Fénelon 1699 - 1999 I
von Dieter Hattrup
Kurzinhalt - Summary:
Erzbischof Fénelon wurde am 12. März vor 300 Jahren wegen
seiner Lehre über die interesselose, reine Liebe vom Lehramt in Rom mit
einer Zensur belegt, die sehr maßvoll ausfiel. Eher mußte sich sein Gegner,
der Bischof Bossuet, beschämt fühlen, dessen Intrigen bis heute mißfallen.
Ein vertieftes Studium zeigt, daß der Streit seine Wurzeln nicht in der
Theologie, sondern im Denken der Neuzeit hatte, in der Konkurrenz von Gott
und Mensch sowie von Mensch und Mensch. Die Gottesliebe aber liegt jenseits
des Gegensatzes der Interessen.
Archbishop Fénelon was
censured by the Roman Authorities on the 12th March 300 years ago, because of
his teaching on pure desinterested love. The censure was very moderate but his
enemy, Bishop Bossuet, had more to be ashamed about, as his intrigues even
today appear shameful. Deeper studying shows, that the the argument has its
roots not in theology, but in the thinking of modern times, in the concurrence
of God and humanity as well as among humans. But the love of God lies beyond
all contrasts of the interests.
1. Geschichte
Am 12. März 1699 endete durch römischen Spruch eine der
großen theologischen Debatten der Neuzeit. Jahrelang hatte Europa den Atem
angehalten. „Endlich schreiben die Journale wieder von etwas anderem“, ruft
Leibniz erleichtert aus.[1]
Durch das Breve Cum alias ad apostolatus entscheidet Innozenz XII., daß
François de Fénelon, seit 1695 Erzbischof von Cambrai in Flandern, in seinen
Gedanken und Ausdrücken zum Lob der reinen Gottesliebe zu weit gegangen ist.
Dreiundzwanzig Sätze aus seiner Schrift Explication des Maximes des Saints
sur la vie intérieure (Paris, Febr. 1697) werden als anstößig, übel
klingend, fromme Ohren verletzend, in der Praxis verderblich und irrig
abgewiesen (Denzinger DH 2374). Bekannt geworden ist aber auch das Wohlwollen,
das der Papst zugleich bekundet hat. Nachdem Fénelon sich unverzüglich und
vollständig dem Spruch unterworfen hatte, erklärte sich Innozenz XII. im Mai
1699 für hoch erfreut.[2]
Mehr noch: Zur gleichen Zeit, im gleichen Jahr, scheint der Papst die Absicht
gehegt zu haben, diesen Erzbischof zum Kardinal zu ernennen, eine Ehre, die
er dem Gegenspieler Fénelons, dem Bischof Bossuet immer hartnäckig verweigert
hatte. Nur kluge Rücksicht bestimmte ihn schließlich davon abzulassen, da
Fénelon in diesem Fall den größten Zorn Ludwigs XIV. zu kosten bekommen hätte.[3]
Nun ist es noch das eine oder andere Mal in der Theologiegeschichte
vorgekommen, daß eine abgelehnte Lehre später die Billigung des Lehramtes
gefunden hat, so der Aristotelismus im 13. Jahrhundert oder die Grundsätze
der Menschenrechte im 20. Jahrhundert, allerdings lagen Jahrzehnte oder
Jahrhunderte zwischen Ablehnung und Zustimmung. Zugleich erfuhr die Lehre
eine so kräftige Umbildung, daß ihre frühere Abweisung verständlich wird.
Der Fall von 1699 scheint dagegen einmalig zu sein: Eine Person erfährt höchste
Wertschätzung, aber ihre Lehre wird zur gleichen Zeit verurteilt. Das geschah
dem Erzbischof Fénelon († 1715), der wegen der Lehre von der reinen Liebe die
päpstliche Zensur zu spüren, zugleich aber von den Päpsten Innozenz XII. (†
1700) und Klemens XI. († 1721) viel Lob zu hören bekam, wesentlich mehr als
sein scheinbar siegreicher bischöflicher Gegner Bossuet.
Das Jahr 1999 wird 300 Jahre später dadurch noch zu
keinem Jubeljahr, aber es gibt doch Anlaß, ein Jubiläum der göttlichen
Weisheit zu feiern: Gott gibt die Lösung nach seiner Zeit, nicht nach unserer
Zeit. Ich nehme den 300. Jahrestag zum Anlaß, auf ein theologisches Problem
hinzuweisen, das damals ungelöst beiseite gelegt wurde und zu jener Zeit wohl
auch unlösbar war, das aber große Wirkungen in Glaube und Ethik hatte. Zunächst stelle ich die wichtigsten
Ereignisse dieser Geschichte (1.) vor Augen, dann suche ich den Punkt
der Dogmengeschichte (2.) zu bestimmen, der einen so gewaltigen, das
geistige Europa für Jahre in Bann ziehenden Streit auslösen konnte. Schließlich
schlage ich für die Dogmatik (3.) eine Lösung vor, die von dem logischen
Paradox Gebrauch macht, daß das Gegenteil einer tiefen Wahrheit wieder eine
tiefe Wahrheit sein kann. Die Frage, ob es eine reine Liebe geben kann, die
von jedem Motiv des Selbstinteresses frei ist, liegt jenseits einer bloßen
Unterscheidung von Ja und Nein.
In der Kette der Ursachen, die zum Streit um die reine
Liebe und den Entscheid von 1699 führten, beginne ich mit dem Jahr 1693. Abbé
de Fénelon war seit 1689 Erzieher des Duc de Bourgogne, der als Enkel Ludwigs
XIV. sein möglicher Nachfolger sein konnte. Fénelon tat das erfolgreicher als
Bischof Bossuet, der mit dem Dauphin und Sohne Ludwigs eine weniger glückliche
Hand gehabt hatte. Fénelon war mit einem gewichtigen Amt betraut, das ihm
unter Umständen auf dem Weg über die Bildung seines Schützlings einen
prägenden Einfluß auf die politische Gestalt Frankreichs erlauben würde. Gleichzeitig
war Fénelon auch Beichtvater und Prediger des geistlichen Damenstiftes
Saint-Cyr, das von Mme de Maintenon geleitet wurde.
Um 1693 wurde er in den geistlichen Kreisen von
Versailles und Paris mit Mme de Guyon bekannt, die als reiche adlige
Witwe ein apostolisches Leben führte. Sie hatte ihren großen Besitz zugunsten
der Armen aufgegeben und schrieb, ohne eine eigentliche, formale Bildung
genossen zu haben, Traktate über die Gottesliebe. Ihre Spiritualität war von
dem damals verbreiteten Quietismus berührt und kann deshalb Semi-Quietismus
genannt werden. Der strikte Quietismus des Miguel des Molinos war zwar 1687
verurteilt worden, der jede Aktivität des Menschen als Konkurrenz zu Gott
verworfen hatte, aber die Sache schwelte weiter. Der strikte Quietismus hatte
nur eine grobschlächtige Lösung für den Gegensatz von Gottesliebe und Selbstliebe
anzubieten.
