Das Corpus Augustinianum Gissense auf CD-ROM

Seine Leistungsfähigkeit in einem Erfahrungsbericht

 

von Wolfgang Erb und Norbert Fischer

 

 

Zwar sind auf dem derzeit schnell expandierenden CD-ROM-Markt auch die Werke Augustins schon verfügbar,[1] dennoch ist das Corpus Augustinianum Gissense (=CAG) mit einem besonderen Anspruch aufgetreten. Dieser Anspruch dokumentiert sich in einer Formulierung, die gleichsam als Untertitel auf der Umschlagseite des Bedienerhandbuchs zu finden ist: Derzeit unübertroffenes Ar­beitsinstrument der Augustinus-Forschung. Bevor die in der Tat beeindruckenden Leistungsmerkmale - aber auch einige Verbesserungsmöglichkeiten - in einem Erfahrungsbericht erläutert werden, seien zunächst die bibliographischen Angaben genannt:

 

Corpus Augustinianum Gissense a Cornelio Mayer editum (CD-ROM). Inklusive Benutzerhandbuch und 2 Softwaredisketten DOS/WINDOWS.- Basel: Schwabe-Verlag 1996.- ISBN 3-7965-0989-4, DM 3450,00 (zuzüglich Mehrwertsteuer).

 

A. Die zum Lieferumfang des CAG gehörende Ausstattung

 

1. 1 CD-ROM mit der Version 1.0 des CAG.

2. 2 Disketten zum Installieren des Retrieval-Programms CDIS, das laut Handbuch mindestens 512 KB freien Arbeitsspeicher (RAM), knapp 2 MB freien Festplattenspeicher und als Betriebs­system MS-DOS ab Version 3.3 erfordert.

Benutzt werden kann das Retrieval-Programm CDIS sowohl auf der DOS-Ebene (in der Version 2.2a von 1994) als auch auf der Benutzeroberfläche WINDOWS 3.1 (welche Version hier läuft, ist weder an der Installationsdiskette noch im Programm erkennbar). Da CDIS eigentlich auf WIN­DOWS 3.1 ausgelegt ist, läuft es zwar auch unter WIN 95, aber dessen teilweise benutzerfreundli­che Neuerungen sind nicht implementiert. Die Installation des Retrieval-Programms erfolgt unter DOS, WIN 3.1 und WIN 95 problemlos. Gleichwohl ist als Nachteil der jetzt vorliegenden Fassung zu er­wähnen, daß die Installationsroutine für die WINDOWS-Versionen zur besseren Verwaltung seiner Festplatte es zwar erlaubt, das Laufwerk und das Verzeichnis anzugeben, in das die Retrieval-Software kopiert werden soll (die DOS-Version erlaubt nur die Angabe des Laufwerks!), aber das Pro­gramm übernimmt während der Arbeit mit dem CAG bei verschiedenen Funktionen, z. B. bei der Eingabe von Notizen, nicht das angegebene Verzeichnis, sondern nur das entsprechende Lauf­werk und erstellt selbständig das Verzeichnis “CAG” (im Falle des Beispiels “Notizen”, ebenso das Unterverzeichnis “NOTES”, in das dann bestimmte Dateien gespeichert werden).

3. 1 Handbuch. Das Benutzerhandbuch besteht aus einem Inhaltsverzeichnis (drei nichtnumerier­te Seiten); es folgen 94 numerierte Seiten mit Vorwort und eigentlicher Einführung in den Ge­brauch der CD-ROM, Hinweisen zur Installation und einem Referenzteil; den Abschluß bilden 49 Seiten eines nichtnumerierten Anhangs von Karl-Heinz Chelius (Augustins Werke und kritische Editionen [1]), der auf der Grundlage des von Chelius erstellten Verzeichnisses der Werke Augu­stins im Augustinus-Lexikon (= A-L) beruht (Vol. 1: Basel: Schwabe, 1986-1994, XXVI-XLI). Mit A-L und CAG, beide von Cornelius Mayer herausgegeben, stehen der Augustinus-Forschung ausge­zeichnete Möglichkeiten zu Gebote, die ihr gewiß zahlreiche neue Impulse verleihen werden.


