Die Gottesfremde bei Mechthild von Magdeburg
Integration einer leidvollen Erfahrung und deren
sozialgeschichtliche Bezüge
von Andreas Keul
Kurzinhalt - Summary:
Wie läßt sich eine tiefe spirituelle Krise überwinden?
Auf diese auch psychologische Frage findet Mechthild von Magdeburg eine ebenso
persönliche wie zeitlose Antwort, indem sie die Erfahrung der Gottesfremde als
Gnade Gottes und Teil ihres persönlichen Weges zu Gott annimmt. Diese
Erfahrung, die sie sehr vielschichtig behandelt, ist darüber hinaus Ausgangspunkt
ihrer Kritik an den für sie schmerzhaften Mißständen in Kirche und
Gesellschaft. Mechthild, die ihren an sich schon konfliktträchtigen, aber durch
weitgehende Freiheit gekennzeichneten Status als Begine vermutlich selbst
gewählt hat, bringt in ihrer Kritik vor allem auch ihr Verantwortungsbewußtsein
für die ihr heilige Kirche zum Ausdruck.
How to overcome a deep
spiritual crisis? This question which includes some psychological aspects is answered
by Mechthild of Magdeburg in a both
personal and timeless way by accepting the experience of the absense of God as
a grace and part of her personal way to God. This experience, described in a
complex way, is also the starting-point of her criticism of conditions in the
church and the society, which offend her. Mechthild, who has probably
voluntarily chosen the state as a beguine, which allows individual freedom but
also has a potential to cause conflicts, reveals in her criticism her sense of
responsibility for the church, which she regards as holy.
Mechthild von Magdeburg kennen wir durch ihr einziges
überliefertes und vergleichsweise wenig rezipiertes Werk „Das fließende Licht
der Gottheit“.[1] In dem
auch literarisch wertvollen Text aus dem 13. Jahrhundert, der als das „älteste
und niveauvollste Visionsbuch deutscher Sprache“[2]
und als „bedeutendstes Frühwerk der deutschen Mystik“ [3]
bezeichnet wird, gibt sie ein außerordentlich anschauliches und lebendiges
Zeugnis ihres mystischen Erlebens. Sie beschreibt darin - neben vielem
anderen - sowohl Zustände ekstatischer Vereinigung mit Gott, der unio
mystica, als auch, im Gegensatz dazu, Erlebnisse der Gottesfremde. Letztere
sind der Gegenstand der vorliegenden Arbeit, in der der Versuch unternommen
wird, der Erfahrung der Gottesfremde unter zwei Hauptgesichtspunkten näher zu
kommen.
Zum einen wird die Gottesfremde als persönliche Erfahrung
Mechthilds beleuchtet. Untersuchungsgegenstände sind insbesondere: Qualität und
Zeitpunkte dieser Erfahrung, Mechthilds Motivation, diese Erfahrung
mitzuteilen, die für die Gottesfremde verwendeten Bilder und Erklärungen sowie
Mechthilds Weise, mit dieser Erfahrung umzugehen. Der letzte Aspekt, der von
Mechthild sehr differenziert behandelt wird und der wohl als zeitlos und
besonders wertvoll eingeschätzt werden kann, ist ein Schwerpunkt dieses
Abschnitts. Da uns kaum Quellen über Mechthild vorliegen, stützt sich die
Untersuchung im wesentlichen auf „das fließende Licht“ sowie entsprechende
Sekundärliteratur unseres Jahrhunderts. Die dabei nicht auszuräumende
methodische Schwierigkeit liegt darin begründet, daß die wissenschaftliche
Analyse bekannterweise ein nur bedingt geeignetes Instrument ist, mystischen
Erfahrungen gerecht zu werden; daher werden vergleichsweise viele Zitate
angegeben.
Zum anderen wird - nach diesem Blick auf die
Gottesfremde, der im wesentlichen quasi von innen heraus erfolgt - die
Gottesfremde unter sozialgeschichtlichen Gesichtspunkten untersucht.
Mechthilds Mystik bleibt nämlich keinesfalls weltfern. Die Erfahrungen der
Gottesfremde veranlassen Mechthild, eine Begine, zu offener Kritik an Zuständen
in Kirche und Gesellschaft ihrer Zeit. Diese Kritik wird kurz dargestellt und
mit der Stellung Mechthilds, insbesondere auch als Begine, in und zu Kirche und
Gesellschaft in Beziehung gesetzt. Neben den kritischen Textstellen im
„fließenden Licht“ wird dabei vor allem auf die aktuelle Forschung zur Beginenbewegung
zurückgegriffen.
1 Die
Gottesfremde als biographisches Phänomen bei Mechthild und als Topos
Zunächst soll die Gottesfremde als Phänomen vorgestellt
werden. Sie ist ein Zustand, von dessen unmittelbarer Erfahrung Mechthild an
verschiedenen Stellen ihres Werkes berichtet. Hier ein Beispiel:
„O göttliche Liebe, wie soll ichs geduldig ertragen,
willst du dich entfremdet mir versagen.
Liebe, des bin ich wonnevoll himmlisch hochgemut,
daß mir Deine Fremde so wohl tut.“[4]
An diesem Zitat lassen sich zwei Charakteristika der
Gottesfremde erkennen. Gott, hier wirkend durch seine Liebe, wird als abwesend,
entfernt, entfremdet empfunden. Da Entfremdung einen Prozeß bezeichnet, muß der
Fremde also einerseits ein Zustand der Gottesnähe vorausgegangen sein.
Andererseits ist die Gottesfremde vor allem auch eine zunächst paradox
erscheinende Erfahrung: Sie wird als schwer zu ertragen und zugleich auch als
wohltuend empfunden. Dieser Widerspruch erfährt, um es mit einem Begriff der
Hegelschen Dialektik auszudrücken, eine Synthese, welche unter dem Stichwort
„Integration“ weiter unten ausführlich erläutert wird.
Die Gottesfremde, die Mechthild in abgestufter Intensität
erlebt, tritt zu unterschiedlichen Zeiten in Mechthilds Leben auf. Zum einen
gibt es Hinweise darauf, daß sich Zustände der unio mystica und der
Gottesfremde abwechseln.[5]
Da man - auch wenn man zum Vergleich die Erfahrungen anderer Mystiker
heranzieht - davon ausgehen kann, daß Mechthilds wiederkehrende Ekstasen, die
von einer Abwesenheit der Sinne gekennzeichnet sind [6],
nicht ganze Lebensphasen angedauert haben, und jedes Ende der Ekstase zumindest
die Gottesfremde in einer schwachen Abstufung zur Folge hat, kann man von einer
Art Oszillation zwischen diesen Zuständen sprechen. Zum anderen beschreibt sie
jedoch auch zwei Lebensphasen, die durch Gottesfremde gekennzeichnet sind. Die
erste tiefe Krise tritt nach acht von Wundern gekennzeichneten Jahren auf.[7]
Da Mechthild mit zwölf Jahren zum ersten Mal „vom Heiligen Geiste gegrüßt“ wird[8],
fällt diese Krise wohl in das zwanzigste Lebensjahr. Man kann allerdings nicht
sicher sein, ob diese Angabe streng autobiographisch gemeint ist, da ja in der
mittelalterlichen christlichen Literatur Zahlen oft eine symbolische Bedeutung
zukommt[9].
Die zweite Krise läßt sich noch weniger datieren und scheint gegen Ende ihres
Lebens eingetreten zu sein.[10]
Die Gottesfremde ist keine Erfahrung, die auf Mechthilds
Biographie beschränkt bleibt, vielmehr handelt es sich um einen Topos, der allerdings
in Mechthilds Mystik eine herausgehobene Stellung einnimmt. Neben
entsprechenden biblischen Fundstellen[11]
wäre z. B. auf Plotin hinzuweisen, der diese Erfahrung thematisiert und erklärt,
indem er Platon interpretiert[12],
und auch Meister Eckhart wird später eine Predigt verfassen, die u. a. den
Umgang mit Dunkelheit und Entfremdung zum Gegenstand hat.[13]
Diese Beispiele sind natürlich keinesfalls abschließend.[14]
2 Die Gottesfremde - bildhaft dargestellte
Kontrasterfahrung zur Nähe Gottes
Die Zustände der Gottesfremde lassen sich nicht isoliert
von Zuständen der Nähe zu Gott verstehen, mit denen sie abwechseln. Wie auch
die Gottesfremde werden Zustände der Nähe Mechthilds zu Gott in Abstufungen und
wortreich dargestellt. So wird beispielsweise die Nähe Gottes z. T. als Liebe
wahrgenommen, z. T., wie aus dem Titel des Werkes hervorgeht, als fließendes
Licht der Gottheit „in alle Herzen, die da leben ohne Falschheit“[15].
