnet,
verehren aber ihren gekreuzigten Sophisten, schreibt Lukian. Sie haben sich
von den Götzen zu Gott bekehrt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen
und aus den Himmeln seinen Sohn zu erwarten, den er von den Toten auferweckt
hat, lautet die frühchristliche Formulierung (1 Thess 1,9-10). Monotheismus ist
nicht das Thema, wie es selbst Lukian exakt gesehen hat. Der Monotheismus ist
nämlich das Thema von Epiktet und das Thema der rationalistischen Position.
Die Vorstellung der Existenz eines einzigen Gottes ist eine aufklärerische,
universalistische und integrative Idee: Eine einzige Gottheit verehren alle
vernünftigen Menschen unter verschiedenen Namen, und alle Götter der Welt sind
vielfältige Erscheinungen des Höchsten. Der Monotheismus ist zwar für Paulus
kein ganz fremder Gedanke: „Wir wissen, daß es in der Welt keine Götzen gibt
und daß es keinen Gott gibt außer dem Einen“, schreibt er in 1 Kor 8,4. Die Begründung
dieser Aussage ist aber gleichzeitig ihre Problematisierung: „Denn wenn es
wirklich sogenannte Götter, sei es im Himmel oder auf Erden, gibt, wie es denn
viele Götter und viele Herren gibt, so gibt es doch für uns nur einen
Gott, den Vater..., und einen Herrn Jesus Christus...“ (1 Kor 8,5-6). Kurz
zusammengefaßt lautet die Argumentation: Es existiert überhaupt in der Welt nur
ein Gott, weil wir uns entschieden haben, diesem Gott zu dienen. Anders
formuliert: Die metaphysische Aussage des Monotheismus ergibt sich aus der
Subjektivität des Bekenntnisses. Genau dieses Moment der Entscheidung, des Bekenntnisses
und der Abgrenzung wird sowohl bei Lukian als auch im 1. Thessalonicherbrief
hervorgehoben. Die Christen haben die versöhnende Position des Monotheismus
abgelehnt, um eine Wahl zwischen den Göttern zu treffen. Daß die getroffene
Wahl töricht ist, ist dem Lukian evident. Für Paulus ist diese Torheit die
Weisheit, die zum Leben führt. Diese Idee, daß der Mensch sich zwischen den
Göttern zu entscheiden hat oder, was auf dasselbe kommt, daß sich die Götter
gegenseitig ausschließen und daß der Mensch seine eigene Identität konstituiert
und sich selbst wählt, indem er sich für einen Gott entscheidet, den er als forum
seiner Existenz empfängt, ist eine Erfindung des Christentums, die aus
jüdischen Wurzeln gewachsen ist. Sie gründet auf der Offenbarung, daß sich
Gott als der Vater des Gekreuzigten offenbart hat. „Der christliche Gott ist
ein besonderer Gott unter allen übrigen, denn nur mit ihm wurde die westliche
Zivilisation als eine besondere soziale Organisation einer Vielheit von
Individuen geschaffen, die ein Bewußtsein ihres Ichs besitzen. In diesem Sinn
haben die Menschen, als sie Gott erdachten (das heißt, eben diesen Gott
erdachten), sich selbst als sich selbst genügende Wesen erdacht... Die
Anerkennung Gottes ist für mich gleichbedeutend mit dem Wissen um die Existenz
eines Gewissens in mir.“13
Dieses Angebot eines Gottes, der einen Ausschließlichkeitsanspruch erhebt und
dadurch die persönliche Identität und das individuelle Selbstbewußtsein des
Einzelnen begründet und herausfordert, ist das erste Thema der Verkündigung
des Evangeliums in der hellenistisch-römischen Gesellschaft. Warum diese
jüdisch-christliche Vorstellung mit einer großen Akzeptanz in den Städten der
Kaiserzeit rechnen konnte, und warum der monolatrische Exklusivismus gerade zum
Erfolg des Frühchristentums beigetragen hat, soll noch erwähnt werden.
