Ein Aspekt des praktischen Charakters
der Theologie bei Albert dem Großen
von Katsuhiko Eguchi
Nach Albert dem Großen muß die Theologie alles unter dem
Gesichtspunkt betrachten, daß alle Dinge dem Menschen das zeigen, was er
genießen soll, Gott, und daß sie ihm als Vorbereitung darauf nützlich sind.
Folglich ist das Endziel desjenigen, der die Theologie betreibt, weniger ein
Vollenden der Wissenschaft als das Beziehen des durch sie gewonnenen Wissens
auf Gott, und zwar auf Gott als einen zu Genießenden. Albert sagt, daß das
theologische Wissen eine Art Vorgeschmack des Genusses Gottes vermittelt. Er
sieht die Theologie als glückliches Streben nach ewigem Glück an.
According to Albert the
Great the purpose of theology is to evaluate all things with respect to their
potential usefulness in helping the individual to find what is to be enjoyed,
i. e. God. Therefore, people who study theology are less concerned with completing
their theological knowledge than with relating this knowledge to God. In
Albert's view, this also gives them a taste of how God himself is to be
enjoyed. Hence we may say that Albert regards theology as a joyful striving for
eternal happiness.
In diesem Aufsatz soll ein Aspekt des praktischen
Charakters der Theologie bei Albert dem Großen erwiesen werden.[1]
Wir meinen mit dem 'praktischen Charakter der Theologie bei Albert dem Großen'
nicht, daß seine Theologie eine sogenannte ethische Theologie gewesen ist,
sondern daß er sie als eine von der Erkenntnis Gottes abhängige, aber
unmittelbar mit einer Form des Willens (oder Strebens) verbundene angesehen
hat.
Wie im folgenden beschrieben, steht er auf dem
grundsätzlichen Standpunkt, daß die Theologie die Wissenschaft "um die
Frömmigkeit" (scientia secundum pietatem) und ihr Ziel das
Erreichen der Seligkeit ist. So betrachtet er am Anfang seiner Summa
theologiae sive de mirabili scientia dei, d. h. im ersten und zweiten
Tractatus ihres ersten Bandes, die Bildung des Menschen zum "Gott Genießen"
(deo frui) . Wir denken, daß die Bedeutung des Studiums der Theologie
für Albert in der Vorbereitung (dispositio) auf das "Gott
Genießen" besteht. So wollen wir im folgenden klären, wie Albert die
Theologie als Weg zur Seligkeit charakterisiert: Daher werden wir im ersten
Abschnitt einen Überblick darüber geben, wie Albert die mannigfaltigen
Gegenstände in dem Gesichtspunkt des für das "Gott Genießen"
Nützlichen vereinigt, um danach im zweiten Abschnitt zu betrachten, wie das für
das "Gott Genießen" Nützliche bestimmt wird; schließlich soll im
dritten Abschnitt die Bedeutung des "Gott Genießens" erläutert werden.
Gegenstand unserer Betrachtung sind dabei der erste und zweite Tractatus aus
dem ersten Band der Summa theologiae sive de mirabili scientia dei, d.
h. Tractatus 1. De
theologia, inquantum est scientia und Tractatus 2. De frui et uti et utentibus et fruentibus.
1. Der Gegenstand (subiectum) der Theologie
Jede Wissenschaft hat im Allgemeinen, nach Albert, drei
Gegenstände. Erstens: das, was man in erster Linie anstrebt, worin der
vornehmste Teil der Wissenschaft besteht. Hierin liegt ein Argumentationsprinzip der Wissenschaft.
Zweitens: das, von dem und von dessen Teilen man die Eigenschaften untersucht.