Mechthild berichtet vor allem aber auch von gesteigerten Zuständen tiefster
Vereinigung mit Gott, der unio mystica; sie erfährt Gott hier nicht mehr als
transzendent, sondern immanent:
„Ich bin in dir, du bist in mir,
wir können einander nicht näher sein,
denn wir sind beide in eins geflossen
und sind in eine Form gegossen
...“[16]
Mechthild ist, wie bereits ausgeführt, eine Ekstatikerin,
also während ihrer Erlebnisse derart ergriffen, daß sie die Umwelt nicht mehr
wahrnimmt, ja ihrer nicht einmal mehr bewußt ist. Führen wir uns vor Augen, daß
Mechthild einen immanenten Gott erfährt und ekstatisch ergriffen ist, so wird
unmittelbar verständlich, daß das Verlassen dieses beglückenden Zustands, die
Erfahrung der Gottesfremde, als schmerzhaft und zunächst weniger erstrebenswert
erfahren wird:
„... ewige Entfernung von Dir und - o wehe - mir! Eia,
Lieb vor allem Lieb, zieh´ mich wieder in dich!“[17]
Es wird auch verständlich, daß sie so viele Bilder
gebraucht, um den Zustand zu beschreiben, und warum es ihr am Herzen liegt,
Erklärungen dafür anzugeben. Verständlich auch, daß die Gottesfremde Folgen für
Mechthild hat und sie bemüht ist, Wege und Einstellungen zu finden, mit diesem
Zustand angemessen umzugehen.
Mechthilds Bilder zur Beschreibung der Gottesfremde sind
vielfältig, sie zeigen die Reichhaltigkeit ihrer Sprache. Die Gottesfremde wird
beschrieben als Zustand der Verlassenheit (auch der Braut vom Geliebten)[18],
Trostlosigkeit, Finsternis, Nacht, Kühle, großer Armut, des Verachtetseins, der
Entfernung vom Herrn und als Prozeß des Erfrierens, Sinkens, Abstürzens[19].
Die Bilder spiegeln die vielen Dimensionen der Entfremdungserfahrung wieder;
diese ist eine soziale, geistige, religiöse und körperhaft-existentielle[20].
3 Die
Ursachen für die Gottesfremde
Mechthild führt drei Erklärungsebenen für die
Gottesfremde ein, eine theologische, eine moralische und eine, die sich als
naturgesetzlich bezeichnen läßt. Theologisch wird die Erfahrung der
Gottesfremde durch den Sündenfall erklärt[21].
Die Menschen haben ihre paradiesische Unschuld verloren und sind nicht mehr per
se bei Gott. Durch die Auferstehung Christi ist den Menschen die Vereinigung
allerdings wieder möglich. Entfremdung ist auch eine Form der Nachfolge
Christi. So wie Jesus auf Erden gelitten hat, leidet nun auch der Mensch[22].
Abgesehen von der Erbschuld, Ausgangspunkt für die
theologische Erklärung, verursacht das (damit natürlich zusammenhängende)
sündige Verhalten des Menschen, mit Mechthilds Worten der Sündenmakel,
Entfremdung[23]. Dies
gilt insbesondere auch für unnütze Gedanken, mit denen der Mensch sein Herz,
gleich einem Gefäß, verstopfen kann, und das somit dem immer und mühelos
fließenden Brunnen Gottes verschlossen bleibt.[24]
Schließlich beschreibt Mechthild die Entfremdung als Teil
eines naturgesetzlichen Prozesses. Gottes Abwesenheit wird als ein
Kühlungsprozeß verstanden, nachdem die Ekstase vorüber ist.[25]
Die Seele, in der Hitze der glühenden Liebe entflammt und ohnmächtig, beginnt
wie die Sonne nach Mittag herabzusinken und zu erkalten, wie ein Pilger, der
einen Berg im Sturm erstieg und nun vorsichtig tastend wieder hinabsteigt. Das
Bild von der auf- und niedergehenden Sonne verweist auf einen natürlichen
Kreislauf, eine Vorstellung, die - auch in bezug auf die Entwicklung eines
Menschen - unserem zeitgenössischen linearen Fortschrittsdenken (Fortschritt
als nicht zirkuläre Bewegung in eine, ausgezeichnete Richtung) recht fremd ist.
4 Die
Gottesfremde aus psychologischer Sicht
Geht man davon aus, daß es sich bei den zentralen
mystischen Erfahrungen wie z. B. der unio mystica nicht um rein zeit- oder
kulturgebundene handelt[26],
sondern daß diese zumindest im Kern vergleichbar sind, erscheint es sinnvoll,
diese Erfahrungen auch als psychologisches Phänomen mit Methoden der
Psychologie unseres Kulturkreises, die allerdings als eigenständige
Wissenschaft nur etwa ein Jahrhundert jung ist, zu untersuchen. Diese beurteilt
jedoch im Ergebnis in aller Regel solche Erfahrungen entweder als
Selbsttäuschung, Täuschung, Scharlatanerie oder wohlwollender als rein
subjektiv und wissenschaftlicher Forschung nicht zugänglich.[27]
Eine ablehnende Haltung derartigen Gegenständen gegenüber ist schon bei Freud
zu verzeichnen.[28] Ein
sog. „ozeanisches Gefühl“, erläutert als ein Gefühl der unauflösbaren
Verbundenheit, der Zusammengehörigkeit mit dem Ganzen der Außenwelt und eine
Empfindung von Ewigkeit, erkannte Freud immerhin als vermutlich bei vielen
Menschen existierend an, führte es aber darauf zurück, daß bei manchen
Erwachsenen z. T. noch ein infantiles Ich-Gefühl vorhanden sei, das Ich-Gefühl
des Säuglings, der die Außenabgrenzung noch nicht gelernt hat. Freud schloß für
sich persönlich die Mystik als schwierigen Forschungsgegenstand bewußt aus.
Immerhin könnte man mit Freud zumindest die Gefühle, die im Wechselspiel von
Gottesfremde und unio mystica aufkommen, erhellen. Nach Freud sind wir nämlich
so eingerichtet, „daß wir nur den Kontrast intensiv genießen können, den
Zustand nur sehr wenig“[29].
Man kann bezweifeln, daß es methodisch zulässig ist, die Erkenntnisse eines
Wissenschaftszweiges auf einen Bereich auszudehnen, der an sich ausgeklammert
ist. Wenn wir aber dennoch diese Extrapolation gestatten, werden die negativ
empfundenen Gefühle im Zusammenhang mit der Gottesfremde erklärlich. Sie werden
so zur notwendigen Bedingung dafür, daß intensive mystische Erfahrungen wie die
unio mystica positiv empfunden werden können. Kein Einwand gegen diese These
wäre jedenfalls die Tatsache, daß viele Mystiker die Gottesfremde oder
verwandte Phänomene nicht beschreiben. Möglicherweise hielten sie diese
vergleichsweise „alltäglichen“, negativen Erfahrungen für nicht
beschreibenswert.
Wenn wir die Hauptströmungen der Psychologie verlassen
(die nach wie vor außerordentlich heterogen und für unsere Zwecke natürlich
nicht durchgängig so unergiebig sind wie die Theorien Freuds) finden wir als
eine etwa dreißig Jahre alte Teildisziplin die transpersonale Psychologie vor,
die sich mystischen Erfahrungen als Gegenstand annimmt, deren Ergebnisse
allerdings von der akademischen Profession bislang weitgehend ignoriert werden.[30]
Vielleicht läßt sich mit dem Handwörterbuch der Psychologie annehmen, daß die
Psychologie insgesamt in einer Krise steckt, die durch Ansätze der
transpersonalen Psychologie überwunden werden wird. Die Terminologie des
Handwörterbuchs läßt jedenfalls darauf schließen, daß an eine revolutionäre
Entwicklung im Sinne Kuhns[31]
gedacht ist. Die transpersonale Psychologie ist eine Sammelbezeichnung für sehr
heterogene und sicherlich auch entwicklungsfähige Ansätze, denen es um
Erfahrungen und Erklärungen von Ausdehnung des normalen Ich-Bewußtseins über
die „üblichen Grenzen“, auch die von Zeit und Raum, hinaus geht. Ansatzpunkte
der Untersuchungen sind nicht psychopathologische Zustände, sondern Steigerungsmöglichkeiten
des Wohlbefindens und ganzheitliche Entwicklung, zu der auch Krisen zählen.