"Aktiv wirken zu wollen, heißt Gott verletzen, der
selbst der allein Tätige sein will: und deshalb ist es notwendig, sich selbst
ganz und völlig in Gott aufzugeben und hernach wie ein toter Leib zu
verbleiben." (DH 2202)
Die Aufforderung zur Untätigkeit hatte Molinos mit den
gewagtesten Worten gefördert. So empfahl er, Ekel vor geistlichen Dingen zu empfinden,
weil dadurch die eigentliche Liebe gereinigt werde. (DH 2228)
Solche Grobheiten kommen bei Mme de Guyon und
dem frühen Fénelon nicht mehr vor. Das vagabundierende Ich wird bei ihnen in
die Zucht genommen, damit es nicht mehr etwas für sich begehrt und beliebige
Dinge besitzen will, sondern damit es nichts mehr will und seinen Willen in
Gott aufgibt. Der Semi-Quietismus lehrt die Ergebenheit in den Willen
Gottes als Untätigkeit des eigenen Willens, für sich selbst noch etwas zu wollen.
Für Mme de Guyon ist jede Bitte, die das Ich
für sich selbst ausspricht, der Ausdruck eines Eigeninteresses, das im
Widerspruch zur reinen Liebe steht. Bossuet ist entsetzt. Er unterzieht Frau
von Guyon und ihre Lehre einem strengen Verhör:
"Wie, sagte ich ihr, Sie können nichts für sich
erbitten? Nein, antwortete sie, ich kann es nicht. ... Ich sagte ihr: Wie, Sie
können Gott nicht um Vergebung Ihrer Sünden bitten? Nein, antwortete sie. Also,
sprach ich sogleich, ich, den Sie zum Richter über ihr Gebet gewählt haben, ich
befehle Ihnen, Gott befiehlt Ihnen durch meinen Mund, mir nachzusprechen: Mein
Gott, ich bitte Euch um Vergebung meiner Sünden. Ich kann zwar, sagte sie,
diese Worte wiederholen; aber deren Sinn (sentiment) in mein Herz eintreten
zu lassen, das ist gegen mein Gebet."[4]
Daß ist nicht ganz so edel und gefahrlos gesagt, wie die
Worte der Frau klingen. Der Wille zur Selbstlosigkeit ist zwar gut, aber es
folgt daraus nicht notwendig auch die Selbstlosigkeit. Mme de Guyon
preist die neu gewonnene Natürlichkeit der Seele durch das Abfallen aller und
selbst der wichtigsten Interessen. Aber was bei ihr eine reine, selbstlose
Nächstenliebe geweckt hat, erweckt sie noch lange nicht bei allen, die von
solchen Lehren hören. Wenn sie der Seele schließlich erlaubt, jeder Eingebung
nachzugeben, ohne sich darüber Sorgen zu machen, ohne etwas zu denken, ohne zu
wollen oder zu wählen, so bewirkt das bei ihr selbst die grenzenlose Hingabe
ihres Vermögens, aber bei den meisten Hörern solcher Worte die Aufforderung zum
grenzenlosen Genuß des Vermögens.[5]
Fénelon ist von der Seelengröße der Frau beeindruckt.
Auch wenn er skeptisch auf ihre Schriften schaut, übernimmt er ihren Geist der
Großmut und wendet ihn in seiner geistlichen Leitung an: Nichts mehr zu
wollen oder nichts mehr für sich selbst zu wollen, das gibt ihm, der einen zur
Trockenheit neigenden Geist besitzt, einen neuen Schwung. Fénelon ist
leidenschaftlicher Cartesianer, leidet aber unter den endlosen Reflexionen
dieser Denkart, die zu einem frischen Entschluß untüchtig machen. Jetzt wird sie
abgelöst durch den Geist der Kindschaft, den Esprit d‘enfance, den
Fénelon bei sich und seinen Schützlingen zu erzeugen sucht, um die
beunruhigende Ich-Zentrierung, die alle Geister der Neuzeit beherrscht, zu
dämpfen. Der kindliche Geist dagegen hat eine Tendenz, die klösterlichen
Regeln und die geistlichen Übungen mit dem Ernst zu behandeln, der Kindern
eigen ist, also bei grundsätzlicher Ergebenheit etwas vom eigenen Willen
beizumischen. Der Übermut kann sogar, wenn er recht verstanden wird, einen
gesteigerten Gehorsam bedeuten, da er darauf verzichtet, die eigene
Linientreue zu genießen. Jedenfalls ist er das Ende der Reflexion. Der Übermut
ist zwar nicht angezielt, nur die kindliche Ergebenheit ist gewollt, aber der
Geist der Kindheit zeigt eben auch die andere Seite.
Die europaweite Querele nimmt ihren Ausgang 1693 als
leichte Störung des Klosterfriedens von Saint‑Cyr, wo eine geistvolle
Stiftsdame aus Lothringen, Mme de la Maisonfort, lebt.
„Jung, liebreich, kapriziös und von äußerster Anmut, ist
sie eine von jenen Personen, die Mme de Maintenon nicht lange
ertragen konnte. Die Explosion erfolgte zum großen Ärger der Schulmeisterin.
In den zurückhaltenden Erinnerungen der Stiftsdamen ist dieses Ereignis
begleitet von einer ganzen Serie schrecklicher Dinge. Was war in Wirklichkeit
geschehen? Zwei oder drei, sicher etwas lebhafte, aber doch nur flüchtige
Ausfälle Mme de la Maisonforts, ‑ zwei verletzende Worte an
die Adresse einer der strengeren Damen, die Lacher auf der Seite des Charmes, ‑
die Regel für einige Sekunden erschüttert, ‑ kurz ein Sturm im
Wasserglas! Ganz sicher hatte die reine Liebe mit diesen Kloster‑Fehltritten
nichts zu tun.“[6]
Es bleibt wunderlich zu sehen, welch kleiner Windhauch
den großen Sturm ausgelöst hat. Aber wenn eine Lage instabil geworden ist,
kann eine winzige Störung zum Anlaß werden für eine große Wirkung. Das gilt
für meteorologische wie für geistige Wetterlagen. Man hat die Wahl, die Ursache
für den Eklat mehr in äußeren politischen Gründen zu suchen, etwa im Ruhm
Frankreichs und seines Sonnenkönigs, in Interessen der Kirche oder bestimmter
gallikanisch gesinnter Abbés, oder in einem geistigen Konflikt, in dem es um
das geht, von dem die Rede ist, um die reine, interessenlose Liebe als die
größere Wahrheit. Bei solcher Sicht rückt das taktische Gerangel um den Einfluß
und den Sieg einer Idee an die zweite Stelle und wird zum zufälligen Rahmen
eines notwendigen Konfliktes. Es scheint mir sinnvoll, diesen Weg zu gehen,
denn der bloße Ideologieverdacht steht auf schwachen Füßen. Er hat zu kurze
Beine und zu trübe Augen, um tiefer schauen zu können als bis auf die Stirn des
anderen. Er sieht immer nur Interessen, und bekämpft in den fremden
durchschauten seine eigenen undurchschauten. Was kann Ideologiekritik hier
helfen? Fénelon war von Bossuet und Ludwig XIV. in wichtige Ämter berufen
worden. Wenn es ihm um seine Karriere gegangen wäre, wieso hätte er sich sein
Ansehen mit der Theorie von der reinen Liebe verscherzen sollen? Nur wer die
Praxis der reinen Liebe übt, kann die Querele um die Theorie der reinen Liebe
aushalten.