Grundsätzlich kann man sagen, daß das Handbuch übersichtlich aufgebaut ist. Zu monieren ist aber, daß in ihm ausschließlich die DOS-Version des Retrieval-Programms beschrieben wird. Die­ses Monitum ist insofern gravierend (und sollte folglich bei einer Neuauflage auf jeden Fall ausge­merzt werden), als nicht nur die Bildschirmmaske und manche Programmfunktionen Differenzen zeigen, sondern es auch z. B. in der Belegung der Funktionstasten (vgl. Handbuch, 49 f.) teilweise große Unterschiede zwischen der DOS- und der WINDOWS-Version gibt: Beispielsweise funktio­nieren in den WINDOWS-Versionen der Suchmaske weder <Shift><F1> “Aufruf der Über­sicht über Augustins Werke und kritische Editionen” noch <Shift><F3> “Anzeige der absolu­ten Häufigkeitsverteilung eines Suchbegriffs” oder z. B. in der Textanzeige weder <F4> “Notiz­block öffnen” noch <Alt><F4> “Zwischenablage öffnen”.

 

 

B. Die hauptsächlichen Vorzüge des CAG

 

Zu Beginn seien die wichtigsten Qualitätsmerkmale der CD-ROM erwähnt. Zuerst sind der Umfang und die Qualität der Präsentation der Werke Augustins zu nennen. Das CAG enthält sämtliche edierten Werke Augustins nach dem besten Text, einschließlich der neuentdeckten Pre­digten (bis 1994), und gibt (im erwähnten Anhang des Handbuchs) die Orte ihrer Drucklegung an. Wenn man von der ambivalenten Tatsache absieht, daß das CAG ein elektronisches Medium ist, kann man mit Grund sagen, daß es als Textbasis für die Augustinusforschung allen bisherigen Ausgaben der Werke Augustins überlegen ist, sowohl der Edition der Mauriner, die Jacques-Paul Migne dem Patrologiae cursus completus (= PL; Paris 1841-1849) zugrundegelegt hat, der Bibliothéque Augustinienne (= BA; Paris 1872-1878, ²1947 ff.), der Wiener Kirchenväterausgabe (Corpus scripto­rum ecclesiasticorum latinorum = CSEL; Wien 1887 ff.), als auch der Brepols-Ausgabe (Corpus Chri­stianorum. Series latina = CCL; Turnhout 1954 ff.).

Die Ambivalenz des elektronischen Mediums, das zwar viele Erleichterungen mit sich bringt, aber auch die Gefahren der Schriftlichkeit potenziert, wie Platon sie zum Beispiel im Phaidros be­schrieben hat (vgl. 274b ff.), ist indessen dem CAG nicht zur Last zu legen, sondern eher eine Her­ausforderung, der sich jeder Benutzer zu stellen hat. Wer die Möglichkeiten des elektronischen Mediums äußerlich ausschlachtet und sich auf diesem Wege eine Scheingelehrsamkeit verschafft, wird womöglich noch mehr in die Irre geführt als einer, der meint, er könne das, was er schwarz auf weiß besitzt, getrost nach Hause tragen. Demgemäß wäre es schön und für die Augustinus-Forschung förderlich, wenn eine ebenso vollständige und qualitativ hochstehende, gedruckte Aus­gabe der Werke Augustins zur Verfügung stünde, da Texte zunächst einmal zum Lesen geschrieben sind, wofür das Buch bis heute ein unübertreffliches Medium geblieben zu sein scheint. Immerhin liegen die großen Werke Augustins in guten Ausgaben vor, und außerdem kann man auch am Bildschirm lesen oder sich den Text des CAG ausdrucken.

Dem die Werke kontinuierlich lesenden Augustinusforscher bietet die Präsentation der Texte auf CD-ROM durch die komfortabel eingerichteten Suchfunktionen allerdings Vorteile, die keine Buchausgabe zu gewähren vermag, auch wenn sie noch so vollständige und gut gearbeitete Register und Indices enthält. Über den Index der Suchmaske des CAG kann man bequem und ohne großen Zeitaufwand die Auswahl der gesuchten Worte wie der Werke vornehmen. Besonders hervorzuhe­ben ist die Lemmatisierung des Augustinischen Wortschatzes, die zusätzlich den Zugriff auf Fle­xionsformen erlaubt, die sonst mühsam einzeln aufgesucht werden müßten. Die Möglichkeiten zum Export der Suchergebnisse sind gut geregelt, wenn auch mit einigen Einschränkungen, die im folgenden exemplarisch aufgeführt werden. Einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen elektronischen Hilfsmitteln bietet das CAG bei der Literatursuche, in die im übrigen als ein Novum auch Lexikon-Artikel aufgenommen worden sind.[2]

