Sehnsucht nach Zeichen.
Religionskritische Anmerkungen aus theologischer
Perspektive
von Heinz-Jürgen Görtz
Kurzinhalt - Summary:
In der pluralen Welt der Postmoderne ist die Theologie
herausgefordert zur kritischen Unterscheidung des religiösen Charakters der
Sehnsucht nach Zeichen. Diese ist in der Kehre in ein ästhetisches Denken ebenso
begründet wie im Kampf des individuellen Selbst um das eigene Leben und im
Phänomen der neuen Religiosität. Unter der “Herrschaft des Bildes” in unserer Lebenswelt
artikuliert sie sich in der Ambivalenz von Narzißmus und Selbstentfremdung.
Als “Zeichen der Zeit” wirft sie ein neues Licht auf den ästhetischen
Charakter christlichen Schöpfungsglaubens und seinen Begriff der
Gottebenbildlichkeit. Umgekehrt läßt letzterer die Wurzel der Sehnsucht nach
Zeichen ans Licht treten, die Suche nach der “Gebärde” des Lebens.
In the pluralistic world
of postmodernism theology is challenged to critically differentiate the
religious nature of the longing for signs. This yearning is caused by the
development into an aesthetical thinking as well as in the struggle of the
individual self for its own life and in the phenomena of new religious
attitudes. Under the “dominion of pictures” in our society it shows its ambivalence
of narcissism and self-estrangement. As “sign of our times” it enlightens the
aesthetic character of christian faith in Creation and the idea of human
beeing as image of God in a new way. Vice versa this idea lights up the source
of the longing for signs, the search for the “gesture” of ones life.
Von “Zeichen” soll im folgenden in einem ganz bestimmten,
gerade nicht unmittelbar theologischen Sinn gesprochen werden. Von einem
systematischen Theologen wäre ja eigentlich zu erwarten, daß er von jenen
Zeichen und Ritualen handelt, die das religiöse Leben prägen, von den
Sakramenten insbesondere und vom liturgischen Geschehen. Darum soll es aber
hier zumindest unmittelbar nicht gehen. Im übrigen gilt das Interesse an
Ritualen und Symbolen in unserer Lebenswelt offensichtlich nicht einfachhin
diesen uns vertrauten religiösen Zeichen, so daß also die Sehnsucht nach
Zeichen schlechterdings von ihnen gestillt würde.
Um die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden, soll es
aber nun gerade gehen, also um Fragen wie: Was ist das für ein Interesse?
Welchen Ritualen und Symbolen gilt es? Warum haben sie ihren Ort gerade in
einer pluralen Welt und ihre Zeit gerade in jener, die wir “Postmoderne”
nennen? Und aus theologischer Perspektive ist noch einmal nachzufragen,
inwiefern diese Sehnsucht nach Zeichen und diese Zeichen selbst religiösen
Charakter haben? Und gerade was diesen religiösen Charakter der Zeichen angeht,
soll kritisch zurückgefragt und unterschieden werden, was hier “religiös” zu
nennen ist und was nicht. Dafür bedarf es der Kriterien, der
Unterscheidungsmerkmale. Und solche zu entwickeln, das ist die Aufgabe der
Theologie. In diesem Sinne ist denn auch die Rede von den “religionskritischen
Anmerkungen aus theologischer Perspektive” zu verstehen.
1. Religionskritische Anmerkungen aus theologischer
Perspektive
Was ist geschehen, diese Frage wird gewiß gerade durch
diesen Untertitel im Thema provoziert, daß in unserer lebensweltlichen
Situation “aus theologischer Perspektive” Religionskritik betrieben werden
soll, nachdem die Theologie sich doch eigentlich immer umgekehrt mit der
Religionskritik auseinandersetzen mußte? Gewöhnlich denken wir ja bei dem Wort “Religionskritik”
insbesondere an das Geschick christlichen Glaubens in der Neuzeit, - etwa an
einen Auguste Comte (1798-1857) und seine These von der Ablösung der Religion
durch Wissenschaft oder an einen Ludwig Feuerbach (1804-1872) und
seinen Verdacht, die Welt der Religion sei das Ergebnis menschlicher Projektion,
oder an Karl Marx (1818-1883) und seine Deutung der Religion als Selbstentfremdung
des Menschen aufgrund der ökonomisch bedingten sozialen Verhältnisse oder an
Friedrich Nietzsches (1844-1900) Verkündigung des Todes Gottes als
Verkündigung der Freiheit und der neuen Moralität oder an Sigmund
Freuds (1856-1900) Ableitung der Religion aus dem Wechselspiel psychischer
Bedürfnisse.[1] Diese
neuzeitliche Kritik der Religion wurde weitgehend im Namen der
Eigengesetzlichkeit der Weltzusammenhänge und der Eigenständigkeit des
Menschen unternommen. Sie war deshalb untrennbar verbunden mit den Grundlagen
neuzeitlichen Denkens selbst, dem Selbstbewußtsein des Menschen als des aufgeklärten
autonomen Subjekts und seiner wissenschaftlich und technisch die Welt und
den Menschen selbst analysierenden und (re)konstruierenden Vernunft.
Die Dinge zu betrachten, “als ob es Gott nicht gäbe” (etsiam si deus non
daretur), - mit dieser methodischen Entscheidung eines Hugo de Groot
(1583-1645) habe es einst begonnen, so hat einmal Heinz Zahrnt die neuzeitliche
Geschichte und den sie kennzeichnenden Prozeß der “Säkularisierung” resümiert;
“der Mensch steht überall nur sich selbst gegenüber”, - mit dieser Feststellung
Werner Heisenbergs vollende es sich heute unter uns.[2]
Wenn wir heute unsere Zeit “Nachneuzeit” oder
“Postmoderne” nennen, dann macht das darauf aufmerksam, daß wir ganz
offensichtlich in einer Übergangszeit leben, die wesentlich davon geprägt ist,
daß die Grundentscheidungen des neuzeitlichen Denkens an ihrem Ende selbst
fraglich geworden sind. Die Aporien, in die wir hier geraten sind, ließen sich
an den genannten Hauptgestalten der Religionskritik durchspielen. Was gegen die
Religion eingewandt wurde, kehrte sich dann gegen das neuzeitliche Denken
selbst. An der Stelle der Religionskritik stünde am Ende der Epoche
deren Selbstkritik:
Dann fragte sich nämlich, ob nicht die Ablösung der Wissenschaft
selbst droht und mit Hartmut von Hentig allenthalben “Fluchten aus der
Aufklärung” zu beobachten sind aufgrund des “Verlustes des Prinzips der
rationalen Verständigung”,[3]
oder ob eben nicht, - wie das Wort von Heisenberg nahelegt -, das, was wir unsere
Welt nennen, in der Tat das Ergebnis unserer Projektion, unseres Entwerfens
und Herstellens geworden ist, oder ob nicht die Rede von der Selbstentfremdung
eine Grunderfahrung unserer Zeit zur Sprache bringt, so daß etwa einen Johann
Baptist Metz gerade angesichts des Zustands unserer Freiheit und Moralität
in der “europäischen Noch- oder Nachmoderne” die Erfahrung des Subjektverlusts
oder der “Subjektmüdigkeit” bedrängt. - Mit diesem Wort von der
“Subjektmüdigkeit” will er den “Tod des Menschen”, jenes Menschen
zumindest, “als der wir uns bislang vertraut und anvertraut sind”, auf den
Begriff bringen. Mit Nietzsche konstatiert er diesen “Tod” als Konsequenz aus
dessen Proklamation des “Todes Gottes”. Nietzsche selbst, so sagt Metz, “kennt
das Echo auf den Schrei seines ‘tollen Menschen’: Wohin ist Gott? Es lautet:
Wohin denn der Mensch?”[4]
- Und finden wir uns nicht, um auch das Freudsche Motiv zuletzt noch
aufzugreifen, nicht erst in der Religion, sondern in unserem lebensweltlichen
Daseinsvollzug überhaupt ins Wechselspiel psychischer Bedürfnisse
verstrickt?