Die Klosteraffäre zog weitere Kreise. Mme de
Maintenon wandte sich an Bossuet, den Bischof von Meaux, um Rat und Urteil
von ihm einzuholen. Fénelon hörte davon und wünschte wohl die Wogen geglättet
zu sehen, die sich aufzutürmen begannen, vor allem aber mochte er den Verdacht
dämpfen, daß die kleine Disziplinlosigkeit eine Folge quietistischer Praxis
und seiner Lehre von der reinen Liebe wäre. Bisher war der Bischof von Meaux
mit der Mystik kaum in Berührung gekommen, noch weniger kannte er Mme
de Guyon. Beraten von Fénelon, hatte sie sich bereit erklärt, ihre Schriften
prüfen zu lassen. Sie ließ Bossuet zwei Schriften zukommen, im September
1693 die Torrents und im Januar 1694 die Apocalypse. Fénelon
mochte gehofft haben, durch ein günstiges Urteil des in Frankreich einflußreichen
Theologen, seines bisherigen Mentors, den Boden für eine geistliche
Erneuerung Franreichs bereiten zu können. Darin sollte er sich schwer getäuscht
haben! Der Bischof von Meaux war mit einem Urteil in dieser Sache sofort zur
Stelle: Die Frau ist auf einem Irrweg und droht, auch Fénelon zu verwirren! Mit
ihm aber ist der ganze Hof und der Duc de Bourgogne in geistiger Gefahr, denn
dieser wird vielleicht einmal der König von Frankreich sein. Die Sache war also
staatswichtig. Für Bossuet stand fest, daß die Frau mit ihren quietistischen
Ideen verstummen mußte. Im März 1694 gab er sein negatives Urteil ab und
tadelte Mme Guyon vor allem wegen ihrer Ansicht über die Passivität
des vollkommenen geistlichen Zustandes, der nach ihm weder mit der Praxis des
Bittgebets noch mit der Übung der christlichen Tugenden vereinbar ist.
Mme Guyon verlangte eine genauere
Untersuchung. Sie fand statt vom Juli 1694 bis März 1695 in Issy, dem Wohnort
des Abbé Tronson, zu dem sich die Bischöfe Bossuet und Noailles begaben. Tronson
war mit den Schriften der Mystiker besser vertraut als die beiden Bischöfe und
machte Einwände, wenn Bossuet sich zu Einseitigkeiten hinreißen ließ.
Fénelon, der als vierter hinzu gezogen wurde, fand dennoch den ersten Entwurf
zu ungenau. Er unterschrieb am 10. März 1695 erst, als vier weitere Artikel
hinzugefügt und einige andere geändert worden waren. Frau Guyon erklärte ebenfalls
ihre Zustimmung und versicherte, sie werde ihre Lehren künftig weder schriftlich
noch mündlich weiter verbreiten. Der Streit schien beigelegt zu sein, und
Fénelon wurde von Bossuet am 10. Juli 1695 zum Erzbischof von Cambrai geweiht.
Die Quelle des Mißtrauens war trotzdem nicht versiegt.
Der Streit schwoll zu neuen Dimensionen an. Bossuet ließ den 34 Artikeln von
Issy aus eigenem Antrieb sieben andere über das passive Gebet und eine Instruktion
über Gebetsweisen folgen. Dabei griff er Mme de Guyon und ihr
Büchlein Moyen court wiederum an. Das war Fénelon zu viel. Er
verweigerte seine Zustimmung zur Instruktion, zumal Mme de Guyon
wenig später, im Dezember 1695, unter Mitwirkung von Bossuet erneut verhaftet
wurde. Der Konflikt war jetzt nicht mehr beizulegen, obwohl die beiden Gegner
in der Doktrin nicht so weit auseinander lagen, wie der Anschein vermuten ließ.
Bossuet mißtraute aber seinem ehemaligen Schüler tief und hatte vielleicht den
Wunsch, ihn wieder für sich zu gewinnen. Mme de Guyon zu verleugnen
war einem Edelmann wie Fénelon nicht möglich, zumal er bedeutende geistliche
Anregungen von ihr erhalten hatte. Wiederholt erklärte er, an dieser Frau
verteidige er ihre reinen Absichten, nicht aber ihre Lehren, die in ihren
Formulierungen anfechtbar seien.
Fénelon verweigerte jegliche Verurteilung der Frau. Im
Juli 1696 erhielt er das Manuskript Bossuets und sandte es mit einer deutlichen
Absage zurück. Er selbst verfaßte im Sommer 1696 während eines Aufenthaltes
in Cambrai seine Explication des Maximes des Saints sur la vie intérieure,
eine dichte, lehrmäßige, aber auch trockene Darstellung seiner Ideen über die
reine Liebe. Die vollkommen uneigennützige Liebe zu Gott ist die mystische
Mitte dieser Spiritualität. Bossuet, der von der Existenz des Werkes erfahren
hatte, wollte die Veröffentlichung verhindern. Aber die Maximes
erschienen schon Anfang Februar 1697, mehr als einen Monat vor Bossuets Instruction
sur les états d'oraison, einem schwachen Werk, in dem Mme
Guyon heftig angegriffen wurde. Bossuet begann nun die öffentliche Meinung
aufzuwiegeln und den König gegen Fénelon, den er des Quietismus beschuldigte,
zu mobilisieren. Fénelon gelang es, von Ludwig XIV. die Erlaubnis zu erwirken,
sich an Rom wenden und die Angelegenheit vor den Heiligen Stuhl bringen zu
dürfen.
Fénelon und Bossuet griffen jetzt kräftig zur Feder und
wechselten zahlreiche Streitschriften, auf eine Relation folgte eine Réponse
und darauf wieder eine Relation zur Réponse. Sechs oder mehr
Antwortstufen für ein wechselndes Publikum lassen sich ausmachen. In einer
Pastoralinstruktion vom 15. September 1697 entwickelte Fénelon seine Ideen auf eine
so zufriedenstellende Art, daß er das Wohlwollen zahlreicher Theologen
gewann. Im April 1698 erkannte Bossuet, daß er auf der Ebene der Lehre nicht
werde siegen können. Seine Umgebung drängt ihn zur Diffamierung. Verblendet
von Rachsucht unternimmt er eine Kampagne, indem er im Juni 1698 eine Relation
sur le quiétisme veröffentlicht, in der kein theologisches Grundproblem
angeschnitten wird, in der aber ausführlich die Gegner verhöhnt und beschimpft
werden. Mit beispielloser Indiskretion macht er Gebrauch von vertraulichen
Mitteilungen. Das Vorgehen erweist sich als wirksam, und mit der Réponse à
la relation vom August 1698 kann Fénelon sich nicht mehr retten.
Innozenz XII., der Bossuet wegen seines Gallikanismus
nicht leiden konnte, machte aus seinen Sympathien für Fénelon keinen Hehl. Überzeugt
von der Rechtgläubigkeit des Erzbischofs von Cambrai und seiner Treue zur
authentischen mystischen Tradition, unternahm er alles, um ihn nicht
verurteilen zu müssen. Er versuchte, Zeit zu gewinnen und die Dinge auf die
lange Bank zu schieben. Die von Bossuet betriebene Verbreitung der Relation
sur le quiétisme in Rom war dem Ansehen Fénelons aber schädlich. Trotzdem
würde Innozenz XII. kaum nachgegeben haben, wenn nicht Ludwig XIV. beharrlich
zugunsten von Bosssuet eingegriffen hätte. Die Ungnade, die Fénelon, seine
Familie und seine Freunde traf, zeigt die Haltung des Königs: Fénelon wurde
auf Lebzeiten vom Hof verbannt, jeder Kontakt mit dem Duc de Bourgogne untersagt.
