Emmanuel Lévinas und die Christologie
von Dieter Hattrup
Kurzinhalt - Summary:
Der Mensch ist gegen den natürlichen Trieb der
Selbsterhaltung zur grenzenlosen Stellvertretung berufen, sagt der französische
Philosoph E. Lévinas: 'Der Messianismus ist die Erdferne im Sein.' Bei ihm
gibt es viel implizite Christologie, aber auch viel explizite Distanz zu finden.
Während Lévinas den unvermittelten Imperativ an sich selbst heranträgt,
kennt die Christologie einen vermittelnden Indikativ: In Christus ist die
messianische Stellvertretung verwirklicht, die ich durch ihn verwirklichen
kann.
As stated by the French
philosopher E. Lévinas, man, contrary to the instinct of self-preservation, is
destined for unlimited substitution: "Messianism is the apogee of
being". There is a good deal of implicit christology in Lévinas'
reflections as well as a good deal of explicit distance. Whereas Lévinas
approaches the immediate imperative in an absolute way, christology is aware
of a mediating indicative: It is Christ in whom the messianic substitution is
realized so that we may realize it through Him.
Das Ich ist derjenige, der vor jeder Entscheidung schon
erwählt ist, die ganze Verantwortung der Welt zu tragen.[1] So Emmanuel Lévinas in einem Vortrag von 1968 über die
Menschwerdung Gottes. Wer sich ohne Einwände mit der Rolle eines Atlas
einverstanden erklärt, der den Himmel auf seinen Schultern trägt, arbeitet an
der Erlösung der Welt, zumindest an der Erhaltung ihres Daseins. Er leidet an
ihren Leiden und möchte keinen Platz mehr beanspruchen, wohin er vor seiner
Berufung flüchten könnte. Wenn alle Refugien der natürlichen Behausung
abgebrochen sind, dann ist der Tag des Herrn nahe. Le messianisme, c'est
cet apogée dans l'Être. Der Messianismus ist die Erdferne im Sein. Das
Apogäum ist ein astronomischer Begriff und meint den fernsten Punkt beim
elliptischen Umlauf eines Satelliten um die Erde. Das Apogäum ist der Höhepunkt
im Sein, nämlich die größte Entfernung von der Erde, aber durch seine Ferne
auch der größte Gegensatz zum Sein. Bindung durch Abstoßen ohne gemeinsames
Band!
Ich unterteile den Essay, der sich darin versucht, den
Lévinasschen mit dem christologischen Messianismus zu vergleichen, in drei
Abschnitte: 1. Die Nähe zur Christologie. 2. Die Distanz zur Christologie.
3. Die Entscheidung zwischen Distanz und Nähe. Dabei lege ich vor allem
den Vortrag von 1968 mit dem Thema Menschwerdung Gottes? aus dem Sammelband
Zwischen uns zugrunde und das
4. Kapitel in Jenseits des Seins, das die Stellvertretung zum Thema
hat. Aber direkt oder indirekt stehen alle anderen Schriften von Lévinas im
Hintergrund bereit.
1.
Die Nähe zur Christologie
a) Menschsein als Transzendenz. Emmanuel Lévinas hat es nicht als Minderung seiner
Würde erachtet, auf der Kehrseite der Philosophie die Religion wahrzunehmen.
Sein Denken erreicht den Höhepunkt in einem Messianismus, den er als
Ergebnis des Denkens selbst vorstellt. Zwar darf die Philosophie ihr Wasser
nur aus sich selbst schöpfen, aber welche Quelle hat ihr Wasser nur aus sich
selbst? Eine Quelle kann zum Brunnen mit Vorrat werden, aber doch nur für
einige Zeit, dann muß sie ihr Wasser wieder von außen beziehen. Wenn man die
Maxime aufgegeben hat, daß am Rande des selbstgesetzlichen Schöpfens kein
Thema für das Denken mehr zu finden ist, dann beginnt die Quelle zu fließen,
die Lévinas hat sprudeln machen. Wieso sollte die Wahrnehmung der Wirklichkeit,
die nicht sich selbst hervorbringt, kein Denken sein? Zum Sapere aude
gehört auch, daß der Sapiens in der Sapientia die Grenze der Cogitatio
erkennt und anerkennt. Vor allem die Eschatologie ist immer wieder eine reichlich
sprudelnde Quelle des Denkens gewesen. Am 30. August 1795 schreibt der
25-jährige Hegel an den 20-jährigen Schelling: Das Reich Gottes komme, und
unsere Hände seien nicht müßig im Schoße!... Vernunft und Freiheit bleiben
unsere Losung, und unser Vereinigungspunkt die unsichtbare Kirche. Wie
im Verlauf der letzten 200 Jahre bei der Realisierung des Reiches zu
beobachten war, sollte die Religion allerdings zugleich mit ihrer Erfüllung
aufhören zu existieren, in der Erwartung, daß nach der Niederlegung einer
einzigen Grenze auch alle anderen mit der Zeit aufgehoben würden. Es gehört
zwar selbst zu den Zielen der messianischen Religion, daß sie die
Sonderstellung in der Welt durch ihr Allgemeinwerden beendet sehen möchte,
aber als göttliche Tat, nicht aus dem Vermögen der endlichen Welt heraus. Einen
Tempel sah ich nicht in der Stadt. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond,
die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte
ist das Lamm. (Offb 21, 22 f)
Lévinas scheint der Überzeugung gewesen zu sein, daß
der Messianismus geeignet ist, einen Frieden in die säkularen Begriffe zu
bringen, der in den transzendenzlosen Seins- und Naturphilosophien nicht zu
finden ist. Denn wer theoretisch die Wirklichkeit als Esse bestimmt,
wird sie praktisch als Inter-esse bestimmen müssen. Er muß seinen
Besitzstand wahren wollen und sagen: Das ist mein Platz an der Sonne! So
ein Motto von Jenseits des Seins.[2]
Wer auf diese Weise sein Interesse als selbstverständlich ausgibt, erklärt
den Krieg zum Vater aller Dinge. Leben und Frieden widersprechen sich, wenn
das Esse und das Inter-essse herrschen. Das Gegenbild von Sein
und Interesse der Erde ist der Messianismus, deshalb ist er die Erdferne im
Sein.
Wenn sich Philosophie und Theologie durchdringen,
wird erkennbar, daß die Welt von einer Quelle lebt, deren Wasser sie selbst
nicht liefern kann. Deshalb muß das Leben in der Welt ohne Friede bleiben,
wenn ihm keine anderen als die knappen Quellen zur Verfügung stehen. Umgekehrt
findet die Theologie durch die Philosophie eine Sprache für die Offenbarung,
die in der Welt erschienen ist. Sie kann damit in der Welt sagen, was
nicht von der Welt ist. Das Gespräch mit der Philosophie des Anderen
ist besonders fruchtbar, weil dieses Denken nicht nur die Erfahrungen des
katastrophenreichen 20. Jahrhunderts in sich trägt und die Wunden der Zeit
vor die Theologie bringt, sondern weil sie den Horizont einer gelegentlich
siegesgewissen Moderne überschreitet.