Drittens: das, mit dessen Hilfe man die Bedeutung der ersten beiden Gegenstände
erklärt und versteht. Indem man nun diesen Gegenstand betrachtet, ist man in
der Lage, den Inhalt der Wissenschaft besser zu verstehen.[2]
Auch die Theologie hat eben diese drei Gegenstände. Der
erste Gegenstand der Theologie ist das, was man hauptsächlich in der Theologie
anstrebt und durch dessen Erkenntnis man alles, was zu einem anderen Gegenstand
gehört, verstehen kann: dies ist Gott. In diesem Sinne kann man sagen, daß die
Theologie alles durch Gott betrachtet. Ihr zweiter Gegenstand sind Christus,
Kirche, Fleischwerdung des Wortes und die Sakramente. Indem man diese
betrachtet, offenbart sich Gott, den der Mensch auf vollkommene Weise genießt.
Insofern ist der zweite Gegenstand der Theologie das Heilswerk. Ihr dritter, d.
h. das Hilfsmittel (adminiculans) zum Verständnis ihres ersten und
zweiten Gegenstandes, sind die Bibel und die Welt. Zum Beispiel ist die Stelle
in der Bibel, an der das Gottesurteil gesprochen wird, das Hilfsmittel, mit dem
der Mensch versteht, was das Gottesurteil ist. Indem der Mensch nun diese
Stelle betrachtet, wird er auf das Heilswerk gelenkt. Auch diese Welt, d. h.
das Schöpfungswerk, ist der Gegenstand der Theologie in dem dritten Sinne. Denn
die Theologie betrachtet das Schöpfungswerk als Zeichen für das Heilswerk,
welches durch Christus und Kirche erwiesen wird, oder als Hilfsmittel dazu,
ihn zu zeigen.[3]
Obgleich die
Theologie diese drei Gegenstände hat, ist sie durchaus eine Wissenschaft,
welche diese nicht als selbständige ansieht. Vielmehr betrachtet die Theologie,
nach Albert, das, was zu diesen Gegenständen gehört, unter dem einen
Gesichtspunkt, der die drei vereinigt. Dieser Gesichtspunkt ist aber nicht
der, unter dem alles für das Geoffenbarte (revelatum) gehalten wird, wie
ein quidam gesagt hat.[4] Nach Albert muß die Theologie alles unter
dem Gesichtspunkt betrachten, daß alles das dem Menschen zu Genießende zeigt
und ihm als Vorbereitung darauf nützlich ist.[5]
Zum Beispiel müssen die Bibel und die Welt, die man in der Theologie
betrachtet, wie im nächsten Abschnitt gezeigt werden wird, als etwas
Nützliches, mit dem der Mensch Gott genießt, verstanden werden.
Deshalb ist die Theologie keine allgemeine Wissenschaft,
wie die Erste Philosophie, die die Wissenschaft über das Seiende als solches
ist, obgleich sie diejenige ist, die das alles betrachtet. Albert sagt, die
Theologie betrachte das Seiende, das durch die Analogie zu Gott als dem zu
Genießendem bestimmt ist, und sie betrachte die Teile des Seienden gemäß ihrem
Analogiecharakter zu Gott.[6]
Die Theologie ist also nicht diejenige Wissenschaft, die den anderen
Wissenschaften Prinzipien liefert, wie die Erste Philosophie, und sie kann
eigentlich eine solche auch nicht sein. Denn die Theologie betrachtet das allem
einzelnen wesentlich Gemeinsame; das Gemeinsame aber, das die Theologie
untersucht, ist kein wesentliches Prinzip, wie es die Erste Philosophie
betrachtet, sondern das Gemeinsame, insofern man es in Bezug auf Gott als zu
Genießendem versteht. Albert hält die Theologie für eine in diesem Sinne
besondere Wissenschaft.[7]
Er zeigt aber gleichzeitig, daß es eine Ähnlichkeit
zwischen der Theologie und der Ethik gibt. Sowohl die Theologie als auch die
Ethik sind in gewisser Hinsicht Universal-, und in gewisser Hinsicht
Einzelwissenschaften. So betrachtet die Ethik gewissermaßen alles Moralische
und Zufällige, zum Beispiel Macht und Reichtum. Denn diese bringen das
bürgerliche Glück als Werkzeug oder Ornament (organice vel decorative).