Kaum verhüllte Drohungen drangen bis nach Rom. Der Papst war alt und ein
Konklave stand in Kürze zu erwarten. Die Kardinäle übten Druck auf Innozenz XII. aus, eine Verurteilung
auszusprechen, und dieser gab unter Bedauern nach. Dem Kardinal Albani, dem
späteren Clemens XI., gelang es jedoch, Bossuet mit dieser Verurteilung die
Stirn zu bieten. Das Breve Cum alias ad apostolatus vom 12. März 1699
war nur das schwache Abbild der geforderten Verurteilung. Es war ein Breve,
während Bossuet eine feierliche Bulle erwartet hatte, dazu trug es die
Klausel motu proprio, für die das französische Parlament gewöhnlich die
Annahme verweigerte. Aus den Maximes wurden zwar 23 Sätze verurteilt,
aber das Wort ,häretisch‘ kam im Breve nicht vor. Die Zensuren blieben mäßig
und nennen die Sätze im einzelnen leichtfertig, anstößig, übel klingend,
fromme Ohren verletzend, in der Praxis verderblich und auch irrig. (DH 2374)
In einem Hirtenbrief
vom 9. April nahm Fénelon die Verurteilung sofort und ohne Einschränkung an,
was Innozenz XII. mit zwei ungewöhnlich lobenden Briefen vom Mai 1699
quittierte. Ebenfalls in einem Brief an Fénelon spricht Kardinal Albani am
12. August 1699 von der allgemeinen Erbauung, die das Verhalten des Erzbischofs
bei den Verständigen bewirkt hat. Er habe die solide Ehre der christlichen
Tugend einem dunstigen Ruhm bei den Unwissenden vorgezogen.[7]
2.
Dogmengeschichte
Um welche philosophische oder theologische Frage geht es
bei dem Streit um die reine Liebe? Ich meine, es läßt sich erkennen, daß die
Vorstellung der reinen Liebe die Lösung einer Bedrängnis ist, in die der
sensible religiöse Mensch der Neuzeit geraten ist. Seit Paulus und noch mehr
seit Augustinus ist zwar gut bekannt, daß der Mensch das Gute nicht aus eigener
Kraft tun kann oder, in der Sprache der Theologie gesprochen, daß der Mensch
nicht durch gute Werke, die er aus sich selbst vollbringt, sondern nur durch
die Gnade Gottes Gerechtigkeit erlangen kann. Denn Gott ist es, der das Wollen
und das Vollbringen bewirkt, noch über den guten Willen hinaus, wie es beim
Apostel heißt. (vgl. Phil 2, 13) Aber daß das Ziel meines Wollens und
Handelns sich aufspalten kann, war früheren Epochen weniger bekannt. In
der Neuzeit tritt die Gottesliebe in Gegensatz zur Selbstliebe, so daß die
Liebe jetzt zwei Ziele haben kann: Entweder Gott oder ich selbst! Daß die
Ehre Gottes auch das Heil des Menschen ist, das eine als das andere, das gilt
der theologischen Tradition bis zur Neuzeit als fraglos gewiß. Die Ehre
Gottes, sagt Irenäus von Lyon, ist der lebendige Mensch, und das Leben des Menschen
ist die Anschauung Gottes.[8]
Nun aber tut sich zwischen dem Interesse für Gott und dem Interesse für sich
selbst ein breiter Graben auf: Entweder das eine - oder das andere!
Die Theologiegeschichte der Neuzeit läßt sich aus diesem
Dilemma verstehen. Die Reformation, die Gnadenstreite, das Autonomieverlangen,
sie alle spalten den Willen auf und machen eine philosophische Vorentscheidung
zu einem theologischen Problem. Die Spaltung der Ziele stiftet unter ihnen eine
Konkurrenz, für die sie dann verschiedene Lösungen anbieten. Der Quietismus
ist einer von vielen Versuchen, dieses Dilemma zu beheben. Er kennt zwar
einige Unterarten, aber seine Grundfigur ist einfach: Ich will nichts mehr
für mich, sondern alles nur noch für Gott. Das ist eine Möglichkeit, den
Frieden zu finden und den Konflikt zwischen der Ehre Gottes und dem Heil des
Menschen beizulegen. Das Heil des Menschen wird gestrichen, mein eigenes
Selbst verlangt nichts mehr für sich. Ich gebe mich auf und kann damit in
keinen Konflikt mehr gelangen, denn mein Heil oder mein Unheil nehme ich als
Willen Gottes an. Der Lohn ist der Friede des Einverstandenseins mit allem
und jedem, was mich selbst betrifft. Die andere Lösung des Konflikts ist die
Revolte oder der Aufruhr, von dem die Neuzeit wesentlich mehr Gebrauch
gemacht hat: Das Selbst versucht sich Raum zu verschaffen gegen die Einengung
durch den anderen in seinen verschiedenen Gestalten, gegen Gott, gegen die
Natur, gegen eine andere Nation. Im Aufstand zeigt sich mein
Nicht-Einverstandensein, deshalb versuche ich meinen Willen durchzusetzen und
dem anderen aufzuerlegen. Der Wille zum Leben, der Wille zum Willen!
"Hundertfünfzig Jahre metaphysischer Revolte und des
Nihilismus sahen beharrlich das gleiche verwüstete Gesicht unter den
verschiedensten Masken wiederkehren, dasjenige des menschlichen Protests.
Aufgelehnt gegen ihr Geschick und dessen Schöpfer, haben alle die Einsamkeit
des Geschöpfes versichert und die Nichtigkeit jeder Moral. Aber alle suchten
zu gleicher Zeit ein rein irdisches Königreich zu errichten, wo das Gesetz
ihrer eigenen Wahl herrschen würde. Als Rivalen des Schöpfers wurden sie
folgerichtig dazu geführt, die Schöpfung auf eigene Rechnung neu zu
machen."[9]
Daß weder Rebellion noch Ergebung das Wesen des Menschen
erschöpfen, wird sich unten zeigen, wenn der Gegensatz des Interesses zwischen
dem Selbst und dem anderen seine Letztbegründung verliert.
Der Verzicht auf jede Rebellion jedenfalls verbindet die
drei hier vorgestellten homines religiosi miteinander: Molinos, Mme
de Guyon und Fénelon, sie wollen quies sein, ruhig. Dennoch ist der
Unterschied zwischen ihnen groß, so daß ein weiter Weg von dem einen zum
anderen führt. Er soll hier in drei Stationen aufgeteilt werden.