Festgehalten werden soll nur, daß der antiaufklärerische
Ausschließlichkeitsanspruch des jüdisch-christlichen Gottes eine neue Dimension
des menschlichen Geistes hervorruft und herausfordert.
b) Die zweite Aussage, die sowohl nach Lukian als auch
nach dem 1. Thessalonicherbrief das Überzeugungssystem und das Verhalten der
Christen kennzeichnet, ist eine direkte Konsequenz der ersten. Die
Entscheidung für den wahren und lebendigen Gott wird nämlich ekklesiologisch,
das heißt berufungstheologisch interpretiert: Die Christen sind zum Heiligen
Volk und zum christlichen Haus erwählt worden. Der Versammlungsort der
Gemeinde ist das Haus. Aber der Begriff des Hauses wird auch metaphorisch
verwendet: Der Christ gehört zum Haus der christlichen Gemeinde und dadurch
zum Haus Gottes und zur Familie Gottes. Diese Verbindung zwischen dem Indikativ
der Erwählung und der Heiligkeit einerseits und der ethischen Aufforderung zur
Heiligung und zur Bruderliebe andererseits wird sowohl in der frühchristlichen
Paränese (1. Thessalonicher-, 1. Petrusbrief) als auch in den heidnischen
Berichten hergestellt. Nach Lukian sind die Christen dadurch zu Brüdern gemacht
worden, weil sie von den Göttern zum Gekreuzigten übergegangen sind, und die
ganze Schuld, die ehemalige Angehörige der Gemeinden vor Plinius bekennen
konnten, bestand in der doppelten Tatsache, daß sie sich regelmäßig vor
Sonnenaufgang für den Gottesdienst versammelten und daß sie sich zur
Unterlassung von Diebstahl, Raub, Ehebruch, Treulosigkeit und Unterschlagung
von anvertrautem Gut verpflichtet hatten. Was dadurch klar gemacht wird, ist,
daß das Evangelium nicht nur ein persönliches Identitätsangebot bedeutete, was
die Mysterienkulte und ihre Initiationen zur Vereinigung mit der Gottheit
für das Individuum auch darstellen konnten, sondern zunächst eine Aufwertung
des einzelnen als Person, die unabhängig von ihren Eigenschaften geliebt und
anerkannt wird, und als Konsequenz davon eine neue Form der sozialen Identität,
die sich dadurch definiert und abgrenzt, daß sie die sozialen
Rollendefinitionen und die - per definitionem abstrakten - Klassen
ablehnt, um das Individuum als Unverwechselbares und selbstreflektierendes
Subjekt anzuerkennen.14
Diese neue Art der Identität definiert sich sowohl als Privileg (der Erwählung
oder der Berufung) als auch als Herausforderung durch eine Ethik, die die
geschwisterliche Solidarität im Haus der Gemeinde und eine bestimmte Moral für
das öffentliche Verhalten begründet. Die Christen leben nach den Vorschriften
ihres gekreuzigten Sophisten, beobachtet Lukian. Diese soziale Identität hat
eine lokale und unmittelbare Dimension, indem sie ihren konkreten Ort im
gemeinsamen Leben der Hausgemeinde hat, aber auch eine symbolische und
ökumenische Bedeutung, weil die lokale Kirche zur Diaspora des Leibes Christi
und der domus Dei auf Erden gehört.