Dabei werden auch uralte nicht abendländische Psychologien, die z. T.
hochdifferenzierte Beschreibungs- und Erklärungsmodelle entwickelt haben, mit
einbezogen. Bezogen auf Mechthilds Gottesfremde ist die transpersonale
Sichtweise aus folgendem Grund hilfreich:
„Die Psychologie kann einen außerordentlich wichtigen
Beitrag leisten, indem sie die psychologische Integration des Menschen verstehen
und fördern hilft, so daß er für das Wirken des Göttlichen in ihm wesentlich
aufnahmebereiter wird, als es der nicht integrierte, desintegrierte,
unangepaßte Mensch ist. Damit wird weder das reale Eingreifen Gottes geleugnet,
noch die Bedeutung einer Psychologie der christlichen Mystik überbewertet.“[32]
Wenn wir das einzigartige Werk Mechthilds lesen, erfahren
wir, wie sie die Gottesfremde, eine an sich negative Erfahrung, integriert, d.
h. - was zunächst paradox erscheint - unter positiven Blickwinkeln sieht und
somit zur wertvollen Erfahrung transformiert. Diese Transformation mag auch für
heutige Christen, die sich in Glaubenskrisen befinden, nachvollziehbar,
umsetzbar zu sein. Wiethaus[33]
stellt sehr knapp zwei integrierende Blickwinkel heraus: Erstens wird die
Gottesfremde zum wertvollen, gangbaren mystischen Weg zu spirituellem Wachstum:
„Aber je tiefer ich sinke, desto süßer ich trinke.“[34]
Zum anderen erreicht Mechthild zusätzlich ein Stadium größerer innerer
Freiheit, indem sie sich aus der Abhängigkeit von der ekstatischen
Vereinigungserfahrung löst. Es ist für sie nicht mehr nötig, in der ekstatischen
Vereinigung zu bleiben. Die menschliche Begrenztheit und Unvollkommenheit, die
es nicht ermöglicht, im Zustand der unio mystica zu verweilen, wird als
sinnvoll erfahren, sie befestigt und stärkt Mechthilds Selbst und weist den Weg
zu spiritueller Reife:
„Wenn sich die Seele zum Höchsten erhoben hat, soweit es
ihr widerfahren kann, während sie noch an ihren Leib gebunden ist, und in die
tiefste Tiefe herabgesunken ist, die sie finden kann, dann ist sie an Tugend
und Heiligkeit voll erwachsen.“ [35]
Diesen Gedanken der Integration nachgehend und sie
vertiefend, wird im folgenden näher auf das für die Erfahrung der Gottesfremde
zentrale Kapitel IV, 12[36]
des „fließenden Lichts“ eingegangen.
Zunächst führt die vom Lieben verlassene Braut einen
Dialog mit den Kreaturen[37].
Die Form des Dialogs ist - viel mehr, als ein lehrhafter Monolog es wäre -
geeignet, Einblick in die un-mittelbaren Erfahrungen und Empfindungen
Mechthilds zu bekommen. Die Kreaturen fragen, ob nicht „diese herrliche Welt,
und alles Gute, das sie hat“, die Braut trösten können. Die Braut weist
diesen Trost zurück, denn sie sieht „die Schlingen der trügerischen List in
aller Lust der Welt“. Diese Haltung weltlichen Dingen gegenüber verwundert
nicht, hat Mechthild doch wie jede Begine ein formelles Keuschheitsgelübde
abgelegt und in freiwilliger Armut gelebt. Auch Gott, die Heiligen und Gottes
Sohn können sie nicht trösten, weniger als die Vereinigung mit Gott kann ihr
nicht helfen: „Mir schmeckt nichts, denn alleine Gott; ...“. Schließlich
schickt sie die Kreaturen, Gott zu preisen, „wenn ich unwürdiger Mensch mit
meinen Kräften Gott nicht loben kann“. Das ist Ausdruck ihrer Demut, eine
Variation des Bescheidenheitstopos, da sie ihre Würde und Kraft noch unter
denen der Kreaturen ansiedelt. Sicherlich möchte Mechthild darüber hinaus an
dieser Stelle auch eine tiefe Verbundenheit mit allen Kreaturen, die die
Mystikerin hier in der wichtigen Aufgabe des Lobpreises unterstützen, ja sie
sogar ersetzen, zum Ausdruck bringen.
Hierauf folgt ein Dialog mit dem Herrn selbst. Die Seele
wünscht nun, nicht vom Herrn getröstet zu werden und stürzt sogar „unter die
verdammten Seelen“. Bemerkenswert ist, daß der Herr immer wieder barmherzig
seinen Trost anbietet. Somit trägt die menschliche Seele selbst die
Verantwortung für die Gottesfremde, ergibt sich ihr nicht, sondern wählt sie
sogar, ist nicht ausgeliefert, sondern gestaltet ihren Weg mit. Psychologisch
gesprochen entfaltet die Seele auf diese Weise Stärke in großer Verlassenheit,
ohne jedoch hochmütig zu werden. Mechthild erläutert so die rechte innere
Haltung, mit der Situation der Gottesfremde umzugehen. Selbst jetzt möchte die
Seele noch tiefer sinken. Die folgende Erfahrung der noch tieferen Gottesfremde
kennzeichnet Mechthild mit Finsternis, in der sie Gottes Licht und die
Erkenntnis verliert und von der Vertraulichkeit mit Gott nichts mehr weiß. Was
kann Mechthild in dieser tiefen Krise noch helfen, wo ihre größte, vielleicht
einzige Stütze, der Glaube an Gott, gebrochen ist? Auch hier liefert Mechthild
eine Lösung, die zugleich als Anleitung für Gottsuchende verstanden werden
kann: Die Beständigkeit (vermutlich im Gebet, in der Versenkung, jedenfalls in
der religiösen Praxis) und die Erinnerung an Erlebtes sind in dieser Situation
der Umnachtung die Brücke zu Gott. Die Entfremdung wird jetzt noch weiter
gesteigert, diese Steigerung braucht aber hier nicht weiter diskutiert zu
werden. Wichtig ist, daß die Seele den Bewußtseinszustand der Gottesfremde
nicht geringer schätzt als den der Verzückung („...; denn jetzt verfährt Gott
wunderbar mit mir, da mir seine Entfremdung lieber ist als er selbst.“ [38]),
mit anderen Worten ihn als Gnade Gottes wahrnimmt, ihn in ein vollwertiges
Menschsein integriert. Dies muß zwangsläufig von einer Art höheren (zumindest
aber anderen) Warte als der Gefühlswelt aus geschehen, die ja der Freude gegenüber
dem Leid eindeutig den Vorzug gibt. Von dieser Warte aus ist erkennbar, daß
Gott und Seele ganz unabhängig von der - auch gefühlsmäßigen - Wahrnehmung des
Individuums immer vereint sind: „... wie weit wir auch geschieden seien, wir
könnten doch nicht getrennt werden.“[39]
Die Abhängigkeit des Individuums von Erfahrungen der unio mystica ist
jedenfalls überwunden. Haas (s. Anm. 20, hier: S. 152 f., Anm. 85) weist zu
Recht darauf hin, daß das Drama der Gottesfremde nicht durch das, was in dieser
Arbeit Integration genannt wird, verharmlost werden darf. Das Leben darf nicht
ausschließlich und leichtfertig als Bühne angesehen werden, die vom Zustand,
von der Warte erfolgter Integration beobachtet wird und auf der zwischendurch
die Gottesfremde die unio mystica abgelöst hat. Dies verbietet sich von selbst,
wenn man Mechthilds drastische Worte zum Zustand der Gottesfremde in Betracht
zieht: Mechthild ist ergriffen, sie leidet - zumindest zeitweise - immens unter
der Gottesfremde. Die Integration muß also immer wieder aufs neue erfolgen[40].
Die Finsternis führt letztlich auch zu physischen
Schmerzen[41], die
laut Mechthild, die am Ende ihres Lebens erkrankte und erblindete, denjenigen,
die innerlich gebildet und weise sind, ein Bote zwischen Gott und Seele sein
können. Dies darf jedoch nicht als
grundsätzliche Leibfeindlichkeit Mechthilds gedeutet werden, da sie das Leiden
als von Luzifer geboren (ein Bild, das vielleicht auch an den Zusammenhang von
Geburt und Schmerzen erinnern soll) und damit zweifelsohne negativ beschreibt.
Auch zum Umgang mit physischen Schmerzen finden wir also einen zeitlosen, wenn
auch sicher nicht einfach umzusetzenden Rat.
Die Integration physischer Schmerzen wird natürlich nicht
nur von Mystikern berichtet. Novalis sei zitiert, weil er davon in literarisch
einzigartiger Form schreibt. Am 27. Juli 1800, acht Monate vor seinem Tod,
notiert der an Tuberkulose Erkrankte in sein Tagebuch:
„Ich will nicht klagen mehr, ich will mich froh erheben
Und wohl zufrieden seyn mit meinem Lebenslauf.
Ein einzger Augenblick, wo Gott sich mir gegeben,
Wiegt jahrelange Leiden auf.“[42]
Aber auch Mechthild soll wegen der Unmittelbarkeit und
Schönheit ihrer Sprache, die auch in der Übersetzung noch durchscheint, mit
einem längerem Zitat, dem zentralen, zusammenfassenden Abschluß des Kapitels
IV, 12 zu Wort kommen:
„Eia, selige Gottesfremde,
wie liebreich bin ich mit dir gebunden!
Du festigst meinen Willen in der Pein
und läßt mir das schwere lange Warten in meinem armen
Leibe lieb sein.
Wie immer ich mich näher zu dir geselle,
Gott ist stets größer und wunderbarer auf mich gefallen.
O Herr, in der Tiefe der reinen Demut[[43]]
kann ich Dir nicht entsinken,
o weh, doch im Hochmut kann ich dir leicht entfallen.
Aber je tiefer ich sinke,
desto süßer ich trinke.“
5 Mechthilds Kritik an
Mißständen in Kirche und Gesellschaft
Mechthild kritisiert im „fließenden Licht“ sowohl in der
Kirche als auch in der Gesellschaft ihrer Zeit zutage tretende Mißstände.