Der rigorose Quietismus des Molinos macht aus dem
Verzicht und dem Nicht-Wollen die Beliebigkeit des Ich. Was mit mir passiert,
soll mir gleichgültig sein, ich lasse mich treiben und wehre mich auch gegen
dämonische Einwirkungen nicht. Das hat zum Vorwurf sittlicher Exzesse geführt,
die in der Theorie des Molinos durchaus ihren Platz haben. Denn dem Ich, das
nichts will, was nicht Gott will, kann der Dämon in seiner Gottesliebe scheinbar
nichts anhaben. Der Semi-Quietismus der Frau von Guyon, zu dem auch
wohl der Fénelon der Maximes des Saints zu rechnen ist, bleibt
doppeldeutig. Faktisch ist das Ich dort diszipliniert, weshalb es in diesem
Umkreis auch zu keinen Exzessen gekommen ist, aber der Theorie nach hängt das
Ich in der Luft: Es will nichts mehr für sich, aber für welches Ziel setzt es
seinen Willen ein? Es besitzt einen Willen, aber was tut es damit? Erst im gereinigten
Quietismus, in der Lehre der reinen Liebe, wie Fénelon sie in der späteren
Dissertatio de amore puro dargestellt hat, und die auch niemals
zensuriert worden ist, fällt die Doppeldeutigkeit weg: Das Ich will den Willen
Gottes und darin eingeschlossen will es auch sein eigenes Heil, weil Gott es
will. Die Einheit des Gegensatzes von Gott und Mensch ist wieder gefunden: Von
Natur aus steht der Mensch gegen Gott, aber im Willen kann er in Frieden mit
ihm leben. Es bleibt in diesem Frieden allerdings die Unruhe zurück, daß Gott
auch anders hätte wollen können, daß Gott auch in der Hölle hätte geliebt
werden müssen, wenn er mich dorthin verbannt hätte. Anders wären meine Liebe
und mein Friede unter diesen Umständen nicht echt.
Der rigorose Quietismus des Miguel de Molinos († 1696)
hat eine theoretische und praktische Tendenz zur Entartung. In den
authentischen Schriften des Molinos findet sich der Satz:
"Ijob lästerte, und dennoch sündigte er nicht mit
seinen Lippen; denn es geschah infolge des Zwangs der Dämonen." (DH 2244)
Das ist eine Anspielung auf Ijob 2, 10, allerdings eine
falsche. Denn dort widersteht Ijob den Forderungen seiner Frau, die ihn nach
dem großen Unglück zum Lästern auffordert; er lästert nicht. In einer gewissen
Hinsicht setzt die Indifferenz gegenüber dem Heil des eigenen Ich große
geistliche Energien frei, denn die Sorgen um das ewige und zeitliche Heil
fallen weg. Aber dürfen sie wegfallen? Das Ich ist vorhanden, und es kann nicht
so tun, als sei es in der endlichen Welt nicht in Bewegung. Ein
unkontrolliertes Ich, das seinen dämonischen Taten tatenlos zuschaut, kann
nicht die Lösung sein. Der geistliche Stoizismus muß fast notwendig schlimme
Verbrechen in die Welt setzen. Wenn das Ich durch sein Leben in der Welt so
wenig berührt wird, daß Lästerungen aus dem eigenen Mund ihm keine Bedenken
machen, solange ich sie nur einem Dämon zuschreibe, dann unterdrücke ich die
Zweifel, die mir das Gewissen immer bereitet, ob mein Lebenswandel recht
ist oder nicht.
Der halbe oder Semi-Quietismus der Mme de Guyon
ist über diese Gefahr hinaus. Das Ich wird hier nicht als Adiaphoron
behandelt, das sich im Endlichen nach Belieben tummeln darf, sondern soll von
sich absehen, im Endlichen wie im Unendlichen. Wenn das Ich seine Selbstbehauptung
als Kampf um einen Platz im Sein versteht, wenn es sich im esse halten
will, dann ist diese Selbstbehauptung das Inter-esse des Ich. Davon sagt der
Fénelon der Maximes des Saints, daß im vollkommenen Zustand der Kontemplation
jeder interessierte Beweggrund der Furcht und der Hoffnung verloren geht.
"In diesem höchsten Zustand verliert die Seele
niemals die kindliche Furcht oder Hoffnung der Kinder Gottes, auch wenn sie
jeden interessierten Beweggrund der Hoffnung oder Furcht verliert. - Dans ce
dernier état on ne perd jamais ni la crainte filiale ni l'espérance des enfants
de Dieu, quoiqu'on perd toute motif intéressé de crainte et d'espérance."[10]
Dies ist 1699 als irrig abgewiesen worden, und man muß
zugeben, zu Recht. Die kindliche und die interessierte Hoffnung stehen hier unverbunden
nebeneinander. Wer sich auf diesen Satz beruft, kann das eine über dem anderen
vergessen und sich mit der trockenen Versicherung begnügen, alles gesagt zu
haben. Fénelon ist in seinem Streben nach Vollkommenheit so vorsichtig, sie
nicht als Faktum für sich oder für andere zu behaupten, aber er will das Faktum
auch nicht in eine ferne Zukunft verschieben, weshalb er die Gefahr in Kauf
nimmt, die Hoffnung verschwinden zu lassen. Ein Kämpfer gegen die christliche
Hoffnung zu sein, war deshalb der Hauptvorwurf gegen Fénelon. Er kennt das
brennende Gefühl der Interessen in dieser Welt, ihre scharfe Würze, und er
kennt den geistlichen Frieden im Augenblick des Loslassens. Aber die Wirklichkeit
dieser Erfahrung ist mehr, als der bloße Gegensatz von Interesse und
Desinteresse erfassen kann. Er kann diesen Frieden noch nicht angemessen darstellen.
Deshalb ist die Möglichkeit eines Zustandes der reinen
Liebe unter Ausschluß der Hoffnung und Furcht hier auf Erden mit Recht
abgewiesen worden. Weiter wurden die extremen Formulierungen mißbilligt, daß in
der reinen Liebe das Ich das Opfer seines ewigen Heils bringen könne, wenn
seine Liebe nur ganz rein ist. In diesem reinen Zustand soll die Seele Gott
sogar aus der Hölle heraus lieben können, denn die vollendete Liebe kennt keine
Interessen mehr. So wird der Satz abgelehnt:
"Der Seelenführer kann dann dieser Seele erlauben,
den Verlust ihres eigenen Interesses und der gerechten Verurteilung, die ihr,
wie sie glaubt, von Gott auferlegt wurde, einfach zuzustimmen. - Director tunc
potest huic animae permittere, ut simpliciter acquiescat iacturae sui proprii
interesse et iustae condamnationi, quam sibi a Deo indictam credit." (DH
2362)
Weiter wird abgewiesen, daß die Seele die Möglichkeit
habe, die Erinnerung an Christus für eine Zeit verschwinden zu lassen und die
Übung der christlichen Tugenden aufzuheben. Solche Sätze waren in den Maximes
des Saints zu lesen und erzeugten den Eindruck der Unbalanciertheit
Fénelons, denn er sagt, es sei eine Sünde oder doch eine Unvollkommenheit, sich
um sein eigenes Heil Sorgen zu machen. Alle Aussagen der Maximes haben die
Tendenz, den Gegensatz zwischen meinem und dem Interesse des anderen aufzulösen
durch Auslöschung meines endlichen und unendlichen Lebens vor Gott. Die
Kirche hat Fénelon schließlich Unrecht gegeben, obwohl er sich stark bemüht
hatte, seine Rechtgläubigkeit zu verteidigen. Er unterwarf sich und gab nicht
nur zu, daß einige Sätze der Maximes mißverständlich, sondern daß sie
falsch sind, weil sie gar nicht anders verstanden werden können, als die
Zensoren sie verstanden haben. Der Mißgriff Fénelons, so meine Vermutung,
ist die Übertragung des Interessenkampfes, der in der Welt herrscht, auf Gott.