Mit anderen Worten: Daß die Grundentscheidungen des
neuzeitlichen Denkens an ihrem Ende selbst fraglich geworden sind, betrifft die
aufklärerische Vernunft (2.1) ebenso wie den Menschen als autonomes
Subjekt (2.2) und schließlich eben auch noch das kritische Verhältnis
zur Religion (2.3). Was sich diesbezüglich verändert hat, kann im Rahmen
eines solchen Beitrags nicht ausgelotet werden; gleichwohl kommt es auf
eigentümliche und bezeichnende Weise im Thema unserer Überlegungen zur
Gegebenheit und ist es zugleich der Grund für die Umkehrung der Religionskritik
zu einer Aufgabe der Theologie selbst. Die drei Momente seien unter diesem
Gesichtspunkt noch einmal ausdrücklich festgehalten:
2. Das Interesse an Ritualen und Symbolen in einer
pluralen Welt
2.1 Die Sehnsucht nach Zeichen im Zusammenhang eines
ästhetischen Denkens
Die Vernunft ist als “instrumentelle Vernunft”
(Max Horkheimer) in Mißkredit geraten; als solche werden sie und ihre Gestalten
in Wissenschaft, Technik und Technologie einerseits verantwortlich gemacht für
die Zersplitterung unserer Welt in viele verschiedene Welten, in denen sich
jeweils nur noch Spezialisten auskennen und alle anderen zu Dilettanten werden;
und andererseits - und das ist häufig nur die Kehrseite desselben - wird die
wissenschaftliche und technologische Vernunft für jene Gestalten des Zusammenhangs
des Ganzen verantwortlich gemacht, unter denen wir hörbar leiden, wenn wir von
den “Systemen” und ihren “Zwängen” sprechen, die uns selbst und unserer
Freiheit keinen Spielraum und schon gar keinen Entfaltungsraum lassen, eben
weil wir “funktionieren” müssen. Der Zusammenhang des Ganzen geht verloren,
oder er wird als System erfahren, - beide Erfahrungen führen zur kritischen
“Hinterfragung des Totalitätsanspruchs der wissenschaftlichen Vernunft, des
bloß Kognitiven, des Monopols des Funktionalen”.[5]
Andere Weisen des Denkens werden deshalb der bloß
rationalen Logik gegenüber zur Geltung gebracht: So besinnt man sich etwa auf
vormoderne religiös-mythische Ansätze oder sucht die Vernunft an den Kosmos
zurückzubinden.[6] Für
unsere Sache entscheidend ist eine weitere Variante, - die (Wieder)Entdeckung
des Ästhetischen. Dabei wird nun aber nicht nur an die Kunst im engeren
Sinne gedacht, sondern an die sinnliche Wahrnehmung im weitesten Sinne. “Jede
Wahrheit soll von Grund auf Eigentum des Logos, nicht der Aisthesis sein. Genau
das gilt für das ästhetische Denken nicht mehr”, so beschreibt Wolfgang Welsch
die Umkehr ins ästhetische Denken, das, so Welsch weiter, “der
Wahrnehmung vielmehr originäre Wahrheit” zuerkennt. Und deshalb hat es
“wesentlich ästhetische Überzeugungs- und Evidenzbedingungen”, zahlt dafür
aber den “Preis des Nicht-Kommunizierbaren”.[7]
In diesem Zusammenhang eines ästhetischen Denkens
hat das Interesse an Ritualen und Symbolen in einer pluralen Welt seinen Ort.
Die Sehnsucht nach Zeichen ist dann zu verstehen:
- als Sehnsucht nach einer Ganzheit, die anderen
Charakter hat als ein geschlossenes und einheitliches System, nach einer
Ganzheit, deren Einheit Raum läßt für die Vielheit, da Andersheit der
Vielen und des Vielen, und für deren Entfaltung;
- sie läßt sich des weiteren verstehen als Sehnsucht
nach Ganzheitlichkeit, d. h. jetzt nach anderen als im engeren Sinne
rationalen Formen der Selbstmitteilung und der Kommunikation mit anderen und
der Wahrnehmung von Wirklichkeit, eben nach nicht mehr - wie das Schimpfwort
heute heißt - “verkopften”, sondern eben sinnlichen,
ganzheitlich-leibhaftigen Formen;
- und diese Sehnsucht läßt sich schließlich noch einmal
im selben als Sehnsucht nach Unmittelbarkeit verstehen, d. h. als
Sehnsucht nach subjektivem Erlebnis und dem Recht der eigenen Empfindung.
2.2 Die Sehnsucht nach Zeichen im Zusammenhang des
individuellen Selbst und seines Projekts “eigenes Leben”
Damit haben wir schon den Schritt zum zweiten jener
Momente getan, die sehen lassen, inwiefern die Grundentscheide neuzeitlichen
Denkens an ihrem Ende selbst fraglich geworden sind und wie sich diese
aporetische Situation gerade in unserer Sache niederschlägt. Was nämlich die
Autonomie des Menschen angeht, so hat sich auch an ihr ein verbreitetes
Unbehagen eingestellt. Dem “autonomen Subjekt” wird ein
Selbstverwirklichungsstreben angelastet, so diagnostiziert etwa Thomas Pröpper,
“das in seinem Selbstbehauptungs- und unstillbaren Aneignungswillen das
Gegebene verbrauchte, Menschen erniedrigte, aber auch sich selbst überforderte
und die Freiheit den hergestellten Verhältnissen unterwarf.”[8]
Für Pröpper sind daher “Symptome einer Regression des Freiheitsbewußtseins”
unübersehbar, die nicht nur das Verhältnis zu dem anderen und zu den
anderen, sondern auch das Subjekt selbst betreffen, sein Selbstverhältnis.
“Individualisierung” heißt das Schlagwort für jene “verwandelte
Grundeinstellung” unserer gegenwärtigen Kultur der Subjektivität zur
klassisch-neuzeitlichen Moderne des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
“die das eigene, partikuläre Selbst und seine perspektivisch-begrenzte Lebenswelt
[...] entschieden der allgemeinen, universalen Vernunftperspektive vorordnet”.
Demnach gilt eben schon längst nicht mehr “nur” das, “was für alle
Subjekte gelten kann, was also argumentativ, ethisch-praktisch und religiös
verallgemeinerungsfähig, universalisierbar ist”, so Medard Kehl in seiner
“theologischen Zeitdiagnose” von 1996 mit dem Titel: “Wohin geht die Kirche?”,
vielmehr erhebt das individuelle Selbst “den eigenen Standpunkt beim
Erkennen, das eigene Gewissen beim Handeln und die eigene Biographie mit ihrem
spezifischen Lebensgefühl und Lebensstil beim Entwurf einer umfassenden
Sinnperspektive zum Maß aller Dinge, zum (zugestandenermaßen sehr fragilen)
Orientierungspunkt allen Erkennens, Handelns und Hoffens.”[9]
In der Tat ist zu fragen, ob diese Fragilität nicht die Kehrseite jener
gesellschaftlichen Differenzierung darstellt, “die zwar einen enormen
individuellen Freiheitszuwachs bewirkte, zugleich aber die Aufgabe der
Identitätsbildung für Unzählige zur Überforderung werden ließ, weil sie neue
Abhängigkeiten und Anpassungszwänge schuf und die Vorgaben für die
Identitätsbildung abstrakt und anonym geworden sind.”[10]
Von soziologischer Seite konstatiert Ulrich Beck als Konsequenz der
Individualisierung auf seine Weise, daß “der Kampf um das eigene Leben
mittlerweile unser Schicksal geworden” ist.[11]
In diesem Zusammenhang des individuellen Selbst und
seines Projekts “eigenes Leben”, wie Becks Stichwort lautet,[12]
hat das Interesse an Ritualen und Symbolen in einer pluralen Welt wiederum
einen entscheidenden Anhalt. Die Sehnsucht nach Zeichen ist dann zu verstehen:
- als Sehnsucht nach der Einheit des eigenen Selbst,
nach seiner Kontinuität und Identität, in einer authentischen Leibes- und
Lebensgestalt;
- dies impliziert zum einen die Sehnsucht, an der
Eigenheit und Unverwechselbarkeit der eigenen Gestalt und des eigenen
Lebensstils wahrnehmbar und erkennbar zu sein, und zum anderen jene
danach, in dieser Gestalt und als dieses Selbst von anderen wahrgenommen
zu werden;
- gerade die Sehnsucht, von anderen wahrgenommen
zu werden, zielt schließlich darauf, “dazuzugehören”, unter anderen
Menschen und in ihrem Kreis Lebensraum zu haben, als einer von ihnen erkennbar
zu sein.