Ausgangspunkt der Kritik ist die Gottesfremde, denn die Vertraulichkeit Gottes
sei dieser blutigen Welt etwas Fremdes.[44]
Der Schwerpunkt ihrer Kritik liegt verständlicherweise im geistlichen Bereich [45],
Mißstände hier müssen sie als tiefgläubige Frau besonders schmerzen. Daher
seien zunächst einige diesbezügliche Kritikpunkte genannt.
Mechthild kritisiert einzelne Mängel, so z. B. den
Empfang des Leibes Christi in blinder Gewohnheit durch Beginen, die fehlende
Barmherzigkeit geistlicher Leute gegenüber verlassenen Kranken, den Geiz und
den Bruch des Zölibats durch geistliche Leute[46].
Sie läßt es aber auch an umfassender, summarischer Kritik nicht mangeln und
bezeichnet die Kirche als triefäugig in ihrer Erkenntnis, lahm an ihren Händen,
unrein und unkeusch[47].
Mechthild verwendet z. T. drastische Worte: Domherren werden wegen ihrer
Unkeuschheit als stinkende Böcke bezeichnet[48],
und von der verdorbenen Geistlichkeit weiß Mechthild zu schreiben:
„Weiß jemand auf dem Höllenweg nicht Bescheid,
der besehe sich die verdorbene Geistlichkeit, ...“[49]
Der Zustand der Kirche stellt sich aber nicht ganz so
dramatisch dar, wie es die aufgeführten Fundstellen vermuten lassen könnten:
Der Herr teilt Mechthild mit, daß mehr Angehörige der heiligen Kirche zum
Himmel als zur Hölle fahren[50].
Überhaupt ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, daß Mechthild keinesfalls
die Kirche als Institution ablehnt (im Sinne eines „Jesus: ja, Kirche: nein“),
was Heimbach ausführlich belegt[51].
Die Kritik Mechthilds ist vielmehr Ausdruck ihres ekklesialen
Verantwortungsbewußtseins. Auch ist die Kritik keinesfalls verbittert, denn
Mechthild versteht sich nicht zuletzt auch als liebende Fürbitterin für die
Kirche[52],
die ihr heilig ist (vgl. auch Anm. 99).
Mechthilds gesellschaftliche Kritik bezieht sich
ausnahmslos auf alle Schichten; in der Hölle sieht sie Seelen, die dort um des
Fleisches willen braten, und der Herr erklärt:
„ Sie alle sind zerbrochene Gefäße gewesen und haben auf
Erden das geistliche Leben vergessen. Sie sind von allen Ständen und aus allen
Ländern.“[53]
Vor allem Hochmut[54]
und der Mißbrauch einer Form von Weisheit, der als pharisäerhaft gekennzeichnet
werden kann[55], wird
zum Gegenstand ihrer Kritik an den Laien. Bemerkenswert ist, daß Mechthild von
den Frauen aber nur hohe Fürstinnen in der Hölle sieht[56].
Hiermit gibt sie ihr besonderes Mitgefühl mit den einfachen Frauen zu erkennen
und kritisiert das Leben vieler Fürstinnen. Die heilige Elisabeth von
Thüringen, die nach freiwilliger Armut strebte, dem höfischen Treiben
weitgehend entsagte und sich nach dem Tod ihres Mannes Ludwig IV. in einem von
ihr gestifteten Hospital aufopferungsvoll der Krankenpflege widmete, sieht
Mechthild als Bote Gottes zu den unfrommen, in den Burgen sitzenden Frauen.[57]
Im folgenden wird die Stellung Mechthilds in und damit
auch zu Kirche und Gesellschaft ihrer Zeit unter einigen wichtigen Aspekten
untersucht. Dies ist wichtig, um ihre Kritik an Kirche und Gesellschaft besser
verstehen und bewerten zu können.
6 „Begine“, ein Begriff
mit ketzerischer Implikation?
Mechthild war, wie bereits erwähnt, Begine. Für die
Herkunft des Begriffs „Begine“ gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Bereits
im Mittelalter gab der Begriff Rätsel auf. Matthäus Paris, ein englischer
Benediktiner, äußerte 1243, der Sinn des Namens sei unbekannt und nicht zu
erklären.[58]
Historiographen versuchten, den Namen personengeschichtlich zu deuten und ihn
auf mutmaßliche Gründer der Beginenbewegung, wie die Heilige Begga aus Brabant
(gest. 692) oder den Lütticher Priester Lambert Le Bègue, (gest. 1177) zu
beziehen. Die Annahme erwies sich jedoch als Irrtum; die Heilige Begga lebte
zeitlich viel zu weit entfernt und Lambert stand nur in losem Kontakt zu religiösen
Frauen, die damals noch nicht unter der Bezeichnung Beginen bekannt
waren. Einen einzelnen Gründer oder eine einzelne Gründerin gab es wohl nicht.
Auch ethymologische Erklärungsversuche bewegen sich im
Bereich der Spekulation. Man bemühte sich, den Begriff vom angelsächsischen begge,
d. h. „betteln“, abzuleiten oder ihn auf die beige Kleidung der Beginen zu
beziehen.
Eine für diese Untersuchung nun außerordentliche
interessante Möglichkeit ist die Herleitung vom südfranzösischen Ketzernamen Albigenses.
Es gibt Quellen, in denen die Albingenser unter der Bezeichnung beggini
erwähnt werden. Auch wenn in der Geschichtsforschung z. T. von einer
schlichten Verwechslung ausgegangen wird, hält Weinmann es jedoch für
wahrscheinlich, daß sich die Beginenbewegung diesen Namen, der gleichbedeutend
mit Häresie sei, selbst gegeben habe, daß das Wort von Anfang an mit Ketzerei
in Verbindung gebracht worden sei und sich diese Bedeutung nie ganz verloren
habe[59].
Die katharische Frauenbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts sei für die Beginen
Anknüpfungspunkt gewesen, beide Bewegungen wiesen durchaus Ähnlichkeiten auf.[60]
Denken wir die Vermutung Weinmanns an diesem Punkt
weiter, so können wir vermuten, daß allein der Name „Begine“ eine Provokation
dargestellt hat. Wer sich so nannte, erklärte sich vielleicht mit den
etablierten Glaubensformen nicht einverstanden und stellte allein dadurch schon
eine Herausforderung für die Kirche dar. Es ist jedoch fraglich, ob diese
Überlegungen nicht zu weit führen, da nicht nachzuprüfen ist, inwieweit die
Assoziation mit den katharischen Ketzern beabsichtigt oder den Beteiligten
bewußt war. Mechthild hat sich jedenfalls explizit gegen die Lehren der
Katharer gewandt.[61]
7 Mutmaßliche Motive,
Begine zu werden
Die Beginenbewegung entstand zu Anfang des 13.
Jahrhunderts etwa zeitgleich in verschiedenen Gebieten des mitteleuropäischen
Raumes. Die Beginen führten ein religiöses Leben, gehörten aber keinem der
approbierten Orden an. Damit waren sie einerseits den Beschwerlichkeiten einer
mittelalterlichen Ehe entzogen, ohne jedoch in ihrer Freiheit durch eine
Ordensregel allzustark beschränkt zu sein.
Es gibt im wesentlichen zwei Erklärungsmodelle für die
Entstehung dieser Bewegung.[62]
Die verbreiteste Hypothese, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, geht von einem
„Frauenüberschuß“ (gegenüber Männern) in den mittelalterlichen Städten aus und
behauptet, die Bewegung habe sich aus Frauen zusammengesetzt, die nicht
heiraten konnten und anderweitig Versorgung brauchten. Weinmann bemerkt
kritisch, daß das zur Unterstützung dieser „Versorgungshypothese“ vorgelegte
statistische Material nicht repräsentativ sei und es de facto keinen
„Frauenüberschuß“ gegeben habe. Die sogenannte „Religionshypothese“ wird vor
allem von Grundmann[63]
vertreten. Auch er wendet sich gegen die Versorgungshypothese, schließt
materielle, aber auch politisch-emanzipatorische Gründe der Frauen aus, indem
er ihre Aktivitäten auf einen angeblich für das Weibliche charakteristischen
religiösen Eifer reduziert. Die Frauenklöster des Zisterzienserordens, der
Dominikaner und Franziskaner seien trotz ihrer Größe und Überfüllung nicht in
der Lage gewesen, alle von der religiösen Bewegung ergriffenen Frauen
aufzunehmen. Dem schließt sich Ketsch im Grundsatz an[64].
Weinmann kritisiert beide Modelle mit dem Hinweis, daß sie unhinterfragt
voraussetzen, daß sich Frauen in gegebene gesellschaftliche Zwänge gefügt
hätten. Sie postuliert darüber hinaus, daß sich die mittelalterlichen
Frauenbewegungen durch ein „kollektives Sich-Befreien-Wollen aus etablierten
Strukturen“[65]
auszeichneten. Die Religionshypothese verkenne den hinter dem religiösen
Handeln und Denken liegenden sozialen Sinn. Mit Elm läßt sich jedoch sicherlich
festhalten, daß zumindest hinsichtlich der Motivation deutliche Differenzen
zwischen der heutigen Frauenbewegung und der mittelalterlichen zu verzeichnen
sind[66].