Damit kann die Theologie aus dem Prokrustesbett einer
Anpassung an die Moderne befreit werden, sie mag auch ein neues
Selbstbewußtsein gewinnen, das jenseits von Triumphalismus und Defaitismus
liegt: Sie kann die Zusammenbrüche der Moderne als Einbrüche einer geleugneten
Transzendenz deuten. Theologie ist möglich, wenn die Welt endlich und Gott
davon unterschieden ist, und dann ist sie nötig. Nicht jede Theologie des 20.
Jahrhundert war davon überzeugt. Deren Lieblingswort war eher die Heilsgeschichte
oder die Lebenshilfe, womit sie ebenfalls eine Brücke zur Moderne bauen wollte,
die aber mehr in der Richtung vom christologischen zum anthropologischen
Messianismus befahren wurde als umgekehrt und dabei den Messianismus verloren
hat. Heilsgeschichte ist zwar auch theologisch denkbar, aber dann muß ihr die
Christologie und die Gnadenlehre vorher gehen, da eine lineare oder chronologische
Fortschrittsgeschichte zur Katastrophe führt.
Angesichts des Anderen kann im Lévinasschen Denken die
Welt nur endlich sein. Die Epiphanie von Sein, Natur oder Geschichte entfällt!
Diese Philosophie steht in jedem Augenblick bereit, den Einbruch der Transzendenz
in die Immanenz zu erwarten. Der Einbruch und seine Erwartung heißen Diachronie.
Wo die Zeit durchbrochen ist, kann die Geschichte nicht Epiphanie des
Göttlichen sein. Kein Prozeß des Absoluten führt zum Absoluten, die Identität
des Endlichen im Kampf für sich selbst zerfällt, ein Friede tritt auf, der aus
der Zustimmung, nicht aus dem Sieg kommt. Da das Antlitz des Anderen sich
unbeschädigt aus jedem Versuch erhebt, weil es nicht zu erobern oder zu
beseitigen ist, ist der Friede messianisch, die Anerkennung der Erdenferne im
Sein. Das Messianische löst die sakralen und säkularen Epiphanien ab und erlöst
sie.
In diesem Essay werde ich keinen Unterschied machen
zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens, sondern die
neutestamentliche Überlieferung als Endgestalt nehmen. Der historische Blick
der Exegese steht unter der Vorgabe einer Rekonstruktion, wodurch die
Diachronie eines Einbruchs in die Zeit von vornherein ausgeschaltet wird.
Zwischen der Bergpredigt und Chalcedon besteht nur der Wimpernschlag von
400 Jahren. Dem Denken erscheinen beide Ereignisse gleichzeitig, als Einbruch
der Diachronie in die Zeit, einmal in rhetorischer, einmal in reflektierter
Gestalt. Auch Lévinas macht den Unterschied nicht: Das christologische
Dogma ist Ausdruck des Selbstbewußtseins Jesu.
Der Vergleich der beiden Messianismen läuft auf ein
Paradox hinaus: Je deutlicher der Unterschied zu Anfang gesehen wird, desto
geringer wird er schließlich. Am Ende unterscheiden sich Christologie und
Alteritätsphilosophie um eine Haaresbreite, soweit nur, wie sich Möglichkeit
und Wirklichkeit oder Imperativ und Indikativ unterscheiden: Im Inhalt gibt es
keinen Unterschied, der Inhalt ist der Messianismus der Erdferne. Die
Haaresbreite läßt sich auch für einen gewaltigen Unterschied halten, weil er in
der Frage besteht: Bin ich der Messias, der die Last der Welt zu tragen
hat, oder tut es ein anderer für mich? Die Antwort auf diese Frage macht
den Unterschied aus. Daß ich sie tragen soll, ist ein Postulat der Ethik, die
keine Grenze durch das Interesse kennt. Aber daß ich die Forderung
verwirklicht habe oder daß ich auch nur meinen kann, sie in Zukunft
verwirklichen zu können, wäre Vermessenheit. Deshalb sieht der christliche
Glaube den Messias zwar in jedem Ich gefordert, aber in einem anderen Ich
realisiert. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig
und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein
Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht. (Mt 11, 29 f) Was von mir
gefordert ist, kann ich von Natur aus nicht leisten, dennoch bleibt es
gefordert. Die Stellvertretung ist der philosophische Gehalt des
Inkarnationsdogmas, seine Realisierung die theologische Differenz.
Die Christologie lehrt die hypostatische Union und
damit das Endliche als Gefäß für das Unendliche, das Finitum als Capax
Infiniti. Sie sagt damit, daß sie das endliche Sein für fähig hält, das
Unendliche Sein aufzunehmen und zu tragen, auch wenn eine verfeinerte Christologie
diesen Stand letztlich im Unendlichen selbst ausmacht. Denn wie sollte Gott
als er selbst in der Welt erscheinen und offenbar werden, wenn das Endliche
nicht diese Möglichkeit hätte! Sie lehrt aus Vorsicht zugleich aber auch die Enhypostasie,
die auf den erste Blick das Gegenteil bedeutet. Enhypostasie meint, daß die Verbindung
der beiden Bereiche des Endlichen und des Unendlichen vom Unendlichen
ausgeht und in der Hypostase der einen Person des Logos besteht, so daß man
vom Inkarnationsdogma auch sagen kann, es lehre das Infinitum als Capax Finiti.
Das ist nun das Gegenteil der ersten Aussage und für sich allein genommen
harmlos. Schon die formale Logik sagt, daß das Ganze größer ist als jeder
seiner Teile! Allerdings ist die Enhypostasie auch nur eine Nebenaussage in
der Lehre von der Menschwerdung, nicht ihr Hauptstrang. Sie sucht den Punkt
der Einung zu bestimmen und will ihn ganz gewiß nicht in einen dritten Bereich
jenseits des Menschlichen und Göttlichen legen. Aber da die so geeinte Endlich-Unendlichkeit
in der Gestalt eines Menschen auch wieder in der Endlichkeit erscheint,
bleibt das Paradox auch bestehen.
Diese klassische Deutung der hypostatischen Union als
Enhypostasie macht der Christologie alle Ehre, weil sie eine Schwierigkeit des
Denkens zu Bewußtsein bringt und sich zugleich einer Lösung enthält. Das
Geheimnis bleibt gewahrt. Die Lehre ist eine Verbeugung vor den
Schwierigkeiten und den philosophischen Mühen, die das zentrale Mysterium dem
aufhellenden Nachdenken entgegen setzt, und eine Verbeugung zugleich vor dem
Wunder seines Gehaltes. Denn in Rationalität aufgelöst würde es aufhören das zu
sein, was es sein soll, Gott in Welt.
Ein neues Licht in die Tiefe des Dogmas, in dem das Gold
und der Schlick warten, läßt sich womöglich mit der Philosophie des Anderen
werfen. In dem Vortrag Menschwerdung Gottes? wirft Lévinas eine
selten gestellte Frage auf, die philosophisch zu den Hauptfragen der
Christologie gehört.