 

C. Hinweise zum Arbeiten mit dem CAG und CDIS unter den WINDOWS-Versionen

 

Mit dem CAG werden eine kritische lateinische Ausgabe der Werke Augustins[3] sowie ca. 20000 Titel Sekundärliteratur vorgelegt (Angabe laut Handbuch, 3). Das Retrieval-Programm CDIS bietet die verschiedensten Möglichkeiten innerhalb des Corpus Augustinianum und der Sekundärliteratur zu suchen, die Ergebnisse in modifizierbarer Weise auf dem Bildschirm anzuzeigen und entweder direkt auszudrucken oder sie zur weiteren Verwendung in andere z. B. Textverarbeitungsprogram­me zu exportieren.

 

1. Suchmöglichkeiten

 


Für die theologische und philosophische Arbeit mit dem CAG sind die Suche nach einem be­stimmten Wort (einer Kombination von Worten, Zitaten) im Corpus Augustinianum und die Re­cherche nach Sekundärliteratur wohl wichtiger als die ebenfalls mögliche und vielleicht für Philolo­gen eher interessante Suche nach der Häufigkeit eines von Augustinus verwendeten Wortes, auf die hier nicht näher eingegangen wird.

a. Es ist zunächst einmal die Möglichkeit geboten, nach einem bestimmten von Augustinus ver­wendeten Wort sowohl in einer einzelnen Schrift Augustins, als auch in mehreren Schriften (Ver­bindung der einzelnen Schriften mit dem Operator “oder”) sowie im Gesamtwerk zu suchen. Dazu kann das gesuchte lateinische Wort und die Schrift Augustins entweder selbst (auch jeweils mit in ihrer Bedeutung verschiedenen Platzhaltern “*” / “?” / “!”) eingegeben oder von einem jeweils alphabetisch geordneten Wort­index bzw. Werkeverzeichnis übernommen werden (Aufruf der Indices über die Schaltfläche “Index” oder über die Funktionstaste F2). Auf gleiche Weise kann auch nach griechischen Worten gesucht werden, wozu der Suchparameter “h:” vorangestellt wer­den muß (z. B. “h:logos”).

Um alle Flexionsformen eines bestimmten lateinischen[4] Wortes ohne großen Aufwand recher­chieren zu können, wurden die in den Texten vorkommenden Wortformen (mit Ausnahme der im Handbuch, 69 f., aufgeführten Wörter, die “aufgrund ihres häufigen Vorkommens aus Zeitgründen nicht lemmatisiert wurden”, vgl. 69) jeweils einer Grundform zugeordnet, über die man durch Voranstellen des Suchparameters “l:” dann alle Formen erhält. So liefert “l:sapientia” im Gegensatz zu “sapientia” nicht nur den Nominativ Singular, sondern auch alle Stellen, an denen die anderen Deklinationsformen von “sapientia” vorkommen.

Diese Lemmatisierung ermöglicht es auch, Heterographen zu identifizieren. Ein Beispiel aus dem Handbuch, 20: “l:Hierusalem” führt auch Schreibformen wie “Hierosolyma” oder “Ierosolymis” auf “Hierusalem” zurück und zeigt deshalb auch deren Fundstellen an. Ebenso lassen sich Homogra­phen unterscheiden. Beispiel aus dem Handbuch, 20: Die einfache Sucheingabe “legis” listet nicht nur alle Genitive von “lex” auf, sondern auch alle 2. Person Singular Indikativ Praesens Aktiv von “legere”. “l:lex” führt dagegen neben allen anderen Deklinationsformen von “lex” nur die “legis”-Stellen an, die Genitiv Singular von “lex” sind, und dementsprechend gilt das Umgekehrte von “l:lego”.