2.3 Die Sehnsucht nach Zeichen im Zusammenhang der “neuen
Religiosität”
Schließlich noch zum dritten der genannten Momente der
Grundentscheidungen des neuzeitlichen Denkens, die an ihrem Ende selbst
fraglich geworden sind. Daß sich das kritische Verhältnis zur Religion
geändert hat und geradezu umgeschlagen, Religion nämlich am Ende der Neuzeit
nicht endgültig überwunden ist, sondern - vielleicht eben auf Kosten des
“Prinzips der rationalen Verständigung” - eine Renaissance erlebt, kann in
jeder Buchhandlung, die etwas auf sich hält, angeschaut werden und beschäftigt
nun schon seit geraumer Zeit nicht nur die Theologie. Von einer “Wiederkehr des
Religiösen”[13] ist
die Rede und von “religionsproduktiven Tendenzen der Gegenwart”[14],
von der “religiösen Signatur der Gegenwart” gerade auch in den Medien.[15]
Die Theologie ist herausgefordert, weil hier kritische
Unterscheidung notwendig wird. Wer die Frage nach Religion stelle, so etwa Hans
Waldenfels, der müsse wissen, “daß die starke Anthropozentrik der Neuzeit das
Interesse an Religion wesentlich verändert” habe. Im Vordergrund stehe heute
“das praktische Interesse, die Funktion, die Religion im konkreten Leben des
einzelnen oder der Gesellschaft ausübt, die Leistung, die sie für diese
vollbringt, nicht die ursprüngliche Botschaft und Inspiration.” “Jedenfalls”,
so seine Schlußfolgerung, “ist der Nutzeffekt der Religion mehr gefragt als
der Wahrheitsanspruch der einzelnen Religion.”[16]
Das führt nach Walter Kasper nicht zuletzt auch zu einem “ästhetischen
Verhältnis” zu den Weltreligionen, insofern die neue “frei flottierende,
institutionelle Verfassung scheuende Religiosität” aus verschiedenen
religiösen Traditionen Versatzstücke herausziehe, und zwar “nach Maßgabe des
davon zu erwartenden Glücksgefühls oder der davon erhofften Lebenshilfe.”[17]
Wenn es um dieses veränderte Interesse an der Religion
geht, so greift man in der theologischen Diskussion gern zu einem Schlagwort
von Johann Baptist Metz. “Religion möglicherweise ja - personaler Gott nein”,
lautet sein Motto für eine Art “religionsförmiger Gotteskrise”.[18]
Das bedeutet z. B. in der Lesart von Medard Kehl: “Sofern Religion sich
versteht als Offenheit für Transzendenz (in welchem Sinn auch immer), für
letzten Sinn, für den Geheimnischarakter des Lebens, für kosmische Numinosität,
für die Erfahrung einer umgreifenden kosmischen Einheit und Ganzheit o. ä.,
findet sich heute bei uns ein ernstzunehmendes Echo, wie die Faszination durch
Esoterik, naturmystisch-ökologische Strömungen, New Age, Neue Gnosis, Alte
Mythen usw. beweist. Es ist heute durchaus gesellschaftlich legitim, angesichts
der hohen Komplexität und Differenziertheit unseres gesellschaftlichen Lebens
nach einer letzten einfachen, sinngebenden Synthese zu suchen. Aber man sucht
sie immer weniger im christlichen Glauben. Seine Botschaft vom personalen, ja
sogar menschgewordenen Gott wirkt für viele zu anthropomorph, zu konkret, ja zu
verbindlich.” Demgegenüber gilt Religion eben weithin “als rein subjektive, der
persönlichen Intimsphäre angehörende Gefühlssache, die als sinnstiftende
Überhöhung des eigenen Selbstverwirklichungsideals in überhaupt keiner Weise
intersubjektiv verbindlich formuliert werden kann.”[19]
Das sind nur einige der kritischen Töne, die seitens der
Theologie bezüglich des Phänomens der neuen Religiosität angeschlagen werden.
Ich möchte meinerseits einen Umweg zu solch kritischer Unterscheidung wählen
und dem zuvor noch einmal fragen, wie sich die veränderte Situation der
Religion wiederum in der Sache unseres Themas niederschlägt. Es zeigt sich
nämlich, daß das Interesse an Ritualen und Symbolen in einer pluralen Welt
gerade im Zusammenhang der “neuen Religiosität” seine spezifischen
Merkmale erhält. Die Sehnsucht nach Zeichen ist dann zu verstehen als Sehnsucht
nach einer bestimmten Qualität der Ganzheit, Ganzheitlichkeit und
Unmittelbarkeit einerseits sowie nach einer bestimmten Qualität der
Identität des Selbst, seiner Wahrnehmbarkeit und seines
Wahrgenommenwerdens, sowie des Dazugehörens des Selbst und seiner
Erkennbarkeit andererseits:
* Was die Qualität der Ganzheit, Ganzheitlichkeit und
Unmittelbarkeit angeht, so gilt die Sehnsucht nach Zeichen im Zusammenhang der
neuen Religiosität:
- einer Ganzheit, die das Geheimnis des
jeweils eigenen und anderen Lebens wahrt und doch zugleich unendlich
entschränkt ist ins umgreifend Naturhafte, ja Kosmische hinein;
- sie gilt einer Ganzheitlichkeit, die auf eine
“einfache”, eben sinnliche Weise im Komplexen und Differenzierten umfassenden
Sinn stiftet;
- sie gilt einer Unmittelbarkeit, die sich noch
dem ganz Anderen und Fernsten nahe und verwandt fühlt.
* Was die Qualität der Identität des Selbst, seiner
Wahrnehmbarkeit und seines Wahrgenommenwerdens, sowie des Dazugehörens des
Selbst und seiner Erkennbarkeit angeht, so gilt die Sehnsucht nach Zeichen im
Zusammenhang der neuen Religiosität:
- einer Einheit des Selbst, in die alles, was zur eigenen
Leibes- und Lebensgestalt gehört, integriert ist, die in diesem
Sinne eben das Geheimnis der vollkommenen Einheit mit sich oder -
religiös gesprochen - das “Heil des Selbst” - bedeutet;
- das Selbst zielt deshalb darauf, als dieses Geheimnis
auch wahrnehmbar zu sein; es möchte sich in seiner individuellen
Eigenart zeigen, es möchte sich - religiös gesprochen - als schlechterdings
entzogenes und sich selbst gehörendes Geheimnis “offenbaren” und
mitteilen; und ihm liegt alles daran, als dieses Geheimnis von anderen wahrgenommen
zu werden und in seiner unvergleichlichen “Schönheit” zu gefallen;
- schließlich zielt die “Sehnsucht” hier auf das Dazugehören
zu jenen Gruppen und Bewegungen, die durch eigene Zeichen und Rituale als die
neuen “Institutionen” angezeigt und gestiftet, eben “institutionalisiert” werden,
den - religiös gesprochen - “neuen Glaubensgemeinschaften”; sie bilden
hinwiederum die Gemeinschaften derer, die zu einem größeren Ganzen
gehören, bis hin zu jenem Ganzen des Geheimnisses der Wirklichkeit, das
alle und alles, Mensch und Natur und Kosmos, umgreift.