"Wenn das ganz Andere sich mir zeigt, kehrt seine
Wahrheit dann nicht eben dadurch in den Kontext meiner Gedanken ein, um daraus
einen Sinn zu schöpfen, und in meine Zeit, um ihr gleichzeitig zu werden? Jede
Störung wird letztlich eingeordnet, wodurch eine weitere und komplexere
Ordnung sichtbar wird. Dies ist keine Gedankenspielerei: Es ist die große
Erfahrung unserer Zeit: Der Historiker verleiht noch den unerklärlichsten
Einbrüchen einen ganz natürlichen Sinn." (ZU 75)
Der Philosoph macht darauf aufmerksam, wie schwierig der
Gedanke der Menschwerdung Gottes eigentlich ist, wie ungeheuer er sich der Einordnung
in Sprache und Vorstellung widersetzt, aber auch, welche Lebenskraft die alte
Lehre verborgen hält, wenn sie sich nicht den noch älteren Kräften der Einebnung
in ein geschichtliches oder natürliches Sein ergibt.
Genauer besehen spricht Lévinas zunächst nicht von
Inkarnation, sondern von Einbrüchen ins natürliche Sein, von der
Transzendenz in die Immanenz, gleichgültig ob die Störung lieb oder leid ist. Der
Einbruch, der wie ein Dieb in der Nacht kommt, könnte auch anders aussehen
und braucht nicht eine Fleischwerdung des Logos zu sein. Lévinas macht
aufmerksam auf die vielfältigen Formen dieser Brüche und Einbrüche. Die Wirkung
aus der Vorstellung einer Transzendenz in der Immanenz ist allerdings
mit Hellsicht gesehen worden: Wer Gott immanent macht, macht auch den Menschen
immanent und zu einem Produkt der Natur. Er liefert ihn den Historikern, den
Politikern und den Psychologen aus. Der Mensch in seiner Einmaligkeit und
Verantwortung, der Mensch mit seiner Innerlichkeit gegenüber der
Äußerlichkeit der Welt, wird getragen durch die Verbindung mit einem Gott der
Transzendenz, durch die Stellvertretung seines Anders-als-Sein im Sein.
Wo dieser Gott zu einem Gott der Natur oder der
Gesellschaft wird, wo die Transzendenz ausfällt, fällt der Mensch selbst
hinweg, der Mensch, der ich selbst bin, der 'ich' sagen kann und nicht nur ein
Exemplar der Gattung derer ist, die 'ich' sagen, oder eine Kondensation des
Ich, das alle kleinen Ichs schon in sich enthält und als Anwendungsfall
natürlicher oder geschichtlicher Zustände aus sich entläßt. Die Erfahrung
unserer Zeit, die Quintessenz des 20. Jahrhunderts! Freiheit, Verantwortung,
Subjektivität fallen weg, weil die Historiker den unerklärlichsten Einbrüchen
einen natürlichen Sinn geben wollten. Für diese Brüche kann der Mensch nicht
oder, besser und schmeichelnd gesagt, kann ich nicht verantwortlich sein. Die
kommunikativen Sozialtheorien der Soziologie können den Menschen als Subjekt
ebenso wenig halten wie die naturalistischen Theorien der Soziobiologie. Die
Diskussion um eine universalistische Ethik zeigt, wie sehr die fehlende Transzendenz
das unverwechselbare 'ich', das ich selber bin und das nicht im allgemeinen
Ich aufgeht, zum Verschwinden bringt. Mit dem Überblick über das Feld der
Diskussion läßt sich sagen:
"Zwar ist jede Person stets nur als ein
unverwechselbares Individuum im praktischen Diskurs einbezogen, aber dessen
Symmetrievoraussetzungen zwingen dazu, von allen besonderen Bindungen abzusehen
und Gesichtspunkte der Fürsorge dementsprechend in den Hintergrund treten zu
lassen."[3]
Wie der Historiker die unerklärlichsten Einbrüche mit
einem natürlichen Sinn erklären will, so auch der Sozialtheoretiker. Ein ähnliches
Phänomen läßt sich auch in den dekonstruktiven Versuchen zum Abbau
metaphysischer Reste beobachten. Der metaphysische Schauer wird genossen, aber
ohne verpflichtende Bedeutung, da die Verweise abgebaut sind und nur noch auf
das Endliche verweisen. Eine Spätphilosophie für Spätlinge, die nicht
aufrecht stehen können und deshalb für nichts stehen wollen!
Die alte Kirche hat das Dogma von der Menschwerdung gegen
die Versuchungen der Gnosis und des Arianismus formuliert, um den Weg zu einem
Gott offen zu halten, der nicht im Sein der Natur oder im Bewußtsein des Menschen
aufgeht, der jenseits des Extra nos und des Intra nos im Supra
nos wohnt, aber dennoch innen und außen erscheint. Welche Offenheit ist
das? Der Mensch kann den Weg immer noch nicht gehen! Er steht ihm nur in der
paradoxen Art offen, daß Gott zum Menschen gefunden hat und darum schließlich
auch der Mensch zu Gott.
Das ist der zweite Punkt einer philosophisch
durchleuchteten Christologie, die Selbstoffenbarung Gottes in Christus.
Es ist ein weiterer Versuch, das Andere der Transzendenz nicht im Horizont der
Immanenz untergehen zu lassen.
In der Patristik findet sich diese Denkbewegung der
Verknüpfung von wahrhaft Gottsein und wahrhaft Menschsein in der Lehre vom
wunderbaren Tausch, vom admirabile commercium. Bei Athanasius († 373) etwa heißt es: Der Logos ist Mensch
geworden, damit wir vergöttlicht werden. Oder schon vorher bei Irenäus von
Lyon († 202) heißt es: Das Wort Gottes ist Mensch geworden, der Sohn Gottes
zum Menschensohn, damit der Mensch, verbunden mit dem Worte Gottes, Kind
Gottes wird.[4] Die
klassische Deutung besagt, daß Christus, wenn er Mensch wird und nicht
zugleich der wirkliche Gott ist, dann auch den Weg des Menschen zu Gott nicht
geöffnet hätte. Es ist bekannt, wie dieser Grundsatz gegen den Arianismus
erfochten werden mußte. Arius wollte Christus als Naturgeschöpf sehen und
damit jeden Menschen auch. Erweist er sich damit nicht als der Lévinassche
Historiker, der auch den unerklärlichsten Einbrüchen einen natürlichen Sinn
verleihen will? Könnte hier nicht die Christologie eine Anthropologie aufrichten,
die sich zur Wehr setzt, die den Menschen nicht an die Biologie, die
Soziologie oder die Psychologie ausliefert, wo er zwar als Mensch behandelt
wird, aber ernsthaft nur als Kollektivwesen, was man auch so deuten kann, daß
das verantwortliche 'ich', das ich selber bin, zum Verschwinden gebracht ist?
b) Die Gestalt der Transzendenz. Der Mensch ist Mensch, weil er in der Ordnung der Welt
nicht aufgeht. Wenn Freiheit und Verantwortung dem Menschen zugesprochen
werden, dann können diese nicht aus der Ordnung der unpersönlichen Welt
kommen. Es ist die Krise des Humanismus in unserer Epoche, die ihren Ursprung
in der Erfahrung der menschlichen Ohnmacht gegenüber den Natur- und
Geschichtskräften hat. Aber der moderne Antihumanismus, der bolschewistische,
der faschistische, der wissenschaftliche, der den Menschen als Produkt der
Natur behandeln will, zeigt damit nur, daß die Freiheit keine Kategorie der
Welt ist. Die 200 Jahre alten Parolen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
sind antihuman geworden, weil sie säkular geworden sind. Das sieht Lévinas
deutlich, und er wehrt sich gegen die Einordnung des Menschen in die
Historie, wie sie auf naturalistischer und strukturalistischer Grundlage
geschieht. In der gleichen Weise wehrt sich die Christologie, Christus in
der Ordnung der Welt aufgehen zu lassen.