Überflüssig scheinen die beiden Suchparameter “g:” und “k:” zu sein, die jeweils unabhängig von der Schreibweise der Eingabe nur nach dem groß bzw. klein geschriebenen Wort suchen. Denn kommt “der eingegebene Suchbegriff im gesamten Corpus nur in einer Schreibweise vor, spielt die Groß-/Kleinschreibung bei der Eingabe des Suchworts keine Rolle, so daß ein im Corpus aus­schließlich klein geschriebener Begriff auch dann gefunden wird, wenn er bei der Suchanfrage groß geschrieben wird” (Handbuch, 57). Wenn allerdings ein Wort groß (laut Konvention des A-L: die Namen) und klein geschrieben vorkommt (z. B. der Eigenname “Maria” und Nominativ Plural von “mare”, nämlich “maria”; oder “Exodus” als biblisches Buch und der Nominativ Singular von “exodus”), dann genügt die korrekte (d. h. groß geschriebene) Eingabe “Maria” oder “Exodus”, um die Stellen mit dem Eigennamen oder dem biblischen Buch zu finden.

b. Abgesehen von einem einzelnen Wort, kann auch nach mehreren Worten gesucht werden, die Augustinus in einen Zusammenhang gestellt hat. So kann beispielsweise durch die Eingabe von “l:amor UND l:mors” (die verfügbaren logischen Operatoren sind “und”, “oder”, “nicht”) nach Stellen gesucht werden, wo Augustinus “Liebe” und “Tod” in eine bestimmte Beziehung zuein­ander bringt. Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Suche ist jedoch, daß die gesuchten Wör­ter in demselben “Dokument” stehen - und “Dokument” ist für das CAG die kleinste Einheit, in die das Corpus Augustinianum aufgeteilt ist, nämlich in die Paragraphen oder Kapitel der gängigen Werkausgaben (so ist z. B. das erste Buch der Confessiones in 31 Kapitel, sprich “Dokumente” einge­teilt).


Eine Verfeinerung in dieser Richtung bildet das komplexe System von Operatoren (vgl. Hand­buch, 58), das es erlaubt, nach zwei Worten zu suchen, die in einem bestimmten Abstand zuein­ander stehen. Während z. B. die Eingabe von “l:homo UND l:interior” als Ergebnis 599 “Doku­mente” liefert, in denen Augustinus in irgendeiner Weise “homo” und “interior” in einen Zusam­menhang stellt, so ergibt die Eingabe von “l:homo /w1 l:interior” (der Operator “/w1" sucht nur die Stellen, wo “homo” und “interior” unmittelbar aufeinander folgen, während die Reihenfolge der beiden Wörter gleichgültig ist) das Resultat von 215 “Dokumenten”, in denen Augustinus vom “homo interior” bzw. “interior homo” spricht!

c. Eine weitere nützliche Suche ist die nach Zitaten. Dabei erfolgt die Suche entweder durch Eingabe der entsprechenden schriftlichen Quelle (Suchoperator “q:”) oder eines bestimmten Wor­tes (Suchoperatoren “z1:” bis “z9:”).

Als schriftliche Zitatenquelle können nicht nur bestimmte Bibelstellen (so findet z. B. die Eingabe von “q:1cor 13,9 sq” 7 Stellen im Gesamtwerk, an denen Augustinus 1 Kor 13,9 f. zitiert) eruiert werden, sondern auch Zitate von anderen Autoren (z. B. “q:cic. tusc” ergibt 9 Stellen, an denen Augustinus aus den “Tusculanen” des Cicero zitiert) und sogar Stellen, an denen sich Augustinus selbst zitiert; z. B. “q:sol” bringt als Resultat 3 “Dokumente” aus den “Retractationes” (retr. 1,4,2-4), wo Augustinus verschiedene Stellen aus seinen “Soliloquia” zitiert. Da die Abkürzungen für die Quellenwerke speziellen Regeln folgen und beim Benutzer des CAG kaum vorausgesetzt werden können, empfiehlt es sich, diese Suche ausschließlich über den Index durchzuführen.