In gleicher Weise betrachtet die Theologie die verschiedenen Einzelnen,
insofern sie für das "Gott Genießen" nützlich sind.[8]
2. Nützen (uti) in der Theologie
Wenn man sagt, daß die Theologie alles in der Welt unter
dem Gesichtspunkt betrachtet, daß es dem Menschen dazu nützlich ist, das zu
Genießende zu zeigen und darauf vorzubereiten, so ist der Genuß der eigentliche
Genuß, d. h. der Genuß Gottes. Genießen heißt eigentlich die höchste,
vollkommene und beste Lust. Man kann aber nicht genießen, außer wenn dieses
Genießen vorbereitet und vollendet ist in bezug darauf, daß man sich an der
Anhaftung (inhaesio) am vollkommensten und höchsten Guten weidet. Das
intellektuelle Wesen des Menschen muß nämlich in bezug auf den Genuß des
Vollkommenen und Besten vorbereitet sein, indem es sich durch Gnade und Ruhm im
besten Zustand befindet.[9]
Das Nützliche für den Genuß Gottes ist, nach Albert, das,
was sich auf das zu Genießende bezieht; es gibt dabei zwei Arten des in diesem
Sinne Nützlichen: 1. Das Nützliche, mit dem man das zu Genießende bezeichnet.
Dieses wird durch den Verstand erkannt und besessen. 2. Das Nützliche als
Ursache, das dem Menschen den Besitz des zu Genießenden ermöglicht, zum
Beispiel Tugenden, Gnade und Werke. Durch sie wird der Besitz des zu
Genießenden wie durch die verdienstvollen Ursachen (per causas meritorias)
ermöglicht.[10] Im
strengsten Sinne sind das Nützliche aber die Zeichen, die das "Gott
Genießen" ermöglichen, und vor allem die Ursachen, d. h. die Gnade und die
Tugenden. Es gibt dabei zwei Arten von Zeichen: 1. Die Dinge in dieser Welt, in
die Gott sein Siegel einprägt. 2. Das, was Sakramente der Alten und Neuen
Gesetze genannt wird, die Zeichen der Gnade, die dem Menschen den Genuß des zu
Genießenden ermöglichen. "Etwas zum Genuß Nützen" meint also, daß man
diese Zeichen und die Ursachen auf das richtet, was zu besitzen, d. h. zu
genießen ist.[11]
Wie nützt man nun das Bibelstudium in der
Theologie, die Tugenden und die intellektuelle Erkenntnis der Dinge, um Gott zu
genießen?
Das Endziel der Theologie ist zwar, wie bereits erwähnt,
der Genuß Gottes, man muß sie zunächst aber, nach Albert, als die Wissenschaft
um Frömmigkeit verstehen. Denn sie muß die Wissenschaft sein, die den Menschen
zum Glauben und zu guten Taten bildet. Die Vollkommenheit der Theologie
besteht nämlich in einzelnen Taten und einzelnen Tugenden.[12]
Daher betrachtet die Theologie das, was in der Bibel erzählt wird, mit dem
Ziel, den einzelnen Menschen zur Frömmigkeit zu bilden. Das einzelne kann
aber potentiell das Allgemeine sein, und das einzelne Erzählte in der Bibel ist
potentiell das Allgemeine, das für alle Menschen gültig ist. Also kann die
Theologie das einzelne aus der Bibel so wie aus dem Allgemeinen heraus
erläutern. Damit sucht sie die allgemeine Bedeutung des in der Bibel
berichteten einzelnen und führt den Menschen durch sie zur Frömmigkeit.[13]
Ferner schreitet der Student der Theologie voran, um das Zustimmen zur ersten
Wahrheit zu erreichen. Denn es selbst ist der Glaube in actu über alles. Da
"der Glaube allein aus dem Hören kommt", muß der Mensch das Werk und
das Wunder Gottes in der Bibel und anderes betrachten.[14]
Selbstverständlich kann im eigentlichen Sinne nur Gott in
den Menschen den Glauben und die Tugenden erzeugen, indem er ihm Gnade gewährt.