Welche Kräfte wirken hier so einschüchternd und
verlockend auf das Menschsein von unten ein, daß der Mensch zur Einordnung
nieder sinken und sich im Sein versenken will? Was sind das für Gesetze in der
immanenten Ordnung der Welt, die blind über das Schicksal des Einzelnen
hinweg sehen? Was ist überhaupt ein Gesetz? Gesetze dienen der Identität. Sie
sind dazu angelegt, den Conatus essendi zu ermöglichen, der den Erhalt
des Seienden im Sein ausdrücken.
"Übersteigen des animalischen Lebensdranges, der
reines Leben ist, durch den Menschen ‑ Übersteigen des conatus essendi
‑ und Einbruch des Menschlichen durch das Lebendige hindurch: Des
Menschlichen, dessen Neuartigkeit sich nicht in einer noch größeren
Anstrengung 'im Sein zu beharren erschöpft'." (ZU 249)
Der Zweck der Naturgesetze und juristischen Gesetze ist
die Selbsterhaltung. Die Gesetzmäßigkeit erhält das einzelne Seiende im Sein
oder macht den Versuch dazu. Da die Kraft begrenzt ist, mißlingt der Conatus
schließlich. Vermögen und Versagen liegen bei den juristischen Gesetzen auf der
Hand, da sie dem Schutz individueller und korporativer Personen dienen. Auch
die Naturgesetze dienen auf vielfache Weise der Erhaltung der Identität und
vollbringen sie zeitweise: Sie ermöglichen dem Menschen die Erkennung der
Außenwelt, und je mehr Einblick er in die gesetzliche Verfassung der Natur
hat, desto mehr kann er in der Form der Technik diese Gesetze als Mittel zur
Selbsterhaltung seines Daseins einsetzen.
Allerdings ist der Preis dieser Identität durch
natürliche Ordnung hoch: Antihumanismus und Einreihung! Es führt keine
Revolution und kein anarchischer Aufstand aus der geschlossenen Welt heraus,
wenn die Identität durch rational einsehbare Gesetzmäßigkeiten begründet
werden soll. Die Ordnung der Gesetze ist so beschaffen, daß sie alle
Gesetzesbrüche und Revolutionen wieder gesetzmäßig umfaßt und diese als
komplexere Ordnung in den natürlichen Zusammenhang einbaut. Die Struktur
wissenschaftlicher Revolutionen,[5]
wie ein bekannter Buchtitel lautet, ist eine konservative Struktur, da die
Revolutionen, die in der Wissenschaft möglich sind, dem Conatus essendi
entspringen und dienen. So bleibt die Immanenz unter sich, ja sie kann die
Störung aus der Transzendenz, den unerwarteten Einbruch, das Novum, durch
Erweiterung der Gesetze neutralisieren. Sollte es ganz allgemein so sein, daß
die Immanenz säkularisierte Transzendenz ist?
Wie aber müßte sich eine Transzendenz verhalten, die sich
der Säkularisierung widersetzt? Lévinas sieht das Problem deutlich und kommt
zu dem Schluß:
"Demut und Armut sind eine Weise, sich im Sein zu
verhalten ... und kein soziales Verhältnis. Sich in dieser Armut der Exilierten
zu zeigen, heißt den Zusammenhalt des Universums sprengen." (ZU 76)
Die Art des Einbruchs ist überraschend. Warum Demut und
Armut? Wieso wird der Mangel im Sein zur Kraft über das Universum? Warum
nicht krösischer Reichtum oder tyrannische Alleinherrschaft? Diese gäbe es
noch seltener als Demut oder Armut und verspricht bessere Selbsterhaltung.
Oder warum nicht eine einzigartige Begabung in Kultur und Wissenschaft,
die mit einer alten Tradition bricht und eine neue Tradition schafft?
Geniales Maßstabsetzen! Das eröffnet Lebensräume, und es mag sogar sein, daß
diese Räume aus der Transzendenz eingebrochen sind, aber sie werden durch den
Einfall und Beifall unmittelbar nach ihrem Auftreten in die natürliche
Ordnung integriert, und der eröffnete Raum schließt sich sofort wieder hinter
den neu erworbenen Schätzen. Der Zusammenhalt des Universums wird weder
durch Reichtum und Genie gesprengt, noch durch wissenschaftliche
Revolutionen, sondern mit neuem Inhalt aufgefüllt. Obwohl der Inhalt
kondensierte Transzendenz sein kann, wird die Transzendenz verdeckt. Die Anerkennung
einer Lebensgestalt als natürliche verdeckt den Einbruch wieder, aus dem die
Transzendenz hervor gegangen ist. Davor schützt die Demut, die jede
Anerkennung abweist. Die verschärfte Verweigerung der Anerkennung aber ist die
Verfolgung. Deshalb kann Lévinas sagen:
"Die Stärke der transzendenten Wahrheit liegt in
ihrer Demut. Sie erscheint, als wagte sie nicht einmal ihren Namen zu sagen,
sie nimmt nicht Platz in der Welt, in der sie sogleich aufginge, als wäre sie
nicht von jener Welt." (ZU 77)
Die Demut ist ein Mut, nicht Platz zu nehmen auf der
Erde, sie ist die Kraft, der verführerischen Einladung zur Immanenz, die
einen Platz an der Sonne verheißt, zu widerstehen.
Aber was heißt Verfolgung? Niemand ist nur verfolgt,
niemand ist immer verfolgt. Selbst derjenige, der von sich gesagt hat, daß er
den Ort nicht habe, wohin er sein Haupt
legen könne, auch dieser ruhte gelegentlich aus, hinten im Boot auf
einem Kissen oder bei seinen Freunden Maria, Marta und Lazarus. Kann also
Demut in der Welt mit Freunden verkehren? Wie soll die Demut die Zustimmung
überleben, die sie unter Freunden erlebt? Wer Freunde hat, ist nicht mehr
demütig. In tiefer Einsicht erkennt Lévinas in der Anwesenheit der Demut
deshalb zugleich auch die Abwesenheit, die ihr Dasein in der Welt erst möglich
macht.
"Damit die Andersheit, die die Ordnung stört, nicht
sogleich an der Ordnung teilnimmt, damit der Horizont des Jenseits offen
bleibt, muß die Demut des Erscheinens bereits Abwesenheit sein. ... Das
Unendliche ist nichtassimilierbare Andersheit, absolute Unterscheidung zu
allem, was sich zeigt, gesehen werden will, sich in Symbolen verewigt, sich
ankündigt und in Erinnerung ruft ‑ zu allem, was sich präsentiert und
repräsentiert und so mit dem Endlichen, dem Selben, zeitgleich macht. Es ist
Jenes, Jen‑heit: Illeitas. " (ZU 78)
Gottes Transzendenz sollte deshalb unzeitig sein, vor
aller Zeit, in einer Vergangenheit, die niemals war, oder nachzeitig in einer
Zukunft, die niemals sein wird, um sich nicht zu assimilieren. Das Jenseits
der Illeität ist "das Feld der Verantwortung des einen für den
anderen"[6]. Daher
kann Lévinas eine Vorstellung nicht annehmen, nach der das Unendliche, die
Andersheit, inkarniert wird und mitten in der Zeit erscheint. Die fehlende
Transzendenz löscht die Verantwortlichkeit aus.