 

Albert Raffelt schreibt in seiner Rezension (a. a. O., 708): “So war das Suchbeispiel q:Cic nach Cicerostellen problemlos durchführbar, auch die Version q:Cic. klappt. Nicht hingegen war es möglich, Varro‑Stellen mit q:Varro oder q:Varro. oder auch irgendeiner abgekürzten Form zu finden. Da dieser Name üblicherweise nicht abgekürzt wird, ist der fehlende Punkt möglicherweise das technische Hindernis. Über die Indexliste ließen sich die Stellen wiederum problemlos finden; allerdings ist der erste Bestandteil des Werktitels dem Namen angehängt, also etwa uarroreg. (Die U/V‑Um­setzu­ng braucht der Benutzer nicht zu beachten).” Diese Fehlerdiagnose scheint nicht zuzutreffen, da die Eingabe “q:varro*” ohne Umweg über die Indexliste das gewünschte Ergebnis liefert. Das System der Indexliste zeigt, daß den Werken eines jeden Autors ein Eintrag nur mit seinem Namen vorangeht, so beginnt z. B. die Indexliste bei Cicero mit “q:cic”, dann folgen die einzelnen Werke mit “q:cic. a.gram”, “q:cic. ac” usw. Bei Varro jedoch fehlt dieser quasi überge­ordnete Eintrag “q:varro” vor “q:varro log”, “q:varro men” usw. Aus diesem Grund scheint die Eingabe mit “q:Varro” oder “q:Varro.” oder auch in “irgendeiner abgekürzten Form” fehlzuschla­gen.

Für die Suche nach einem (Bibel-, Fremd- oder Eigen-)Zitat, das ein oder mehrere bestimmte Worte verwendet, existiert ein sehr komplexes System mit 9 verschiedenen Kategorien. Als ein einfaches Beispiel einer solchen Suche sei nach den Stellen gefragt, an denen Augustinus Bibelzitate anführt, in denen das Wort “Gnade” vorkommt: “z1:l:gratia” (“z1” ist der Suchoperator für Bibelzi­tate) liefert als Ergebnis 685 “Dokumente”. Stellen, an denen Augustinus z. B. Bibelzitate in einen näheren Zusammenhang bringt, in denen von der “Gnade” und vom “Gesetz” gesprochen wird (“z1:l:lex UND z1:l:gratia”), werden in 161 “Dokumenten” ausgewiesen, von denen beispielsweise 3 in den Confessiones zu finden sind.

d. Schließlich sei auf die Möglichkeiten hingewiesen, nach Sekundärliteratur zu suchen. Die Literaturdatenbank kann nach den üblichen Kriterien (nach Namen des Autors, Titel des Werkes oder Namen der Zeitschrift, bibliographischen Angaben wie Erscheinungsort, Schlagwörtern des A-L, die im Handbuch, 71-94, aufgeführt sind, usw.) durchsucht werden. Dazu kann, wie bereits oben ausgeführt worden ist, die entsprechende Angabe entweder selbst mit verschiedenen Platzhal­tern eingegeben oder von einem jeweils alphabetisch geordneten Wort­index übernommen werden.


Anders als beim Augustinischen Text wurde offenbar bei den Literaturangaben nicht immer sorgfältig gearbeitet. Dabei soll nicht so sehr das Fehlen von Titeln moniert werden (z. B.: Horst Kusch, Studien über Augustinus. In: Festschrift Franz Dornseiff, 1953. Hrsg. von Horst Kusch, Leipzig: VEB, 1953, 124-200; Pierre Lachièze-Rey, Saint Augustin précurseur de Kant dans la théo­rie de la perception. In: Augustinus Magister I. Congrès International Augustinien, Paris: Études Augustiniennes, 1954, 425-428; außerdem fehlen weitere Beiträge aus diesem Sammelband, z. B. von Karl Löwith; dagegen sind z. B. aufgeführt die Beiträge von Ephraem Hendrikx und Adolar Zum­keller). Zwar kann keine Literaturdatenbank von sich behaupten, wirklich vollständig zu sein, doch es ist für den Benutzer lästig, mit “fehlerhaften” Angaben in einem aufgenommen Titel arbei­ten zu müssen, auch wenn diese selten sind. So ist die falsche Ortsangabe “Bialytosk” (richtig: Bialystok) in “Domanski, Juliusz, Saint Augustin et l’interprétation subjektive du temps. In: L’idée. Études sur la structure et l’évolution des conceptions philosophiques, Bialytosk 1986, 19‑27” nicht allzu gravierend. Doch es ist unangenehmer, wenn der schon genannte Sammelband zuweilen als “Augustinus Magister” und zuweilen als “AM” aufgeführt wird. Aber der falsche Name “Risobello” (richtig: Rigobello) in “Risobello, A., Teoría del conocimiento y fenomepoligía del espíritu en San Agustín. In: Augustinus 2 (1957), 241‑247” führt dann zu der fatalen Konsequenz, daß dieser Beitrag bei einer Suche über den Namen des Autors nicht gefunden wird. Dieselbe Problematik ergibt sich dadurch, daß z. B. die Schreibweise ausländischer Namen in lateinischer Umschrift nicht immer nach einheitlichen Regeln durchgeführt wurde. So findet die Suche nach “Kato, Shinro” nur einen Titel in der Datenbank, obwohl insgesamt 7 Titel aufgenommen sind, die anderen sechs aber unter “Katô, Shinrô”. Dabei zeigt sich bei genauerem Hinsehen, daß es sich eigentlich nur um 4 eigen­ständige Veröffentlichungen von Katô handelt (ein Artikel liegt in Japanisch, Deutsch und Franzö­sisch vor; ein Artikel ist in zwei verschiedenen Publikationen veröffentlicht). Gewisse nachträgli­che Korrekturen, Vereinheitlichungen und Zusammenfassungen der Einträge der Sekundärliteratur wären für den Benutzer sehr hilfreich.