Es ist unter solchen Voraussetzungen zwar edel, auf den eigenen Platz an der
Sonne zu verzichten, aber was in der Welt edel ist, ist es möglicherweise nicht
mehr vor Gott, denn im Unendlichen sind die Plätze nicht knapp. Also kann ein
Verzicht auf die ewige Seligkeit nicht nur ein Verstoß gegen den Willen Gottes
sein, sondern auch gegen die endliche Natur des Menschen, dessen letzte
Bestimmung in der Welt nicht die Konkurrenz ist.
Eine Lösung wird in der Dissertatio de amore puro
und den späteren Schriften angedeutet, aber meiner Ansicht nach noch nicht
ganz erreicht. Fénelon kann als Schüler der Mystiker die Entzweiung der
Neuzeit verstehen, da sie wesentlich Produkt der christlichen Mystik ist. Bei
ihm treten das konkrete Motiv des Wollens und das Lebensziel des allgemeinen
Willens auseinander: Der individuelle Mensch kann Ziele wollen, die dem
allgemeinen Ziel des Menschseins nicht entsprechen. Das wird als Entfremdung,
als Verzweiflung, als Sünde erlebt! Dieses Problem, das Bossuet nicht
sehen wollte, drängt sich Fénelon auf und verlangt nach einer Lösung. Die
fortgeschrittene Lage der Menschheit zeigt sich als Verzweiflung. Nach Thomas
von Aquin hat die Freundschaft ihre Grundlage in dem Gut, das der eine dem
anderen mitteilt. Wie die Redensart besagt: Kleine Geschenke erhalten die
Freundschaft! Die Freundschaft der Liebe mit Gott aber ist nicht anderes als
das ewige Leben. Fénelon kommentiert:
"Diese Gemeinschaft oder Gesellschaft aber wird vom
heiligen Lehrer nicht als Motiv der Freundschaft bezeichnet, sondern nur als
vorausgesetztes Fundament oder Anlaß, woraus dann die Freundschaft selbst
hervorgeht. - Haec autem communicatio, seu societas, assignatur a sancto
Doctore, non ut motivum amicitiae, sed tantum ut fundamentum praesuppositum,
seu occasio ex qua ipsa amicitia oritur." (III, 421)[11]
Spaltung und Vereinzelung finden sich bei Fénelon
überall. Als Metaphysiker ist er Anhänger des gegen Aristoteles gerichteten
Occasionalismus, nach dem es keine wirkliche Verknüpfung gibt. Jede Ursache
steht einzeln da und stammt von Gott. Die Zusammenhänge zerfallen, Motiv und
Ziel stehen gegeneinander. Der Kampf aller gegen alle oder die Einsamkeit jedes
Einzelnen wird zum Erkennungsmerkmal des neuzeitlichen Menschen. Solche Ontologie
wird von Fénelon voraus gesetzt und angewandt, sie wird zugleich aber von ihm
auch, anders als bei den meisten Occasionalisten, tief bedauert. "O, wie
häßlich ist es, zwei, drei, vier zu sein! - O, qu‘il est vilain d‘être deux,
trois, quatre, etc.!" (VIII, 548) Er nennt sich selbst komplizierter als
eine ganze Diözese.
Nun erscheint die Liebe als geeignete Seelenkraft, die
Entzweiung zu heilen. An erster Stelle steht die Gottesliebe, die in jeder
Liebe vorhanden sein muß, damit aus Egoismus überhaupt Liebe werden kann.
Aber mit ihr beginnt das Elend der Reflexion: Ich will zur Einheit mit Gott
und mit allem Sein gelangen, denn die Einheit ohne zerstörenden Gegensatz ist
Frieden und Heil. Aber wenn ich diese Einheit will, will ich dann Gott? Ich
will ja Gott als Mittel zur Einheit und zu meinem Heil, aber nicht wirklich
Gott um seiner selbst willen. Das heißt, wenn ich die Einheit will, will ich
die Einheit nicht, denn diese ist nur Gott selbst. Ich aber will wegen meines
Heils die Einheit um der Einheit willen, nicht um Gottes willen. Also greife
ich daneben und will nicht die Einheit, gerade weil ich die Einheit will.
Tragischer Riß im Menschen, der das Denken und das Leben mit einem ewig
fortzeugenden Virus infiziert!
"Wenn daher die Seligkeit der exakte Grund jedes
Willensaktes wäre, so könnten wir Gott niemals mehr lieben als uns selbst. -
Itaque si beatitudo esset cujuscumque volitionis praecisa ratio, Deus prae
nobis amari nullatenus unquam posset." (III, 425)
Fénelon zieht die Folgerung: Was mich antreibt, darf
nicht meine Seligkeit sein, sondern der Verzicht darauf. Mit Gott vereint zu
sein, das bewirkt die reine Liebe, denn sie sieht von sich selber ab. Selbst
selig will sie nicht unbedingt sein, das läßt sie dahin gestellt. Die von Bossuet
und wohl auch von der Tradition der Mystik vorausgesetzte Gleichheit von
Einssein (uniri) und Seligsein (beari) mit Gott zerfällt unter den reflektierenden
Bedingungen der Neuzeit.
Zur Überwindung bietet Fénelon die ekstatisch verstandene
Gottesliebe auf. Wenn sich zwei Seiende gegenüber stehen, Gott und das Ich,
und kein Akt des Ich in der Lage ist, vom Ich wegzukommen, dann verbleibt noch
eine letzte Möglichkeit: Das Ich muß sich selbst aufgeben und sein Sein ganz in
das Andere, in Gott hinein legen. Das heißt, es muß aus sich selbst heraus
stehen, ek-stare. In der Ekstase bin ich nicht bei mir, sondern beim
anderen, und kümmere mich nicht mehr um mein Glück oder mein Unglück. Die
Liebe unterscheidet sich damit von den beiden anderen theologischen Tugenden
in der Motivation. Fénelon kann sich auf das Hohelied des Apostels berufen und
auf den Vorrang der Liebe: Für jetzt bleiben diese drei, Glaube, Hoffnung und
Liebe, am größten aber ist die Liebe. (1 Kor 13) Im Glauben und in der Hoffnung
will ich noch etwas für mich, in der reinen Liebe nichts mehr.
Als Kronzeugen für die universale Tradition führt Fénelon
den Alexandriner Klemens an († nach 215). Die Position der falschen Liebe, die
Fénelon zu bekämpfen gedenkt, läßt sich so formulieren: Jede Verbindung, die
der Mensch mit dem Schönen oder dem Guten eingeht, ist ein Begehren, denn die
Liebe möchte ihrem Wesen nach etwas haben, was für sie gut ist. Dagegen wird
Klemens in den Stromateis angeführt:
"Was aber sagt Klemens? 'Diese aber, sagt er, wissen
wie es scheint nicht, was das Göttliche in der Liebe ist. Die Caritas ist
nämlich nicht ein Begehren des Liebenden, sondern sie ist eine wohlwollende und
feste Verbindung etc.' - Quid vero Clemens? 'Sed hi, inquit, ut videtur, nesciunt quod in charitate
divinum est. Non est enim charitas diligentis appetitio, sed est benevola et
firma conjunctio, etc.'" (III, 423)
Nicht Genuß und Begehren, sondern Wohlwollen ist nach Fénelon
der Kern der Liebe. Das Wohlwollen ist eine Bejahung des vorgefundenen
Zustandes, die Bejahung des Anderen. Es verzichtet auf jede Art von Herstellung.