"Nicht die historische Gegenwart ist das rätselhafte
Zwischen eines erniedrigten und transzendenten Gottes, sondern das Antlitz des
Anderen." (ZU 79)
Hier läßt die Phänomenologie, die mehr sehen läßt als zu
sehen sie vorgibt, eine Wirklichkeit der Christologie erkennen, die bei
weniger verfeinertem Blick nicht zu bemerken ist.
2.
Die Distanz zur Christologie
a) Der Vollzug der Stellvertretung. Trotz seines messianischen Denkens hat sich Lévinas
vom christlichen Messianismus fern gehalten und gelegentlich eine
entschiedene Distanz bekundet. So sehr er den beiden Hauptlehren der Christologie,
der Inkarnation und der Stellvertretung, erleuchtende Studien gewidmet hat,
so sehr hat er sich zugleich von der Gestalt Christi distanziert und den
Abstand zur Lehre Jesu betont.
Ein Beispiel aus den Klageliedern des Jeremia! Es wird
dort dem leidenden Menschen, der zugleich der Prophet selber sein kann und
eine andere Gestalt, geraten, die Wange dem hinzuhalten, der sie schlägt.
(Klgl 3, 30) Ertragen des Leidens ohne Zustimmung zum Leiden! Extreme
Passivität! Eine Vorstellung, die bei Lévinas häufig zu finden ist. (ZU 81,
136; JS 119, 246) Mein Selbst oder, besser gesagt, ich selbst stehe unter einer
Forderung, die ich nicht gewählt habe und die ich nicht übernehmen kann, das
heißt ich bin eine Geisel. Die unangenehme Rolle einer Geisel besteht darin,
die Freiheit zu verlieren und einer fremden Freiheit als Mittel dienen zu
müssen, ohne vorher gefragt zu sein. Auch nachträglich ist keine Zustimmung
zum Geiselsein möglich, da mir die Freiheit vorher genommen wurde. Ebenso
übernimmt das Selbst seine Rolle nicht, es ist nicht in der Lage, sein
Schicksal zu wählen. Auch in vielen Einzelfällen steht es hilflos vor dem,
was geschieht. Die Identität des Selbst ist eine Passivität vor und diesseits
der eigenen Wahl. Der Akt der Passivität kann dabei nicht durch einen Akt der
Reflexion oder der Aktivität unterlaufen werden. Die Kette der aktiven
Reflexion wird dadurch abgebrochen, daß sie möglich ist. Ursprung der Aktivität
in der Passivität!
In der Lehre Jesu sieht das anders aus, oder es scheint
auf den ersten Blick anders auszusehen. Nach dem berühmten Wort der Bergpredigt
gewinnt der Mensch seine Identität durch die aktive Übernahme seiner Rolle im
Leiden: Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch
die andere hin. (Mt 5, 39) Man kann die vielen Passagen bei Lévinas über die
andere Wange als Kritik am Evangelium lesen, leise zwar und vornehm im
Ton, aber nicht zu überhören. Lévinas versteht das Hinhalten der anderen Wange
als Aufsuchen des Leidens, als ein Verlassen der Ebene der gänzlichen
Passivität, als eine Minderung des Leidens. Messianismus ja, aber nicht der
Messias Jesus! Das Leiden ist bei Jesus nicht mehr passiver als alle
Passivität, wie das Leiden beschaffen sein muß, um die ganze Verantwortung der
Welt zu tragen.[7] Wird
es dadurch zu einem Instrument? Und durch das Instrument zu einem Mittel für
meine Interessen?
Die Ähnlichkeit mit dem Streit der Theologie um die reine
Liebe ist auffällig, da es auch in dieser großen Querele darum ging, das Motiv
der Selbstlosigkeit gegen die natürliche Neigung des Interesses zur
Selbsterhaltung rein zu erhalten. Robert Spaemann schreibt 1990:
"In verwandelter Form geht die Kontroverse weiter.
Inzwischen fordert Emmanuel Lévinas mit einer jüdischen Variante des amour pur
systemtheoretische Ontologie, naturalistische Philosophie des Geistes und die
im Begriff der Sorge kulminierende Daseinsanalyse heraus."[8]
Die Totalität des Interesses und die Totalität der
Immanenz bedeuten wechselweise das gleiche Handeln und Erkennen im Sein.
Aber auch die Nähe zur Christologie ist bei Lévinas nicht
zu übersehen. Denn wer in der Geschichte hat mehr die Erlösung durch Leiden
gelebt! Auf wen trifft das Amt des Atlasses, der den Himmel über der Erde trägt,
mehr zu als auf den, dem das Evangelium die Erfüllung der Ankündigung des
Propheten Deutero-Jesaja zuspricht: Er hat unsere Leiden auf sich genommen
und unsere Krankheiten getragen? (Mt 8, 17) Wer hat die Passivität mit dem
Ruf der Verlassenheit am Kreuz tiefer erlitten?
In den beiden Hauptpunkten sieht Lévinas die Christologie
durch die Christologie selbst bedroht. Wenn die Inkarnation der
Einbruch der Transzendenz in die
Immanenz ist, so ist sie deshalb gefährdet, weil die Transzendenz dadurch
immanent wird und in Gefahr gerät, eingeebnet zu werden. Und in der Stellvertretung
Christi sieht Lévinas die vollkommene Passivität im Leiden gefährdet.
"Natürlich gibt es eine Hoffnung und infolgedessen
eine utopische Antizipation bei Bloch. Aber Bloch sucht eine greifbare Zukunft.
Seine Hoffnung ist immanent und die Utopie provisorisch. Meine Sorge ist nicht
die Sorge Blochs. Ich versuche eine Transzendenz zu denken, die nicht nach dem
Modus der Immanenz ist und die nicht zur Immanenz zurückkehrt: im Weniger das
Mehr, das nicht zum Inhalt werden kann."[9]
Die Geschichte der Christologie ist eine Geschichte der
Beerbung, der Versuch, das Reich Gottes und die Erlösergestalt Christi
immanent zu machen. Ernst Bloch ist nur ein kleines Mosaikstein in dem Willen
zur säkularen Überführung des Erbes. Es ist nicht weiter schwierig, in der
Bewegung des Sozialismus und des
Kommunismus einen Versuch zur Beerbung adliger Privilegien zunächst
für das Bürgertum und dann für das Proletariat zu erkennen. Aber hier wechselt
die gleiche Forderung zwischen Recht und Unrecht, je nachdem auf welcher Seite
ich stehe.
"Der Marxismus ermutigt die Menschheit, zu fordern,
was meine Pflicht wäre, ihr zu geben. Das unterscheidet sich ein wenig von
meiner radikalen Unterscheidung zwischen mir und den Anderen, aber man kann den
Marxismus dafür nicht verdammen." (ZU 152)
Wenn der Marxismus in wesentlichen Teilen das Einfordern
von Privilegien war, dann ist eine Gesellschaft auf Unwahrheit gegründet, wenn
er in ihr entsteht. Wenn der höhere Dienst in ihr begehrt ist, dann ist eine
Gesellschaft auf Unwahrheit gegründet. Aber der Marxismus war als Heilmittel
schlimmer als die Krankheit, denn mit der klassenlosen Gesellschaft wollte er
eine von jeder Verantwortung freie Gesellschaft schaffen, in der das System die
Menschen trägt. Das ist unmöglich, weil unsittlich, und unsittlich, weil unmöglich.