Dennoch können einige Tugenden den Menschen zu dem Glauben gleichsam durch
Antreibung oder Lenkung führen. Der Mensch kann durch die Tugenden, die in
seinem Innern sind, zu dem Glauben in actu geführt werden. Glaube entsteht
nämlich aus äußerem und innerem Hören.[15]
Die wichtigste Tugend aber hinsichtlich der Vorbereitung
auf das "Gott Genießen" ist, nach Albert, die Liebe (caritas).
Das Genießen gehört insofern zur Liebe, als es die Wirkung des Willens ist, der
am zu Genießendem festhalten will. Natürlich bereiten auch die Hoffnung und der
Glaube den Menschen auf das "Gott Genießen" vor. Dabei dienen sowohl
die Erfassung, die der Hoffnung folgt, als auch das klare Schauen, das dem
Glauben folgt, als Mittel dem Genießen.[16]
Auch die Kardinaltugenden gehören zu den nützlichen Dingen, die den Menschen
auf seine Vollkommenheit als Voraussetzung des Genießens vorbereiten.[17]
Wie kann man nun das übrige Nützliche, d. h. die Erkenntnis
dieser Welt als Zeichen, nützen, um Gott zu genießen? Der Mensch bezieht die
aus dieser Welt gewonnene Erkenntnis auf Gott, indem er das durch den Verstand
Erkannte als Mittel nützt. So bezieht er die Erkenntnis Gottes auf den Glauben,
den Glauben auf das Schauen durch das Erkenntnisbild, das Schauen auf das
"Gott Genießen".[18]
Weder die Erkenntnis der Welt selbst noch die aus ihr gewonnene Erkenntnis
Gottes selbst sind das Ziel der Theologie, sondern sie sind die Mittel dazu,
Gott zu genießen. So bezieht die Theologie die aus der Welt gewonnene
Erkenntnis auf ihr Endziel, d. h. das Schauen Gottes und das "Gott
Genießen".
Wir müssen hier beachten, daß der Verstand und der Wille bei
diesem Prozeß des Beziehens mitwirken. Der eigene Gegenstand des Verstandes ist
das erste Wahre und das erste Gute, welche auch Gegenstand des Willens sind, d.
h. das, an dem der Wille anhaften will.[19]
Daher wird das Beziehen auf das zu Genießende nicht nur durch den Verstand
vollzogen, sondern auch durch den Willen. Nach Albert ist das Genießen das
Leiden (passio) in dem ersten zu Erfreuenden. Dieses erste zu Erfreuende
wird durch den Verstand erfaßt und wird damit zum Gegenstand des Willens.[20]
Das Genießen ist nämlich das Leiden des Willens, der durch eine Tätigkeit des
Verstandes gebildet wird.[21] Deshalb ist das Beziehen auf das zu
Genießende - für Albert - nicht die bloße Operation des Begriffs durch den
Verstand, sondern auch die Wirkung des Willens. In der Theologie wirken der
Verstand und der Wille mit, deren Wirkung durch die Tugenden, besonders durch
die Liebe, ausgerichtet sind. Denn das Genießen ist die Wirkung der die
Verzückung (exstasis) bewirkenden Liebe, die das Geliebte, d. h. das zu
Genießende besitzen will - so Dionysios in De divinis nominibus. Zudem
will, wie Augustinus sagt, der Liebende an dem Geliebten um seiner selbst
willen anhaften, weshalb der Verstand die aus der Welt gewonnene Erkenntnis auf
Gott als zu Genießenden bezieht.[22]
Aus diesem Grund wird die Liebe die in bezug auf das "Gott Genießen"
wichtigste Tugend genannt.
3. Das Genießen (frui) in der Theologie
"Genießen" meint eigentlich und schlechthin,
nach Albert, daß man mit Liebe und Lust am zu Genießenden anhaftet, und dies um
seiner selbst willen und nicht akzidentell, und ohne dabei gehindert zu werden.
Dieses eigentliche Genießen kann der Mensch im Diesseits niemals erleben.