Daher begünstigt die quietistische Haltung die reine Liebe, denn sie ist
zuerst eine Zustimmung zum Anderen. Die Aktivität kommt später. Fénelon war
bestimmt kein träger Mensch, aber seine Aktivität bezieht sich auf Sachangelegenheiten,
bei denen dieses oder jenes zu besorgen war für die schon vorher bejahte
Person. Umgekehrt ist die interessierte Liebe ursprünglich und zuerst aktiv,
weil sie eine Veränderung des jetzigen Zustandes wünscht, um das eigene Interesse
zu befriedigen. Eine solche Liebe ist nicht ekstatisch, sie tritt nicht aus
sich heraus, sondern sendet Boten und Mittler in die Welt hinaus, die
Unterhandlungen mit anderen Interessierten führen, um Konsens und Kompromiß im
Genuß zu erzielen.
Fénelon ist gezwungen, zwei Arten von Seligkeit zu
unterscheiden. Der beseligende Gott wird objektive Seligkeit genannt
(beatitudo obiectiva), die subjektive Seligkeit (beatitudo subiectiva) ist der
Zustand eines endlichen Wesens, das Gott schaut und unsterblich ist. Dabei
kommt die augustinische Formel der fruitio Dei unter die Räder.
Augustinus sagt:
"Seliges Leben bedeutet, sich zu freuen auf Dich,
an Dir, um Deinetwillen, und eine andere Seligkeit gibt es nicht. - Et ipsa
est beata uita, gaudere ad te, de te, propter te: ipsa est et non est
altera." (Conf. 10, 32)
Augustinus denkt nicht daran, die Freude an Gott zu
zerteilen. Es gibt in dieser Freude für ihn den seligen Gott, und zugleich ist
der Mensch, soweit er in Gott ist, mit der gleichen Seligkeit selig, wie Gott
selig ist. Das Elend der nicht abbrechenden Reflexion, das für das neuzeitliche
Bewußtsein kennzeichnend ist, war dem Bischof von Hippo unbekannt. Die Neuzeit
mißtraut dem Motiv der Seligkeit und führt einen Spalt ein, indem sie fragt, ob
sie um Gottes oder um des Menschen willen selig sein will. So hat kein Mensch
vor der Neuzeit gefragt.
Die Unterscheidung zwischen Objekt des Besitzes
(beatitudo obiectiva) und Besitz des Objektes (beatitudo formalis) gewinnt
zentrale Bedeutung. Sie wird durch einen schiefen Blick möglich, der in den
Armen des Glücks entsteht, wenn ich mich frage: Bin ich jetzt wirklich glücklich?
Wer so fragt, ist es im gleichen Augenblick schon nicht mehr. Wer um sein
Glück fürchtet, hat es nicht mehr. Das Glück in der Liebe besteht in der Aufhebung
der Differenz und in der Einigkeit, so daß die beiden nicht mehr zwei sind, sondern
eins.
Der Sündenfall
Adams nimmt bei Fénelon die Gestalt der Reflexion an. Es ist eine Sünde, die
ich nicht mehr ablegen kann, da ich in sie hinein geboren wurde. Wer das
Reflektieren abschafft, schafft es reflektierend ab, das heißt er vermehrt
es. Die Rückkehr ins Paradies ist unmöglich, das Tor geht nur von innen auf.
Die Glückseligkeit muß sich selbst aufheben, sie darf nicht mehr nach Glückseligkeit
streben. Fénelon nennt das den abandon total, die vollkommene
Selbstaufgabe, die das Wesen der reinen Liebe ist. Ich verzichte, wie immer das
möglich sein mag, auf die Reflexion und verlange weder nach Glück noch nach Unglück.
Ich schaue nicht mehr auf mich. Mit dem Primat der Praxis vor der
reflektierenden Theorie wird der Teufelskreis der erbsündlichen Reflexion
durchbrochen. Ich kann handeln, ohne daß ich mir im Bewußtsein den Erfolg oder
den Lohn widerspiegeln muß.
Natürlich weiß Fénelon, daß der Mensch einen Selbsterhaltungstrieb
hat, der ihm vom Schöpfer verliehen ist. Den Indikator dieses Strebens nennt
man üblicherweise Glück. Das instinktive Glücksverlangen will er nicht
ausrotten, aber dieser Trieb kann für ihn nicht das Menschliche des Menschen
ausmachen. Denn Selbsterhaltung betreiben auch Tiere und Pflanzen. Das
Verlangen nach Glück für das eigene Ich kennzeichnet einen breiten Strom der
neuzeitlichen Ethik, den sogenannten Eudämonismus (griechisch: h"
eu2daimon<a, Gl_ckseligkeit). Ihm stellt Fénelon das sittliche Phänomen
als einzigartigen Blitz in der Welt der naturhaften Interessen gegenüber. Ähnlich
haben die Stoiker die Tugend als Selbstzweck gelehrt. Die Ruhe, die sie dabei
erfuhren, kann nicht die Befriedigung über die Leistung der Tugend sein, denn
dann hätten sie nicht um der Tugend, sondern um des Lohnes willen gehandelt und
den Frieden nicht erlangt.
3.
Dogmatik
Der Mangel der beiden streitenden Positionen läßt sich
mit dem Jesus-Logion in Lk 17, 33 deutlich machen:
"Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es
verlieren; wer es dagegen verliert, wird es retten."
In dieser Form wird das Wort am ursprünglichsten sein, da
es die erfüllte Ziellosigkeit im Ziel als Erlösung verkündet. Die Parallelstellen
mit den Zusätzen ,um meinetwillen‘ oder ,um des Evangeliums‘ willen sind schon
wieder dabei, ein Ziel in die absichtslose Handlung zu tragen. Man kann den
beiden Seiten im Streit um die reine Liebe die beiden Satzhälften des
paradoxen Logions zuordnen, und beide werden daran scheitern. Bossuet hört in
seinem naturwüchsigen Drang die eine Hälfte: "Wer sein Leben zu bewahren
sucht,..." und läßt den Nachsatz weg, "... der wird es
verlieren." Aber auch Fénelon hört nicht alles, er hört nur: "Wer es
dagegen verliert,...", wobei er stehen bleibt, denn der Folgesatz
widerspricht seiner Absichtslosigkeit: "... der wird es retten."