 

 

2. Anzeige auf dem Bildschirm

 

Nachdem man im CAG z. B. nach einem bestimmten Wort recherchiert hat, erhält man neben der Anzahl der Treffer als Ergebnis entweder die Titel der Werke, die das gesuchte Wort beinhal­ten, oder den Kontext, in dem das Wort steht, auf dem Bildschirm angezeigt (dabei gibt es wieder einmal Unterschiede zwischen der im Handbuch ausschließlich beschriebenen DOS-Version, die 1,2,3 und 6 Zeilen Kontext bietet, im Gegensatz zur WINDOWS-Version, die 1,2,3 und 4 Zeilen Kontext darstellt). Anschließend kann man sich bei Bedarf das ganze “Dokument” (also das/den entsprechende/n Kapitel/Paragraphen) anzeigen lassen, in dem das gesuchte Wort vorkommt.

Die Ansicht des “Dokuments” ist sehr übersichtlich aufgebaut: die Titelleiste zeigt an, in wel­chem Kapitel welchen Werkes man sich gerade befindet. Im Text, dessen Schriftbild vergrößert und verkleinert werden kann, ist das gesuchte Wort markiert; eventuell vorhandene Zitate sind durch Fett-Formatierung und Anführungszeichen deutlich gegenüber dem Rest des Textes abgehoben. Wenn man den Cursor im Text bewegt, wird automatisch die Druckvorlage zeilengenau angezeigt (z. B. der Text von Confessiones 3,8 mit CCL 27, p.30/15 bis CCL 27, p.30/37), bei einem Zitat die exakte Quelle des Zitats (z. B. Ps 224,7). Von dem angezeigten “Dokument” aus kann man vorwärts und rückwärts im entsprechenden Werk “blättern”, sowie zu einem bestimmten “Dokument” Notizen eingeben, die dauerhaft auf der Festplatte gespeichert, in diesem “Dokument” ebenso angezeigt wie auch wieder gelöscht werden können.

 

 

3. Export des Datenmaterials

 

Auch wenn natürlich eine Textlektüre des Corpus Augustinianum auf dem Bildschirm möglich ist, so ist es doch für eine praktische Benutzung des CAG oft notwendig, Texte oder Literaturlisten entweder auf einen Drucker oder in eine andere Anwendung zu exportieren. Von CDIS aus kann zwar der “Druckmanager” (die Software, die das Drucken aller WINDOWS-Anwendungen über­wacht) mit seinen verschiedenen Optionen aufgerufen werden, aber es gibt keine Möglichkeit den zu druckenden Text (sei es das aktuelle oder die ausgewählten Dokumente, sei es eine Liste von Sekundärliteratur) in der Weise zu formatieren, wie man es von üblichen Textverarbeitungspro­grammen her gewohnt ist. Deshalb bietet es sich an, den entsprechenden Text in einen Editor zur weiteren Bearbeitung zu exportieren.