"Wenn man anfängt zu sagen, daß jemand sich an meine
Stelle setzen kann, dann fängt die Unsittlichkeit an." (WG 105) "Mein
Anliegen ist es immer wieder, diesen Nicht-Hellenismus der Bibel in
hellenistische Termini zu übersetzen." (WG 107)
Der Hellenismus ist die Symmetrie der Verhältnisse im
Sein, der deshalb auch kein wirkliches Ich und keine unvertretbare Person
kennt. Nicht-Hellenismus ist die Asymmetrie im Verhältnis des Selbst zum
Anderen, die sich nicht auf den gemeinsamen Boden einer Symmetrie stellen kann.
Deshalb ist der Kampf zwischen dem biblischen Nicht-Hellenismus und dem
Hellenismus der Kampf zwischen Glaube und Unglaube in der Weltgeschichte.
Deshalb wiederholt sich die Konstellation immer von neuem, zwischen einer auf
wissenschaftlichen Grundsätzen aufgebauten symmetrischen Weltsicht und der
ethischen Verpflichtung, die mir keine Delegation an wissenschaftliche,
psychologische oder soziologische Trends erlaubt.
"Jedenfalls ist sie (die Emphase) die Weise, in der
ich von der Verantwortung zur Stellvertretung übergehe." (WG 113)
"Immer gehen die Anderen vor. Dies genau habe ich, griechisch gesprochen,
die Asymmetrie der interpersonalen Beziehung genannt." (WG 115)
Eine beste Weise, die Stellvertretung auf sich zu nehmen,
ist der Tod. Der leidende Gottesknecht des Alten und des Neuen Testamentes
begründet seine einzigartige Stellvertretung durch die freie Übernahme des
Todes.
"Man kann sich für die Stellvertretung nicht
vertreten lassen, so wie man sich auch für den Tod nicht vertreten lassen
kann." (WG 120)
Eben das sagt die Christologie, daß Christus uns von
Sünde und Tod befreit hat. Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod führte,
so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben
führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. (Röm 5, 21) Was verbindet die
Stellvertretung mit dem Tod? Was macht ihn geeignet zu vergleichen? Das kann
nur eine Besinnung auf das Wesen der Stellvertretung ausfindig machen.
b) Das Denken der Stellvertretung. Der Versuch zur Selbsterhaltung führt im Dasein über
das Bewußtsein. Das Dasein findet sich im Sein vor und sucht sich darin zu
halten, was seine dauernde Sorge erfordert. Deshalb verliert es sich
probehalber in den seienden Dingen. Wie ein Jäger wirft es seine Gedanken als
Lockspeise heraus und zieht sie zusammen mit dem Gedachten wieder in sich
hinein. Auf dem Umweg über die Idealität, in der sich die Realität spiegelt,
sucht das Dasein sich auf diese Weise das Leben zu garantieren. Deshalb ist die
Gleichheit zwischen dem Denken und dem Gedachten ein bevorzugtes Axiom des
abendländischen Denkens. Es sichert der Reflexion ihre Kraft. Die Sprache
erweist sich auf dieser Stufe als Information, als Form und Fangnetz, das vom
Bewußtsein ausgeworfen und in dieses zurückgeholt wird, mit der
Information als Belohnung, die das außenstehende Andere zum Thema des
Bewußtseins gemacht hat.
Diese Nähe der Realität ist zugleich ein Abstandnehmen.
In der Zwischenkunft des Gedankens habe ich mir zwar ein Mittel zur Nähe geschaffen,
aber auch zur Distanzierung. Wie der Großkaufmann seine Ware nicht unmittelbar
besitzt, sondern nur auf dem Papier mit der riechenden und fettigen Ware umgeht,
so ist das Bewußtsein die Verwaltung des Seins nach dem Muster eines Großhändlers.
Es gibt aber eine andere Nähe, die ohne Möglichkeit zur
Distanz ist, in der nicht mein Gedanke für das Andere eintritt, sondern in der
Ich für das Andere eintrete und sein Gedanke werde. Soweit der Andere sichtbar
ist, kann ich ihn zum Thema machen, soweit er aber nicht sichtbar ist, bin
ich selbst sein Thema und stehe für ihn ein. Ein Thema schlägt sich nieder im
Gesagten, dagegen zeigt sich die Verantwortung im Sagen, mit dem ich die
Apologie meines Ich betreiben muß. Das Jenseits, von dem es keine Distanz gibt,
ist zugleich näher und ferner als das Diesseits, auf das ich zugreifen kann.
Ferner ist es mir, weil es meinem Griff nicht erreichbar ist, näher, weil sein
Zugriff auf mich mir selbst keine Distanz und Freiheit läßt.
Unterhalb des Bewußtseins gibt es ein Sich, das
passiver ist als alle Passivität, weil es keine Distanz von sich selbst kennt.
Das Sich ist Akkusativ ohne Nominativ. Das heißt, es kennt keine Distanz zu
sich selber, es kann deshalb auch keine Bedeutung stiften. Dazu bedürfte es
einer Aktivität, die vom Nominativ ausgeht und ihn als Subjekt gebraucht. Das
Sich steht aber im Gehorsam, noch bevor es den Befehl vernommen hat. Diese
Antwort vor dem Anruf heißt Stellvertretung und Verantwortung, sie läßt sich
nicht von ferne in der Freiheit des Bewußtseins ausmachen, es ist nicht zu
sehen, wie ich auch nur die Freiheit zur Abwahl hätte. Die Verantwortung für
den Anderen kann ich nicht in der Freiheit meines Bewußtseins ausmachen, sie
ist kein Unfall, der mir zugestoßen ist, sondern die meinem Sein vorausgeht,
sie ist ursprünglicher als mein Dasein.
Ich habe nichts getan und bin doch immer schon betroffen,
ich bin verfolgt. Das passive Selbst, das keine arché der Identität
kennt, auf die es sich stützen könnte, heißt Geisel.
"Das Wort ich bedeutet dann: hier, sieh
mich, ich bin verantwortlich für alles und jedes. Die Verantwortung für die
Anderen ist nicht eine Rückkehr zu sich, sondern eine unheilbare Schrumpfung,
die durch die Grenzen der Identität nicht aufgehalten werden kann." (JS
253)
Dennoch kann man hier nicht von einer gewalttätigen
Berufung zum Ich und zur Geisel sprechen, denn sie geht der Alternative von
Freiheit und Unfreiheit voraus. Eine Berufung vom Anderen kann ich nicht
ausschlagen; ausschlagen könnte ich nur eine solche, die meiner Freiheit
entspringt und die ich deshalb wählen oder verwerfen kann.