Ein so hohes Maß an Reflektion über die bestehenden Machtverhältnisse zwischen
den Geschlechtern wie heute kann man bei mittelalterlichen Frauen wohl kaum
voraussetzen. Die These eines kollektiven, bewußten Protestes der Beginen ist
daher wohl eher die Projektion neuzeitlicher Vorstellungen auf das Mittelalter.
Unbestritten bleibt damit aber die Existenz derjenigen sozialen Motive, deren
Fehlen Weinmann in den beiden Erklärungsmodellen wohl zu Recht kritisiert, und
die im folgenden kurz dargestellt werden.[67]
Eine Ehe, obwohl sie i. d. R. die Versorgung sicherte,
war für viele Frauen sicherlich nicht unbedingt erstrebenswert. Oft wurden sie
gegen ihren Willen verheiratet und hatten ihre „eheliche Pflicht“ zu erfüllen.
Wegen der nicht erlaubten Geburtenkontrolle waren viele Schwangerschaften zu
befürchten, die damals nicht selten tödlich für die Mutter endeten. Nicht
zuletzt unterlagen die Frauen der rechtlichen Vorherrschaft und dem
Züchtigungsrecht des Mannes, der in vielen Fällen nicht zögerte, davon Gebrauch
zu machen. Das monastische Leben dagegen bedeutete zwar individuelle
Unabhängigkeit von einem einzelnen Mann, aber auch in der Ordensgemeinschaft
bestanden vergleichsweise strenge hierarchische Strukturen. Da unter den
Beginen solche Strukturen kaum ausgeprägt waren (umherziehende Beginen waren
gegenüber den in Konventen seßhaften sogar noch freier), kann man tatsächlich
von einem alternativen Lebensentwurf sprechen, der der traditionell
vorgeschriebenen Frauenrolle nicht entsprach.
Fragen wir nach den in dieser Arbeit interessierenden
Motiven im Einzelfall Mechthilds, Begine zu werden, so bleiben in diesem Fall
tatsächlich die beiden aufgestellten Hypothesen unbefriedigend. Es ist nahezu
sicher, daß sie, die seit ihrem zwölften Lebensjahr tiefe mystische Erfahrungen
macht, aus diesem Grund ein religiöses Leben führen will.[68]
Insofern erscheinen Motive der Versorgung in diesem Einzelfall höchstens
zweitrangig zu sein. Auch die Religionshypothese Grundmanns und Ketschs
erklärt nicht, warum Mechthild ein Leben als Begine und nicht als Nonne wählt.
Denn als adeliger, vermutlich sogar hochadeliger Frau[69]
standen ihr, entsprechenden Untersuchungen zufolge[70],
beide Wege offen[71].
Mechthild, so läßt sich also vermuten, wählt als außerordentlich selbstbewußte
Frau[72],
die, wie später noch aufgezeigt wird, auch Schultheologen mutig widerspricht,
eine durch weitgehende Freiheit gekennzeichnete Lebensform und läßt sich daran
auch dadurch nicht hindern, daß sie damit keine der tradierten Rollen annimmt.
Ganz ins Gegenteil verkehrt jedoch Grundmann in seinem
vielzitierten Standardwerk diese Auffassung[73].
Daher lohnt es sich, sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen.
„Die Grundüberzeugung der mittelalterlichen Kirche, daß
religiöse Lebensformen weiter Kreise,
besonders aber bei Frauen, auf die Dauer nur durch strenge Ordenszucht
und bestimmte geregelte Formen gegen den Einbruch sittlicher, religiöser und
dogmatischer Gefahren gesichert werden könne, hat gerade an der Geschichte des
Beginentums ihre deutlichste Bestätigung gefunden.“[74]
Die Beginenbewegung sei durch ihren Zwitterstatus
zwischen den kirchlichen Ordnungen und den daraus resultierenden Mißständen
innerlich zerbrochen. [75]
Diese These stützt er u. a. mit dem gewichtigen Hinweis, daß selbst Beginen die
Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der außerhalb der Kirche stehenden
nicht-autoritären Struktur erkannt hätten und verweist - was nun im Hinblick
auf diese Arbeit wichtig ist - auf Mechthild, die die Gebundenheit des
religiösen Lebens durch Regel und Orden genauso verlangt habe, wie es alle
kirchlich Gesinnten schon immer getan hätten. Diese Auffassung versucht er,
neben sekundären Quellen, mit zwei Zitaten Mechthilds zu belegen. Hätte
Grundmann recht, wäre es außerordentlich schwierig, die Wahl Mechthilds, Begine
zu werden, zu begründen, wenn man nicht von einem Gesinnungswandel im Laufe
ihres Lebens ausgeht.
Zum einen zieht Grundmann V, 5 heran[76].
Hier leidet eine Begine darunter, daß sie zwar sehnsüchtig nach dem ewigen
Licht ver-, es aber nicht erlangt. Diese Begine sagt: „Ich wollte auf Erden
keines Menschen Rat nach christlicher Ordnung folgen.“[77]
Diese Aussage kritisiert der Herr, indem er sagt, daß alle Tugenden wertlos
sind, die ohne Rat geschehen. Mechthilds Seele ergänzt, daß alles, was uns auf
dem Weg zum Himmel als Hilfe gegeben wird, mit Recht uns gehöre, also m. a. W.,
der Mensch auch den Rat anderer Menschen annehmen soll. Dieser Rat muß
selbstverständlich ein guter sein, muß christlicher Ordnung folgen. Selbst wenn
man - was schon sehr eng ausgelegt ist - von einem Rat ausgeht, der in
irgendeiner institutionalisierten Form erteilt werden soll, kann dies z. B.
auch der Rat des Beichtvaters sein. Wie noch deutlicher in der Exposition von
V, 5 zum Ausdruck gebracht, geht es also in dem Kapitel darum, daß der Mensch
nicht menschlichen, christlichen Rat zurückweise, weil er nur noch nach Gottes
Rat lebe. Aus diesem Zitat kann man also nicht darauf schließen, daß Mechthild
die Gebundenheit durch eine Ordensregel gegenüber dem Beginentum favorisiert.
Zum anderen kann man Grundmanns zweiten Beleg - ohne daß
hier Absicht unterstellt sei - nicht anders als aus dem Zusammenhang zitiert
und dadurch verfälschend bezeichnen.[78]
Die Sätze „Ich bin in einem heiligen Orden, ich faste und wache und bin ohne
Hauptsünden. Ich bin genug gebunden.“[79]
hält er für autobiographisch wahrscheinlich nicht verwertbar, aber bezeichnend
für die entsprechende Gesinnung Mechthilds. Wer hier spricht - und das führt
Grundmann nicht an - ist aber die verhärtete Seele, die im Zwiegespräch
unmittelbar anschließend von der Minne belehrt wird: „Was nützt es, wenn man
ein leeres Faß gut verbindet und der Wein doch ausrinnt?“ Wenig später wird die
Minne noch deutlicher:
„Seele: Ich wähnte, wenn ich für Gott ins Kloster gehe,
daß ich dann schon sehr hoch stehe.
Minne: Was nützt es, einen Schlafenden herrlich zu
kleiden und ihm edle Speisen vorzusetzen. Während er schläft, kann er doch
nicht essen. Eia, Liebe, nun laß dich wecken.“[80]
Auch diese Stelle belegt somit offensichtlich nicht
Grundmanns These. Die Befolgung der Ordensregeln wird als eine Äußerlichkeit
und nachrangig dargestellt. Vielleicht kann man sogar noch weiter gehen. Im
Sinne der Kleidungsmetaphorik Mechthilds muß die Seele nackt sein, also z. B.
auch alle äußeren Tugenden abgelegt haben, um die unio mystica zu erlangen[81].
Die Zugehörigkeit zu einem Orden als herrliches Kleid könnte in diesem Sinne
sogar als letztlich für die Vereinigung mit Gott hinderlich verstanden werden.
Mechthild, die sich am Ende ihres Lebens in das Kloster Helfta zurückzieht,
lehnt natürlich das Ordenswesen keinesfalls ab. Deutbar ist die Aussage
vielmehr in dem Sinn, daß der Mensch sich nicht selbstgefällig oder träge auf
Status und Erfüllung vorgeschriebener Pflichten zurückziehen darf, wenn er
nicht auf dem Weg zu Gott aufgehalten werden will.[82]
8 Konflikte von Beginen mit Kirche und Gesellschaft
Wie oben schon im Zusammenhang mit der Ablehnung
tradierter Frauenrollen und dem mit Häresie in Verbindung zu bringenden Namen
„Begine“ angeklungen, bestand zwischen Beginen einerseits und Kirche und
Gesellschaft andererseits ein beachtliches Konfliktpotential, was im folgenden
noch kurz an weiteren Problemfeldern aufgezeigt werden soll.