Der Streit zwischen Bossuet und Fénelon läßt sich als
Versuch verstehen, dem Paradox zu entgehen und die Liebe ohne logischen Dreh
sagbar zu halten. Eine schwierige Aufgabe! Denn die Liebe sagt zwar Ja, sie
weiß aber nie genau, ob sie das Ja zu sich selbst spricht oder zum anderen. Das
erste tut sie von Natur aus, und das macht ihr Unruhe, das zweite gibt sie vor
aus Verantwortung, und das verspricht ihr den Frieden. Die Reflexion der
erfahrenen Liebe ist niemals rein: Bossuet will sie rechtfertigen, Fénelon will
sie rein machen. Dabei ist Fénelon dem paradoxen Wesen näher auf der Spur als
Bossuet, weil er die Gottesliebe selbst noch am Gegenort der Liebe, in der Hölle
festzuhalten sucht. Das Anstößige der Formulierung, das die frommen Ohren
verletzt, weist auf eine verborgene Unwahrheit oder, vielleicht besser gesagt,
auf eine für lösbar gehaltene Unlösbarkeit hin. Das paradoxe Jesus-Wort hebt
einen Konflikt des Menschen in der endlichen Natur ins Wort, dem nicht zu
entgehen ist: Wenn der Mensch sich nicht wehrt und nicht um sein Leben kämpft,
wird er keinen Platz an der Sonne erhalten. Wenn er sich aber wehrt, wenn er kämpft
und sich behauptet, so hat er keine ungeschmälerte Freude an seinem Platz,
denn Arbeit und Sorge für das eroberte Glück zehren es zum großen Teil auf, ja
sie verschlingen es über alles Maß, so daß am Ende des natürlichen Lebens das
Gegenteil des Ziels erreicht ist, der Tod. Daher die große Unzufriedenheit im
Glück. Das irdische Glück ist der Gradmesser der Entfernung vom Tod, es wiegt
das Ich in Sicherheit durch weite Entfernung von seinen Grenzen, aber eines
Tages sind sie da, und weil der Mensch das in jedem Augenblick weiß, ist der
Tod immer anwesend.
Die Lösung dieses Dilemmas kann natürlich nur Gott sein,
weil nur im Unendlichen der Zwang zur Konkurrenz wegfällt. Das Wegfallen ist
von Fénelon ungenügend erkannt worden. Er hat diesen Frieden zwar in hohem
Maße erfahren, aber er stellt ihn mit unzureichenden Mitteln dar und kann auch
nicht anders.
"Die Preisgabe aller unruhigen und interessierten
Rücksichten auf sich selbst versetzt die Seele in einen unerklärlichen Frieden
und eine unfaßbare Freiheit. Und
das ist die Einfachheit. - Le retranchement des retours inquiets et intéressés
sur soi met l‘âme dans une paix et dans une liberté inexplicable: c‘est la
simplicité." (VI, 155)
Trotz dieser starken Erfahrung des Friedens überträgt er
die Konkurrenz des Endlichen auf die Unendlichkeit, ganz ohne Not, oder
doch nur gezwungen durch das Vorurteil einer Epoche. Die Neuzeit zwang noch
Gott selbst unter die Vorstellung konkurrierender Subjekte, und diesem Zwang
ist Fénelon erlegen. Insofern hat die Entscheidung von 1699 nicht seine
unmittelbaren Absichten der reinen Liebe verurteilt, sondern das Amalgam der
Neuzeit, das er nicht auszustoßen vermocht hatte. Zurecht war dem Papst
Innozenz XII. so unwohl bei der Verurteilung, daß er sie am liebsten sine
die verschoben hätte, wie auch die untersuchende Kommission völlig
gespalten war.
Die großen Streite der Theologie der Neuzeit von Luther
bis Fénelon waren Gnadenstreite, ausgelöst durch die Konkurrenz der Subjekte.
Sie alle sind ungelöst geblieben. Die Bruchstellen des Konflikts liegen allerdings
an verschiedenen Stellen. Fénelons Bereitschaft zur Unterwerfung hat die Kirche
vor Spaltung bewahrt, aber damit den Geist der Zeit zum Verlassen der Kirche
genötigt. Luther fand diese Bereitschaft nicht, er hat den Geist der Zeit in
die Kirche eingelassen und sie damit gespalten. Schmerzlos ist beides nicht,
aber Fénelons Edelmut ist doch vorzuziehen.
[1] Robert Spaemann:
Reflexion und Spontaneität. Studien über Fénelon. Stuttgart:
Cotta, (11963) 11990.‑ 366 S.; 13.
[2] Brief vom 12. Mai 1699: "Summopere
laetati sumus." In: Jean Orcibal
(Hrsg.): Correspondance de Fénelon. Bd. 8. La Condamnation des Maximes des Saints. Juin 1698 - mai 1699.
Genève: Droz, 1987. - 584 S.; 558.
[3] "Le Pape dans le fort de sa maladie et
dans le temps qu'il n'était pas sans scrupule sur la conduite qu'il avait tenue
dans l'affaire de M. de Cambrai... par rapport à sa personne, avait jeté des
mots très forts, qui pouvaient faire croire qu'il avait l'intention de le nommer
pour un des deux cardinaux qu'il avait réservés in petto." Jean Orcibal (Hrsg.): Correspondance de
Fénelon. Bd. 11. Fénelon dans la retraite. Juin 1699 - décembre 1702.
Commentaire. Genève: Droz, 1989. - 303 S.; 282. Vgl. auch
Louis Cognet: Die
Führungsstellung Frankreichs. In: HKG V, 3 - 119; 104.
[4] Jacques-Bénigne Bossuet: Relation sur le quiétisme. In: ders.: Oeuvres complètes. Hrsg. v. F.
Lachat. Bd. 20. Paris: Vivès, 1964, 99.
[5] "Cette vie est rendue comme naturelle, et
l'âme agit comme naturellement. Elle se laisse aller à tout ce qui l'entraine,
sans se mettre en peine de rien, sans
rien penser; vouloir, ou choisir; mais demeure contente, sans soin ni souci d'elle,
n'y pensant plus, ne distinguant plus son intérieur pour en parler." Jeanne-Marie
Bouvier de la Mothe-Guyon: Les
Torrents spirituels. In: Dies.:
Les opuscules spirituels. (1720). Nachdruck: Hildesheim u.a.:
Olms, 1978; 232.
[6] Henri Bremond:
Apologie pour Fénelon. Paris: Perrin, 1910, 71.
[7] "... non nisi maximam universae Ecclesiae
aedificationem peperit, tuoque etiam nomini plurimam apud sapientes laudem
comparavit, cum solidum christianae virtutis honorem, quae in nostri victoria
sita est, inani apud vulgus gloriolae fuco praetulisti." Jean Orcibal (Hrsg.): Correspondance de
Fénelon. Bd. 10. Fénelon dans la retraite. Juin 1699 - décembre 1702.
Genève: Droz, 1989. - 332 S.; 19.
[8] Irenäus
von Lyon: Adversus haereses. IV, 20, 7.
[9] Albert Camus:
Der Mensch in der Revolte. Essays.
Hamburg: Rowohlt, (frz. 1951) 1991 (ro 1216).- 250 S.; 83.
[10] Explication des Maximes. Art. 2. Vgl.
DH 2352. Auch in: François de Fenelon:
Oeuvres. Éd. établi par Jacques Le Brun. Paris: Gallimard, 1983;
(Bibliothèque de la Pléiade; 307).- 1637 S.; 1015.
[11] Zitate nach.: Oeuvres complètes de Fénelon,
archéveque de Cambrai (Edition de Saint Sulpice). 10 Bde. Paris u. a., 1848
- 1852. Photomechanischer Nachdruck. Genf, 1971.