Die soziale Dimension des Christentums war attraktiv auf
der doppelten Ebene des Fortschrittes des individuellen Selbstbewußtseins und
der religiös-politischen Symbolik. Als Gegensatz zu der offiziellen Propaganda
und zur herrschenden Ideologie, die das römische Reich als Familie und Haus des
Kaisers vorstellt, bietet sie ein alternatives Bewußtsein und eine Aufwertung
durch die Zugehörigkeit zu einer neuen, himmlischen Heimat an. Diese himmlische
Heimat bildet einen festen und absoluten Bezugspunkt für Leute, die in einer
Zeit leben, wo alles mobil und instabil geworden ist. Der Anfang der Kaiserzeit
ist eine Periode des Friedens und des wirtschaftlichen Aufschwungs.15 Die alten Stände, welche die
traditionelle Ordnung der Gesellschaft durch klare Schichtungen definierten,
existieren zwar noch. Sie werden aber von innen her durch die finanziellen und
ökonomischen Aufstiegsmöglichkeiten der einzelnen relativiert. Sie werden von
außen her durch den kaiserlichen Zentralismus modifiziert, der die alte,
integrative Tradition der römischen Zivilisation weiterführt und Fremde zum
Adel befördert. Aufstiegsmöglichkeiten und Mobilität bedeuten neue Chancen für
das Individuum, aber auch für den Zufall. Garantien gegen den bösen Zufall, und
dadurch in einer bestimmten Hinsicht Sicherheit, liefern sowohl die Astrologie
als auch die Magie und die Mysterienkulte. Darüber hinaus bietet das
Christentum eine neue Form der sozialen Solidarität an, die auf einer neuen
Entwicklung des Selbstbewußtseins und des geistigen Lebens des Individuums
gründet.
Die soziale Dimension des Christentums ist deshalb ein
indirekter Faktor, der seinen Erfolg nachvollziehen läßt. Der Grund dafür ist
aber anthropologischer Art: „In einer Gesellschaft mit einem stark entwickelten
religiös-moralischen Bewußtsein wirkt der Verkünder des Atheismus wie ein
Aufklärer, wie ein Kämpfer für das Wohl der Menschheit, wie ein Feind der
Restauration. Das ist die eine Seite. Anders steht es um eine Gesellschaft, in
der das religiös-moralische Bewußtsein bis auf den Grund zerstört ist und ein
geistiger Hunger gerade danach existiert. Der Hungrige braucht Brot und kein
Geschwätz darüber, daß er, erst einmal satt geworden, am Überfluß ersticken
wird“.16
4. Zum Abschluß möchte ich mich darauf beschränken, die
drei Thesen, die ich zu begründen versucht habe, zu wiederholen.
a) Meine erste These war, daß Plinius die Überlebenschancen
des Christentums deswegen unterschätzt hat, weil er Opfer einer bestimmten
Blindheit der hellenistisch-römischen Intellektuellen und Eliten war.
Intelligente Philosophen, Historiker, Wissenschaftler und Politiker haben das
Christentum verachtet, weil es nicht die Regeln des intellektuellen und
sozialen Spieles einhielt, das ihre traditionelle Auffassung der Rationalität
bestimmt hatte. Nun aber sind die Karten neu verteilt worden, so daß die
Priester, welche die Stunde ihres Glanzes hinter sich haben, heute wie damals
auf niedrigen Sitzen, aber im Lager der intelligenten Philosophen,
Wissenschaftler und Politiker sitzen. Genauso wie Plinius haben sie die
ehrwürdige Aufgabe, eine geistige und kulturelle Tradition zu vertreten, und
manchmal können sie sich auch über Erfolge freuen: „Fest steht jedenfalls“,
schreibt Plinius an Trajan, „daß man die schon fast verödeten Tempel wieder zu
besuchen beginnt, daß die regelmäßigen Opfer, die lange unterbrochen waren,
wieder aufgenommen werden und das Fleisch der Opfertiere, für das es eben noch
kaum mehr einen Käufer gab, überall wieder Absatz findet.“17 Es wäre daher ein Fehler, tiefe
Veränderungen zu übersehen und neue Formen der Kommunikation des Evangeliums
(Literatur, Kunst, Theater, Musik) zu verachten und zu unterschätzen.
b) Meine zweite These lehnte sich an die Überlegungen des
Apostels Paulus an und betonte einerseits den rationalen Charakter des
Evangeliums und der christlichen Theologie, wie sie Paulus versteht und treibt,
andererseits ihr kritisches Potential gegenüber der Verselbständigung des
menschlichen Logos, wie er sich im Absolutheitsanspruch des philosophischen
Rationalismus, aber wahrscheinlich in jeder ideologischen Reduktion der
Wirklichkeit manifestieren kann. Diese These behauptet einerseits, daß das
Christentum seine Identität aufgibt, wenn es den Forderungen der Rationalität
nicht mehr gerecht ist, das heißt: sobald es sich als einen Zusammenhang von
Überzeugungen vorstellt, die nicht mehr ein widerspruchsfreies und
intersubjektiv nachvollziehbares Verständnis der Wirklichkeit ermöglichen.