3. Ästhetisierung unserer Lebenswelt als “Zeichen der
Zeit”
Wo wird das, was wir hier im Blick auf die Sehnsucht nach
Zeichen an Veränderungen des neuzeitlichen Denkens und damit als Kennzeichen
unserer Übergangszeit ausgemacht haben, - die Wende des Denkens selbst zum
ästhetischen Denken, des neuzeitlichen autonomen Subjekts zum individuellen
Selbst, der neuzeitlichen Religionskritik zur Wiederkehr der Religion, - an
konkreten Phänomenen unserer Lebenswelt anschaulich? Es kann jetzt nicht darum
gehen, für alle angesprochenen Momente solche Phänomene vorzustellen. Ich muß
mich auf einige wenige beschränken, die gleichwohl deutlich machen, daß wir in
der Tat von einer “Ästhetisierung unserer Lebenswelt” - des Denkens, des Selbst
und des Religiösen - als “Zeichen der Zeit” sprechen können.
Auch von Theologen werden die Stichworte gesellschafts-
und kulturkritischer Betrachtungen aufgegriffen, die durch die Feuilletons der
großen Zeitungen geistern. Resonanz hat hier insbesondere die Studie des Soziologen
Gerhard Schulze zur deutschen Gegenwartskultur gefunden, die dieser unter dem
Titel “Erlebnisgesellschaft” vorgelegt hat.[20]
Das Interesse Schulzes gilt einer Theorie neuer Sozialformen unter den
Bedingungen von Individualisierung; und diese Individualisierung steht
ihrerseits noch einmal angesichts des gewachsenen und immer noch hohen
Lebensstandards in unserer Gesellschaft unter dem Vorzeichen der Ablösung der
“Außenorientierung”, die etwa durch Arbeit, sozialen Aufstieg und Altersversorgung
das Leben oder Überleben sichern soll, durch das, was Schulze
“Innenorientierung” nennt. Solcher “Innenorientierung” gehe es um das “eigene
Leben” als “Projekt des schönen Lebens”,[21]
und also stünden Fragen im Vordergrund
wie: “Was schafft mir angenehme Empfindung? Was verhilft dazu, daß mein Leben
schön und lebenswert wird?” Schulzes zentrale These lautet, daß das gerade mit
der “Innen- und Erlebnisorientierung” gestiegene Orientierungsbedürfnis trotz
der fortgeschrittenen Individualisierung zu neuer Gemeinsamkeit führt, zu den
sogenannten “Erlebnismilieus”. “Im rauhen Wind der Individualisierung”, so
Schulze, gruppierten sich die Individuen um “soziokulturelle Fixpunkte”.[22]
Dieser “Innen- und Erlebnisorientierung” einerseits und der Bildung von
“Erlebnismilieus” andererseits entspringe eine Ästhetisierung unserer
Lebenswelt, die sich im Sinne unserer Frage der “Sehnsucht nach Zeichen” lesen
läßt.
Unter der Ästhetisierung unserer Lebenswelt verstehen
wir, “die subjektzentrierte Umwertung und Stilisierung - verchromt, verglast,
verspiegelt, durchgestylt - von Alltäglichkeiten, Gebrauchsgegenständen und
Handlungen zu Erlebnissen und Erlebnisgegenständen, von öffentlichen Plätzen
und Einrichtungen zu ‘Erlebnisräumen’”. Die “individuellen wie auch
kollektiven Muster und Schemata”, die die Ästhetisierung von Konsumgütern,
Veranstaltungen, Situationen, Handlungen und Handlungsfolgen “regeln, ordnen
und intersubjektiv vermitteln”, werden zum “Charakteristikum und zum
Konstitutionsprinzip unserer Gegenwartskultur”.[23]
Daß also das alltägliche Leben, seine Räume und Gebrauchsgegenstände, die
normalen Lebensvollzüge und vor allem der menschliche Körper selbst so gepflegt
und gestaltet, eben “gestylt”, werden, daß sie eine Erlebnisqualität bekommen,
ist nicht eine oberflächlich-flüchtige Zufälligkeit, sondern dient der
“Kontinuität eines persönlichen ‘Stils’ und einer bestimmten ‘Lebensphilosophie’,
die beide den Rang von sozialen Erkennungszeichen annehmen.”[24]
Aus der Vielzahl der Phänomene seien vier Beispiele
ausgewählt, die die Sehnsucht nach Zeichen im Kontext unserer ästhetisierten
Lebenswelt jeweils unter einer bestimmten Perspektive sehen lassen. Da ist als erstes
ein Beispiel, das die von uns ausgemachten Momente der “Sehnsucht nach
Zeichen” im Verhältnis des Selbst zu seiner Leiblichkeit bündelt. “Menschen
werden ‘Künstler am eigenen Selbst’”, lautete die Schlagzeile eines
Zeitungsberichts von einer Tagung an der Universität Bremen, auf der
Sportwissenschaftler aus dem Bundesgebiet sich mit Phänomenen beschäftigen,
die wir allenthalben beobachten können. “Gesetzte Herren joggen schon vor
Arbeitsbeginn durch Parks. Sekretärinnen, Lehrlinge, Jungmanager und
Seniorchefs strampeln auf [dem] Home-Trainer einer ‘besseren’ Figur entgegen.
Hausfrauen und Unternehmerinnen träumen von makellosem Aussehen durch die Hand
eines Chirurgen.” Die Frage stellt sich: “Warum tun immer mehr Menschen sich
das an und empfinden häufig auch noch Spaß dabei?” Die Antwort der
Sportphilosophin Monika Thiele: “Heutzutage stilisieren sich immer mehr
Menschen über die Gestaltung ihres Äußeren zum Künstler am eigenen Selbst.”
Während in weiten Teilen der Arbeitswelt die körperliche Präsenz des
Arbeitnehmers immer überflüssiger werde, nehme zugleich das Interesse am Körper
zu: volle Fitneß-Studios und menschenleere Fabrikhallen. Thiele betont nicht
nur die Erlebnisqualität des “Gymnastik- und Fitneßkults”[!], der
“Körpertherapien oder den Darstellungskünsten der großstädtischen Jugend- und
Asphaltkultur” wie etwa des Inline-Skatings; darüber hinaus sammelt sie auf
ihre Weise die angesprochenen Momente der Ästhetisierung, wenn sie die
Schlußfolgerung zieht, daß die “Fähigkeit, sein Leben visuell unter Kontrolle
zu halten”, zu einer der “wichtigsten Aufgaben im Medienzeitalter geworden zu
sein” scheine. “Nicht die ‘Seele’, sondern der sichtbare Körper garantiere den
Wert der Person. ‘Der intakte, straffe und geglättete Körper dient als
Verteidigung gegen Krankheit und Altern, Untüchtigkeit und den Verlust an
Attraktivität.’ Am eigenen Leib werde ausgedrückt, wohin die Person sozial
gehöre. Die Inszenierungen und Ästhetisierung des eigenen Körpers versprächen
Prestigegewinn und Selbstbestimmung.” In ihnen manifestiere sich heute auf
hervorragende Weise die “Freiheit des Subjekts”.[25]
Ein zweites Beispiel bündelt die von uns ausgemachten Momente der Sehnsucht nach Zeichen im Verhältnis
des Selbst zu den Dingen. Die Schüler einer 9. Realschulklasse halten die
Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit in einer Deutschstunde zum Thema: “Für und
wider den Kauf und das Tragen sogenannter ‘Markenkleidung’ auf Plakaten
fest. In unserer Sache höchst bemerkenswert, was auf diesen Plakaten zu lesen
war: “Man macht sich anders, als man ist.” “Man treibt unbewußt Werbung.”
“Markenklamotten sind ein Statussymbol.” “Man zeigt, daß man Geld hat.”“Man hat
mehr Ansehen.” “Wenn alle Markenkleidung tragen, sehen alle ‘gleich’ aus.”