Von Zeitgenossen wurden das Armutsideal, nach dem die
Beginen lebten, sowie ihre „Intoleranz gegen Besitz und Reichtum anderer“[83]
oft mit Mißfallen aufgenommen. In wirtschaftlicher Hinsicht stellten die
Beginenkonvente, die ihren Lebensunterhalt z. T. durch Textilhandwerk, Bierbrauen,
Brotbacken und Kerzenherstellung sicherstellten, eine unerwünschte Konkurrenz
zu den Zünften dar. Letztere gingen daher - z. T. auch handgreiflich - gegen
die Beginen vor.[84] Von
den Kritikern der Beginen, die drastische Worte nicht scheuen, werden mangelnde
Einordnung in die kirchliche Ordnung, mangelnde Keuschheit und vor allem auch häretische Bestrebungen genannt.[85]
Während die Beginen zu Beginn der Bewegung innerhalb der
Kirche noch viele Fürsprecher auf ihrer Seite hatten, schlug die Stimmung gegen
sie etwa ab Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, also zu Mechthilds Zeit, um.
Die Konflikte führten zu Verfolgung durch die Inquisition und lokalen Verboten.
Schließlich wurde das gesamte Beginentum auf dem Konzil von Vienne von
1311/1312 verboten, was z. T. dazu führte, daß sich die Beginen den Bettelorden
angliederten. In der Folgezeit wurde das Verbot mehrfach aufgehoben und wieder
bekräftigt.
9 Mechthild im
Spannungsfeld von Erfahrungstheologie und formulierter kirchlicher Lehre
Es gibt zwar keine Belege dafür, daß es der oben
dargestellte nicht unproblematische Status als Begine war, der die im folgenden
aufgezeigten Schwierigkeiten Mechthilds mitverursachte, ein solcher
Zusammenhang ist aber durchaus wahrscheinlich. Es liegt jedenfalls auf der
Hand, daß Mystikerinnen, denen ja die den Männern vorbehaltene gründliche
theologische Ausbildung grundsätzlich versagt blieb, mit ihrer Erfahrungstheologie
häufig in Konflikt mit der Lehre der Kirche gerieten. Aber auch ausgebildete
Mystiker hatten regelmäßig ein kritisches Verhältnis zur Schultheologie, da sie
oft die unmittelbare Erfahrung der gelehrten Weisheit vorzogen[86].
Im „fließenden Licht“ sind solche Konflikte Mechthilds mit der Kirche direkt
nachzuweisen, die bis zum Verdacht der Häresie reichten:
„Gott hat allen Kreaturen das gegeben,
Daß sie ihrer Natur gemäß leben.
Wie könnte ich denn meiner Natur widerstehen?
Ich muß von allen Dingen weg zu Gott hingehen,
der mein Vater ist von Natur,...“[87]
Nach katholischer Lehre ist es ein Irrtum der häretischen
Mystik, daß der Mensch naturaliter mit Gott vereint werden könne, aber ein
Höhepunkt rechtgläubiger Mystik, wenn dies durch die Gnade Gottes geschieht. [88]
Diese Gratwanderung gelingt Mechthild im o. a. Zitat nicht, weswegen sie für ihre
Aussage auch zu ausführlicher Rechtfertigung gedrängt ist [89].
Auch die inhaltlich mit der obigen verwandte Aussage
„Ein jeder aber sollte in sich ein Christus sein, so daß
der Mensch Gott lebte und nicht sich selbst.“[90]
die vor dem Hintergrund der Unio-Erfahrung Mechthilds
ohne weiteres verständlich ist und paulinische Entsprechungen hat[91],
kann als häretische Entwertung der Person Christi als des einzigen Sohnes
Gottes eingestuft werden.[92]
Ebenso wurden pantheistische Aussagen regelmäßig als häretisch eingestuft[93],
und auch hier finden sich bei Mechthild Anklänge (der Herr spricht):
„Wer den Adel meiner Freiheit kennt und liebt, der kann
es nicht ertragen, daß er mich einzig um meinetwillen liebt, sondern er muß
mich (auch) in den Kreaturen lieben, so bleibe ich seiner Seele der Nächste.“[94]
Und eine der Aussagen, für die die Begine Marguerite
Porete im Jahr 1310 in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde
„Weil eine solche Seele sich um Tröstungen Gottes und
seine Gaben nicht sorgt und auch sich nicht sorgen darf und kann, weil sie ganz
auf Gott gerichtet ist und ihre Ausrichtung auf Gott auf diese Weise verhindert
würde“[95],
findet ihre Entsprechung bei Mechthild in der - wenn auch
eingeschränkten - Zurückweisung des Trostes Gottes beim Erlebnis der
Gottesfremde.[96] Wir
sehen, daß Mechthild, was die Inhalte ihrer mystischen Visionen angeht, mit der
Kirche unmittelbar in Konflikt geriet. Bei harmlosen Disputen ist es dabei
nicht geblieben:
„ Ich wurde vor diesem Buch gewarnt
und von Menschen also belehrt:
Wolle man davon nicht absehn,
dann wird es in Flammen aufgehn!“ [97]
Somit wird ihre Kritik an geistlichen Leuten, die
pharisäerhaft „alle Güte verdrehen“[98],
aus ihrer Sicht und unmittelbar aus ihrem Leben verständlich. Und um so mehr
können wir den Mut Mechthilds bewundern, mit dem sie ihre Erfahrung
niederschrieb[99].
Mechthild scheint allerdings auch gewichtige Fürsprecher in der Kirche gehabt
zu haben. Denn ihr Ansehen ist, aufgrund ihres Standes oder aufgrund ihrer
Persönlichkeit, so groß gewesen, daß sie, obwohl sie eine Frau war, in
kirchenpolitischen Fragen ihren Einfluß geltend machen konnte[100].
Immerhin war der Druck auf sie groß genug, daß sie sich wahrscheinlich auch aus
diesem Grund im Alter von ihrem Beginenstatus in das sicherere
Zisterzienserinnenkloster in Helfta zurückzog.[101]
Mechthilds Kritik an Mißständen in Kirche und
Gesellschaft ihrer Zeit nimmt also nicht nur ihren Ausgangspunkt in der
Gottesfremde. Ihre Vita, die - wie aufgezeigt - von Krankheit im Alter und
ernsthaften Konflikten mit der Kirche gekennzeichnet ist, hat ihr fraglos auch ausreichend
Anlaß gegeben, sich intensiv und letztlich außerordentlich gewinnbringend mit
dem Feld leidvoller und schmerzhafter Erfahrungen auseinanderzusetzen.
Als Kontrast zur zunächst erstrebten Nähe Gottes wird die
Gottesfremde von Mechthild intensiv und in Abstufungen erlebt und
erklärungsbedürftig. Mechthild führt Ursachen auf theologischer, moralischer
und naturgesetzlicher Ebene auf und verwendet vielfältige Bilder für diesen
Zustand, der einerseits quasi oszillierend mit Erfahrungen der unio mystica
abwechselt, andererseits aber auch ganze Lebensphasen kennzeichnet und
teilweise mit physischen Schmerzen verbunden ist. Besonders bemerkenswert ist
Mechthilds Umgang mit der Gottesfremde. Zunächst negativ bewertet, wird die
Gottesfremde zusammen mit Zuständen der Gottesnähe zum gangbaren und bewußt
gewählten Bestandteil ihres spirituellen Weges. Die Gottesfremde wird von
Mechthild vollständig als zu ihr gehörig akzeptiert, was sie auch aus der
inneren Abhängigkeit von ekstatischen Zuständen befreit. Durch diese Form von
Integration erreicht Mechthild - auch aus ihrer eigenen Sicht - einen Grad
hoher spiritueller Reife.
Mechthilds Mystik bleibt nicht weltfern. Die Mystikerin
kritisiert umfassend und mit z. T. drastischen Worten Mißstände in der
mittelalterlichen Kirche und Gesellschaft, deren Angehörige sich durch ihr
sündhaftes Verhalten Gott entfremdet haben. Ihr Status als Begine, den sie
vermutlich freiwillig gewählt hat, ist schon an sich konfliktträchtig. Die
Beginen, die ein Leben jenseits der tradierten Frauenrollen führen, geraten aus
wirtschaftlichen und weltanschaulichen Gründen in Konflikt mit Kirche und
Gesellschaft ihrer Zeit. Dem „fließenden Licht der Gottheit“ unmittelbar
abzulesen ist der lebensbedrohliche Vorwurf der Häresie, gegen den sich die
Mystikerin verteidigen muß, was sie in mutiger Weise und offensichtlich
erfolgreich tut. Die Kritik an der Kirche und die Spannung zwischen Mechthilds
Erfahrungs- und der kirchlichen Schultheologie können allerdings nicht
dahingehend interpretiert werden, daß Mechthild die Kirche als Institution
ablehnt. Die Auseinandersetzungen entspringen vielmehr ihrer Liebe und dem
Verantwortungsbewußtsein für die Kirche, die ihr heilig ist.
Frau Anne Wolf und Frau Professor Dr. theol. Dr. phil.
Dr. h.c. mult. Elisabeth Gössmann sei für ihre wertvollen Anregungen gedankt.
[1]
Mechthild von Magdeburg: Das fließende Licht der Gottheit / Margot Schmidt (Hrsg., Übers., Einltg., Erl.). Stuttgart-Bad
Cannstatt: Frommann-Holzboog, 1995 (Mystik in Geschichte und Gegenwart, Abtg.
1, Christliche Mystik; 11). Das
niederdeutsche Original ist verschollen, vorhanden ist lediglich eine
mittelhochdeutsche Übersetzung, die Handschrift Einsiedeln 277.