Spricht man aber in allgemeinerem Sinne von Genießen, so ist auch im Diesseits
ein "Gott Genießen" möglich. Dabei ist aber das am zu Genießenden
Anhaften ein akzidentelles Anhaften. Akzidentelles Anhaften meint dabei ein
Anhaften an etwas anderem als dem eigentlich zu Genießenden oder das Anhaften
an einen Teil des eigentlich zu Genießenden, weshalb dieses Anhaften behindert
werden kann.[23] Dies
ist kein unmittelbares Erfassen Gottes. Der Mensch kann im Diesseits Gott nicht
unmittelbar genießen; daher will er sich dem "Gott Genießen" so weit
wie möglich nähern, wobei er Nützliches als Mittel zu diesem Ziel gebraucht. Er
will durch den Verstand das Erste, das Beste, das Süßeste und die Absicht im
Werk Gottes erfassen. Dabei will er dieses Erste genießen, indem er es in sich
einsaugt, in sich repräsentiert und nährt.[24]
Denn das übersinnlich Erkennbare wird dadurch zu einem mit dem Verstand
Übereinstimmenden, daß es durch die Wirkung des Verstandes im Lichte der
Intelligenz in die Wirklichkeit gebracht wird. Dadurch kann sodann der Mensch
das übersinnlich Erkennbare erfassen und sich daran erfreuen, d. h. es
genießen, nicht jedoch in der eigentlichen Weise. Denn die Lust ist, wie
Dionysius sagt, die Verbindung des Übereinstimmenden mit dem
Übereinstimmenden. Das Übereinstimmende breitet sich aus, ergießt sich über den
ganzen Verstand, und wird, indem der Verstand es aufnimmt, im innersten Ort des
Verstands aufgenommen. So wird der menschliche Verstand durch dieses Aufnehmen
zur Ähnlichkeit mit dem Aufgenommenen, d. h. mit dem Ersten gebildet, und fängt
an zu glänzen.[25]
Unserer Auffassung nach meint "das Erste in sich
repräsentieren und in sich nähren" das Erste als Erkanntes auf das zu
Genießende Beziehen. Daß man Gott als zu Genießendes erkennt, und ihn genießt,
bedeutet für Albert, daß man die aus der Welt oder der Bibel gewonnene
Erkenntnis auf Gott als zu Genießenden bezieht. Denn der Mensch kann durch
dieses Beziehen Gott genießen.
Zudem kann der Mensch sogar den Prozeß genießen, in
dessen Verlauf er das "Gott Genießen" erreicht. Genießen meint
allgemein das mit Lust Nützen, d. h. das Sich Weiden an dem Guten der Sache. In
dieser Weise kann der Mensch viele Dinge außer Gott genießen.[26]
Daher kann er gewissermaßen dadurch selig werden, daß er das zu Genießende
durch das Studium der Bibel und das Erkennen dieser Welt anstrebt. Eine solche
Seligkeit ist zwar eine sozusagen geschaffene Seligkeit (beatitudo creata)
und nur die Vorbereitung auf das wahre Genießen, der die Theologie Studierende
kann aber doch den Prozeß, in dessen Verlauf er das wahre Genießen erreicht,
wie ein Werkzeug (instrumentaliter) genießen.[27]
Der Mensch will das, was er in diesem werkzeuglichen Genuß genossen hat, auf
das im eigentlichen Sinne zu Genießende beziehen. So, wie der, der etwas Süßes
riecht, das Süßschmeckende sucht und schmecken will.
So schreitet der Mensch, indem er die aus der Bibel und
der Welt gewonnene Erkenntnis genießt, zu dem "Gott Genießen" voran.
Man kann diesen Prozeß des Erkennens mit einer geduldigen Pilgerfahrt
vergleichen. Der Mensch verlangt nach eigener Vollkommenheit und dem wahren
Genießen, d. h. dem "Gott Genießen", wobei er diese
"Pilgerfahrt" selbst genießt.[28]
Selbstverständlich kann er ohne die Gnade Gottes diesen Prozeß nicht genießen.