Der christliche Glaube ist nicht nur eine Stimmung oder ein Gefühl, sondern
auch ein kritisches Selbstverständnis der menschlichen Existenz. Diese These
behauptet aber auch die Paradoxie dieser Rationalität: Falls oder wenn sich
Gott in der Menschwerdung seines Sohnes oder in der Kreuzigung von Jesus von
Nazareth offenbart hat, und falls oder wenn dieser Gott auch der Schöpfer der
Welt und der erfahrbaren Wirklichkeit ist, dann kann die christliche
Gotteslehre keine theistische Begründung der Aufklärung und des Rationalismus
bleiben, wie Voltaire es selbst noch gerne gehabt hätte, sondern vielmehr die
Offenbarung des spannungsvollen, chaotischen weil lebendigen Charakters der
geschaffenen Realität. Die Versuchung ist groß, die schöne Ordnung der
Schöpfung mit Unbeweglichkeit und Regelmäßigkeit zu verwechseln.
Unbeweglichkeit und Regelmäßigkeit sind aber Kennzeichen des Todes, das Leben
besteht aus Oszillationen und Unberechenbarem. Die empirische Plausibilität
einer paradoxen Rationalität begründet aber weder ihre Notwendigkeit noch ihre
Legitimität. Die Notwendigkeit und die Legitimität der Paradoxalität der
christlichen Logik ergibt sich aus dem, was die christliche Hypothese für die
Interpretation der Wirklichkeit begründet, das heißt die österliche Deutung
eines Kreuzes als die Offenbarung Gottes. Meine These ist, daß der Verlust der
Paradoxalität gleichsam den Verlust der christlichen Identität bedeutet, und
daß der Gesang der Druiden, die zu einer integrativen, allversöhnenden und
unanstößigen Religion rufen, die Auflösung des Christentums in einen
hellenistisch-römischen Panhumanismus vorbereitet.
c) Meine dritte These interpretierte nicht nur den
theologischen Exklusivismus der christlichen Predigt und die Dialektik des
Berufungsgedankens und der Solidarität, die sich daraus ergeben, als
entscheidende Gründe für den Erfolg des Frühchristentums. Sie sollte vielmehr
drei Aussagen in Verbindung setzen. Erstens: Der Ausschließlichkeitsanspruch
des Christentums ist kein beliebiger Glaubenssatz, sondern er ergibt sich
notwendigerweise aus dem Zentrum des evangelischen und apostolischen
Bekenntnisses, nach welchem sich der wahre und lebendige Gott am Karfreitag und
Ostern offenbart hat. Zweitens: Gegenüber dem Monotheismus stellt insofern der
Exklusivismus des jüdisch-christlichen Gottes einen geistigen Fortschritt dar,
als diese Vorstellung eines persönlichen Gottes mit der Entstehung und der
Herausforderung des Bewußtseins, des Gewissens und des geistigen Lebens des
Individuums als einzelnen Subjekts einhergeht. Der Monotheismus macht den
Menschen zum Mitmacher, die Entscheidung zwischen den Göttern macht ihn zum
Dissidenten, indem sie ihm eine unverwechselbare Identität verleiht. Drittens:
Der Erfolg dieses Identitätsangebots des Christentums erklärt sich nicht durch
die Leichtgläubigkeit, die Naivität oder die ängstliche Suche nach Sicherheit,
sondern weil Menschen im Evangelium, das heißt in der Offenbarung des geistigen
Lebens des Einzelnen, ein Interpretationsmodell für das Verständnis, die
Verarbeitung und die Bewältigung ihrer persönlichen Geschichte gefunden hatten.18 Solche Probleme versuchte Plinius,
mit politischer Strategie und gutem Management zu lösen. In den Kirchen Gottes
weiß man, daß das geistige Leben keine organisatorische Frage ist. Die Zukunft
des Christentums gehört denjenigen, die hungrig und durstig nach geistigem
Leben sind. Für sie brennt das Feuer des Evangeliums, und sie werden es finden.