“Wenn alle Markenkleidung tragen, gibt es keine Unterschiede zwischen den
‘Schichten’.” “Wer sie nicht trägt, ist ausgeschlossen.” “Man ist bei einer
Gruppe bzw. möchte dabei sein, wenn man Markenkleidung trägt.”
Ein drittes Beispiel bündelt die von uns ausgemachten Momente der Sehnsucht nach Zeichen im Verhältnis
des Selbst zur eigenen Geschichte und zu einem größeren Ganzen. In erinnere
mich an ein Gespräch mit einer recht engagierten evangelischen Christin, die
vor einiger Zeit die Form des meditativen Tanzes für sich selbst entdeckt hat
und seitdem in ihrer Gemeinde anbietet, und das noch einmal besonders für die
Frauen. Die noch recht junge Frau erzählte mir begeistert davon, was ihr der
meditative Tanz bedeute, wie er sie ihre Mitte finden lasse und ihr einen noch
einmal ganz anderen Zugang zu den anderen erschließe, die mit ihr tanzen, und
wie sie darüber hinaus im Tanz in Einklang komme mit der sie umgebenden Welt
und Natur und mit den Kräften des Kosmos, und wie sie sich schließlich im Tanz
einstimmen könne in das in alledem uns umgebende göttliche Ganze der
Wirklichkeit. Zuletzt lasse sie der Tanz gerade daran Anteil haben. Eine ganze “Spiritualität
des Tanzes” entfaltete sie da vor mir; und auf Nachfragen hin bekannte sie
sich schließlich zum Reinkarnationsglauben als der entscheidenden Quelle
ihrer Spiritualität. In unserem Zusammenhang geht es dabei weder um eine Auseinandersetzung
mit diesem religiösen Hintergrund und um die Frage seiner Verträglichkeit oder
Unverträglichkeit mit christlichem Glauben, - wenngleich der
Reinkarnationsglaube in seiner westlichen Variante sicher mit zu den konkreten
Erscheinungsformen “neuer Religiosität” gehört;[26]
noch weniger geht es natürlich um eine Verdächtigung der ja in der Tat
ganzheitlichen Ausdrucksform des Tanzes. Hier interessiert nur das Selbstverständnis
dieser Frau und ihre ganz eigene “Spiritualität des Tanzes” als Beispiel
für die angeführten Momente der Sehnsucht nach Zeichen.
Ein letztes Beispiel, das jedoch zur Behandlung in diesem Zusammenhang fast zu komplex ist, ist
zweifellos der “Kult um Diana”, die Reaktion auf den Tod der “Heiligen
der Frauen”. “Der Diana-Effekt. Magie der Gefühle. Vom Sieg der Emotion über
die Vernunft”, war die Titelstory des Spiegel überschrieben.[27]
Im Spiegel-Interview wollte die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Elaine
Showalter zwar “nicht unbedingt von Massenhysterie sprechen”, aber Tatsache sei
für sie doch, “daß die Gefühle des einzelnen von den Medien übernommen und
organisiert wurden. Es gab in den ersten Tagen nach Dianas Tod Bilder, die um
die Welt gingen und die mehrere Wellen von Trauer auslösten. Sie stellten
Modelle von Trauer dar, die man imitieren konnte, etwa das Niederlegen der
Blumen am Kensington Palace.”[28]
In dieser unübersichtlichsten aller Welten seien, so der Spiegel weiter,
“Gefühle lebensnotwendige Akte der Existenz-Gründung”, da sie komplexe
Verhältnisse vereinfachten; und zudem habe Dianas Tod über alle Wohlstands- und
Ländergrenzen hinweg “eine große Gefühlsgemeinschaft” erzeugt, die uns, wie es
der Soziologe Karl Otto Hondrich formulierte, wissen ließ, “daß wir auf
gemeinsamem Grund stehen.”[29]
Der Schweizer Sozialpsychologe Gerhard Schmidtchen hat seinerseits damals
“deutliche Parallelen” zur Heiligenverehrung gezogen: Die wichtigste Funktion
dieser religiösen Verehrung liege in der Möglichkeit, große Gefühle zu
mobilisieren und zu leben. Heute würden solche Katalysatoren gebraucht, um
starke Gefühle zu erzeugen. Für viele Menschen sei es emotional wichtig, als
Gegenbild zu einer entzauberten, rational organisierten Welt am Geheimnis
einer Person teilzuhaben.[30]
Alice Schwarzer relativierte in der “ZEIT” dieses Geheimnis dahingehend, daß
sie Diana als “Spielball in den Händen anderer” sah, sie also gerade nicht die
Kraft hatte, “ihren eigenen Weg zu gehen”. Nur eine Seite weiter stellte Elke
Schmitter in derselben Zeitung Dianas “inszeniertes Leben”, wie es im
Untertitel eines Fotos hieß, unter die Überschrift: “Vom Erfolg des
Scheiterns”. Für sie machte Dianas Leben “für so weite Kreise (eben über die
Leser der Herz-Schmerz-Blätter hinaus)” gerade die Möglichkeit “faszinierend”,
“Dianas äußerliches Scheitern, das Scheitern an ihrer Rolle, als einen Erfolg
zu betrachten - als einen Zugewinn an Individualität, als dornenreiche
Emanzipation”.[31] Der
Komplexität dieses Beispiels entsprechen die zahlreichen und unterschiedlichen
Lesarten des Phänomens.
Dieses letzte Beispiel bringt aber ebenso wie die anderen
genannten Beispiele unseren leitenden Gedanken insofern weiter, als sie alle
die Ambivalenz der Sehnsucht nach Zeichen in unserer ästhetisierten
Lebenswelt vor Augen führen können. Die Sehnsucht nach Zeichen zeigt sich
noch einmal lebensweltlich “gebrochen”. Denn als das Vorzeichen
schlechthin dieser Sehnsucht erweisen sich die “Herrschaft des Bildes”
und dementsprechend die “Herrschaft des Sehens” in unserer Lebenswelt.
Das Ganze des Ästhetischen erscheint dahinein enggeführt. Auf der einen Seite
sind deshalb jene die Persönlichkeiten, ja Idole unserer Tage, die immer wieder
im Bild erscheinen; Moderatorinnen und Moderatoren von Fernsehsendungen sind
mit Sicherheit bekannter und “normativer” als unsere Minister oder Bischöfe.
Auf der anderen Seite ist zu fragen, welchen Preis Menschen bereit sind, dafür
zu zahlen, daß sie ins Bild kommen und “angesehen” werden? - Die
Mehrdeutigkeit dieses Wortes ist hier vielsagend. - Tritt demnach an die Stelle
des neuzeitlichen “Ich denke, ich bin” oder “Ich denke, also bin ich”
(Descartes) ein “postmodernes” “Ich bin im Bild, ich bin” oder “Ich
bin im Bild, also bin ich”?
Unter der “Herrschaft des Bildes und des Sehens” kann das
Selbst nur zu leicht unter den Zwang zum “Selbstbildnis” und zur
“Selbstinszenierung” geraten. Das droht sein Selbstverhältnis ebenso
zu bestimmen wie sein Verhältnis zum anderen und auch noch das zu
den Dingen, zur “Welt”: Denn dann gilt es, sich selbst so zu gestalten, daß
ich “ansehnlich” werde. Ich möchte “um alles in der Welt” mir selbst und anderen
gefallen. Dies kann bis zum Narzißmus gehen, in dem sich das Selbst in
allem “selbstgefällig” bespiegelt, und dem auch der andere, dem ich gefallen
möchte, allein dazu dient, Spiegel des eigenen Ich zu sein. Schließlich werden
auch noch die Dinge dafür benutzt, “Ansehen” zu bekommen und zu haben. Wo ich
aber “um alles in der Welt” gefallen möchte, um Ansehen zu haben, da kann sich
dieses Bestreben, um nicht zu sagen, diese Form der “Selbst-sucht”, gegen mich
selbst kehren und mich mir selbst entfremden. Das kann gerade
dann geschehen, wenn ich mich “oute”, wie wir mittlerweile die Preisgabe des
persönlichen Geheimnisses zu nennen pflegen. Es geschieht darüber hinaus, wo
ich mich selbst eben in Modellen und Schemata gestalte und Rollen in
Inszenierungen anderer und zuletzt gar jener “Industrie” spiele, die sich dieser
Bedürfnisse längst angenommen hat. Nicht nur für die “Trauer” gibt es dann
“Modelle”, sondern etwa auch für die Freude. “Ihr schönster Tag perfekt”
verheißt etwa ein “Ratgeber” “Hochzeit & Gala”.[32]
Sichtbar und greifbar wird die Entfremdung, wo ich mich schließlich mit
Menschen und Dingen umgebe, um “dabei” zu sein oder “in”, wie wir zu sagen
pflegen, oder mit solchen, deren ich in einem tiefen Sinn des Wortes “selbst”
nicht bedarf, die gar nicht die “Meinen” sind, so daß ich weder ihnen noch mir
gerecht werde.