[2] Margot Schmidt: Elemente der Schau bei Mechthild von Magdeburg
und Mechthild von Hackeborn. Zur Bedeutung geistlicher Sinne. In: Peter Dinzelbacher; Dieter Bauer (Hrsg.): Frauenmystik im
Mittelalter. Wissenschaftliche Studientagung der Akademie der Diözese
Rottenburg-Stuttgart. Ostfildern bei Stuttgart: Schwaben, 1985, 123.
[3] Herbert Grundmann: Religiöse Bewegungen im Mittelalter. 2.,
verb. Aufl. Hildesheim: Olm, 1961, 530.
[4] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), V, 30, S. 199.
[5] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), I, 2, S. 11: „Wenn das Spiel am allerschönsten ist, muß man es lassen.
Dann spricht der blühende Gott: ´Jungfrau, Ihr müßt niedersteigen.´ “
[6] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), I, 2, S. 11: „Aber wenn der endlose Gott die grundlose Seele in die
Höhe reißt, dann vergißt sie die Erde über diesem Wunder und weiß nicht mehr,
daß sie je auf Erden war.“
[7] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), IV, 12, S. 136.
[8] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), IV, 2, S. 120.
[9] Vgl. Dorothea Forstner: Die Welt der Symbole.
Innsbruck u. a.: Tyrolia Verlag, 1961, 69. Die Zahl acht kann für
Vollkommenheit stehen. In der Gnade des achten Tages wird der Mensch über diese
Welt hinausgehoben, damit er nicht das eigene Leben, sondern das Christi lebt.
Acht Jahre Wunder könnten also in diesem Sinne als acht vollkommene Jahre
gedeutet werden.
[10] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), VI, 20, S. 240: „Diese Gnade ... hat mir Gott auf dreifache Weise
gegeben: Zuerst in großer Zartheit, dann in inniger Vertraulichkeit, jetzt mit
schwerem Leiden; ...“
[11] Vgl. Röm 9, 3 i. V. m. Ex 32, 32.
[12] Vgl. Enneade IV, 8: „Nun aber
steige ich wieder herab aus dem göttlichen Bereich und denke mit dem Verstande.
Ich weiß nicht, warum und wieso ich jetzt wieder heruntergehen muß. Wie ist
meine Seele in den Leib gelangt? Sie hat mir doch jetzt gezeigt, was sie
eigentlich ist, auch wenn sie sich im Leibe befindet ...“. Zitiert nach:
Helmut Ristow; Walter Schultz (Hrsg.): Der Neuplatonismus
/ Walter Schultz (Übers.). Berlin: Evang. Verlagsanst., 1965, 11.
[13] Vgl. Meister Eckhart: Mystische Schriften / Gustav Landauer (Übers., Erl.). Frankfurt a.
M.: Insel, 1991 (Predigt: Von der Dunkelheit, insbes. S. 36). Eine detaillierte
Untersuchung über Ähnlichkeiten und Unterschiede der Nachterfahrungen bei
Meister Eckhart und Mechthild findet sich bei Tobin. Vgl. Frank Tobin: Mechthild of Magdeburg and
Meister Eckhart - Points of Comparison. In: Bernard McGinn (Hrsg.): Meister Eckhart and the Beguine mystics.
New York: Continuum,
1994, 48 ff. Nach Tobin ist es wahrscheinlich, aber nicht sicher, daß Meister
Eckhart „Das fließende Licht der Gottheit“ kannte.
[14] Vgl. Michael Plattig: Mystik, mystisch - Ein
Modewort oder die Charakterisierung des
„Frommen von morgen“ (Karl Rahner)? In: Wissenschaft und Weisheit (WiWei)
60/1 (1997) 108 f.
[15] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), I, Prolog, S. 9.
[16] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), VI, 5, S. 89.
[17] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), IV, 5, S. 131.
[18] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), I, 2, S. 11 und IV, 12, S. 134. Die vom Geliebten verlassene Braut ist
ein Topos, der in der höfischen Minnelyrik und schon im Hohenlied Salomos (5.
Kap.) vorkommt.
[19] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), IV, 12, S. 134 f./ IV, 5, S. 131 und IV, 12, S. 136/ V, 4, S. 167/ IV,
12, S. 138/ III, 5, S. 88/ IV, 12, S. 137/ IV, 5, S. 131/ IV, 19, S. 147/ IV,
12, S. 139/ VI, 19, S. 240.
[20] So auch Alois Haas: Mechthild von Magdeburg -
Dichtung und Mystik. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 1
(1972) 116.
[21] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), V, 23, S. 183.
[22] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), III, 5, S. 89.
[23] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), III, 10, S. 95 und IV, 5, S. 131.
[24] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), VII, 55, S. 327 und V, 26, S. 195.
[25] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), V, 4, S. 167.
[26] Mystische Erfahrungen werden ja
schließlich nicht nur in der christlichen Mystik, sondern auch z. B. im Zen,
Yoga und Sufismus gemacht.
[27] Vgl. z. B. Roland Asanger; Gerd Wenninger (Hrsg.): Handwörterbuch der Psychologie. 4.
überarb. Aufl. München u. a.: Psychologie Verlags-Union, 1988, Stichwort:
Transpersonale Psychologie.
[28] Vgl. Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur.
Frankfurt a. M.: Fischer, 1990, 1. Kap., 65-72.
[29] Freud (s. Anm. 28), 2. Kap., 75.
[30] Vgl. Raymond J. Corsini (Hrsg.): Encyclopedia of
Psychology. 2.,
überarb. Aufl. New York: Wiley, 1994, Stichworte: Transpersonal Psychology
I/II, und Asanger; Wenninger (s. Anm. 27). Die transpersonale Psychologie hat
sich aus der humanistischen Psychologie entwickelt; wichtige Autoren sind
Abraham Maslow, Stanislov Grof, Anthony Sutich und Charles T. Tart. Es sollte
zumindest erwähnt werden, daß sich abseits der Hauptströmungen immerhin auch
eine Unterdisziplin Religionspsychologie wenn auch nicht recht etablieren, so
doch zumindest hat entwickeln können.
[31] Vgl. Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher
Revolutionen. 11. Aufl. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1991. Auf S. 20 ist ausgeführt: „Die normale
Wissenschaft unterdrückt z. B. oft fundamentale Neuerungen, weil diese
notwendigerweise ihre Grundposition erschüttern. ... - wenn also die Fachwissenschaft
den die bestehende Tradition wissenschaftlicher Praxis untergrabenden Anomalien
nicht länger ausweichen kann - dann beginnen die außerordentlichen
Untersuchungen, durch welche die Fachwissenschaft schließlich zu einer neuen
Reihe von Positionen, einer neuen Grundlage für die Ausübung der Wissenschaft
geführt wird.“ Für diesen Vorgang hat Kuhn den heute geläufigen Begriff des
Paradigmenwechsels eingeführt, und möglicherweise leitet die transpersonale
Psychologie einen solchen Paradigmenwechsel in der Psychologie ein, die dann
die Mystik nicht mehr im Bereich vernunftferner Schwärmerei und Selbsttäuschung
ansiedeln oder anderweitig ausgrenzen müßte. Vgl. speziell zum
Paradigmenwechsel durch die transpersonale Psychologie auch Charles T. Tart: Einige Postulate der
orthodoxen Psychologie in der westlichen Welt. In: Ders. (Hrsg.): Transpersonale Psychologie. Olten,
Freiburg i. Br.: Walter, 1978, 99-179.
[32] Willian McNamara: Die mystische Tradition des Christentums und die
Psychologie. In: Tart (s. Anm. 31), 488.
[33] Vgl. Ulrike Wiethaus: Ecstatic Transformation -
Transpersonal Psychology in the Work of Mechthild of Magdeburg. New York:
Syracuse Univ. Press,
1996, 42 f.
[34] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), IV, 12, S. 139.
[35] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), V, 4, S. 168.
[36] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), S. 134-139.
[37] Wie bereits erwähnt, verwendet
Mechthild mit dem Bild der vom Liebsten verlassenen Braut einen Topos der
höfischen Minnelyrik. Bemerkenswert ist, daß der im folgenden erläuterte und
paradox erscheinende Wille der Braut, vom Liebsten verlassen zu werden, in der
zur Gottesliebe spiegelbildlichen zwischenmenschlichen Liebe ebenfalls
bisweilen zu Tage tritt und thematisiert wird. Honoré de Balzak, für seine
feinen Charakterzeichnungen bekannt, läßt im „Chagrinleder“ Pauline, nachdem
sie endlich mit ihrem Raphael, den sie jahrelang aufgrund widriger Umstände
nicht haben durfte, in glückseligster Liebe vereint ist, ausrufen: „`O mein
Raphael´ lachte sie. ´Nimm mich nicht zur Frau! Ich bin eine zu hinterhältige
Person!´“. Honoré
de Balzak: Das Chagrinleder
(Org.: La Peau de Chagrin). München: Goldmann, 1961, 39. Kap., 186.
[38] Es ist allerdings schwer
nachzuvollziehen, warum die Entfremdung der Nähe Gottes sogar vorzuziehen ist.