"Das Sich ist das, was den geradlinigen,
unerschütterlichen und Ausnahmen nicht zulassenden Prozeß, in dem sich das sein
des Seins entfaltet, umkehrt. In‑sich‑sein, auf sich zurückgedrängt,
bis zum Einstehen für alles, was einen in diesen Nicht‑Ort stößt, genau
das heißt In‑sich‑sein, In-sich‑ruhen 'jenseits des sein'.
Der anachoretische Rückzug des Ich ins Sich ‑ weiter zurück als bis zur
eigenen Identität ‑ bis hinein in den Anderen, die Sühne, die die Last
des Nicht‑Ich trägt, ist weder Triumph noch Scheitern. Scheitern setzt
bereits eine Freiheit voraus und den Imperialismus eines politischen oder
kirchenamtlichen Ich, das heißt eine Geschichte konstituierter und freier
'Ichs'. Das Sich als Sühne ist diesseits von Aktivität und Passivität."
(JS 256 f)
Die Sühne verbindet das Ich mit dem Anderen.
Verantwortung ohne Freiheit heißt Sühne. Zur Sühne bin ich geschaffen, da ich
das Dasein trage. Das Ich ist deshalb nicht in der Lage zu wählen, ob es das
Kreuz auf sich nehmen soll oder nicht, es hat durch seine Existenz diese Sühne
schon übernommen. Seine Erlösung ist seine nachträgliche Zustimmung. Das
Sich steht unter einer Anklage, die ihm keiner abnehmen kann, da es sonst sein
Ich verliert, das nicht in der Freiheit, sondern im Sich begründet ist.
Der Mensch ist deshalb die Inkarnation der
Stellvertretung. Was das Christentum als Ausnahmefall beschreibt, ist der allgemeine
Fall, sagt Lévinas. Die Christologie ist bei ihm defiziente Anthropologie, und
die Anthropologie ist vollendete Christologie.
"Niemand kann für mich die Stellvertretung
übernehmen, der ich die Stellvertretung für alle habe." (JS 280)
Empirische Erfahrungen können dagegen nicht angeführt
werden, etwa die der Kindheit. Denn wenn auch Vater und Mutter und noch viele
andere, sogar bis heute, für mich einspringen, so trifft diese kollektive
Sorge füreinander doch mein Ich nicht, in der es unverwechselbar ist. Der harte
Kern des Ich ist das Sich. Und alle Sorge, die man für mich
aufgewandt hat, ist nur die inständige Bitte, ja die Forderung und Anklage des
Anderen an mich, noch viel mehr die Sorge für den Anderen zu übernehmen.
Schon indem ich Anspruch erhebe auf die Fürsorge des
Anderen, mache ich ihn zu einem Opfer meines Ich. Der bekannte Alltagsspruch
zeigt die Unsymmetrie an: Ein Opfer bringen ist süß, ein Opfer sein dagegen
schrecklich. Allerdings zu sagen, man sei ein Opfer, ist süß, dagegen zu sagen,
man werde jetzt ein Opfer bringen, schrecklich. Diese geflügelten Worte
sind die Anerkennung einer Wahrheit des Opfers und zugleich ihre Verschleierung.
In der Tat betreibt dieses Wort mit der Erkenntnis Verderben, indem es sich in
letzter Anstrengung des Sich im Opfer zu erwehren sucht.
"Doch wollte man dem Anderen einreden, er solle sich
für die Anderen opfern, hieße das in der Tat das Menschenopfer
propagieren!" (JS 282)
Wenn das Ich die Stellvertretung ist, die nicht
stellzuvertreten ist, so ist damit nicht eine allgemeine Aussage gemeint über
das Wesen des Menschen, denn damit könnte ich mich in dieses Ich zurück ziehen.
Der moderne Antihumanismus eines Heidegger oder Sartre leugnet mit seiner
Jemeinigkeit diesen Primat des ich mit Hilfe des Ich. Mit der
unersetzbaren Stellvertretung eröffnet sich ein Raum für ein Ich, das als
Person nicht selbstgenügsam ist, das anders ist als eine rationalis naturae
individua substantia, anders auch als eine incommunicabilis existentia.
Dieses Ich will im conatus essendi für sich sein, um dem Zustand gegen
sich zu sein in der Stellvertretung des Anderen, zu entkommen.
Hier tritt die Sterblichkeit ein und macht die
Stellvertretung möglich.
"Die Sterblichkeit macht jede Sorge, die das Ich für
seine Existenz oder für sein Schicksal tragen wollte, sinnlos. Es wäre nichts
als ein Ausbruch in einer ausweglosen Welt und wäre allemal lächerlich. Nichts
ist wahrscheinlich komischer als die Sorge, die sich ein Seiendes um eine
Existenz macht, die es der Vernichtung doch nicht entreißen kann, wie in der
Erzählung Tolstois, in der eine Bestellung von Stiefeln für die nächsten 25
Jahre von demjenigen aufgegeben wird, der noch am selben Abend stirbt."
(JS 286)
3.
Die Entscheidung zwischen Distanz und Nähe
Im Primat der Ethik tritt das Handeln vor die Erkenntnis.
Dennoch setzt jedes Handeln eine Erkenntnis voraus, denn ein ungefähres Ziel
muß jedes Handeln besitzen, sonst würde nicht gehandelt. Jedes Experiment
setzt Erfahrung voraus und will durch neues Handeln neue Erfahrung gewinnen.
Der Primat der Ethik kann also nicht jedes vorhergehende Elemente der
Erkenntnis leugnen, aber er leugnet die Möglichkeit, allein aus dem
Wissen zum Handeln zu kommen. Es ist ein Mehrwert im Handeln vorhanden, den ich
nicht aus dem Wissen beziehen kann, es ist eine Entscheidung von mir gefordert,
die ich in keine Richtung delegieren kann, die mir auch als letzter Sklave im
Sklavenstaat niemand abnimmt. Dieser Primat ruft mich auf den Plan und legt
mir eine unvertretbare Verantwortung auf die Schulter: Du wirst nach dieser
Entscheidung befragt werden.
Nun stehen sich zwei Positionen des Messianismus gegenüber,
eine jüdisch und eine christlich geprägte, eine, die von Lévinas, eine andere,
die von der Theologie vertreten wird. Der Messianismus lehrt das Heil als Stellvertretung,
getragen von einem Messias. Stellvertretung ist gesteigerte Verantwortung, in
der ich bis zur Leibhaftigkeit für den anderen eintrete, die noch einmal
gesteigert wird im Geiselsein, in der ich die Stellvertretung nicht einmal mehr
abweisen kann. Die Asymmetrie im Verhältnis des Einen zum Anderen bringt einen
Messianismus verschiedener Art hervor, ob ich nun in dem einen Fall zur
gesteigerten Verantwortung gerufen bin, für alle Anderen stellvertretend
einzuspringen, oder ob ich darauf warte, daß ein anderer für mich stellvertretend
das Geforderte leistet. Die Asymmetrie erzeugt diese beiden Arten von Messianismus,
den Imperativ und den Indikativ. Der Unterschied beider wird in der Reflexion
begründet.