4. Christlicher Glaube und die “Zeichen der Zeit”:
Grundentscheidungen einer “theologischen Ästhetik” des Selbst als “Ebenbild
Gottes”
Die Sehnsucht nach Zeichen artikuliert sich in unserer
solchermaßen ästhetisierten Lebenswelt eigenartig gebrochen und ambivalent. Und
oft genug finden wir uns in die Modelle und Inszenierungen unserer
“ästhetisierten Lebenswelt” “verstrickt”. Wenn Theologen diese Situation als
“Zeichen der Zeit” verstehen, dann tun sie das heute gewöhnlich in der Weise,
in der das Zweite Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution über die
Kirche in der Welt von heute “Gaudium et spes” davon gesprochen hat. Sie
entnehmen diesem Konzilstext dann eine “sachgemäße” methodische Anweisung für
die dringliche “Theologie der Gegenwart”, wenn es da in GS 4 heißt: Zur
Erfüllung ihres Auftrags “obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, die Zeichen
der Zeit zu erforschen und im Licht des Evangeliums zu deuten, so daß sie in
einer der jeweiligen Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen
der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und
nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben kann. Es gilt also, die
Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen
Charakter zu erkennen und zu verstehen.”[33]
Ein Zweifaches beinhaltet diese Aussage des Konzils: Zum
einen geht es darum, die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu
deuten. Und diese Deutung tritt dann mit dem Anspruch auf, Antwort auf die
Sinnfrage des Menschen zu geben. Zum anderen aber geht es darum, überhaupt erst
wahrzunehmen, wie die Sinnfrage sich in unserer Generation stellt. Denn
Antwort gibt der christliche Glaube nur, wo er sich darauf bezieht. Sonst
bestünde die Gefahr, Antworten zu geben, die gar nicht gefragt sind. Sich auf
die Sinnfrage unserer Generation beziehen heißt nun aber die “Zeichen der Zeit
erforschen”. Eben das haben wir mit unseren Überlegungen ein Stück weit tun
wollen, so daß wir uns da nicht in einem bloß “vortheologischen” Feld bewegt
haben.[34]
Bevor die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums gedeutet werden,
werden sie vielmehr ihrerseits zu “Vorzeichen”, unter denen christlicher
Glaube noch einmal gelesen und gehört wird. Um diesen wechselseitigen
Entdeckungszusammenhang muß es einer Theologie der Gegenwart zu tun sein.
Für unsere Sache heißt diese Orientierung an der
Anweisung des Konzils zunächst einmal, daß für Christen eine höhere Warte
jenseits der Ambivalenzen und Aporien dieser “Zeichen der Zeit” ausgeschlossen
ist. Christen stehen vielmehr ihrerseits unter der “Herrschaft des Bildes” und
sind ihrerseits in die “Ambivalenz der Sehnsucht nach Zeichen” verstrickt. Und
was für Christen erst recht ausgeschlossen ist, ist eine “Dämonisierung” unserer
“ästhetisierten Lebenswelt”. Das ist ihnen schon aus streng “theo-logischen”
Glaubensgründen verwehrt: Denn wenn Gott der Gott Jesu Christi ist, ist er ein
Gott der Gegenwart und gilt nicht weniger umgekehrt die Feststellung Kehls:
“Auch diese Kultur ist in das Erlösungswerk Christi eingeschlossen”.[35]
Was also erforderlich ist, um es zunächst einmal fachsprachlich zu sagen, ist
eine Relecture theologischer Anthropologie im Licht der Zeichen der Zeit und
umgekehrt eine Relecture der Zeichen der Zeit im Licht theologischer
Anthropologie. In der Sache heißt das: Im Licht der Sehnsucht nach Zeichen ist
zurückzufragen nach einem ästhetischen Glaubensverständnis des Selbst; und da
fällt von diesem “Zeichen der Zeit” her in der Tat noch einmal ein ganz neues
Licht auf das “alte” Wort von der “Gottebenbildlichkeit” des Menschen.[36]
Und umgekehrt heißt das in der Sache: Im Licht dieses gläubigen
Selbstverständnisses des Menschen als “Ebenbild Gottes” ist noch einmal
zurückzufragen, was dies für die in unserer ästhetisierten Lebenswelt so
“gebrochene” und ambivalente Sehnsucht nach Zeichen bedeuten kann, ob in ihm
gar eine aus den “Verstrickungen” in die “Herrschaft des Bildes” “befreiende
Kraft” steckt, die darauf zielt, das “Gebrochene” zu “heilen” und das
“Ambivalente” zu “klären”.
Was läßt die Sehnsucht nach Zeichen in unserer
“ästhetisierten Lebenswelt” noch einmal an der “Gottebenbildlichkeit” des
Menschen neu entdecken?
- Die Rede von der “Gottebenbildlichkeit” bringt vor
allem anderen die den Menschen begründende “Zugehörigkeit” zu Gott zur Sprache:
Mensch ist er, insofern er zu Gott dazugehört. Das macht sein “Geheimnis”
aus, die “Würde” seiner “Person”, um es in traditionellen Worten zu sagen.
Diese “Zugehörigkeit” ist aber Gottes freie Tat. Die “Zugehörigkeit” ist also “Ereignis”
göttlicher Zuwendung, nicht eine “Eigenschaft” des Menschen.[37]
- Als Ebenbild Gottes Geschaffen sein heißt für den
Menschen ins Gegenüber zu Gott Gerufen, sein Partner, sein: “Der Schöpfer schuf
ein Geschöpf, daß ihm entspricht, zu dem er reden und das ihn hören kann.”[38]
Damit aber hat die Rede von der “Gottebenbildlichkeit” zugleich eine Unterscheidung
des Menschen von Gott im Blick. Auch sie ist Gottes Tat, und zwar gerade
jene, mit der er den Menschen an sich selbst freigibt. In der Zuwendung
Gottes wird demnach dem Menschen sein Eigenes, sein Selbst, zugeeignet.
Und diese Zueignung stiftet zugleich die Identität des Selbst. Hier gilt
Klaus Hemmerles Wort: “Alles, was ist, ist geeint mit dem Einenden und darin
mit sich selbst.”[39]
- Dieses Geheimnis der Einheit mit sich selbst in
Gottes Zuwendung ist das Geheimnis des “ganzen” Menschen mit “Leib und
Seele”, um es in traditionellen Worten zu sagen. Als Gott sieht, was er
geschaffen hat, da heißt er das, so die Schöpfungserzählung, nicht nur “gut”
wie die Werke der anderen Schöpfungstage, sondern es heißt jetzt: “siehe, es war
sehr gut.” (Gen 1, 31) Im hebräischen Wort (tob) klingen dabei auch die
Bedeutungen von “schön” und “vollkommen” mit. Mit anderen Worten:
Der Mensch ist, eben insofern er als Gottes Ebenbild geschaffen ist, “schön”.[40]
Gott sieht den Menschen an und hat Gefallen an ihm. Und so angesehen zu
sein, das gibt dem Menschen unverdient und allem eigenen Tun zuvor “Ansehen”.