Wenn Leid und Freud als angemessene, ja wertvolle Seelenzustände anerkannt
sind, gibt es doch keinen Grund, das Leid vorzuziehen. Vielleicht, so ein
Erklärungsversuch, ist das Leid als zweiter Schritt nach dem ersten, der
Unio-Erfahrung, n u r z u
d i e s e m Z e i t p u n k
t wertvoller, um der Reife, dem
Erwachsensein der Seele näher zu kommen.
[39] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), II, 25, S. 68.
[40] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), IV, 12, S 139: „Wie immer ich mich näher zu dir [der Gottesfremde,
Anm. d. Verf.] geselle, Gott ist stets größer und wunderbarer auf mich
gefallen.“
[41] Schmerzen sind jedoch nicht die
einzigen Folgen der Gottesfremde. An anderer Stelle (VI, 19, S. 240) beklagt
Mechthild, daß sich ihr guter Wille aufgrund der Gottesfremde nie in guten
Taten ausgewirkt habe. Diese Aussage ist aber in ihrer Absolutheit wohl auch
als Variation des Bescheidenheitstopos zu verstehen.
[42] Novalis:
Werke in einem Band / Hans-Joachim Mähl;
Richard Samuel (Hrsg.). München: Dtv, 1995, 145.
[43] Mechthild erläutert vier Arten
der Demut in V, 4, S. 167 f.
[44] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), VI, 20, S. 241 und VII, 46, S. 317.
[45] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), V, 34, S. 205: „Denn wenn die Säulen fallen, kann das Gebäude nicht
stehen.“
[46] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), III, 15, S. 100, V, 23, S. 182, V, 34, S. 204, VI, 21, S. 242.
[47] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), V, 34, S. 205.
[48] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), VI, 3, S. 219.
[49] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), VI, 21, S. 242.
[50] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), III, 22, S. 113.
[51] Vgl. Marianne Heimbach: „Der ungelehrte Mund“ als
Autorität. Stuttgart, Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog, 1989, 105 ff.
[52] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), V, 34, S. 204.
[53] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), III, 15, S. 102.
[54] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), V, 34, S. 204.
[55] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), IV, 3, S. 128.
[56] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), III, 21, S. 112.
[57] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), V, 34, S. 204.
[58] Lat. Zitat bei Ute Weinmann: Mittelalterliche
Frauenbewegungen. Ihre Beziehungen zu Orthodoxie und Häresie. Bremen:
Centaurus, 1988, 146.
[59] Vgl. Weinmann (s. Anm. 58), 149
f., 167.
[60] Weinmann (s. Anm. 58), 166, weist
auf Ähnlichkeiten der Lebensweise von katharischen Frauen und Beginen hin und
nennt u. a. die Beteiligung über Standesgrenzen hinweg, freiwillige Armut,
Handarbeit oder Bettel als ökonomische Lebensgrundlage und Keuschheit als
gemeinsame Kennzeichen.
[61] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), V, 34, S. 204.
[62] Vgl. Weinmann (s. Anm. 58), 168
ff.
[63] Vgl. Grundmann (s. Anm. 3), 319
f.
[64] Vgl. Peter Ketsch: Frauen im Mittelalter.
Bd. 2: Frauenbild und Frauenrechte in Kirche und Gesellschaft, Quellen und
Materialien. Düsseldorf: Schwann, 1984, 343: „Die Beginen bildeten eine ...
Bewegung von Frauen, die ... ein geistliches, gottgeweihtes Leben führen
wollten. ... Die Beginenbewegung war ein Ergebnis der religiösen Frauenbewegung
des 12./13. Jahrhunderts und nahm jene Frauen auf, denen der Zugang zu einem
Orden verwehrt blieb.“
[65] Weinmann (s. Anm. 58), 174
[sinngem. Zitat]. Zu Ursachen der Minderwertigkeit der Frau im
mittelalterlichen Verständnis vgl. Elisabeth Gössmann:
Anthropologie und soziale Stellung der Frau nach einigen Summen und
Sentenzenkommentaren des 13. Jahrhunderts. In Miscellanea Mediaevalia.
(MM) Bd. 12/1: Soziale Ordnungen im Selbstverständnis des Mittelalters /
Albert Zimmermann (Hrsg.). Berlin
u. a.: De Gruyter, 1979, 281-297.
[66] Vgl. Kaspar Elm: Ketzer oder fromme Frauen - das
Beginentum im europäischen Mittelalter. In: Journal für Geschichte 2 (6,
1980) 42-46.
[67] Eine außerordentlich
differenzierte und mit vielen Beispielen und Belegen versehene Untersuchung
über Motive findet sich auch bei Peter Dinzelbacher:
Rollenverweigerung, religiöser Aufbruch und mystisches Erleben
mittelalterlicher Frauen. In: Peter Dinzelbacher;
Dieter R. Bauer (Hrsg.): Religiöse
Frauenbewegung und mystische Frömmigkeit im Mittelalter. Köln u. a.:
Böhlen, 1988, 2-58.
[68] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), IV, 2, S. 120.
[69] Vgl. Schmidt (s. Anm. 1,
Einltg.), X f.
[70] Vgl. Weinmann (s. Anm. 58), 189,
191.
[71] Auch Haas (s. Anm. 20), 116 geht von einer bewußten Partizipation
Mechthilds an der Armutsbewegung aus.
[72] Ein solches Charakterbild
Mechthilds vermittelt auch Schmidt (s. Anm. 1, Einltg.), XI-XII.
[73] Letztlich scheinen mir einige
Argumentationen Grundmanns darin begründet, daß er durch die sein Buch wie ein
roter Faden durchziehende und in der Exposition vorgebrachte Unterscheidung,
alle religiösen Bewegungen des Mittelalters hätten ihren Niederschlag entweder
in religiösen Orden oder in häretischen Sekten gefunden, eine für manche Fragen
doch zu wenig ausdifferenzierte Sichtweise einnimmt.
[74] Grundmann (s. Anm. 3), 322.
[75] Diese These ist schon deshalb
fragwürdig, weil sie den viel näher liegenden Grund des Zusammenbruchs der
Beginenbewegung, nämlich den von außen auf die Beginenbewegung wirkenden
Druck bis hin zur Verfolgung durch die Inquisition, unberücksichtigt läßt. Auch
Weinmann (s. Anm. 58), 218, Anm. 355 übt an dieser These Grundmanns Kritik,
allerdings ohne die von ihm angegebenen Belege genauer zu untersuchen.
[76] Grundmann (s. Anm. 3), 329, vgl.
Mechthild von Magdeburg (s. Anm. 1), S. 168-170.
[77] Mittelhochdeutsch, zitiert nach
Grundmann (s. Anm. 3), 329: „ Ich wolte in ertriche keines menschen rat
volgen n a c h c r i s t e n l i c h e r o r d e n u n g e.“ [Hervorhebung
Grundmanns]
[78] Vgl. Grundmann (s. Anm. 3), 330.
[79] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), II, 23, S. 61.
[80] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), II, 23, S. 62.
[81] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), I, 44, S. 33 f.
[82] Eine vergleichbare Aussage leitet
Heimbach (s. Anm. 51), 144 aus anderen Textstellen des „fließenden Lichts“ ab.
[83] Vgl. Weinmann (s. Anm. 58), 218.
[84] Vgl. Weinmann (s. Anm. 58), 210
ff.
[85] Vgl. Weinmann (s. Anm. 58), 214
f., sowie Ketsch (s. Anm. 64), 349.
[86] Vgl. Plattig (s. Anm. 14), 110.
[87] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), I, 44, S. 33.
[88] Vgl. Grundmann (s. Anm. 3), 416.
[89] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), VI, 31, S. 241 f., vgl. auch die Rechtfertigung wegen der in II, 4, S.
47 dargestellten Vision in VI, 36, S. 254.
[90] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), VI, 4, S. 221.
[91] vgl. Röm 6, 11 und Gal 2, 20.
[92] So Grundmann (s. Anm. 3), 425,
der auf diese Weise einen inhaltlichen Anknüpfungspunkt zwischen den Ketzern
vom Ries und Mechthild herstellt.
[93] Vgl. Grundmann (s. Anm. 3), 419
f.
[94] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), VI, 4, S. 221.
[95] Lat. Zitat bei Grundmann (s. Anm.
3), 432, Fn. 179: „Quod talis anima non curat de consolationibus dei nec de
donis eius, nec debet curare nec potest, quia tota intenta est circa deum, et
sic impediretur eius intentio circa deum“.
[96] Vgl. Mechthild von Magdeburg (s.
Anm. 1), IV, 12, S. 138.
[97] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), II, 26, S. 70.
[98] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), IV, 3, S. 128.
[99] Mechthild von Magdeburg (s. Anm.
1), II, 26 , S. 72: „Es ist mir vor ihnen eine große Ehr, und stärkt die
heilige Kirche gar sehr, daß der ungelehrte Mund die gelehrte Zunge aus meinem
Heiligen Geist belehrt.“
[100] Vgl. Schmidt (s. Anm. 1, Erl.),
390 f., Anm. 240.
[101] Das vermutet auch Schmidt (s.
Anm. 1, Einltg.), S. XV.