* Dieser Text ist die bearbeitete
Fassung eines Vortrages, der am 13.02.1997 an der Theologischen Fakultät
Paderborn und am 27.05.1997 an der Ruhr-Universität Bochum gehalten wurde. Für
Ideen und Zusammenhänge, die in den anschließenden Diskussionen entstanden und
in dieser Fassung umgesetzt worden sind, bin ich sehr dankbar.
1 Begründung und
Hintergrundinformationen in François Vouga:
Geschichte des frühen Christentums. Tübingen, 1994.
2 Einen glänzenden Überblick der
intellektuellen Rezeption des Christentums in der hellenistisch-römischen Welt
bietet Fabio Ruggiero: La
follia dei cristiani. Su un aspetto della „reazione pagana“ tra I e V secolo. Milano: La cultura,
1992.
3 Tacitus: Ann. 15,44,3.
4 Galen: De pulsum differentiis. 2,4.
5 Galen (s. Anm. 4), 3,3.
6 Galen:
Über Hippokrates’ Anatomie. Zitiert nach: Robert L. Wilken: Die frühen Christen: Wie die Römer sie sahen. Graz; Wien;
Köln, 1986.
7 Lukian von Samosata: Peregrinos 13.
Zitiert nach: Karl Mras (Hrsg.): Die Hauptwerke des
Lukian. Griechisch und deutsch. München: Tusculum, 21980.
8 Epiktet:
Diss. 4,7.
9 Marc-Aurel:
Selbstbetrachtungen. 11,3.
10 Ich folge hier dem glänzenden
Interpretationsvorschlag von Dorothea Frede:
Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Von Platon zu Plotin. In: Gerhard Sellin; François Vouga (Hrsg.): Logos und Buchstabe.
Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Judentum und Christentum der Antike.
Tübingen, 1997 (TANZ; 20), 33-54.
11 Vgl. Sextus Empiricus: Hypotyposen; Kurt Gödel: Einige mathematische
Resultate über Entscheidungsdefinitheit und Widerspruchsfreiheit. In:
Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Wien, mathematisch-naturwissenschaftliche
Klasse, 67 (1930) 214 f. Beweise: Kurt Gödel:
Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter
Systeme I. In: Monatshefte für Mathematik und Physik 38 (1931) 173-198.
12 Versucht wird, die
erkenntnistheoretischen Kriterien von Karl Popper:
Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Tübingen, 1979 (Die
Einheit der Gesellschaftswissenschaften; 18), auf die Aussagen anzuwenden, die
erst auf der Ebene der Subjektivität falsifizierbar sind. Cf. Pierre Paroz: Foi et raison. La foi chrétienne aux prises avec le
rationalisme critique: Hans Albert et Gerhard Ebeling. Genève, 1985 (Lieux Théologiques;
8); François Vouga; Achim Riggert; Philippe Kneubühler: Wo’s Wissenschaft ist, nicht wissen zu dürfen.
Wissenschaftliche Theologie und Theodizee. In: WuD 21 (1991) 177-195.
13 Alexander Sinowjew: Lichte Zukunft. Roman. Zürich, 1983 (Diogenes
Taschenbuch; 21133), 101-103.
14 Cf.
Blaise Pascal: Pensées. Br. 323.
15 Die folgende Analyse verdanke ich
meinem Freund und Kollegen Prof. Dr. Henneke Gülzow.
16 Sinowjew (s. Anm. 13), 104.
17 Plinius: ep. 10,96.
18 E contrario sind das neue
Selbstbewußtsein des Einzelnen und seine emanzipatorischen Auswirkungen in der
konservativ orientierten Tendenz der Haustafeln der neutestamentlichen
Schriften und in den unterschiedlich begründeten Versuchen, sie einzudämmen,
am besten belegt. Siehe dazu die offensiven Strategien des 1. Petrusbriefes und
die defensiven Argumentationen des 1. Thessalonicherbriefes.