- Zuletzt ist eben die “Gottebenbildlichkeit” als solche
ein ästhetischer Glaubensbegriff. Und christlicher Schöpfungsglaube läßt
sich von ihm aus im ganzen noch einmal ästhetisch lesen: Gott drückt sich
in seiner Schöpfung aus und teilt sich mit; er tut dies im Gegenüber
zum Menschen. Der Mensch ist jenes Geschöpf, das den Ausdruck Gottes in der
Schöpfung wahrnehmen und Gottes Selbstmitteilung in ihr empfangen kann und
soll. Das tut er hinwiederum, indem er sich selbst zur Schöpfung verhält. In
seinem Verhältnis zur Schöpfung verhält er sich zu Gott, dem Schöpfer. Auch dem
Menschen ist daher die Schöpfung in die Hand gegeben; er soll sie seinerseits
gestalten und sich seinerseits in ihr ausdrücken, dies aber Gott gegenüber.
Als Gottes Ebenbild ist er also Gottes Partner im Verhältnis zur Schöpfung.
Davon will ja gerade der sogenannte “Herrschaftsauftrag” sprechen. (Vgl. Gen 1,
28) Das Bekenntnis des Christen zum Schöpfer und zur Gottebenbildlichkeit des
Menschen spricht somit die Schöpfung als Tat und Ausdruck Gottes und als
Tat und Ausdruck des Menschen zugleich aus. In diesem Sinne wird in der Rede von
der “Gottebenbildlichkeit” der Mensch noch einmal in hervorgehobener Weise als
Gottes Selbstausdruck zur Sprache gebracht.
- Jesus Christus ist es letztendlich, so das
Zweite Vatikanische Konzil, der dieses “Geheimnis des Menschen” “aufklärt”:
“Der ‘das Bild des unsichtbaren Gottes’ (Kol 1, 15) ist, ist zugleich
der vollkommene Mensch, der den Kindern Adams die Gottebenbildlichkeit
wiederherstellte”.[41]
Vom Christusereignis her wäre noch einmal alles Gesagte neu zu lesen, insofern
es die Bedingung der Möglichkeit für diese ästhetische Relecture einer
theologischen Anthropologie darstellt. Jesus Christus ist, im Blick auf unsere
Sache gesagt, - ganz und ganzheitlich und unmittelbar - Ausdruck des
“Sehr gut”, das Gott zum Menschen spricht, und er ist - als er selbst,
in seiner authentischen Leibes- und Lebensgestalt - Ausdruck der
Zugehörigkeit des Menschen zu Gott, der “Gott mit uns”, der Immanuel.
Unter dem Vorzeichen der “Zeichen der Zeit” solchermaßen
ästhetisch neu gelesen kann das christliche Selbstverständnis des Menschen als
“Ebenbild Gottes” nun umgekehrt noch einmal die Sehnsucht nach Zeichen und
ihre Gebrochenheit und Ambivalenz in unserer ästhetisierten Lebenswelt neu
wahrnehmen lehren. Das christliche Selbstverständnis des Menschen als “Ebenbild
Gottes” läßt die Wurzel unserer “Sehnsucht nach Zeichen” ans Licht treten. Der
jüdische Denker Franz Rosenzweig (1886-1929) hat diese Sehnsucht an ihrer
Wurzel gepackt, wenn er fragt: “Um wessentwillen lebt der Mensch?”, und dann
antwortet: “um einer einzigen Gebärde willen [...]. Beim Menschen ist diese
Gebärde etwas so Individuelles, daß man gar nicht davon reden kann.” Sie ist
das “Leben als Ausdruck, ausgedrücktes, aus-drückliches Leben.” Dieses
Wort von der “Gebärde” läßt noch einmal sehen: Der Mensch findet sich selbst
zugeeignet ins Eigene. Mit der Wahrheit dieser seiner Wirklichkeit, eben mit
seinem Selbst, will er zum “Aus-druck” kommen in der Welt.[42]
Das heißt: In allen Vollzügen und Handlungen will er er selbst sein, so daß
diese im strengen Sinne des Wortes “seine” Selbst-vollzüge sind. Er sucht
“seine Identität im Maßstab eines gesamten Lebens”.[43]
Zugleich will er wahrgenommen und angenommen werden; einem anderen gegenüber
will er zum Ausdruck kommen in der Gebärde. Er sucht ein “Antlitz”, das ihn
ansieht und ihm Ansehen gibt. So wird denn die Gebärde zur Bitte um die
Zustimmung des anderen, um seine Bejahung, um sein Dazugehören - zuletzt um
unbedingte Zustimmung und absolute Bejahung, um ein “Dazugehören ohne wenn und
aber, einen Gott”, wie es eine junge - sich als “gottlos” bekennende - Frau in
einem dramatischen Briefwechsel mit ihrem Vater formuliert hat.[44]
Ist die so verstandene Sehnsucht nach Zeichen vielleicht
in der Tat die neue Suche nach dem unbekannten personalen Gott in einer
“ästhetisierten Lebenswelt”? Denn gerade dies tut gut “bis in die Wurzeln - ein
Ansehen zu haben unter dem göttlichen Auge”.[45]
Auf dieser Suche nach der “Gebärde seines Lebens” findet sich das Selbst “in
Bilder verstrickt”. Die Not und die Angst, in die es da gerät, kann es in narzißstische
Selbstgefälligkeit ebenso treiben wie in die Selbstentfremdung in
den überall angebotenen und allgegenwärtigen Mustern und Inszenierungen; und
vielleicht machen nicht wenige die Erfahrung, schon längst ihrer Ausdruckskraft
entmächtig zu sein und sich selbst zu verlieren. Könnten Christen in dieser
Situation die Suche nach der Gebärde nicht gerade dadurch begleiten, daß sie
sich noch einmal neu als “Gottes Ebenbild” verstehen und auch als solche leben,
als Christen, die von sich selbst sagen können, was der Vater seiner Tochter
schreibt: “Ich glaube, daß ‘in Christus’ leben”, - und also Christ sein, -
“eben dies heißt: Im Ansehen der Liebe zu stehen, die Gott ist, und angstfrei
einander sehen zu lernen, so ähnlich wie damals der Gottesnarr und der
Menschfreund aus Galiläa”?[46]
[1] Zur neuzeitlichen Religionskritik siehe den
Überblick bei WalterKasper: Der
Gott Jesu Christi. Mainz, 1982, bes. 29-67, und bei Hans Zirker: Religionskritik.
Düsseldorf, 1982 (Leitfaden Theologie 5).
[2] Vgl. Heinz Zahrnt:
Einführung. In: Franz Böckle
u. a. (Hrsg.): Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft. Teilband
37. Quellenband 7: Auf der Suche nach dem unfaßbaren Gott. Freiburg u.
a., 1984, 15-28, hier 19.
[3] Siehe hierzu Hartmut von Hentig: Glaube. Fluchten aus der
Aufklärung. Düsseldorf, 1992 (Wendepunkte), bes. 23.
[4] Johann Baptist Metz: Wohin ist Gott, wohin der Mensch? Zur
Zukunftsfähigkeit des abendländisch europäischen Christentums. In: Franz
Xaver Kaufmann; Johann Baptist Metz: Zukunftsfähigkeit.
Suchbewegungen im Christentum. Freiburg u. a., 1987, 124-147, hier 124.
[5] Vgl. Walter Kasper:
Die Kirche angesichts der Herausforderung der Postmoderne. In: Stimmen
der Zeit 10 (1997) 651-664, hier 653.
[6] „Remythisierung des Denkens“,
„Renaturalisierung der Geschichte“, aber auch wachsende „Faszination des
evolutiven Denkens“ sind deshalb für Thomas Pröpper Stichworte postmodernen
Denkens; siehe Ulrich Ruh: „Erst
in autonomer Zustimmung kommt Gottes Liebe zum Ziel“. Ein Gespräch mit
Professor Thomas Pröpper über das christliche Freiheitsverständnis. In:
Herder Korrespondenz 45 (1991) 411-418, hier 415 f., 417.