Das Gute, das Gott im Menschen für den menschlichen Nutzen bewirkt, verweist
von seinem Wesen und seiner wesentlichen Ordnung her auf die Gutheit und den
Ruhm Gottes. Dabei will Gott, daß der Mensch dieses Gute auf den Ruhm Gottes
bezieht.[29]
Schluß
Das Ziel der Theologie Alberts des Großen ist das
"Gott Genießen". Das Endziel desjenigen, der die Theologie betreibt,
ist dabei weniger ein Vollenden der Wissenschaft als das Beziehen des gewonnenen
Wissens auf Gott als zu Genießenden. Wenn wir dieses Beziehen theologische
Erkenntnis nennen dürfen, können wir sagen, daß das Bestreben der
theologischen Erkenntnis selbst das Ziel desjenigen ist, der die Theologie
betreibt. Man vollzieht dieses Bestreben auf das Endziel hin über drei Stufen.
Es fängt damit an, daß man durch das Studium der Bibel und des Werkes Gottes
Erkenntnis erlangt. Aber solche Erkenntnis selbst ist nicht das Ziel. Der
Mensch soll sich vielmehr, die Erkenntnis als Mittel nützend, auf das Schauen
der Wahrheit ausrichten. Er kann durch diese Schau sozusagen die geschaffene
Seligkeit erlangen und so auf das "Gott Genießen" vorbereitet werden.
Er kann nämlich durch eine solche Seligkeit das Endziel der theologischen
Erkenntnis, d. h. die wahre Seligkeit in Gott als der ersten Wahrheit erreichen.[30]
Überdies kann der Mensch auf jeder Stufe gewissermaßen Gott genießen.
Obgleich der Mensch im Diesseits nur in der Hoffnung Gott
besitzen kann, so kann er ihn doch genießen, indem er die gewonnene Erkenntnis
Gottes auf Gott als im eigentlichen Sinne zu Genießenden bezieht, wenngleich
dieses Genießen nichts anderes als ein "Vorgeschmack" darstellt. An
diesem Punkt erkennen wir die praktische Bedeutung der Theologie Alberts des
Großen, da unseres Erachtens die Aufgabe der Theologie für Albert in dem Prozeß
der Vorbereitung auf das wahre Genießen liegt, d. h. in dem Prozeß, in dem der
Mensch auf das "Gott Genießen" hofft.[31]
[1] Über
den Grundcharakter der Theologie Alberts des Großen vgl. A. Lang: Die Bedeutung Alberts des
Großen für die Aufrollung der fundamentaltheologischen Frage. In: Heinrich Ostlender (Hrsg.): Studia Albertina
/ Bernhard Geyer (Festschrift
für). Münster, 1952 (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des
Mittelalters; Supplementband 4), 341-373. W. Senner:
Zur Wissenschaftstheorie der Theologie im Sentenzenkommentar Alberts des
Großen. In: Gerbert Meyer; A.
Zimmermann (Hrsg.): Albertus
Magnus, Doctor universalis 1280/1980. Mainz, 1980 (Walberberger Studien:
Philosophische Reihe; 6), 323-343. R. McInerny:
Albert and Thomas on Theology. In: Albert Zimmermann
(Hrsg.): Albert der Große: seine Zeit, sein Werk, seine Wirkung. Berlin, 1981 (Miscellanea
mediaevalia; 14), 50-60.
[2] S.Th., I, t. 1, q. 1, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p.
10, v. 66-68, v. 73-74, v. 78-83.
[3] Ebd., I, t. 1, q. 1, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 10, v. 90
- p. 11, v. 11, p. 11, v. 58-60, v. 31-36.
[4] Ebd., I, t. 1, q. 3, c. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 11, v. 23-25. Nach den
Herausgebern der Editio Coloniensis zeigt Albert Thomas von Aquin mit quidam.
Thomas sagt in seiner Summa Theologiae folgend: "Quia igitur sacra
doctrina considerat aliqua secundum quod sunt divinitus revelata, secundum
quod dictum est, omnia quaecumque sunt divinitus revelabilia, communicant in
una ratione formali huius scientia."
Thomas von Aquin: Summa Theologiae, I, q. 1, a. 3.
[5] S.Th., I, t. 1, q. 3, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p.