Der Export eines Augustinus-Textes in eine auswählbare Datei erfolgt problemlos im ASCII-Format ohne etwaige Steuerzeichen, die beim Konvertieren in einen bestimmten Editor Schwierig­keiten bereiten könnten. Mit dem Text, dem die Angabe von Werk und Kapitel vorangeht, werden außer der Copyright-Angabe “Corpus Augustinianum Gissense a C. Mayer editum” auch die ge­naue Angabe der letzten Zeile der gedruckten Quelle zugunsten einer bequemeren Auffindung übertragen (so enthält z. B. der exportierte Text von Confessiones 4,13, dem das CAG den Text aus dem CCL 27, Seite 46, Zeile 1 bis Seite 47, Zeile 24 zu Grunde legt, die Angabe CCL 27, p.47/24).


Der Export einer Literaturliste geht vor allem auf WINDOWS-Ebene nicht immer problemlos vonstatten (z. B. bei mehrmaliger Durchführung dieser Funktion während einer Arbeitssitzung). Vor allem ist die Einbindung in ein Textverarbeitungsprogramm auf Grund des Aufbaus eines exportierten Literatureintrags nicht benutzerfreundlich, da bei jedem Literatureintrag nicht nur die Copyright-Information “Corpus Augustinianum Gissense a C. Mayer editum (Literatur)”, sondern ausnahmslos alle vorhandenen Daten zu diesem Eintrag exportiert werden, d. h. eine Zeile mit Verfassername und Kurztitel, eine weitere nur mit dem Verfassernamen, dann der vollständige Titel, der sich über mehrere Zeilen[5] erstrecken kann, eine Zeile mit den üblichen bibliographi­schen Angaben, eine Zeile mit Nennung der Quelle dieser Sekundärliteratur, eine Zeile zur Kenn­zeichnung der Gattung (Monographie, Zeitschriftenartikel usw.) und zum Teil mehrere Zeilen mit einer Auflistung der Schlagwörter, nach denen der Literatureintrag gefunden werden kann - und alle diese Angaben teilweise noch durch eine oder zwei Leerzeilen von einander getrennt. Da man den Export einer Literaturliste in der Regel vornimmt, um möglichst schnell eine für die jeweiligen Absichten (z. B. Beschaffung von Literatur, Einbindung einer Bibliographie in eine Arbeit) passen­de Literaturliste über ein bestimmtes Thema oder ein Werk Augustins aufzubauen, so müssen hier umständlich und zeitaufwendig alle unbenötigten Angaben sowie das Steuerzeichen für die vielen Zeilenschaltungen gelöscht werden. Es dürfte programmiertechnisch kein zu großer Aufwand sein, das Retrievalprogramm mit einer vom Benutzer zusammenstellbaren “Maske” auszustatten, die es erlaubt, vor dem Export die entsprechend benötigten Angaben auszuwählen.

Trotz der erwähnten, geringfügigen Kinderkrankheiten, die in einer kritischen Besprechung naturgemäß überdeutlich hervorgehoben werden und weitgehend nur auf die datentechnische Aufbereitung und die Präzision der Literaturangaben beschränkt sind, hält das CAG tatsächlich das, was es verspricht: es ist das derzeit nicht übertroffene Hilfsmittel der Augustinus-Forschung. Dem widerspricht nicht, daß man ihm wünschen kann, daß es sich selbst in einer zweiten Auflage übertreffen wird.

 



[1]  Vgl. die Hinweise in der sachkundigen Rezension des CAG bei Albert Raffelt in: Informationsmittel für Bibliotheken 4 (1996) 705-710, bes. 705, Fußnote 1 und 2. Die ausführliche Rezension von Hans-Ulrich Delius (Theolo­gische Literaturzeitung 122 [1997] 297-307) besteht weitgehend aus - teils wörtlicher - Wiedergabe von Informationen des Benutzerhandbuchs.

[2]  Gelegentliche Mängel (unvollständige, unrichtige, fehlende Angaben) fordern vom Benutzer Nacharbeit, die man sich sparen könnte (vgl. die unten aufgeführten Beispiele).

[3]  Zur Quellenlage vgl. Raffelt (s. Anm. 1), 706 f.

[4]  Entgegen Handbuch, 22, und dem Stichwortindex funktioniert die Lemmatisierung bei griechischen Begriffen offenbar nicht.

[5]  Pro Zeile werden maximal 77 Zeichen (einschließlich Leerzeichen) verwendet, offenbar die maximale Größe einer Zeile in der Datenbank.