[7] Vgl. Wolfgang Welsch: Ästhetisches Denken. 3. Aufl. Stuttgart, 1993,
196 f.
[8] Vgl. Thomas Pröpper im Interview mit Ulrich
Ruh (s. Anm. 6), 415 f.
[9] Medard Kehl:
Wohin geht die Kirche? Eine Zeitdiagnose. 3. Aufl. Freiburg u. a., 1996,
27.
[10] Thomas Pröpper im Interview mit Ulrich Ruh (s.
Anm. 6), 416.
[11] So Ulrich Beck in einem Interview mit Gisela
Freisinger im FAZ-Magazin, Heft 797 vom 9. Juni 1995, 35.
[12] Siehe dazu Ulrich beck; Wilhelm Vossenkuhl;
Ulf Erdmann Ziegler: Eigenes
Leben. Ausflüge in die unbekannte Gesellschaft, in der wir leben. München,
1995.
[13] Siehe etwa Willi Oelmüller (Hrsg.): Wiederkehr von Religion?
Perspektiven-Argumente-Fragen. Paderborn u. a., 1984 (Kolloquium Religion
und Philosophie; 1; Kolloquien zur Gegenwartsphilosophie; 7).
[14] Siehe dazu etwa Hans-Joachim Höhn: Gegen-Mythen.
Religionsproduktive Tendenzen der Gegenwart. Freiburg u. a., 1994 (QD 154);
Volker Drehsen: Wie
religionsfähig ist die Volkskirche? Sozialisationstheoretische Erkundungen
neuzeitlicher Christentumspraxis. Gütersloh, 1994.
[15] Siehe Arno Schilson:
Medienreligion. Zur religiösen Signatur der Gegenwart. Tübingen u. a.,
1997; dazu auch seinen Literaturbericht: Die religiöse Dimension der
Gegenwart. In: Herder Korrespondenz 50 (1996) 28-34.
[16] Hans Waldenfels:
Phänomen Christentum. Eine Weltreligion in der Welt der Religionen.
Freiburg u. a., 1994, 58 f.
[17] Vgl. Kasper (s. Anm. 5), 658.
[18] Johann Baptist Metz: Gotteskrise. Versuch zur „geistigen Situation der
Zeit“. In: Ders. u. a.:
Diagnosen zur Zeit. Düsseldorf, 1994, 77.
[19] Vgl. Kehl (s. Anm. 9), 36 f.
[20] Siehe Gerhard Schulze:
Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt a. M.,
1992. Vgl. dazu Alexander Foitzik:
Anlehnungsbedürftige Egozentriker. Eine soziologische Studie zur deutschen
Gegenwartskultur. In: Herder Korrespondenz 46 (1992) 510-514.
[21] Vgl. Schulze (s. Anm. 20), 38.
[22] Ebd., 335.
[23] Vgl. Foitzik (s. Anm. 20), 511.
[24] Vgl. Kehl ( s. Anm. 9), 39.
[25] Vgl. Deister-Leine-Zeitung, Montag, den 17.
November 1997. Nord.
[26] Siehe dazu Medard Kehl: Eschatologie. 2. Aufl. Würzburg, 1988, 68-76;
Hermann Kochanek (Hrsg.): Reinkarnation
oder Auferstehung. Konsequenzen für das Leben. 2. Aufl. Freiburg u. a.,
1994; Stephan Ernst: Hoffnung
auf ein neues Leben. Der Reinkarnationsglaube als Anfrage an die christliche
Eschatologie. In: Stimmen der Zeit H. 7 (1995) 447-457.
[27] Vgl. Der Spiegel Nr. 39/22.9.97, hier bes.
244-265.
[28] Vgl. Der Spiegel (s. Anm. 27), 254. Im selben
Interview wird das Verhältnis der Öffentlichkeit zu Diana „bulimisch“ genannt,
im Sinne eines „‘Bilderfressens’, ohne wirklich satt zu werden“.
[29] Vgl. Der Spiegel (s. Anm. 27), 265.
[30] Vgl. kna-Bericht, hier zitiert nach
Hannoversche Allgemeine Zeitung Nr. 209 vom 6. September 1997, 12.
[31] Vgl. DIE ZEIT Nr. 37 vom 5. September 1997, 2
bzw. 3.
[32] Vgl. die Ausgabe 3/97 hrsg. von der
Landeshauptstadt Hannover und dem Landkreis Hannover.
[33] Heinrich Denzinger:
Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et
morum. Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen
/ Peter Hünermann (Hrsg.). 37.
Aufl. Freiburg u. a., 1991, (DH) 4304.
[34] Hier wäre auf Klaus Hemmerles Begriff der
„Vorgeschichte des Glaubens“ in seinem Konzept der Fundamentaltheologie
zurückzukommen: „Nur wenn Leben, Welt und Denken als die Landschaft erfahrbar
sind, in welche der Glaube sein Licht hineinwirft, nur wenn Leben, Welt und
Denken also die bleibende Vorgeschichte in der Geschichte des Glaubens sind,
erhalten Glaube und Theologie ihre vollen Dimensionen.“ Siehe Klaus Hemmerle: Vorspiel zur Theologie.
Einübungen. In: Ders.: Beiträge
zur Religionsphilosophie und Fundamentaltheologie. Bd. 2: Unterwegs mit
dem dreieinen Gott. Freiburg u. a., 1996 (Ausgewählte Schriften; 2),
12-121, hier 12.
[35] Vgl. Kehl (s. Anm. 9), 33.
[36] Siehe dazu Ingolf U. Dalferth; Eberhard Jüngel:
Person und Gottebenbildlichkeit. In: Franz Böckle u. a. (Hrsg.): Christlicher Glaube in moderner
Gesellschaft. Teilband 24. 2. Aufl. Freiburg u. a., 1981, 57-99; dazu auch
Heinz-Jürgen Görtz: Ich glaube
an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Das christliche Bekenntnis zum
Schöpfer und zur Gottebenbildlichkeit des Menschen. In: Zentralkomitee der deutschen Katholiken
(Hrsg.): Wie im Himmel so auf Erden. 90. Deutscher Katholikentag Berlin
1990. Dokumentation Teil II. Paderborn, 1991, 1047-1061.
[37] Der Mensch ist deshalb, so Klaus Hemmerle, das
„Wesen der reziproken Transzendenz“, eben der „Zuwendung Gottes zum Menschen,
seines Eingehens auf ihn und in ihn“. Vgl. Klaus Hemmerle: Unterscheidung des Menschlichen. In: Ders.: Beiträge zur
Religionsphilosophie und Fundamentaltheologie. Bd. 1: Auf den göttlichen
Gott zudenken. Freiburg, 1996 (Ausgewählte Schriften; 1), 283 f.
[38] Claus Westermann:
Schöpfung. Berlin, 1979, 82.
[39] Klaus Hemmerle:
Das Neue ist älter. Hans Urs von Balthasar und die Orientierung der
Theologie. In: Ders. (s. Anm. 34), 201-223, hier 210.
[40] Von hier aus ließe sich auch das „pulchrum“ der
scholastischen Transzendentalienlehre noch einmal für die Frage nach dem Selbst
unter den Bedingungen unserer ästhetisierten Lebenswelt neu bedenken.
[41] Vgl. Gaudium et spes 22 (DH 4322).
[42] Siehe Franz Rosenzweig:
Glauben und Wissen. In: Ders.:
Der Mensch und sein Werk. Gesammelte Schriften. Bd. III: Zweistromland.
Kleinere Schriften zu Glauben und Denken / Reinhold und Annemarie Mayer (Hrsg.). Dordrecht, 1984,
581-595, hier 594 f.
[43] Siehe dazu Paul Ricoeur: Das Selbst als ein Anderer. München, 1996, 143.
[44] Siehe dazu Peter Eicher: Wie kannst Du noch katholisch sein? München,
1993, 141.
[45] Vgl. Eicher (s. Anm. 44), 83.
[46] Ebd., 85.