Eine Stellvertretung meiner Stellvertretung ist nach
Lévinas unmöglich und stellt eine Flucht in die allgemeine Ontologie dar, in
der ich vor dem Ruf fliehe, der Hüter meines Bruders zu sein (Gen 4, 9). Auf
der anderen Seite kann der Theologe nur den Christus rühmen, der unsere
Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen hat (Jes 53, 4),
nicht sich selber, als habe er es getan oder sei im Begriff es zu tun. Lévinas
kennt zwar lebenspraktisch die Differenz zwischen Indikativ und Imperativ, wenn
er die Heiligkeit lobt und sich ihrer nicht rühmen will, aber in das Denken der
Stellvertretung geht diese Anerkennung fremder Heiligkeit nicht ein.
"Was sehr wichtig ist ‑ und ich kann das
behaupten, ohne selbst ein Heiliger zu sein, ich gebe mich nicht als solcher
aus -, ist, daß man sagen kann, daß der Mensch, der wirklich Mensch geworden
ist, im europäischen Sinn des Ausdrucks, wie er aus dem griechischen Denken und
aus der Bibel hervorgeht, der Mensch ist, der Heiligkeit als höchsten Wert, als
unangreifbaren Wert ansieht." (ZU 260)
Hier tut sich ein Konflikt in der Ethik auf. Ich soll
handeln, aber darf ich die Erkenntnis haben, daß ich nach meinem Sollen
handle? Ich soll mich meines Handelns nicht rühmen, weil ich damit die Stellvertretung
unterbreche, aber handle ich noch, wenn ich die Fähigkeit zu handeln in jedem
anderen höher schätze als in mir? Die Differenz in der messianischen Frage ist
die zwischen Imperativ und Indikativ, und diese Differenz entspringt
der Asymmetrie im Verhältnis des Selben zum Anderen. Im Imperativ befiehlt mir
der Andere, ihn und alle Verantwortung zu tragen, im Indikativ entzieht er mir
das Sein und stellt sich selbst als mein Schöpfer dar. Lévinas nimmt in sein
Denken den Ruf der unbedingten Stellvertretung hinein: Der Mensch soll
Statthalter der Transzendenz sein im Sein; seine Verführung besteht darin,
die Stellvertretung an das Sein zu vertreten, das heißt zu verraten, womit die
Transzendenz zur Immanenz eingeebnet wird. Die Vorordnung der Erkenntnis vor
das Handeln ist ein solcher Verrat.
"Kains Antwort ist aufrichtig. Nur daß in seiner
Antwort die Ethik fehlt, es ist nur Ontologie darin: Ich bin ich, und er ist
er. Wir sind durch die Ontologie geschiedene Wesen." (ZU 141)
Aber der Mensch lebt im Sein, er hat eine Ontologie und
er muß sie haben, wenn er nur einen Augenblick leben will, um seine
Stellvertretung zu erfüllen. Er kann nie sagen: Wir haben alles getan, was zu
tun uns aufgetragen ist.
"So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan
habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir
haben nur unsere Schuldigkeit getan." (Lk 17, 10)
Denn sollte er es getan haben, dann hätte er durch seine
Reflexion die Transzendenz an das Sein verraten. Was zu tun mir aufgetragen
ist, kann nur ein anderer tun, sagt die christliche Theologie, aber wehe,
wenn ich nicht tue, was mir aufgetragen ist!
Hier wird der Theologie aufmerksam. Besteht hier noch ein
Gegensatz zwischen Christologie und Alteritätsphilosophie? Und worin besteht er
allenfalls? Die Reflexion ist nicht die unmittelbar geforderte Tat, sondern die
Aufhebung oder sogar Vermeidung der Tat. Wie aber kommt sie dann überhaupt
zustande? Wer hat mit der Reflexion angefangen, die zwischen Imperativ und
Indikativ einen Gegensatz schafft?
Im Sein trägt jedes Lebewesen seinen Anteil am Leben. Es
ernährt sich, zeugt sich fort und ernährt auch seinen Nachwuchs. Mit der im
Geiste möglichen Distanzierung beginnt in der Reflexion zugleich die
grenzenlose Verantwortung und die Flucht davor. In der Reflexion erkenne ich
die Welt als Last oder Lust, entweder als Last mir zum Tragen aufgegeben, oder
als Lust glücklich befreit vom Tragen. Der Mensch erlebt sich in beiden
Situationen abwechselnd und zugleich. Er genügt seiner Verantwortung ein wenig,
weiß aber im Gewissen, im Bewußtsein, in der Reflexion, in der Conscientia
von der Grenzenlosigkeit. Er ist beunruhigt durch den Horizont der unabsehlichen
Forderung. Ein unklares Denken weist die Forderung ab und handelt sich dabei
neue Unruhe ein, die ihn in Rückwirkung des Geredes, der Sucht usw. als Schuld
treffen.
Im messianischen Denken der Alterität bleibt die
Alternative zwischen Imperativ und Indikativ bestehen. Und unter solcher Auswahl
kann das Denken nur den eigenen Verzicht wählen. Die Klarheit des Denkens ist
auch immer der Edelmut der Gesinnung. Aber in der Inkarnation wird die
Reflexion beendet. Nach einer einmaligen Distanz kehrt das Denken, der Logos
wieder in den Ursprung der Naivität und Nativität zurück. Das andere Moment
seines Denkens hat Lévinas nicht wirksam gemacht: Der andere ist auch mein
Schöpfer und deshalb in jedem Augenblick mein Neuschöpfer, denn dieses Schaffen
fällt in keine chronologische Zeit. Die Heiligkeit ist mein Teil, der in mich
von außen hinein gekommen ist. Berufene Heilige nennt Paulus die
römischen Christen vor aller persönlichen Bekanntschaft. (Röm 1, 7) Die
Asymmetrie wird durch die Inkarnation nicht gestört, sondern als
lebensspendendes Verhältnis erkannt.
Ich soll, was ich kann, verantwortlich sein, damit ich werde, was ich
bin, verantwortlich.
[1] In: Emmanuel Lévinas:
Zwischen uns. Versuche über das Denken an den Anderen. München: Hanser,
1995, 82 (Abk.: ZU).
[2] Emmanuel Lévinas:
Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht. Übers. von Thomas
Wiemer. Freiburg u. a.: Alber, (frz. 1974) 1992, 8 (Abk.: JS).
[3] Axel Honneth: Das Andere der
Gerechtigkeit. Habermas und die ethische Herausforderung der Postmoderne.
In: Dt. Zeitschrift für Philos. 42 (1994) 195 - 220, 217.
[4] Über die Menschwerdung. Kap.
54, 3; Adversus haereses III, 19, 1.
[5] Thomas S. Kuhn:
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt: Suhrkamp,
(amerik. 11962) 1967.
[6] Bernhard Casper:
Illéité - Zu einem Schlüssel'begriff' im Werk von Emmanuel Lévinas. In:
PhJ 95 (1988) 268 - 277, 269.
[7] Vgl. Anmerkung von Theo de Boer in: Emmanuel Lévinas: Humanismus des anderen Menschen.
Übers. u. mit e. Einl. vers. von Ludwig Wenzler. Hamburg: Meiner, 1989, 124.
[8] Robert Spaemann: Fénelon. Reflexion und
Spontaneität. Stuttgart: Klett-Cotta, (11963) 1990, 13.
[9] Emmanuel Lévinas: Wenn Gott ins Denken
einfällt. Diskurse über die Betroffenheit von Transzendenz. Übers. von
Thomas Wiemer. Freiburg (Breisgau); München: Alber, (11985) 21988,
127 (Abk.: WG).