11, v. 23-26.
[6] Ebd., I, t. 1, q. 3, c. 4; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 14, v.
29-34.
[7] Ebd., I, t. 1, q. 3, c. 4; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 14, v.
41-48.
[8] Ebd., I, t. 1, q. 3, c. 4; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 14, v.
34-41.
[9] Ebd., I, t. 2, q. 7, c. 3; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 28, v.
1-5.
[10] Ebd., I, t. 2, q. 8, c. 3; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 30, v. 81
- p. 31, v. 3.
[11] Ebd., I, t. 2, q. 8, c. 3; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 31, v.
3-11. Vgl. Augustinus: De civ.
dei. l. 11, c. 24 (PL 41, 337-338).
[12] S.Th., I, t. 1, q. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 6, v.
58-64.
[13] Ebd., I, t. 1, q. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 6, v. 68-71, v.
77-79, p. 7, v. 3-5.
[14] Ebd., I, t. 1, q. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 8, v. 54-64. "Fides ex
auditu, auditus autem per verbum Christi." Rom., X, 17.
[15] S.Th., I, t. 1, q. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 9, v.
20-25.
[16] Ebd., I, t. 2, q. 7, c. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 26, v.
80-82.
[17] Ebd., I, t. 2, q. 7, c. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 26, v.
88-91.
[18] Ebd., I, t. 2, q. 8, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 28, v.
63-66.
[19] Ebd., I, t. 2, q. 7, c. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 27, v. 18-21. Über das
Verhältnis zwischen Verstand und Wille vgl. Senner: Die Theologie als
'scientia affectiva'. (S. Anm. 1), 333-340.
[20] S.Th., I, t. 2, q. 7, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p.
25, v. 22-24.
[21] Ebd., I, t. 2, q. 7, c. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 26, v.
35-36.
[22] Ebd., I, t. 2, q. 7, c. 2; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 27, v.
1-11. Vgl. De div. nom. c. 4 (PG, 3, 712A). Ps.- Augustinus: De
spir. et anima. c. 12 (PL 40, 788)
[23] S.Th., I, t. 2, q. 7, c. 3; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p.
27, v. 63-71.
[24] Ebd., I. t. 2, q. 7, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 25, v.
12-16.
[25] Ebd., I. t. 2, q. 7, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 25, v.
60-69. Über lux intelligentiae
sagt Albert folgend: "Si enim omne intelligibile per hoc
applicabile est intellecti nostro quod intelligibile est, hoc est ad lumen
intelligentiae dupuratum, illud quod maxime intelligibile est et in purissimo
intelligentia lumine, maxime erit applicabile secundum naturam." Ebd., I, prologus; Ed. Colon. T.XXXIV, pars
1, p. 3, v. 12-16. "Perfectissima enim lumen humani intellectus non
perfecte intelliguntur, lumen autem superioris naturae vere possunt intelligi
et perfecte perfectione virae et non patriae nisi paucis, ut Paulo in raputu
hoc concessum fuit per privilegium speciale." Ebd., I, t. 1, q. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 7, v. 76-81. Daher denken wir,
daß lux innteligentiae nicht lumen connaturalis sondern lumen superior ist.
Über der Erleuchtung bei Albert vgl. Leonard A. Kennedy: St. Albert the Great's Doctrine of Divine Illumination.
In: Modern Schoolman XL (Nov. 1962) 23-37. Ders.: The Nature of
the Human Intellect according to St. Albert the Great. In: Modern Schoolman
XXXVII (Jan. 1960) 121-137.
[26] S.Th., I, t. 2, q. 9; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p.
31, v. 67-70.
[27] Ebd., I, t. 9; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 31, v. 74- 76.
[28] Ebd., I, t. 2, q. 12, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 35, v. 80
- p. 36, v. 3.
[29] Ebd., I, t. 2, q. 12, c. 1; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 36, v.
10-13.
[30] Ebd., I, t. 1, q. 6; Ed. Colon. T.XXXIV, pars 1, p. 23, v. 84-90.
[31] Vgl. Anm. 28.